Nov
29
2010

Gastbeitrag: Werbung verhindern

Ich freue mich, Euch heute nach längerer Pause mal wieder einen Gastbeitrag präsentieren zu dürfen. Er stammt von Christian Böttgenbach und heißt „Werbung verhindern“. Regelmäßige Leser meines Blogs wird die eine oder andere These des Textes durchaus bekannt vorkommen, vertrete ich doch ähnlich kritische Ansichten zur Reklamebeschallung heutiger Tage.

————-

Werbung verhindern

Werbung kann nerven und manipulieren. Sie kann auch gefährdend sein. Bewegliche Reklame im Straßenverkehr und die aufreizend tiefsinnigen, hypnotischen Wahlplakate führen zu Unfällen. Werbung destabilisiert labile Menschen, denn sie informiert nicht, sondern vermittelt Stimmungen und Lebenshaltungen. Sie gibt Ziele vor, die nicht die eigenen sind. Es ist eine Wissenschaft geworden, wie dabei das kritische Bewußtsein umgangen wird. Den Vogel schießt die Werbewirtschaft selbst ab, die mit dem Spruch „Werbung schafft Vielfalt“ das Gegenteil der tatsächlichen Wirkung von Werbung behauptet. Denn Werbung schafft Einfalt, indem wenige große Marken die natürliche Vielfalt verdrängen möchten.

Ohne weiter in die Tiefe zu gehen, entsteht das Bild einer Bedrohung durch Werbung. Die gesellschaftlich üblichen Wege zur Lösung des Problems wie neue Verordnungen, Petitionen und Beschwerden helfen auch hier nicht weiter, denn die Werbetreibenden haben Geld und üben damit beherrschende Macht aus. Also sind wir machtlos.

Wogegen kämpft denn die Werbeindustrie? Gegen unser (kritisches) Bewußtsein! Dort liegt also die Macht, Werbung aufzulösen. Das Bewußtsein hinterfragt, woher das Geld für die Werbung kommt. Es wird für Werbung aufgebracht durch den Glauben oder die Erfahrung, dadurch Marktanteile und letztlich Gewinne (auf Kosten anderer) erzielen zu können. Der Verursacher für Werbung bist also Du, indem Deine natürliche Neugierde sich den Werbebotschaften unterbewußt öffnet und im Augenblick der Kaufentscheidung Dein Gefühl manipuliert. Da nützt auch kein Widerspruch, denn ohne nachweisbare Wirksamkeit gäbe es keine Massenwerbung.

Unser Unterbewußtsein können wir ab sofort einfach für uns einsetzen, statt es Fremdbestimmen zu lassen: Ich habe als 16-jähriger nach ausführlicher Beschäftigung mit Werbung beschlossen, es mir einfach zu machen und prinzipiell all das nicht zu kaufen, wovon ich öffentliche Werbung sehe. Damit lebe ich seit Jahrzehnten sehr gut, es ist einfach und es wirkt. Wenn auch andere auf diesen Gedanken kommen, lohnt sich Werbung nicht mehr, sondern im Gegenteil, sie wird zunehmend ein negatives Produktmerkmal und damit kontraproduktiv für die Werbenden.

Nun bitte ich darum, ehrlich zu prüfen, bei wem eben ein „ja aber es gibt doch auch gute Produkte, für die geworben wird“, auftauchte. Da meldet sich dann das kritische Bewußtsein plötzlich, man will ja nicht pauschalieren, sondern prüft immer selbst und so weiter. Das will ich nicht verurteilen, auch ich habe eine einzige kleine gelegentliche Ausnahme. Aber man macht sich leicht viel Arbeit damit, anstatt den Aufmerksamkeitsdiebstahl durch aufgedrängte Werbung einfach für sich zu beenden.

Infoliner

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Kommentare: 8 | Konsumkritik,Medien,Reklame | Schlagwörter: , , , |

8 Kommentare »

  • Werbung als Negativkriterium für Kaufentscheidungen zu verwenden ist ein guter Ratschlag, den werde ich befolgen :-)

    Im Internet helfen Browseraddons ja wunderbar, sich überhaupt erstmal dem Trommelfeuer zu entziehen. Firefox + AdBlock sind da sehr empfehlenswert:
    http://www.camp-firefox.de/
    http://adblockplus.org/de/

    Comment | 29. November 2010
  • Dirk

    Finde ich etwas realitätsfern – Im Supermarkt fällt mir spontan kein Produkt ein, für welches nicht geworben wird. Im Endeffekt sind die vielen Hinweisschilder im Supermarkt (billger! bio! Aus der Heimat!) doch auch Werbung. Selbst die Handelsmarken der Läden werden doch beworben, mindestens dadurch, dass man es automatisch mit der Marke des Supermarkts in Verbindung bringt.
    Nur weil man selbst die Werbung nicht wahrnimmt, heißt es ja nicht, dass deshalb nicht dafür geworben wird. Und ist es jetzt ein besseres Produkt, nur weil ich die Werbung nicht gesehen habe (was dank Browserplugin, fehlendem Fernsehen und meiner Verträumtheit, wenn ich draußen bin, durchaus häufiger zutrifft.)?

    Comment | 29. November 2010
  • Nun, die Schlussfolgerung aus der Reklame ist eine ganz einfache und bezieht sich vor allem auf die Reklame, die in großen Medien einem entgegenschallt – eigentlich jede Firma, die zB in Fernsehen wirbt, hat Dreck am Stecken bzw bietet Produkte an, die entweder der Gesundheit, der Umwelt oder den Menschen schaden. Von daher ist es schon sinnvoll, diesen Firmen gleich den Rücken zu kehren. :-) Schon allein deshalb, weil ich mich nicht gerne verarschen lasse, und normale Reklame läuft darauf hinaus, den potentiellen Kunden einzulullen und ihm einzureden, dass das eigene Produkt ihn schön, begehrenswert und glücklich macht – all das, weil dieses Unternehmen einen so gern hat, natürlich. Das kommt bei mir sehr schlecht an…
    Da ich nur noch selten im normalen Supermarkt einkaufe, ist das Risiko, etwas zu kaufen, für das groß Reklame gemacht wird, eh sehr niedrig.

    Ansonsten bekomme ich mittlerweile Reklame auch nicht mehr mit, oder nru noch mal an Bushaltestellen o.ä., von daher taugt Werbung als Nicht-Einkaufskompass für mich eh nicht mehr. ;-)

    Comment | 29. November 2010
  • Zyro

    Ich denke es hilft schon, wenn man nur das kauft was man wirklich benötigt und sich ein Bewusstsein dafür schafft, was wirklich wichtig ist und was nicht. Dadurch wird man nebenbei auch noch effektiv und verschwendet nichts ;)

    Comment | 30. November 2010
  • Vogel

    “„Werbung schafft Vielfalt“”

    YMMD

    Comment | 30. November 2010
  • Vogel

    @novatracks
    Yepp, dess isses, nur kaufen, ‘was man braucht,nie ohne Einkaufszettel einkaufen gehen …

    Comment | 30. November 2010
  • Werbung wird nur für Dinge gemacht, die entweder keiner braucht, oder keiner kennt.

    Comment | 17. Oktober 2012
  • Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Kampagne:

    “Gib Aids keine Chance!”

    Ich muss da immer an was anderes denken:

    “Gib Werbung keine Chance!”

    Comment | 17. Oktober 2012

Kommentare per RSS Feed verfolgen. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Anti-spam image

Konsumpf 2008 - Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes