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Kann nicht sein, was nicht sein darf!? – Nachtrag (Uranmunition)

Zu dem gestern von mir vorgestellten Kann nicht sein, was nicht sein darf!?-Film gibt es noch einen „Outtake“, der es auf Grund der schlechteren Bildqualität nicht in das Hauptwerk geschafft hat, der aber besonders schockierend ist. In diesem Interview mit dem Dokumentarfilmer Frieder Wagner wird ein ganz übles Thema angesprochen, nämlich die Verwendung von Uranmunition durch die Alliierten sowohl in den Irakkriegen wie auch in anderen Regionen der Welt (Kosovo, Somalia). Dass die Mainstreammedien diese Dinge so totschweigen, ist ebenfalls ein Skandal erster Güte!

Nun wird wahrscheinlich der eine oder die andere (der oder die sich auf diesen Seiten noch nicht länger umgesehen hat) sagen “Jaaaa, aber hey,…wenn es sich um ein wirklich brisantes Thema handeln würde, dann würde doch was passieren, oder? Ich meine, da würde man doch etwas drüber hören! Also jetzt mal echt!”.

Zumindest ist es das, was ich sehr oft höre. Ganz zu schweigen von “Kann nicht sein!”.
Aus diesem Grund habe ich auch ein Interview mit Frieder Wagner, dem Macher des preisgekrönten Dokumentarfilms “Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra”, geführt. Der zweifache Grimme-Preisträger hat diesen Film über das unbequeme Thema “Uranmunition” oder auch “Depleted Uranium” gedreht und bekam -wie durch ein Wunder- danach keine Aufträge mehr.

Es gibt mittlerweile sehr viele Interviews mit und Statements von ihm dazu (allerdings nur im Netz…irgendjemand verwundert?). Wer sich zu diesem Thema also tiefgehender schlau machen möchte, dem sei das selbstständige Recherchieren (wie immer) empfohlen…
Ich werde zwar in der nahen Zukunft versuchen einen möglichst vollständigen Artikel zu diesem Thema zu schreiben, aber es gibt glücklicherweise bereits schon einige (auch zu vielen vielen vielen anderen Themen) und wer suchet der findet und wer selbst findet, hat mehr davon…
Wer Frieder Wagner und seine Aufklärungsarbeit unterstützen möchte, dem sei dieser Link (Deadly Dust) auf nuoviso.tv, die sich schon seit längerem mit dieser Thematik beschäftigen, ans Herz gelegt.
Falls jemand den (Fernseh-)Film “Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra” noch nicht gesehen haben sollte, dann kann er das hier nachholen.

Wie gesagt, eigentlich sollte dieses Interview ein fester Bestandteil von KNS werden, aber da die Kamera leider den Dienst verweigert hat und das Ton-Equipment ebenfalls von temporären Ohnmachtsanfällen gepeinigt wurde, muss es eben so gehen…
Und jetzt…Augen auf und durch (ca. 23 Min.):

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Kann nicht sein, was nicht sein darf!? – Der Film

„Kann nicht sein, was nicht sein darf!?“ ist eine Website, die sich kritisch mit den Medien und den durch sie transportierten Inhalten und gemachten Meinungen auseinandersetzt. Nun gibt es einen Film von Stefan (dem Kopf hinter der Site) im Rahmen seiner Diplomarbeit, in dem die Bedeutung der Medien für die Gesellschaft und die Demokratie näher beleuchtet werden – mit Hilfe von Interviews mit Experten aus verschiedenen Wissensgebieten – absolut sehenswert!

Wem sollte man auf der Suche nach politischen und gesellschaftlich wichtigen Informationen vertrauen oder nicht vertrauen und warum?
Warum sollte man sich überhaupt für solche Informationen interessieren?
Schließlich hat in einer Demokratie doch auch jeder das Recht sich überhaupt nicht um die Politik, die weit weg in der Bundeshauptstadt gemacht wird, zu kümmern.

Was droht, wenn zu viele Mitbürger beschließen, „dass sie ja ohnehin nichts ändern können” und das Verfolgen der politischen und demokratischen Prozesse aufgeben?
Welche Rolle spielen dabei die traditionellen Massenmedien? Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Ausgang einer Wahl und der Nachrichtenberichterstattung im Fernsehen?
Was bedeutet „Medienkonzentration”? Wie steht es um die Möglichkeiten der Manipulation der Medien und was könnte es zur Folge haben sollte eine solche stattfinden?
Ist das einzige Mittel um sich einer Manipulation zu entziehen „Medienkompetenz”?
Inwiefern verändert das Internet als „neues” Massenmedium den Zugriff auf Informationen?

Fragen über Fragen, die sich zu stellen Zeit kostet und die Muse erfordert über das Thema überhaupt erst einmal bewusst nachzudenken,
anstatt sich, nach einem anstrengendem Arbeitstag, passiv auf der Couch berieseln zu lassen und die bunte Bilderwelt nur gedankenlos zu konsumieren.

“Kann nicht sein, was nicht sein darf!?” – Der Film

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Das Jahr 2009, zwei Mal satirisch gesehen

Anders als mit Humor war das, was sich 2009 so vor unseren Augen abspielte, nicht zu ertragen, deshalb sind satirische Jahresrückblicke die einzig legitime Form dieser Art des Retrojournalismus. Hier die Revue von extra 3 mit Tobi Schlegl:

Und auch das Frontal 21-Toll-Team Werner Doyé und Andreas Wiemers machte sich wie jedes Jahr auf zum Satirischen Jahresrückblick – freundlicher Weise steht er in der ZDF-Mediathek zur Verfügung – HIER.

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Dann mal einen guten Rutsch allerseits!

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Propheten und Moneten – wie wir uns durch Prognosen manipulieren lassen

Heute nur wieder ein kurzer Filmtipp – in der ARD lief vor einiger Zeit die spannende Doku „Propheten und Moneten – Wie wir uns durch Prognosen manipulieren lassen“- Glücklicherweise ist dieser Beitrag von Tilman Achtnich sogar noch in der Online-Mediathek abrufbar. 45 Minuten, die sich lohnen, zeigen sie doch – gerade vor dem Hintergrund der unglaublichen Hörigkeit der Mainstreammedien, wenn es um sog. „Experten“, auch die in der Krise besonders kläglich versagt habenden Finanzexperten geht –, wie wir alle, durch bestimmte wirtschaftliche oder politische Interessen geleitet, eingelullt werden sollen. Sei es im Gesundheitsbereich (Diabetes), bei Aktienmärkten, Klimaentwicklungen usw. usf. Ich wünschte mir, solch kritische und aufklärerische Töne wären nicht die Ausnahme, sondern die Regel im TV – und die Sender würden selbst bei ihrem eigenen Programm darauf achten, nicht so sehr halbseidene Prognosen zu verbreiten (die ARD ist da ja nicht besser als alle anderen).

Die Dokumentation von Tilman Achtnich zeigt, wie uns Vorhersagen in die Irre führen und wer warum dahintersteckt. Und ganz nebenbei stellt sich heraus: Von den zahllosen Prognosen ist ausgerechnet die fürs Wetter der kommenden drei Tage mit Abstand die treffsicherste.

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Fernsehtipp: Eco-Crimes

Heute läuft ausnahmsweise mal wieder was Interessantes im Fernsehen – die dreiteilige Dokureihe „Eco-Crimes – Verbrechen gegen die Natur“. Die ARD sendet heute ab 23 Uhr eine 90 minütige Zusammenfassung der drei, jeweils 45 Minuten langen Teile, und im WDR werden alle drei Teile – „Ozonkiller“, „Tibet-Connection“ und „Piratenfischer“ am Montag, den 23.11. ab 22 Uhr hintereinander weg ausgestrahlt.

Aus Anlass der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen widmet sich das WDR-Fernsehen dem Thema Umwelt mit einem brisanten Dreiteiler: eco-crimes. Das organisierte Verbrechen hat ein neues Betätigungsfeld. Experten nennen es in einem Atemzug mit Waffen- und Drogenschmuggel. Milliardengeschäfte zu Lasten des Kostbarsten, was die Natur zu bieten hat. Schwarzhandel mit dem Teuersten, das Umweltgesetze verbieten. Die vielen internationalen Abkommen zum Schutz der Umwelt wiegen die Öffentlichkeit in trügerischer Sicherheit. Sie können nicht verhindern, dass die schützenden Schichten der Atmosphäre durchlöchert, Meere leer gefischt und ganze Tierarten ausgerottet werden. Es mangelt nicht an neuen Paragraphen, sondern am politischen Willen, bestehende Gesetze und Konventionen auch durchzusetzen. Es fehlt an Kontrolleuren, Ausrüstung und Geld, um den Umweltverbrechern das Handwerk zu legen.

Diese dreiteilige Filmreihe dokumentiert zum ersten Mal, wie inter-national operierende Netzwerke von Wilderern, Piraten, Schmugglern und Kartellen über die Schätze der Natur herfallen und dadurch die natürlichen Lebensgrundlagen bedrohen. “eco-crimes” zeigen aber auch, wie engagierte Menschen den Kampf gegen diese Umwelt-Mafia aufgenommen haben: hartnäckige Zollbeamte, mutige Fischereikontrolleure, entschlossene Staatsanwälte und vor allem die Mitarbeiter regierungsunabhängiger Umweltschutzorganisationen, die “undercover” recherchieren und dabei ihr Leben riskieren. Mit ihrer Unterstützung sowie anhand von Gerichtsakten, Verhörprotokollen und Zeugenaussagen zeichnet jede Folge einen authentischen Fall von “eco-crimes” nach. Einen, der uns alle betrifft: der Handel mit verbotenen Chemikalien, die die Ozonschicht zerstören – die illegale Fischerei auf den Weltmeeren – das Geschäft mit seltenen Tierarten.

Die Filme sind das Ergebnis einer über dreijährigen Recherche der Filmemacher Heinz Greuling und Thomas Weidenbach. Die Dreharbeiten fanden rund um den Globus statt. Die Filmemacher konnten auf seltene und zum größten Teil noch nie im Fernsehen gezeigte Beweisvideos von Behörden, dem Militär und Umweltdetektiven zurückgreifen. Einige Szenen der Filme wurden aufwendig nachgestellt, an den Originalschauplätzen und mit Hilfe der echten Ermittler, die selber vor der Kamera mitwirken.

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Die Not der freien Journalisten

Das Medienmagazin ZAPP! des NDR brachte in der letzten Sendung den Beitrag „Die Not der freien Journalisten“, der die zumindest mir bisher eher unbekannten Zustände und vor allem finanziellen Engpässe schildert, unter denen heutzutage die “freie” Presse arbeiten muss. Es wird deutlich, wie die profitmaximierende Kostenschraube der Zeitungen, Verlage, Sender etc. die Qualität des Journalismus und damit letztlich auch unabhängige und kritische Berichterstattung bedroht – Sensations-Enthüllungsstorys verkaufen sich halt in diesem Umfeld der um die kurzen Aufmerksamkeitsspannen der Zuschauer/Kunden buhlenden Medien besser, als gut recherchierte Hintergrundberichte, die Zusammenhänge aufzeigen und zum eigenen Nachdenken anregen oder dieses gar erforderlich machen. Auch im journalistischen Bereich greifen also die materiellen Zwänge um sich, die bereits in vielen anderen Branchen Menschen zum Arbeiten zu Hungerlöhnen bewegen.

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Angriff auf die Sinne – wie wir Verbraucher verführt werden

Man kann gegen das Fernsehen ja vieles sagen, aber ab und an gibt es doch auch mal gescheite Reportagen zu entdecken. So wie am Dienstag im NDR-Fernsehen, mit der Sendung Angriff auf die Sinne (Wiederholung am 28.10. auf Phoenix, 14.00–14:45 Uhr), die man sich derzeit noch in der Mediathek online anschauen kann. (Danke an die Designheilige für den Tipp!)

Filmemacher Jan Tenhaven nimmt die spätabendlichen Zuschauer in seiner Dokumentation ‘Angriff auf die Sinne – Wie wir Verbraucher verführt werden’ mit auf eine ebenso faszinierende wie erschreckende Reise ins Reich der Sinne und ihrer Manipulation im Dienste des Konsums.

Wer bislang der Überzeugung war, Kaufentscheidungen allein nach Preis und Qualität zu fällen, muss das hinterfragen. Letztendlich ist der Mensch doch ein Würstchen. So manipulierbar. Einst half ihm sein Gehör, Gefahren wahrzunehmen und sich zeitig davor zu schützen. Heute spielt es ihm Streiche. (…)

(…) Zum Beispiel schnüffelt sich eine attraktive, international anerkannte Geruchsdesignerin ein halbes Jahr lang durch ein Hotel, die Schweiz und ihr unfassbar zahlreich bestücktes Geruchslabor, um der Schweizer Kette die perfekte subtile Duftnote zu verpassen. Den ‘Corporate Smell’, was nicht so abstoßend ist, wie es klingt. Er soll machen, dass der Kunde immer wieder kommt. Geruch geht sofort ins Gehirn. ‘Ein Traum von Marketing’, sagt Geruchsexpertin Sissel Tolaas.

Interessant, zu erfahren, dass es das Berufsbild des Psychoakustikers gibt, hier vertreten durch einen sympathischen Sachsen, eigentlich Instrumentenbauer. Ein Jahr lang arbeitet er daran, einem Staubsauger ein verlockendes Sauggeräusch zu verpassen. Und es ist äußerst erhellend, zu beobachten, wie sich Farbexperten von Motorrad-, Möbel- und sonstigen Herstellern bei einer Zusammenkunft auf die Trendfarben für in drei Jahren einigen. Damit dann keiner aus der Reihe tanzt – beziehungsweise aus der Mode, wenn eher dunkle Töne ein gewisses Gefühl von Sicherheit vermitteln sollen. Denn das, was Tenhaven hier zeigt, soll ja eigentlich kein Verbraucher allzu genau wissen. Und damit es sich nicht allein schon wieder vom Anblick dieser sinnlichen Arbeitswelten einlullen lässt, erinnert der Autor sein Publikum in regelmäßigen Abständen im Off-Text daran: Das dient alles nur dem einen Zweck – konsumieren, konsumieren, konsumieren.

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Zwei gute Nachrichten in einer: „Werbeflaute trifft Bertelsmann mit Wucht“

Das ist doch mal eine schöne Meldung: „Werbeflaute trifft Bertelsmann mit Wucht“, enthält sie immerhin schon in der Überschrift zwei Positiva. Zum einen geht es der Werbebranche schlecht, was mich natürlich schon mal per se freut, denn wenn die Reklameindustrie von sich aus nicht bereit ist, ihre krakigen Umtriebe zu beschränken (siehe den Artikel von gestern), dann hilft die Wirtschaftskrise vielleicht (vorübergehend) dabei. Wer sich das Stadtbild derzeit genauer betrachtet, wird vielleicht auch schon festgestellt haben, dass viele Plakate mittlerweile nicht mehr jede Woche, sondern nur noch alle 2 oder 3 Wochen ausgetauscht werden – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Werbegroschen nicht mehr so locker sitzen wie früher. Nun, und dass Bertelsmann Geld verliert und Probleme bekommt (auf hohem Niveau), ist selbstverständlich immer zu begrüßen:

Dem Medienkonzern Bertelsmann weht der Wind eiskalt ins Gesicht. Wegen schwacher Werbeumsätze schreibt Bertelsmann rote Zahlen.

(…) Bertelsmann trifft wie andere Medienunternehmen die weltweite Wirtschaftskrise empfindlich. In vielen Ländern halten sich die Verbraucher mit Einkäufen zurück. Auch bei den Unternehmen wird das Geld knapper, weshalb sie ihre Werbebudgets kappen. Bertelsmann erlöst jedoch ein Drittel seiner Umsätze mit Reklame. (…)

(…) Sowohl der Fernsehkonzern RTL Group, als auch die Verlagsgruppen Random House und Gruner + Jahr sowie das Club- und Buchhandelsgeschäft büßten teilweise kräftig ein. (…)

Bei aller berechtigten Freude über Bertelsmann: weniger erfreulich ist dies hier – die Konzentration am Medienmarkt geht ungebremst weiter und Walt Disney, einer der größten Konzerne in diesem Bereich, verleibt sich nun Marvel (bekannt durch ihre Comics, Spider Man usw.) ein. Man muss schon sehr naiv, oder Politiker oder Lobbyist sein, um zu glauben, dass dieser Konzentrationsprozess damit abgeschlossen wäre. Die Entwicklung, die sich in den letzten Jahrzehnten abzeichnete und immer weiter voranschreitet, wird, sofern die Menschen nichts dagegen tun, am Ende dazu führen, dass es nur noch 2 oder 3 riesige Konglomerate geben wird, die die öffentliche Meinung nach ihrem Beliebien bestimmen. Schon jetzt beherrschen nur wenige Dutzend Konzerne den Medienmarkt.

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Product Placement im Fernsehen wird zukünftig noch präsenter werden

bild-62… EU sei Dank! Wurde bisher im Fernsehen schon häufig und plump Inhalt mit Markenpropaganda vermengt, dies aber teils noch etwas schamhaft vertuscht, so wird es bald in noch stärkerem und offenerem Maße erlaubt sein, dass Firmen ihre Produkte in Serien, Filmen etc. platzieren und es so für den TV-Schauer gar kein Entkommen vom kommerziellen Bombardement mehr gibt (ein Grund mehr, die Kiste nicht mehr anzuschalten). Die FAZ berichtete neulich über die Auswirkungen der Umsetzung einer neuen EU-Richtlinie im deutschen Medienrecht, in der es um die3 Ausweitung des sog. Product Placement geht. Wobei man sagen muss, dass solche schrecklichen Sendungen wie Germany’s Next Topfmodell ja ohnehin schon Dauerwerbesendungen darstellten und die Macher völlig ungeniert jeden verfügbaren Zentimeter, den Kameras einfangen konnten, mit Reklame und Marken zupflasterten. Schlimmer geht es eh nicht mehr… Also, die FAZ: „Product Placement. Ich sehe was, was du nicht sehen sollst“.

Wenn bei „Germany’s Next Topmodel“ der McFit-Fitnesstrainer zu Besuch kommt und die Kandidatinnen am Yogurette-Fotoshooting teilnehmen oder sich von den Marketingspezialisten des Handyherstellers Sony Ericsson beurteilen lassen, dann glaubt auch bloß Pro Sieben, dass das noch etwas mit dem Programm zu tun hat. Eigentlich ist Heidi Klums Modelsuche eine clevere Verlängerung der Werbezeit – und wird sich vom kommenden Jahr an noch besser vermarkten lassen. Denn dann ist vieles von dem, was sich der Sender bisher getraut hat, ohne die Vorgaben der Landesmedienanstalten allzu ernst zu nehmen, gesetzlich erlaubt. (…)

(…) Dabei passt sich die Politik mit der Neuregelung nur den derzeitigen Verhältnissen an. Schon jetzt sind viele Programme so mit Werbung durchsetzt, dass viele Zuschauer keinen Unterschied bemerken werden. Vor allem die Sender der Pro Sieben Sat.1-Gruppe biegen sich seit Jahren die Regeln nach den eigenen Vermarktungszielen zurecht. (…)

(…) Dass die partielle Öffnung für Werbung im Programm genauso gut dazu führen kann, dass künftig noch mehr Shows entstehen, die inhaltlich den Wünschen der werbenden Unternehmen entsprechen, spielt in der Debatte bisher keine Rolle. Das Problem am Product Placement sind nicht die Cornflakes. Es ist das Signal an die Sender, sich im Zweifel für ein Programm zu entscheiden, das sich am ehesten eignet, um Markenbotschaften zu transportieren. (…)

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Versendete Werte – Das Privatfernsehen

t_v__blueVor ein paar Tagen stieß ich via Kann nicht sein, was nicht sein darf!? auf eine bei YouTube hinterlegte Dokumentation namens „Versendete Werte“, einem Special der 3sat-Medien-Sendung Zapp, in dem anlässlich des „Feiertages“ (eher ein Trauertag) von 25 Jahren Privatfernsehen in Deutschland ein Rückblick auf den Einfluss, den diese Sender auf die Medienlandschaft hatten, geboten wird. Als bekennender Feind des Privatfernsehens freute ich mich zunächst natürlich darüber, dass darin so einige nette Breitseiten gegen RTL, Sat1 & Co. ausgeteilt werden, gerade was die 100%ige Durchkommerzialisierung der Angebote angeht, die deren Programme für mich unsehbar und unerträglich machen.

Weswegen ich diese „Doku“ hier allerdings überhaupt erwähne, ist jedoch etwas anderes – man kann anhand dieses Beitrags sehr schön sehen, wie geschickt oder auch weniger geschickt Propaganda und Manipulation im Fernsehen funktionieren. Was nämlich unter dem Deckmantel einer seriösen und objektiven Berichterstattung daherkommt (man lässt ja immerhin auch den „Feind“, die Privaten, zu Wort kommen!), ist bei genauerer Betrachtung nicht viel mehr als ein recht plumper Versuch, die eigenen (also öffentlich-rechtlichen) Schwächen zu übertünchen und zu verharmlosen – und vor allem wird durch den ernsten Stil der Interviews unterschwellig suggeriert, dass das, was  die öff.-rechtl. Anstalten normalerweise so an journalistischen Inhalten ausstrahlen, durchaus seriös und somit irgendwie wahr ist. Der sonore, fast schon staatstragende Ton eines Fritz Pleitgen lässt beim Zuschauer jeden Zweifel, dass hier etwas anderes als die reine Wahrheit verkündigt wird, sofort im Keime ersterben…

Dass die Nachrichten und Berichte, die selbst auf ARD und ZDF laufen, auch nur vorselektierter Mainstream sind, so dass gewisse Dinge von vorneherein ausgeblendet werden (tiefgehende System- oder Konsumkritik z.B.), darüber wird hier natürlich kein Wort verloren. Ich bekam ja schon immer einen Hals, wenn ich mal gesehen habe, dass in der Tagesschau oder bei Polittalkshows die Arbeitslosenzahlen kritiklos verkündet werden, ohne darauf hinzuweisen, dass diese zigfach geschönt und durch mannigfaltige statistische Kniffe zurechtfrisiert wurden, um einen Aufschwung herbeizufabulieren. Wobei man halt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wenigstens ab und an überhaupt noch mal kritische Töne und auch Infos über Randthemen sieht – etwas, das man im gleichgeschalteten, ausschließlich auf die Quote und den Umsatz des Senders schielenden Kommerzfernsehen vergebens sucht. Leider sind die öff.-recht. Anstalten seit längerem auch schon auf den Zug aufgesprungen, alles zu einem „Event“ umformen und maximal unterhaltsam darbieten zu müssen.

Dass Fernsehen generell „Soma fürs Volk“ ist, das die Menschen davon abhalten soll, selbst nachzudenken und am Ende gar noch auf die Straße zu gehen, ist ja nun auch ein nicht ganz von der Hand zu weisender Einwurf mancher Medienkritiker. Ich zitiere hier mal den besagten Kann nicht sein…-Blog:

(…) Mehr Ablenkung konnte man es auch nennen. Ablenkung vom eigenen Leben, Ablenkung von der eigenen Realität, Ablenkung von der eigenen Umwelt. Vom Job, von Geldsorgen, von familiären Problemen. Von der Politik, von der Zukunft, von Krieg und Frieden.
Klar, is ja auch viel einfacher und stressfreier: Zurücklehnen und das Gehirn ausschalten, während man sich genüsslich ansehen kann wie andere Menschen, die man niemals kennenlernen und spätestens 10 Minuten nach dem Konsum auch schon wieder vergessen haben wird, wahlweise ihre Wohnung, das Auto oder die Brüste repariert kriegen.

Ich könnte mich jetzt wieder stundenlang über das Programm des deutschen Fernsehens auslassen und etliche Beispiele bringen wann sich mir das letzte Mal die Fußnägel hochgestellt haben, aber wozu? Schalte doch einfach mal selbst kurz die Glotze an. Komm! Auf! Schalt ein. Hör doch mal für 2 Minuten auf zu lesen und zapp mal durch.

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Es soll ja Menschen geben denen das noch nicht einmal auffällt.
Menschen die das noch nicht einmal stört.
Aber warum auch? Wenn man es nicht anders kennt? Wir wachsen ja alle damit auf. Heutzutage werden Kinder schon in jungen Jahren an die bunte Welt des Fernsehens gewöhnt und auch bereits so früh wie nur irgendmöglich von der Unterhaltungsindustrie umgarnt.“ Kundenbindung“… damit kann man gar nicht früh genug beginnen!
So vermittelt man Werte…bezahlbar bitteschön in Euro. Dankeschön.


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