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Medien hacken

Mein guter Vorsatz für 2010? Mal wieder stärker aktivistisch in der realen Welt dort draußen vor der Wohnungstür und jenseits der Datenleitungen tätig werden und nicht nur via Blog und Unsinn des Systems anprangern. Leider bin ich arbeitsbedingt in den letzten Monaten viel zu selten dazu gekommen… Aber der folgende Vortrag „Im Herz der Bestie – Medien hacken“, der auf dem 26. Chaos Communication Congress gehalten wurde, regt mich natürlich wieder etwas an – Euch hoffentlich auch! Es werden einige schöne Beispiele dafür präsentiert, wie vor allem das Internet unsereins die Möglichkeit eröffnet, dem Mainstreammedienmaelstrom etwas entgegenzusetzen, was Kommunikationsguerilla ist und wie sie funktioniert – und dass das, was „Werbefritzen und PR-Fuzzis“ machen, wenn sie „virales Marketing“ u.ä. betreiben, halt nichts mit Medienguerilla (sondern bloßem Verkaufen) zu tun hat. (Danke an Michael Wenzl für den Tipp!)

Tatsächlich ist mir im Jahre 2002 mal ein (wenn auch unbeabsichtigter) Coup in dieser Art gelungen, bei dem ich „die Medien“ gefoppt habe – zusammen mit einem Freund schrieb ich damals einen fiktiven Artikel (in der Liste den 5. Artikel von unten auswählen) der als Aprilscherz für eine von mir betreute deutsche (nichtkommerzielle) Mylène Farmer-Fansite gedacht war. Wir gaben einen Ausblick auf das kommende Mylène-Album, das angeblich nur aus Coverversionen in Form von Duetten bestand (etwas, was bei den Fans wenig beliebt war) und dachten uns die abstrusesten Duettpartner und Konstellationen aus, u.a. soll Mylène auch einen Song mit Nirvana aufgenommen haben. Wie erstaunt waren wir, als wir feststellten, dass der Sender SWR3 diesen Artikel für bare Münze nahm und das Duett-Album kurz darauf im Radio ankündigte! Da hatte es sich ausgezahlt, dass die Website über die Jahre als seriöse Quelle galt und der entsprechende Redakteur weitere Recherche wohl für überflüssig hielt, hehe.

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Widerstand und Normopathen

Weihnachten ist überstanden, spätestens jetzt ist es mal wieder ein wenig an der Zeit für etwas Widerstand und Aktivismus. Der YouTube-Channel des Users Mediascanner ist immer eine Fundgrube für spannende Beiträge über gesellschaftliche Entwicklungen und alternative Denk- und Lebensweisen. So ist dieser Beitrag hier beispielsweise sehr erhellend – der Begriff „Normopathen“ ist super!

Hanna Poddig, die „Berufsaktivistin“, um die es darin u.a. geht, wird in der 3sat-Sendung Kulturzeit noch einmal etwas genauer porträtiert:

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Käufer aufgepasst!

1211740_shopping_bagSubversive Spielchen, die man in Bezug auf Konsum und Kommerz und Reklame treiben kann, gibt es ja so einige. Sehr hübsch finde ich beispielsweise die nachfolgende Idee, die Gaylord Fields in seinem Artikel „Buyer beware“ im Stay free! Magazine (und im Buch „Ad Nauseam“) schildert, und die jede und jeder im Supermarkt um die Ecke selbst ausprobieren kann.

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Käufer aufgepasst!

Wie reagieren Supermarktkunden, wenn man fremde Dinge in ihren Korb legt? Gaylord Fields probiert es aus.

Mehrere jüngst veröffentlichte Studien legen nahe, dass Supermärkte darauf ausgerichtet sind, den durchschnittlichen Käufer einzulullen und in einen tranceähnlichen Zustand zu versetzen, und dass diese „glasiger Blick“-Betäubung dazu führt, dass die Kunden mehr Sachen kaufen. Dies überrascht mich nicht, da diese Ergebnisse meinen eigenen Entdeckungen entsprechen, die ich vor dreißig Jahren machte, als ich unter dem Deckmantel jugendlicher Streiche einige Experimente in sozialer Psychologie unternahm.

Die Zeit: die frühen 1970er Jahre. Der Ort: ein typischer Upper West Side Manhattan-Supermarkt, welcher, für alle, die sich nicht mit New Yorks Geschäftsimmobilien auskennen, in etwa die gleiche Fläche einnahm wie die Obst- & Gemüse-Abteilung eines typischen amerikanischen Megamarkts heutiger Tage. Die Forscher: anfangs ein Trio gelangweilter 13jähriger, später zusammengeschrumpft auf einen werdenden Sozialwissenschaftler, sowie jede Menge anonymer Käufer und Kassierer, denen ich nachträglich meinen Dank schulde.

PHASE EINS

Während unserer anfänglichen Streifzüge in den Supermarkt der Gegend, prüften wir das Ausmaß an Kooperation unserer gastgebenden Anlaufstelle. Einfacher ausgedrückt, probierten meine Kollegen und ich, womit wir unter dem Argusauge eines konvexen Spiegels (wir reden von der Vor-Überwachungskamera-Zeit 1973) davon kommen würden. Dies bestand vor allem aus solchen Aktivitäten, sich die Taschen mit Marken-Schokoriegel vollzustopfen und Toilettenpapierrollen in Tiefkühltruhen zu packen. Wir zogen sehr wenig Aufmerksamkeit von den beschäftigten Kunden und vor allem von den Angestellten auf uns, und entwickelten in der Folgzeit die Kaltblütigkeit, Fingerfertigkeit und Heimlichkeit, die wir für einen erfolgreichen Abschluss unseres Einsatzes benötigten.

PHASE ZWEI

Für diesen Teil des Experiments war die Beteiligung meiner Kollegen nicht mehr vonnöten, da wir als Gruppe männlicher Teenager unnötige Aufmerksamkeit auf uns gezogen hätten. Dieser wissenschaftlich-orientierte junge Erwachsene musste den Weg alleine gehen. Denn an diesem Punkt begann das Experiment in seiner Ernsthaftigkeit, und ich werde meine Entdeckungen mit den später folgenden Studien, von denen ich im ersten Absatz sprach, verbinden.

Das Experiment war einfach aufgebaut: es beinhaltete das heimliche Platzieren verschiedener Supermarktwaren in den Einkaufskorb oder -wagen eines durch den Experimentator, sprich: mich, ausgesuchten Kunden (das „Subjekt“). Ich folgte dem Subjekt dann an eine Stelle direkt hinter ihm oder ihr in der Schlange an der Kasse und beobachtete, ob er oder sie den Kaufakt vollendete, indem er oder sie das eingeschmuggelte fremde Produkt (den „Gegenstand“) kaufte.

Weil wir Wissenschaftler auch nur Menschen sind, kann ich nun zugeben, dass ich das Protokoll etwas verletzte, indem ich im Vorfeld spekulierte, welche Resutate ich bekäme. Ich nahm an, dass, je weniger Produkte jemand in seinem Korb hätte, er den Gegenstand umso eher ablehnen würde. Ich nahm ebenfalls eine einfache Korrelation zwischen der Ungewöhnlichkeit eines Gegenstands und seiner Ablehnung an. Deshalb war mein anfänglicher Gedanke, es auf die sichere Tour zu spielen, indem ich bekannte Marken in einen vollgeladenen Wagen legte. Ich vermutete, dass ich durch einen gewissen Grad an Erfolg (den Kauf des Gegenstands durch das Subjekt) mit der Zeit das Risiko des Entdecktwerdens würde erhöhen können, ungewöhnlichere Dinge, z.B. eine Packung Airwick-Luft-Bestäuber oder Knorr Hühnerbouillon-Würfel könnten in einen Korb hineingelgt werden, der bloß vier oder fünf Sachen enthielte.

SCHLUSSFOLGERUNG

Innerhalb eines Jahres der Versuche, durchschnittlich zwei Mal pro Woche durchgeführt, lehnte nicht ein einziges Subjekt den Gegenstand ab oder schaute ihn auch nur befremdet an; alle Gegenstände wurde ohne weitere Frage gekauft. Es spielte keinerlei Rolle, ob es ein unglaublich gewöhnlicher und allgegenwärtiger Gegenstand war, so wie eine Rolle Scott Küchentücher, oder ein eher ausgefallenes Produkt wie ein Fleischthermometer. Vierzig Gegenstände oder vier, die Einhaltungsrate lag bei erstaunlichen 100 Prozent! Jeder kaufte, was ihm in den Korb gelegt wurde, ohne eine Sekunde zu zögern.

Leider wurde mein jugendlicher Aufstieg in die Sozialwissenschaften durch eine Reihe von Faktoren gebremst, vor allem die überwältigend einseitigen Daten, die ich gesammelt hatte, die Ablenkungen eines zunehmend herausfordernden High-School-Studienplans und mein Bewusstwerden der Tatsache, dass ich einen quiekenden Hund mitsamt seinem Wurf nuckelnder Welpen in den Wagen einer Person hätte legen können, ohne dass dieser es bemerkt hätte. Aber vor allem war es das Wissen, dass, falls meine Experimente durch diejenigen entdeckt werden würden, die es ablehnen könnten, die Bedeutung meiner Mission zu verstehen,  ich den Schutz meines jugendlichen Status verlöre, sobald ich das Alter von 18 Jahren erreichte. Ich warte nun auf Phase drei meines Experiments, die irgendwann nach dem Jahr 2030 stattfinden wird, wenn die vermutete Senilität des Autoren der Deckmantel sein wird, unter dem ich meine Studien wieder aufnehme, und dann wird es eine noch breitere Palette an Dingen geben, die ich einer ganz neuen Generation von Käufern aufdrücken könnte.

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Als Variation dieses schönen „Experiments“ bietet es sich vielleicht an, besonders schreckliche Dinge (Nestlé-, Milka- oder Coca-Cola-Dreck beispielsweise) aus einem Einkaufswagen zu entfernen und z.B. durch Biowaren zu ersetzen (oder halt ganz wegzulassen). Mal schauen, ob das jemand bemerkt. :)

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David gegen Goliath – Einzelhändler rüsten gegen Aldi & Co.

Diesen interessanten Podcast des SWR möchte ich Euch doch empfehlen – „David gegen Goliath – Einzelhändler rüsten gegen Aldi & Co.“ (>> mp3) – quasi als Aufmunterung in der Adventszeit. Vielleicht ist der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug der Discounter (der gleichzeitig eine große Niederlage für die Gesellschaft und die Umwelt darstellt) ja doch nicht abgemachte Sache? (Danke an Horst Klier vom Leben ohne Diät-Blog für den Tipp!)

Deutschland, ein Paradies der Schnäppchenjäger und der weltweit aktiven Discountriesen wie Aldi oder Metro, die Konkurrenten platt machen. Allerdings sind Fachgeschäfte und kleinere Supermärkte mittlerweile aus der Schockstarre erwacht. Immer mehr Lebensmitteleinzelhändler bauen auf ihre Kompetenz als Nahversorger für Stadtviertel und Dörfer. Sie schaffen Kundenbindung durch geschulte Belegschaften, viel Service und neue Angebote. Eigentümergeführte Geschäfte setzen auf das Motto: in der Region für die Region. Auch die genossenschaftliche Zusammenarbeit lebt wieder auf. Mit “Tante Emma” von einst hat das jedoch nichts zu tun. Die Zukunft wird durch weltweite wirtschaftliche Vernetzung bestimmt, ob man das gut findet oder nicht.

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Buy Nothing Day 2009 + Wildcat General Strike am 28.11.09

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Übermorgen, am 28. November (bzw. am 27. November in den USA) ist es mal wieder soweit – es ist Buy Nothing Day (Kaufnixtag). Seit nunmehr bereits 20 Jahren wird dieser bereits, initiiert von Adbusters, weltweit begangen. Die Grundidee ist eigentlich ganz einfach und einleuchtend: Wenn Ende November/Anfang Dezember die kränkeste Konsumphase des Jahres eingeleitet wird, weil es auf das Fest des Kaufens und Schenkens („Weihnachten“) zu geht, sollen die Menschen wenigstens für einen Tag innehalten und 24 Stunden lang nichts kaufen. Statt den Konsum anzuheizen geht es also darum, sich mit anderen Dingen im Leben zu beschäftigen. So sehr man den BND auch als Aktion mit beschränktem konkreten Nutzen kritisieren kann (vermutlich werden die meisten Leute, die daran teilnehmen, ihre Kaufentscheidungen nur vertagen), so sehr ist doch der symbolische Gehalt des Tages herauszustreichen sowie der grundlegende Gedanke, dass Leute tatsächlich mal über ihr Kaufverhalten, das bei den allermeisten inzwischen vermutlich ein automatisiertes Eigenleben führt, nachdenken.

Dieses Jahr will Adbusters den Buy Nothing Day auf eine neue Stufe heben und ruft gleichzeitig den „Wildcat General Strike“ (wilden Generalstreik) aus – auf der Webseite zu dieser Kampagne hat Adbusters diverse schöne Aktionen und Infos aus der ganzen Welt zusammengetragen, die zeigen, wie kreativ man der Konsummaschine den Mittelfinger zeigen kann. Darunter sind auch einige deutsche Initiativen, wie in Heilbronn (>> „den Konsumwahn boykottieren“ incl. Flashmob, Straßentheater uvm.) oder Leipzig (>> „Kauf Nix Tag 2009“).

Ich erlaube mir mal eben die Übersetzung des Adbusters-Textes:

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Aus diesem Grunde rufen wir an diesem 27. November (28. November in Europa und in Übersee) einen wilden Generalstreik aus. Wir rufen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt auf, die kapitalistische Konsummaschine anzuhalten – wenn auch nur für einen Moment.

Wir wollen, dass Ihr nicht nur für 24 Stunden aufhört, zu kaufen, sondern auch das Licht, den Fernseher und andere unwichtige Geräte abschaltet. Wir möchten, dass Ihr Euer Auto stehen lasst, Eure Telefone und Eure Computer für diesen Tag ausschaltet. Wir rufen zu einem Ramadan-ähnlichen Fasten auf. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang werden wir uns in Massen ausklinken, nicht nur aus dem Feiertagsshopping, sondern von allen anderen Verlockungen unseres „5-Planeten-Lebensstils“. (Anm. PM: hier wird sich darauf bezogen, dass wir, wenn die gesamte enschheit den exzessiven Lebensstil der USA oder Europäer betreiben würde, 5 Planeten bräuchten, um uns mit den nötigen Rohstoffen für unseren Konsumstandard zu versorgen.)

Wage den Schritt:
Du weißt, wie man sagt: jede lange Reise beginnt mit einem einfachen ersten Schritt. Du hast das Gefühl, dass alles auseinanderfällt – die Temperaturen steigen, die Ozeane sind aufgewühlt, die weltweite Wirtschaft ächzt – wieso nicht etwas tun? Mache einen kleinen Schritt nach vorne in eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft. Gehe einen Pakt mit Dir selbst ein: begib dich auf eine Konsum-Diät. Schließ’ deine Kreditkarten und dein Bargeld weg und schalte dich aus dem kapitalistischen Spektakel aus. Du wirst vielleicht merken, dass das schwieriger ist, als du denkst, dass der Impuls, etwas zu kaufen, stärker in dir verankert ist als dir jemals bewusst war. Aber du wirst widerstehen und du wirst bewusster werden – vielleicht erreichst du die „Erleuchtung“, die die Welt verändern kann.

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BAYER: Protest gegen neue Kohlekraftwerke

Keine Zeit, keine Zeit – deshalb nur diese interessante Pressemitteilung der Coordination gegen Bayer-Gefahren (ja, auch der nette Chemieriese aus Leverkusen gehört zu den großen Umweltsündern):

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BAYER: Protest gegen neue Kohlekraftwerke
7. Dezember: Aktion in Leverkusen zum Start der UN-Verhandlungen / Aktivisten in zehntägigen Hungerstreik getreten / „CO2-Schleudern verhindern!“

Kritiker des BAYER-Konzerns kündigen für den 7. Dezember eine Mahnwache vor der Zentrale des Unternehmens in Leverkusen an. Hiermit wollen sie gegen den geplanten Bau neuer Kohlekraftwerke in mehreren BAYER-Werken protestieren. Am selben Tag werden in Kopenhagen die UN-Verhandlungen zum Klimaschutz beginnen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die in den BAYER-Werken geplanten Steinkohlekraftwerke würden Klima und Umwelt bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts schwer belasten und gleichzeitig notwendige Investitionen zugunsten regenerativer Energien blockieren. Wir fordern von BAYER eine glaubhafte Energie-Wende”. Der Konzern emittiert inklusive seiner Energie-Zulieferer rund acht Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.
Mimkes kritisiert auch die heutigen Aussagen von BAYER-Chef Wenning zum Thema Nachhaltigkeit: „Die von Werner Wenning angekündigten „Beiträge zum Klimaschutz“ sind reine Augenwischerei, sollte der Konzern an seinen Plänen zum Bau neuer Kohlekraftwerke festhalten. Die Kohlendioxid-Emissionen allein des Krefelder Kraftwerks wären mehr als zehnmal so hoch wie die von BAYER angekündigten Effizienzgewinne“.

Allein das in Krefeld geplante Kohlekraftwerk, das von der BAYER-Tochterfirma Currenta betrieben werden soll, würde jährlich 4,4 Mio Tonnen CO2 sowie große Mengen Feinstaub, Stickoxide und Schwefeldioxid ausstoßen. Auch in den BAYER-Werken Brunsbüttel und Antwerpen sollen riesige Kohlekraftwerke gebaut werden. Die Anlagen würden mit Kohle aus Übersee befeuert werden. Die Stadt Antwerpen votierte Ende Oktober wegen der gravierenden Umweltschäden gegen das Projekt im dortigen BAYER-Werk.

Einige Teilnehmer der Mahnwache vom 7. Dezember werden im Rahmen der internationalen Aktion Climate Justice Fast  in einen eintägigen Hungerstreik treten. Schon anlässlich der Vorbereitungsgespräche zum Klimagipfel in Barcelona sind am vergangenen Wochenende eine Reihe von Aktivisten in befristete und unbefristete Hungerstreik-Aktionen getreten, darunter Axel Köhler-Schnura und Christiane Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren, die zehn Tage lang auf Nahrung verzichten werden. „Es muss dringend etwas geschehen”, so Axel Köhler-Schnura. „Für die Banken standen Billionen zur Verfügung, für die Verhinderung der ökologischen Katastrophe so gut wie nichts. Wie immer werden die Konzernprofite nicht angetastet. Damit muss Schluss sein.”

Weitere Informationen:
Climate Justice Fast: www.climatejusticefast.com
Klima-Emissionen  von BAYER: www.cbgnetwork.de/1485.html
Coordination gegen BAYER-Gefahren: www.CBGnetwork.org

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Flashmobs & Carrotmobs – Proteste light?

flashmob-eu_germany_kiel_weit4_kleinLetzte Woche verbreitete ich hier in meinem Blog ja die Infos zu dem Weltklimatag-Flashmob in Kiel (an dem ich auch teilnahm) und dem Carrotmob in Berlin. Natürlich stellte ich mir auch die Frage, welchen tieferen Sinn diese Aktionsformen haben. Auf der einen Seite ist es, ganz im Sinne der Situationisten, auf die sich auch Culture Jammer beziehen, immer eine gute Idee, für Verwirrung im Getriebe des öffentlichen Alltags zu sorgen, zu überraschen und eben auch selbst aktiv zu werden. So werden auch Menschen aktiviert, die ansonsten vielleicht nur daheim bräsig in der Sitzschnecke abhängen würden. Und neue, kreative Formen des Protests können nicht schaden, um der Bewegung frisches Leben einzuhauchen.

Andererseits besteht die große Gefahr, dass so etwas als eine Art „angesagter Trend“ oder „Fun-Event“ angesehen wird und eine tiefere Auseinandersetzung mit den Problemen unserer Zeit und eine intensivere Einmischung ins politische Geschehen (das den Herrschenden unbequem werden könnte) deshalb unterbleibt. Auch besteht die Gefahr, dass ein Umdenken im eigenen Alltag unterbleibt und man sich nur punktuell auf diese Aktionen konzentriert. In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Artikel „Flashmob & Co. – Proteste ohne Herzblut“ in der taz verweisen, der einige gute kritische Punkte zu diesen Aktionen anbringt. Der redaktionseigene Kommentar, der den Artikel begleitet, fasst dieses ganz treffend (wenn auch viel zu einseitig) zusammen:

Kommentar
Niemand hat mehr Lust, auf einer Demo hinter einem Transparent herzutrotten. Der Protestler von Welt will Spaß haben an seiner außerparlamentarischen Opposition und beruhigt sein grünes Gewissen auf CO2-Partys oder, wie beim Carrotmob, eher nebenher beim Einkaufen. Das kann man kreativ nennen. Tatsächlich zeigt es aber, mit wie wenig Herzblut – von den Organisatoren abgesehen – die große Masse der Demonstranten die Idee hinter den Spaßaktionen unterstützt. Jeder ist ja irgendwie ein bisschen gegen Klimawandel, und, wenn es so einfach ist, warum auch nicht? Doch Klimapolitik macht man nicht en passant. Es braucht sowohl wirtschaftliche als auch persönliche Opfer. Die Bürger müssten zeigen, dass sie dazu bereit sind. Anders gesagt: Ist es einer Regierung zu verübeln, dass sie ihren Wählern die notwendigen Einschnitte nicht zumuten will, wenn die Leidensfähigkeit selbst bei den Umweltaktivisten so stark abgenommen hat, dass sie für die grüne Sache nicht einmal mehr auf die Straße gehen? Sie begreifen es ja bereits als Protest, ihre fair gehandelte Ingwer-Karotten-Suppe in einer hippen Salatbar in Berlin-Mitte aus Einwegschälchen zu löffeln.

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Banken bankrottieren!

bankBanken und Bankrott, das hängt nicht nur vom Wortstamme her zusammen. Als ich diese Meldung hier gestern auf Spiegel Online las, musste ich doch ein wenig grinsen: „DSB-Bankrott: Kundenansturm stürzt niederländische Privatbank in die Pleite“.

(…) Der Ansturm auf Konten bei der DSB-Bank begann, nachdem am 1. Oktober eine Vereinigung verärgerter Kunden öffentlich dazu aufrief, dort deponierte Gelder abzuziehen. Sie fühlten sich durch Quergeschäfte wie der obligatorischen Verbindung ihrer Hausbaukredite mit ihrer Meinung nach zu teuren Lebensversicherungen übervorteilt. Innerhalb weniger Tage wurden so mehr als 600 Millionen Euro abgehoben, die Bank war deshalb bereits am 12. Oktober durch Gerichtsbeschluss unter die Kontrolle der Zentralbank gestellt worden.

Von wegen der Kunde kann nichts gegen die Umtriebe der Konzerne unternehmen…! Ob man so etwas allerdings auch hierzulande schaffen würde, also aus Protest gegen z.B. Herrn Ackermanns absurde Renditevorstellungen und die rücksichtslosen Geschäftspraktiken seines Hauses alles Geld von der Deutschen Bank abzuziehen, wage ich ja zu bezweifeln (schon allein wegen der Trägheit vieler Menschen). Schön wär’s aber schon!

Sollte jemand noch einen Grund dafür suchen, die herkömmlichen Banken zu boykottieren, so wird er hier fündig: „Investment banks borrow money from gov’t at 0%, lend it back at 3%“. Soll heißen: die Banken in den USA erhalten Geld von der Federal Reserve mit einem Zinssatz von 0%, und dann gehen sie her und kaufen mit selbigem Geld Staatsanleihen, die mit 2–3% verzinst werden. Der Staat schenkt den Banken somit ganz legal und offiziell Abermilliarden. Unglaublich, ein Skandal erster Güte. All das Gefasel von „mehr Regulierung“ oder „Bändigung der Finanzmärkte“ etc. von Seiten der Politik war also nur Augenwischerei und beschwichtigende Phrasen zur Einlullung derjenigen, die diese Zeche zahlen müssen – die Bürger/Steuerzahler. Mehr hier: „How Wall Street is making its billions”.

(…) What kind of bonds are they buying? Are they investing the money in American business? “No, they are mostly buying Treasuries.” So the money is just being shuffled from one Federal bank account to another, with each Wall Street bank skimming off $1 billion per month for itself? “Pretty much.” (…)

Widerwärtig, zumal wenn man mein Posting von gestern im Hinterkopf hat.

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Veranstaltungstipp für Kiel: Deutsche Gentechnik – Verflechtung von Staat und Konzernen

deutsche-gentechnikIch möchte Euch heute auf eine interessante Veranstaltung von Attac zum Thema Gentechnik und Lobbyismus hinweisen, die am Mittwoch, den 14.10. in der Kieler Pumpe stattfindet:

Deutsche Gentechnik – Verflechtung von Staat und Konzernen
Vortrag und Diskussion: Jörg Bergstedt
Mittwoch 14.10. • 19 Uhr
Pumpe • Haßstr. 22 • Kiel

Warum werden in Deutschland Jahr für Jahr immer neue Versuchsfelder angelegt, obwohl 80 Prozent der Menschen keine Gentechnik im Essen wollen? Warum fließen Steuergelder auch dieser 80 Prozent fast nur noch in die Gentechnik, wenn es um landwirtschaftliche Forschung geht?

Der Blick hinter die Kulissen der Gentechnik mit ihren skandalösen Strukturen und Zuständen bei Genehmigungen und Geldvergabe bietet eine erschütternde Erklärung, warum die überwältigende Ablehnung und der gesetzlich eigentlich vorhandene Schutz gentechnikfreier Landwirtschaft (einschließlich Imkerei) gegenüber der grünen Gentechnik so wenig Wirkung hat. Denn: In den vergangenen Jahrzehnten sind alle relevanten Posten in Genehmigungsbehörden, Bundesfachanstalten und geldvergebenden Ministerien mit GentechnikbefürworterInnen besetzt worden. Die meisten von ihnen sind direkt in die Gentechnikkonzerne eingebunden. Undurchsichtige Geflechte von Kleinstunternehmen und seltsamen Biotechnologieparks namens Biotechfarm oder Agrobiotechnikum sind entstanden, zwischen denen Aufträge und Gelder erst veruntreut und dann hin- und hergeschoben werden, bis sich ihre Spur auf den Konten der Beteiligten verliert. Es wird Zeit für einen Widerstand in Deutschland.

Veranstalter:
www.attac-kiel.dewww.gentechnikfrei-sh.de

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„Meditation is a waste of shopping time“

Aktionen wie die, die die britische Aktivistengruppe Everything is OK in London durchführt, finde ich großartig. Sie laufen mit einem Megafon herum und überhöhen die Kaufpropaganda, die die Reklame uns tagtäglich einzubläuen versucht, ins fast schon Groteske. Die Verwirrung, die sie mit ihren konsum- und globalisierungskritischen Äußerungen stiften, ist köstlich – und auch die Reaktionen der Staatsmacht in Form der Polizei bezeichnend. Das Recht zur freien Meinungsäußerung gilt halt nicht auf öffentlichen Bahnhöfen, selbst, wenn nur ein Schild mit der Aufschrift „Everything is ok“ hochgehalten wird. Alle Folgen der Serie (inzwischen sind es bereits 7) sind sehr sehenswert, wie ich finde; ein User war so nett und hat sie deutsch untertitelt – HIER findet Ihr die gesamte Serie mit Untertiteln, und unten als Appetithappen die „Shopping for CCTV“-Sonderausgabe Diese Form des Widerstand bräuchten wir auch hierzulande, das ist Culture Jamming in Reinkultur. [via]

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