Kategorie: Medien Seite 13 von 25

Surftipp: WeGreen – den Konzernen auf der Spur

Letzte Woche stellte ich Euch ja schon die Website KnowMore vor, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, all die vielen Kriitkpunkte und Sünden, die Großkonzerne so auf sich vereinen, zu sammeln und im Netz gebündelt zu veröffentlichen. Inzwischen gibt es auch eine deutsche Variante dieser Idee, die das Ganze sogar noch einen Schritt weiter nach vorne denkt – WeGreen bietet in Zusammenarbeit mit barcoo Informationen zu vielen Produkten, die man so im Supermarkt findet, und den dahinterstehenden Unternehmen – und das einfach und mobil (und kostenlos) via Handy. Inwieweit die Informationen auf WeGreen wirklich so kritisch sind wie z.B. bei KnowMore, ist immer die Frage, da gerade die CSR (Corporate Social Responsabilty)-Angaben von Firmen zumindest hinterfragbar sind. Aber im Prinzip ist das eine feine Sache. Am einfachsten ist es natürlich, Produkte großer Hersteller und Anbieterketten von vorneherein zu meiden, damit macht an schon mal wenig falsch. ;)

WeGreen macht die “Nachhaltigkeitsampel” für Sie. Sie wollen wissen ob ein Unternehmen seine Mitarbeiter fair behandelt, sich um die Umwelt kümmert und etwas für die Gesellschaft tut?

Kurz: Sie wollen wissen wie “grün” oder Nachhaltig ein Unternehmen ist.
Um Ihnen diese komplizierte Frage schnell und einfach zu beantworten haben wir WeGreen gemacht. WeGreen sammelt alle umfangreichen, fundierten und glaubwürdigen Bewertungen über die Sozialververantwortung (CSR) der Unternehmen. Diese Bewertungen werden dann objektiv gebündelt und an Sie weitergereicht. Und Sie können Ihre nächste Kaufentscheidung strategisch danach ausrichten.

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Schwarz wie Milch – Kurzfilm über Manipulation in den Medien

Den wunderbaren Kurzfilm „Schwarz wie Milch“ von Stefan Kempas, der seine Abschlussarbeit an der seine Bachelorarbeit an der Hochschule Ulm darstellt, habe ich gerade in Michael Wenzls Blog entdeckt. Er befasst sich – durchaus mit einem ironischen Zungenschlag – mit der Beeinflussung unserer Meinung und Weltsicht durch Medien und Reklame:

[…] Wenn die Welt nur noch aus Lügen besteht, dann wird die Wahrheit das Ein- zige sein, was niemand mehr glaubt. Ein schöner Satz, oder? Drehen wir ihn mal um. Wenn die Welt nur noch aus Wahrheiten besteht, erkennt niemand mehr die Lüge. Funktioniert auch. Nur weil man einen Satz mit „Ja“ beant- worten kann, bedeutet es nicht, dass er deiner Meinung entsprechen muss. Wir leben in keiner schwarz weißen Welt. Manipulation funktioniert aber nach diesem stupiden Prinzip. Wer sich informiert wird eine eigene Meinung haben. […]

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Alles Lüge: Das Geschäft mit den Promi-Nachrichten

Natürlich erzähle ich kaum einen regelmäßigen Leser meines Blogs etwas Neues, wenn ich darauf hinweise, dass so manches von dem, was in dem Mainstreammedien und besonders der Boulevardpresse berichtet wird, oft nur begrenzt etwas mit der Realität zu tun hat. Dies ist logischerweise vor allem in der bunten Welt des Showbiz, der VIP-„Nachrichten“ und ähnlich pseudo-relevanter Dinge der Fall. Selten wurde das so deutlich gesagt wie in nachfolgendem Zapp-Beitrag aus dem letzten Jahr – „Das Geschäft mit falschen Promi-Nachrichten“:

Amy Winehouses neuer Busen, Schwarzeneggers Verkehrsprobleme, Joops Stützstrümpfe. Das sind die Klatsch und Tratsch Geschichten von Heute. Doch jeden Tag eine prominente Story – das ist mühsam. Da hält die Wahrheit nicht immer Schritt.

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(S)hell und die Verbrechen an den Menschen in Nigeria

In der Regel drucken Magazine etc. ja jeden noch so großen Schwachsinn ab, den sich die Marketingabteilungen der Konzerne ausdenken. Egal wie sehr da das Blaue vom Himmel gelogen wird, egal wie sehr Tatsachen verbogen und Images grüngefärbt werden. Wenn aber dann mal eine Anzeige Klartext redet und die Wahrheit hinter dem schillernden Firmenimage enttarnt, bekommen so manche Medien offenbar kalte Füße. So geschehen letzte Woche bei der Financial Times, die eine Werbung von Amnesty International nicht abdrucken wollte, in der die Organisation die Verbrechen von Shell an Menschen und Natur anprangert, die diese bei ihrer Ölförderung vor allem in Nigeria begehen. Im Netz kann man das Anzeigenmotiv, das sich an die Aktionäre dieser Firma richtet, die am 18. Mai zur Hauptversammlung gingen, natürlich jetzt trotzdem betrachten, z.B. im Protect The Human-Blog, oder hier (zum Vergrößern anklicken):

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Nachfolgender kleiner Film zeigt sarkastisch-drastisch noch einmal pointiert die, nun ja, bemerkenswerte Firmenpolitik von Shell in Afrika, die absolut nicht zu tolerieren ist.

Wer tatsächlich immer noch bei Shell tankt, unterstützt solch ein Treiben! Fahrradfahren ist sowieso gesünder. :)

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BP – der grüne Lack ist ab

Reklame ist ja so eine Sache, vor allem, wenn kaum noch ein konkretes Produkt, sondern nur noch ein Firmen- oder Markenimage medial aufgebaut werden soll – nicht selten eines, das mit der Realität der Unternehmenspolitik wenig zu tun hat oder diesem sogar konträr entgegengesetzt ist. Da lassen Autofirmen ihre stinkenden und umweltzerstörerischen Vehikel durch grüne Landschaften rasen, um zu suggerieren, dass den Konzernen etwas an grüner Natur liegt. Discounter wie Lidl inszenieren sich als verantwortungsvolle Arbeitsgeber. Oder Atomkonzerne stellen in ihren Werbespots quasi als Feigenblatt ihre mickrigen Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien in den Vordergrund, um damit zu überspielen, dass ihr Hauptgeschäft ein gefährliches und dreckiges ist. Genauso geht es auch bei den Ölmultis zu – Abermillionen fließen hier in PR und Reklame, um die Öffentlichkeit Glauben zu machen, dass ihr Kerngeschäft völlig ungefährlich und eher ein Segen für den Planeten und die Menschen sei.

Selten ist dies so krachend nach hinten losgegangen wie derzeit bei BP. All die schönen hohlen Werbsprüche von „beyond petroleum“, all die teuren Werbespots und gekauften schönfärberischen Präsentationen in den Medien sind mit einem Schlag als die Makulatur und das Greenwashing entlarvt worden, die sie schon immer waren. Dies bringt auch das NDR-Magazin ZAPP in „Wie BP jahrelang ein grünes Image vortäuschte“ ganz klar auf den Punkt:


Man sollte diese Erfahrungen und Erkenntnisse dazu nutzen, NOCH kritischer all das zu betrachten, was einem Konzerne so via medialer Berieselung zu erzählen versuchen. Je größer der Konzern und je aufgeblasener und paradiesischer die Werbung, desto mehr Dreck dürfte das jeweilige Unternehmen am Stecken haben. Das Vorgehen von BP, das ZAPP aufzeigt, ist in dieser Hinsicht geradezu „mustergültig“, denn hier wird mehr Geld für das Erzeugen des Images als für tatsächliche Änderungen im Konzern ausgegeben. Man muss sich an der Stelle übrigens auch mal fragen, inwieweit die Medien, die solche Reklame und PR abdrucken/Senden nicht auch mitschuldig am Grünwaschen sind…

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Life in Pixels

An eine Zeit, die man bestenfalls als Web 0.0 bezeichnen könnte, erinnert der wunderbare Kurzfilm „Pixels“ von Patrick Jean, der die Übernahme New Yorks durch bekannte 80er Jahre 8-Bit-Computerspiele „simuliert“. Grandios gemacht und unterhaltsam, und vielleicht auch auf eine hintersinnige Weise kritikphilosophisch. Oder auch nicht.

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Blechen für Werbung?

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© adamsphoto, stock.xchng

Immer wenn man meint, man hätte schon alles an medialer Absurdität erlebt, kommt doch aus irgendeiner Ecke eine Idee, die einen neuen Tiefpunkt setzt. Ganz aktuell bemüht sich die Reklameindustrie darum, die Ergüsse der mal mehr, mal weniger Kreativen, die irgendein Produkt anpreisen oder einen Großkonzern grünwaschen, als wertvollen Content zu vermarkten und deshalb auch Gebühren von den Bügern dafür zu verlangen. Nein, das ist kein Scherz – nicht nur, dass der Werbe- und Marketingklimbim den Menschen ohnehin schon auf den Wecker fällt und alle Lebensbereiche gnadenlos durchzieht. Nun sollen wir tatsächlich, analog zu den Urheberrechtsabgaben, die von Sendern für PCs etc. angedacht sind, pauschal eine Abgabe für die tollen Erzeugnisse der Reklamefritzen löhnen. Hut ab, das ist wirklich mal kreativ, auf so eine dreiste Idee muss man erst einmal kommen… Das Fachhandelsmagazin IT-Business schreibt dazu in „Volkssport Urheberrechtsabgabe: Jetzt wollen Werbefilmer kassieren“:

[…] Stellen Sie sich vor: jemand schmeißt Ihnen ungefragt etwas in den Garten, deklariert es zur Kunst und verlangt von Ihnen als Gartenbesitzer dann quasi Eintrittsgeld – Sie finden das verrückt? Andere nennen es ein deutsches Geschäftsmodell. Das erste positive Urteil dazu ist bereits ergangen. […]

[…] muss deshalb jeder Besitzer eines PCs oder eines Festplattenrekorders dafür zahlen? Und ist es nicht pervers, dass auf der einen Seite die TV-Sender mit CI+ versuchen, die TV-Aufzeichnungen so zu reglementieren, dass die Werbeblöcke nicht übersprungen werden können, auf der anderen Seite dann genau damit eine Vergütungspflicht begründet wird? […]

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Was ist mit Werbung nicht in Ordnung? (What’s wrong with advertising?) Teil 2: Eindringen/Einmischung

Heute setze ich endlich meine Übersetzung der Texte von Prof. Hugh Rank von der Governors State University in Illinois fort, in denen es um Persuasion Analysis, und darin speziell um Werbung geht. Teil 1 war ein Übersichtsartikel, der die vielen möglichen Kritikpunkte an Werbung auflistete. Im heutigen Artikel geht es um den ersten Punkt – „Eindringen/Einmischung („… zu viele Anzeigen“)“.


Was ist mit Werbung nicht in Ordnung?
Eindringen/Einmischung

Viele Menschen beklagen sich über das nervige Eindringen von Werbung in „ihre Zeit“, weil Anzeigen permanent ihr Fernsehprogramm unterbrechen: „zu viel, zu oft, zu viel Reklame“.

„Das wachsende Eindringen von Marketing und Werbung hat zu einem übersättigten Markt geführt und hebt den Widerstand der Konsumenten auf ein Allzeit-Hoch…“ (Yankelovich Report, April 2004)


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© O. Fischer, pixelio

Typische Kommentare von Studenten über die Zudringlichkeit von (TV-)Werbespots:

„… zu viele Spots… sie unterbrechen das Spiel… wiederholen sich zu sehr… Sie spielen die selben Werbeclips immer wieder und wieder… Man kann ein gutes Fernsehprogramm nicht genießen, wenn man andauernd unterbrochen wird… Werbung nervt einen die ganze Zeit… Werbung nimmt zu viel Platz ein… Reklame nimmt zu viel Zeit innerhalb eines Programms in Anspruch… Ich habe Kabelfernsehen, um Werbung zu vermeiden, aber sie ist immer noch da… zu lang… sie unterbrechen das Programm immer an den interessanten Stellen… gerade wenn der Film spanennd wird… Werbung ist zu laut… die selben Spots werden so oft wiederholt, bis man sie nicht mehr ertragen kann… ein Großteil meiner E-Mails besteht aus Spam… Firmen geben zu viel Geld für Werbung aus… Ich hasse diese langen Infomercials… Werbung ist überall… Es werden so viele Werbespots hintereinander gebracht, dass man vergisst, worum es in der Sendung überhaupt ging… Radiowerbung ist langweilig, wenn ich darauf warte, Musik zu hören… Übersättigung… Ich fühle mich von Werbung überschwemmt… Eindringen in mein Privatleben… Sie ist überall…“


Viele dieser Klagen sind naiv, egozentrisch und fußen auf Ignoranz, auf einem fehlenden Verständnis dafür, dass:

– Kommerzfernsehen der Hauptmarktplatz unserer Gesellschaft ist.
– Fernsehprogramme hauptsächlich deshalb existieren, um Werbetreibenden ein Publikum zu bieten.
– „Wer die Band bezahlt, bestimmt die Musik.“


Verstopfung/Zumüllung

Auch Werbetreibende machen sich Sorgen über „zu viele Anzeigen“. Aber sie befürchten eher, dass ihre Werbung, ihr Produkt, in der Verstopfung durch all die anderen Anzeigen untergeht. Vor dem Amtsantritt von Ronald Reagan gab es eine Verordnung, die die maximal zulässige Sendezeit von Werbung begrenzte. Dann wurden diese Beschränkungen aufgehoben. Heutzutage können Fernsehstationen so viel Werbung senden wie sie wollen, beschränkt nur durch die Gefahr, ihre Zuschauer zu verlieren.

Deshalb hat bis zum Jahr 2000 die Sendezeit für Werbung auf inzwischen 13 Minuten (25–30 Spots) pro Stunde in der Hauptsendezeit zugenommen. Andere Programme mit einem „gefesselteren Publikum“ (wie Samstagvormittags-Kindersendungen und Spätfilme) weisen noch mehr Spots pro Stunde auf. Wenn Sie 7 Stunden Fernsehen am Tag schauen (wie Nielsen es für die „Durschnittsfamilie“ herausfand) sehen Sie täglich über 182 Werbespots (7 x 13 Minuten = 91 Minuten x 2 durch 30 Spots = 182).

Zum Zeitpunkt seines Grundschuleintritts hat ein 6jähriges Kind in Amerika bereits über eine Viertelmillion an Werbebeiträgen im Fernsehen geschaut.

Mehr über diese Zumüllung finden Sie im 2005er PBS-Programm „Frontline – The Persuaders“.


Ausmaß an Toleranz

Menschen ertragen mehr Anzeigen in Printmedien (Zeitungen und Zeitschriften), weil sie die Anzeigen leichter überfliegen und so diejenigen, die sie nicht interessieren, überblättern können. Außerdem suchen sich manche Leute gewisse Zeitschriften (Modehefte, Hochzeitsmagazine, Kochen, Dekoration) und lokale Zeitungen speziell wegen der Anzeigen darin aus.

Zuschauer tolerieren Werbung eher im kommerziellen Fernsehen (wo sie Kommerz erwarten) als im Kabelfernsehen oder auf öffentlich-rechtlichen Sendern. Zu Beginn waren alle kommerziellen Fernsehsender in den USA „frei“ für die Zuschauer (finanziert durch Werbung), anders als in anderern Ländern, wo eine jährliche Gebühr erhoben wird, um werbefreies Fernsehen zu finanzieren. Als das Kabelfernsehen aufkam, versprach es seinen bezahlenden Kunden werbefreie Spezialprogramme, doch bald erschienen Reklamespots auch auf den meisten dieser Sender.

Zu Beginn des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (und Radios) waren diese werbefrei (finanziert durch parteienneutrale Regierungsstellen). Doch schon bald „zwangen“ die Politik und Unterfinanzierung die Sender, auch Gelder von Firmen-„sponsoren“ zu akzeptieren, die viele „weiche“, „Wohlfühl“-Anzeigen schalteten und solche, die das Konzernimage stärken sollten. (Wie können Sie sich über die Ölfirmen aufregen, wenn sie so ein gutes Programm sponsorn?) Zuerst zielte solche Werbung nur auf Erwachsene ab (Sonntagmorgens, Talkshows), aber nun attackieren viele Sponsoren Vorschulkinder in ihren Kinderprogrammen; z.B. die Juicy-Juice „Wohlfühl“- und Markenerkennungs-Spots, so dass 4- oder 5jährige, die mit ihrer Mutter einkaufen gehen, diese Produkte wählen.

Leute ertragen Werbung, die in Filmen eingebettet ist („Product Placement“), eher in Hintergrundszenen als in Großaufnahmen, wenn der Filmheld eine Dose eines Softdrinks hochhält, die von dem Konzern produziert wird, der beides (Filmstudio & Getränkeproduktion) besitzt.

Pop-Ups und blinkende Werbebanner im Online-Bereich entwickeln sich rasch zu der störendsten Form des Eindringens der Werbung.


Allgegenwart

Werbung ist praktisch überall in unserer Gesellschaft. Man kann Reklame nicht ausweichen. [Anm. PM: Zwar nicht komplett, aber einen Großteil der Kommerzpropaganda kann man schon aus seinem Leben verbannen: kein Privat-TV oder -Radio, Adblocker im Browser, keine werbefinanzierten Zeitschriften, kein Flanieren in Shopping-Centern.] Werbung wird nicht verschwinden.

Beispiele für viele neue Techniken finden Sie hier: „Zipping and zapping ads works with VCRs, but not in reality“ (Wegzappen von Werbung geht beim Videorecorder, aber nicht im realen Leben)


Geräuschbelästigung

Glücklicherweise gibt es in den meisten amerikanischen Städten Gesetze gegen Lastwagen, die mit ihren plärrenden Lautsprechern umher fahren, aber diese Wagen sind in anderen Ländern ohne solch strengen Gesetze oder Konsumentenschutz, durchaus üblich.


Visuelle Verschmutzung

Im Jahre 1965 leitete die Frau von Präsident Lyndon Johnson (Lady Bird Johnson) eine Kampagne für den „Highway Beautification Act“, um die 600.000 Plakatwände loszuwerden, die schnell am Rande des neuen Interstate-Autobahnnetzes entstanden waren. Unter großem öffentlichen Druck verabschiedete der Kongress schließlich das Gesetz.

Aber nachdem das öffentliche Interesse wieder eingeschlafen war, überzeugten die Werbetafel-Lobbyisten im Stillen genügend Mandatsträger, um den Etat zu begrenzen, der jedes Jahr nötig war, um den Besitzern der existierenden Plakatwände die „Entschädigung“ zu zahlen. Deshalb stehen auch 40 Jahre später noch über 200.000 Plakatwände an den Straßen.

Viele Städte verkaufen heutzutage Werbefläche (Bänke, Bushaltestellen) und „Sponsor“rechte für öffentliche Erholungseinrichtungen, und erlauben so das zeitweise Aufstellen von Plakaten und Werbebanner bei Konzerten, Festivals, Rennen oder jeglicher Versammlung größerer Menschenmengen im öffentlichen Raum.

In den Schulen verspricht Channel One seinen Werbekunden, dass sie keine Überfüllung zu befürchten habe, keine andere Werbung, im wertvollen „Tagesteil“ (9 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags), während sie ein Zielpublikum von über 8 Millionen Schülern in 15.000 Schulen liefern. [Anm. PM: Zum Glück gibt es inzwischen immer mehr Initiativen an Schulen, die diesen Sender aus dem Unterricht verbannen.]

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Wissensbasis: Marktradikale Pressuregroups

Jetzt so kurz vor der NRW-Wahl möchte ich doch endlich mal einen Artikel zur Lektüre empfehlen, in dem es um die mannigfaltigen Verstrickungen der Politik mit der Wirtschaft geht – „Marktradikale Pressuregroups – Die Macher hinter den Kulissen – Wie INSM, Atlantik-Brücke, Aspen-Institute und ähnliche Netzwerke Deutschland heimlich regieren“ von Hermann Ploppa. Erschienen ist er auf linkezeitung.de, weshalb man sich bei der einen oder anderen Information natürlich auch (wie bei allem, was irgendwo gedruckt steht) fragen muss, inwieweit dis alles objektiv dargestellt wird. Dennoch waren mir vorher viele Dinge so nicht bewusst und auch nicht, wie tief der Sumpf, den wir noch Demokratie nennen, mittlerweile geworden ist. Manchmal mussman sich dann schon fragen, ob das, was uns in den Mainstream-Medien normalerweise so gezeigt wird, nicht nur die Inszenierung eines schönen Scheins ist, der nicht mehr der Realität entspricht. Aber urteilt selbst und lest erstmal den Beitrag, der nicht nur wegen seiner Länge wahrlich keine leichte Kost ist.

[…] Wer verstehen will, wie politische und wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden, ist zunächst auf die Spitze des Eisbergs verwiesen: Politiker, Verbandsfunktionäre oder Gewerkschaftsführer. Die eigentlichen Beeinflusser und Entscheider befinden sich jedoch hinter der schützenden Fassade der Tagespolitik. Hinter der Fassade befinden sich Netzwerke, die seit Jahrzehnten planmäßig die Eliten beeinflussen und steuern. Sie arbeiten daran, in der Wissenschaft das Paradigma durchzusetzen, zum Dogma des Marktradikalismus gäbe es keine Alternative. Marktradikalismus: so wenig Staat wie möglich, so viel Markt wie möglich. Die Massenbeeinflussung durch Medien wird zentral in diesem Sinne orchestriert. […]

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Flattr – Eine neue Art des Austauschs im Netz

Unlängst entspann sich ja hier in meinem Konsumpf-Blog im Zusammenhang mit Adblock Plus eine kleine Diskussion über die Unabdingbarkeit von Reklame für das Finanzieren von Webangeboten. Das Gequake ist ja groß, dass sich solche Auftritte nur mit Hilfe der bei den Usern aber zumeist verhassten Werbeeinblendungen tragen (wobei dieses Argument für private Seiten, die dennoch mit Google Ads und Ähnlichen verunziert werden, ohnehin sehr schwach auf der Brust ist). Da ich denke, dass die Qualität und Seriösität (und auch Unabhängigkeit) der Inhalte auf Websites durch Reklame eher gemindert wird, finde ich es besonders spannend, dass nun auch andere Modelle entwickelt werden – denn zusätzlich zum reinen Bezahlservice und der Werbefinanzierung gab es bisher nur die Möglichkeit direkter Spenden. Hier setzt in gewisser Weise auch der neue Dienst Flattr an, der sich derzeit noch in der Beta-Phase befindet und neue Mitglieder nur auf Einladung hin aufnimmt. Mitgründer ist Peter Sunde, der früher für seine Beteiligung an der Pirate Bay-Site bekannt war und sich nun also für eine legalere, zumindest weniger umstrittene Plattform einsetzt. Das Grundprinzip ist recht einfach und wird in diesem Video erklärt:

In einem halbstündigen Vortrag auf der Bloggerkonferenz re:publica führt Peter Sunde das Ganze noch etwas weiter aus (die scheiß Konzernlogos im Hintergrund stören dabei ein wenig ;-) :

Ein recht reißerisch betitelter bzw. eingeleiteter Artikel, der zeigt, dass die Autorin nur die Einnahmeseite im Blick hat, erschien dazu in der taz: „Flattr hilft beim Geldverdienen“ (Zitat: „… Mithilfe eines Flattr-Buttons kann jeder mit seinen Inhalten Kohle scheffeln“, au Backe, was ist denn das für ein Niwoh, werte taz). Etwas weniger platt und mit mehr Blick für das Potential beschreiben der uarr-Blog – „Von Flattr, Facebook und fantastischen Visionen“ – sowie netzwertig.com – „Neuer Micropayment-Dienst setzt auf Thank You-Economy“ – dieses Startup.

[…] Wer bei Flattr mitmachen möchte, zahlt monatlich einen selbst gewählten Betrag auf sein Flattr-Konto ein (Untergrenze zwei Euro). Fortan kann man jedes Mal, wenn sich auf einer Site ein Flattr-Button befindet und man das dort Vorgefundene für belohnenswert hält, auf den Button klicken, um ihn zu “flattern”.

Am Monatsende wird die von Nutzern eingezahlte Summe gleichmäßig zwischen allen Inhalteanbietern aufgeteilt, die sie “geflattert” haben. Je nach persönlichem Flattr-Budet kann es sich dabei pro Person um Centbeträge handeln, die an einzelne Mediensites oder Blogs ausgezahlt werden. In der Summe jedoch kann dadurch ein nettes Sümmchen für angeschlossene Sites zusammenkommen. Soweit jedenfalls die Vorstellung der Flattr-Macher. […]

Ich weiß, dass ich so etwas wie Flattr auf jeden Fall benutzen würde, um anderen Bloggern, deren Texte ich gerne lese, diese Art von Anerkennung (und ein paar Cent) zukommen zu lassen, von daher bin ich also durchaus prinzipiell bereit, für guten Inhalt im Netz etwas zu zahlen – wenn sich keine überbordende Bürokratie dzwischenschaltet!

Ich finde die Idee schon faszinierend, frage mich aber natürlich, ob dies letztlich auch eine Form der Kommerzialisierung von Blogs usw. bedeutet, indem man seine Beiträge so auch in eine Art „Geldkreislauf“ einbringt. Was meint Ihr? Schreibt mir Eure Meinung doch einfach ins Kommentarfeld.

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