Das papierlose Büro – erinnert sich noch jemand an diese vollmundige 80er Jahre Zukunftsvision der IT-Industrie? Computer und ihr digitalen Speichermedien sollten der Zettelwirtschaft und Papierflut ein Ende bereiten und so letztendlich auch die Umwelt entlasten. Leider wurde nichts daraus, wie wir inzwischen wissen – in Büros werden heutzutage massenhaft E-Mails ausgedruckt und abgeheftet, Berichte in dicken Ordnern gestapelt und der Papierbedarf eher noch gesteigert. Gegen die Unsitte, jeden Klimperkram unbedingt auf Papier bannen zu wollen hat sich der WWF etwas ausgedacht – ein neues Dateiformat namens wwf, das quasi ein pdf ist, das man aber nicht drucken kann. So wird dem druckwütigen Empfänger also die Lust an der Papierverschwendung genommen. Dass dies natürlich für viele Inhalte nicht so sinnvoll ist, ist klar, aber für einige Anwendungsmöglichkeiten mag es doch als taugliches Format zu einsetzbar sein. Derzeit gibt es die kostenlose Software nur für den Mac, andere Systeme werden alsbald folgen.
Kategorie: Gesundheit
Die N3-Sendung 45 Min fasst erfreulich viele heiße Eisen an und geht kritisch mit heutigen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft ins Gericht. In der heutigen Sendung um 22:30 Uhr geht es um „Risiko Gen-Nahrung?“:
Gentechnik ist in Deutschland schon weit verbreitet. Sie versteckt sich in Zutaten und Zusatzstoffen, vor allem in denen aus Soja und Mais. Schokolade, Kekse, Chips, Brot und auch Babynahrung können Spuren von genetisch verändertem Soja oder Mais enthalten. Auf der Verpackung steht das meistens nicht. Für 45 Min hat die Autorin Andrea Hauner recherchiert: Wo sind die unsichtbaren Genspuren in deutschen Lebensmitteln? Ist das eigentlich schädlich? 45 Min über mangelnde Kennzeichnung und die möglichen Gefahren.
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Jaja, die tolle deutsche Exportindustrie mit ihren hochwertigen Gütern, weltweit geschätzt. Die Bayer AG ist nicht nur für Aspirin & Co. bekannt, sondern mischt leider auch kräftig im Agro- und Gentechnik-Business mit und ist neben Monsanto einer der großen „global player“ in diesem Bereich. Während wir hierzulande noch weitgehend von dem ganzen Gen-Food verschont bleiben (obwohl es über die Futtermittel quasi auf Umwegen natürlich peu à peu auch in Deutschland auf den Tisch gelangt – zumindest wenn man Nicht-Bio-Fleisch zu sich nimmt), werden in anderen Regionen des Globus Fakten geschaffen, die zum Teil irreversibel sind. So weist die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) in ihrem neuesten Aufruf darauf hin, was die Genreissorte „LL-RICE62“ von Bayer, die nun vor allem in Asien Verbreitung finden soll, für Gefahren mit sich bringt – und Bayer gleichzeitig den Absatzmarkt für ihre Pflanzenschutzmittel sichert, die passend zu der Reissorte angeboten werden. Alles aus einer Hand, sozusagen – und auf der Strecke bleiben Biodiversität und vor allem auch die Unabhängigkeit der Farmer.
Gegen diese wachsende Bedrohung, die die Ernährungssicherheit der Menschen bedroht und sie abhängig macht von den Produkten (und Preisdiktaten) der jeweiligen Großkonzerne, kämpfen die CBG und andere Gegner der Gentechnik bereits seit längerem. Ich halte dies auch für das erheblich größere Risiko, das mit diesem Saatgut und den Produkten verbunden ist – also weniger etwaige Gesundheitsrisiken für den Menschen (diese sind ja (noch) nicht erwiesen, wobei der Beweis für die gesundheitlich Unbedenklichkeit solcher Produkte ebenfalls aussteht) als vielmehr die extreme Marktmachtkonzentration und das Ausliefern der Ernährungsgrundlage ganzer Länder an einzelne Unternehmen und ihr Profitstreben. Unterzeichnet deshalb alle den Online-Aufruf der Coordination gg. Bayer-Gefahren mit, den sie auf der Seite >> GenReis von BAYER gefährdet weltweit die Ernährungssicherheit gestartet haben. Hier der Original-Wortlaut:
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Es ist soweit – Annie Leonard und ihr Team, die uns schon mit Kurzfilmen wie The Story of Stuff oder The Story of Bottled Water anschaulich und unterhaltsam den Wahnsinn unseres globalisierten Wirtschaftens vor Augen führte, ist wieder da. In The Story of Cosmetics nimmt sie sich diesmal die „Schönheitsindustrie“ vor, die uns mit Hilfe von plärrender Reklame und eigens dafür auf den Markt gebrachten „Beauty“-Magazinen zum Kauf unzähliger, mit Chemie angereicherter Kosmetikprodukte animieren will. Leonard legt das Augenmerk dabei vor allem auf die chemische Zusammensetzung und oft ungeklärte (Un-)Verträglichkeit kombinierter chemischer Stoffe. (Wobei ich es da mit dem Adbusters Magazin halte und den eigentlichen Skandal darin sehe, dass durch die Medien, durch Modelshows und Modemagazine sowie die allgegenwärtige Werbung den Menschen ein krankes und unerreichbares Schönheitsideal vorgesetzt und eingepflanzt wird.)
What a couple of weeks it’s been! More than 200,000 of you have watched the Story of Cosmetics since its launch July 21, and we’ve received an outpouring of support — from cancer survivors, salon workers who’ve been harmed by chemical exposures on the job, green business owners and people around the world who are thanking us for raising the debate about toxic chemicals in the shampoos, deodorants and lotions we rub on our bodies every day.
Um mich nicht den Verdacht einseitiger Propaganda auszusetzen, möchte ich Euch auch „The Story of Cosmetics – The Critique“ nicht vorenthalten, die der eher neoliberal ausgerichtete Politkommentator und Jurist Lee Doren verfasst hat (für den es allerdings offenbar schon „leftist“ ist, sich mit Umweltschutz oder kritsch mit dem Wirtschaftssystem auseinanderzusetzen). Dabei ist es schön zu sehen, dass er sich letztlich der selben manipulativen Mittel bedient, die er Leonards Team vorwirft. So versucht halt jeder seine Sicht der Dinge ins rechte Licht zu rücken… Bei der Kürze der Filme bleibt einem sowieso nicht viel anderes übrig, als die Sachverhalte stark vereinfacht darzustellen. Urteilt selbst, was Ihr in welchem Maße für plausibel haltet.
Falls jemand schwerwiegende Schwächen in einem der beiden Beiträge entdecken sollte – immer her damit!
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Ich habe mich hier im Blog ja schon das eine oder andere Mal kritisch zu der unsinnigen Unsitte geäußert, Wasser aus Plastikflaschen zu trinken, womöglich gar welches, das erst von sonstwoher herangekarrt wurde – nur, weil die Reklame den Leuten einen vom Pferd erzählt und Glauben machen will, dass nur Volvic, Evian, Vittel und wie sie alle heißen gesund seien. Brian Clark Howard hat in der Huffington Post einen kurzen Artikel „Stop drinking bottled water now!“ verfasst und diesen mit einer anschaulichen Infographik versehen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte (zum Vergrößern einfach auf das Bild klicken):
Im Kurzfilm „The Story of Bottled Water“, den ich ja auch schon mal präsentierte, stellt Annie Leonard diese Kreisläufe prägnant und gut nachvollziehbar dar – wenn man auch sagen muss, dass es leider in gewissen Gegenden fast unverzichtbar ist, Flaschenwasser zu trinken, weil das Leitungswasser zu ungesund ist; dies ist aber ein Problem, das dementsprechend gelöst werden sollte, indem das öffentliche Wassersystem ausgebaut wird; überlässt man Konzernen die Macht über die Wasserversorgung der Bevölkerung, macht man sich abhängig…
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Heute gibt es auf Arte mal wieder einen interessanten Themenabend, der sich mit den Folgen und Nebenprodukten unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft sowie dem Hang und Drang zu möglichst billiger Güterproduktion beschäftigt: dem Gift, das viele der Produkte, die wir jeden Tag benutzen, innewohnt. Dürfte sich lohnen! Von 21:30–22:00 Uhr zeigt der Sender dann auch noch mal eine Sendung über Prof. Braungarts Cradle-to-Cradle-Prinzip.
Gift – Unser tägliches Risiko
Täglich werden die Verbraucher mit einer Vielzahl von Giften konfrontiert, sei es in Lebensmitteln, in Textilien, in Spielzeug oder Möbeln. Trotz aller Verbote, Grenzwerte und Kontrollen gibt es keinen ausreichenden Schutz, denn immer neue Giftstoffe gelangen auf den Markt, deren Nachweis immer schwieriger wird. Der Themenabend zeigt zum einen die Gefährlichkeit gebräuchlicher Giftstoffe auf, präsentiert zum anderen aber auch Möglichkeiten, ein Leben ohne Gifte zu führenDienstag, 27. Juli 2010 ab 20.15 Uhr
20:15 Uhr: „Schick, aber schädlich“ – Immer wieder finden sich Spuren gesundheitsschädlicher Stoffe in Kleidung und Schuhen. Von Kopf bis Fuß ist man von giftigen Substanzen umgeben. Die Ursachen liegen im globalen Handel, im enormen Preisdruck und einer Modewelt, die sich jeder staatlichen Kontrolle entzieht. Die Dokumentation ist den Spuren der Gifte gefolgt.
21:00 Uhr: „Hauptsache haltbar“ – Weltweit kann der Verbraucher überall die gleichen Produkte kaufen, lange haltbar, weil luftdicht verpackt. Doch diese Verpackungen haben es in sich: das Gift, das in die umhüllten Lebensmittel eindringt und zu schwerwiegenden Erkrankungen führen kann. Die europäischen Kontrolleinrichtungen scheinen machtlos dagegen zu sein. Die Dokumentation deckt die Hintergründe für mangelnde Kontrollen, Lobbyismus in Brüssel und nicht funktionierenden Verbraucherschutz auf.
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Was gibt es Leckererereres als frische Tomaten? Das denkt sich sicher so mancher, der im Super- oder auf dem Wochenmarkt zu den roten Schlawinern greift. Dass diese allerdings, wenn es nach dem Willen der Industrie bzw. gewisser Firmen geht, nicht so viel mit Natürlichkeit zu tun haben, wie wir das gerne hätten, ist sicherlich nicht jedem bekannt. So macht die Erklärung von Bern auf die Sorte Toscanella aufmerksam, die vom Pestizidhersteller Syngenta auf den Markt gebracht wird – und die es in sich hat „Die Toscanella ist keine normale Tomate“:
Bei der Toscanella handelt es sich nicht um eine Sortenbezeichnung (wie z.B. Golden Delicious), sondern um eine Marke im Besitz von Syngenta, dem grössten Pestizidhersteller weltweit. Auf den Packungen sucht man den Namen Syngenta jedoch vergeblich. Der Konzern versucht mit dieser Markenstrategie den gesamten Lebenszyklus von der Saatgutproduktion bis zum Verkaufsregal zu kontrollieren. Syngenta ist eine treibende Kraft hinter der unheimlichen Marktkonzentration auf dem Saatgutmarkt. Drei Konzerne – Syngenta, Monsanto und DuPont – kontrollieren mittlerweile 40 bis 50 % des weltweiten Saatgutmarktes. Jede siebte Tomate weltweit stammt von Syngenta. So sind wir je länger, je mehr von wenigen Konzernen abhängig.
Toscanella = Toxanella
Syngenta verkauft aber nicht nur Saatgut sondern vor allem auch Pestizide. Eines der wichtigsten Produkte des Schweizer Agrokonzerns ist das Unkrautvertilgungsmittel Paraquat. Das Herbizid – in der Schweiz seit über 20 Jahren verboten – führt in Schwellen- und Entwicklungsländern jährlich zu Zehntausenden von Vergiftungsfällen und Tausenden von Todesfällen. Vergiftungssymptome sind Kopfschmerzen, Nasenbluten, Atemprobleme, Lungenschäden, Verletzungen der Haut und der Augen. Zudem mehren sich die Hinweise auf eine Verbindung zwischen Paraquat und der parkinsonschen Krankheit.
Syngenta trägt die Verantwortung für dieses Verderben. Denn im Wissen, dass Paraquat in vielen Entwicklungsländern nicht korrekt benutzt werden kann, forciert der Konzern den Verkauf auch in diesen Ländern. Dass eine Paraquat-freie Produktion möglich ist, haben Konzerne wie Chiquita, Dole oder Lipton schon längst bewiesen.
Hände weg!
Wenn sie Toscanella-Tomaten kaufen, unterstützen sie damit die unverantwortliche Firmenpolitik von Syngenta und die weitere Konzentration des Saatgutmarktes.
Handeln Sie! Lassen Sie die Toscanella-Tomaten im Gestell liegen und fragen Sie nach Produkten, die mit Bestimmtheit nicht von Syngenta stammen. Bei Pro-Specie-Rara-Sorten können Sie sicher sein, dass auch das Saatgut nicht von Syngenta stammt.
Über das Unternehmen Syngenta und ihr Pflanzengift Paraquat berichtet eine eigene Website: www.paraquat.ch
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Unbestreitbar hat die Medizin im Laufe der Jahrhunderte eine beeindruckende Entwicklung genommen – Menschen werden immer älter und Krankheiten, die früher tödlich waren, lassen sich heute heilen oder zumindest therapieren. Allerdings betreiben auch die Hersteller von Medikamenten das übliche Spiel unseres Wirtschaftssystems: sie müssen expandieren und ihren Gewinn maximieren, um ihre Aktionäre glücklich zu machen. Dies geschieht auf vielerlei Wegen, u.a. auch dadurch, dass man Medizin überteuert verkauft, zu Lasten der Solidargemeinschaft, dass man mit Lobbyarbeit industriefreundliche Gesetzte anstößt, Ärzte zur Verschreibung ganz bestimmter Medikamente „animiert“ und Patente rigoros verteidigt, auch wenn es Menschen das Leben kostet. Und seit jeher werden neue Krankheitsbilder durch die Pharmaindustrie propagiert bzw. gesunde Menschen durch das Absenken von vermeintlich kritischen Grenzwerten mal eben zu kranken deklariert, die nun „natürlich“ mit den (über)teuren Medikamenten behandelt werden müssen (am besten lebenslänglich), um vermeintliche Spätfolgen zu vermeiden. Report München befasste sich in „Wie aus Gesunden lukrative Patienten gemacht werden“ am letzten Montag genau mit dieser Problematik:
Immer niedrigere Grenzwerte und neue Definitionen von Krankheitsbildern machen uns kränker als wir sind. Der Nutzen ist gering, der Schaden groß. Ressourcen und Gelder für wirklich Kranke schwinden, Ängste wachsen – aber die Profiteure im Gesundheitswesen verschaffen sich so fleißig Marktanteile. […]
[…] In den USA, oft Vorreiter in der Medizin, ist man schon weiter, auch beim Bluthochdruck, Hypertonie. Hier hält man bereits die Vorstufe, also Prä-Hypertonie, für eine Gefahr. Und auch Prä-Diabetes, also leicht erhöhter Blutzucker, wird bereits als kritisch eingestuft.
Novartis bemüht sich bereits um Zulassung des Blutdrucksenkers Valsartan auch zur Prä-Diabetes-Behandlung. Der Markt ist riesig: 57 Millionen Amerikaner werden bereits heute als Prädiabetiker – und somit potentielle Patienten – eingestuft. […]
Dieses (amüsante) Interview, das Martin Sonneborn mit einem Pharmalobbyisten geführt hat, sagt auch so einiges über die Methoden der Industrie aus:
