Kategorie: Ernährung Seite 5 von 19

Bio in der Profit-Mühle

Es gab mal eine Zeit, so vor zwanzig oder dreißig Jahren, als Bioläden und ihre Produkte einen echten Nischenmarkt bedienten und vor allem für Menschen waren, die schon damals ökologisch korrekt unterwegs waren, sich aber vom Rest der Gesellschaft als „Müslis“ anranzen lassen mussten. Das war, nebenbei bemerkt, die Zeit, in der die Grünen auch noch echte gesellschaftsumkrempelnde Visionen hatten.

Mittlerweile sind Biolebensmittel zu einem großen Trend geworden, der von entsprechenden großen Firmen bedient wird und mit dem sich sehr gut Geld verdienen lässt. Wogegen jetzt zunächst mal nichts einzuwenden wäre, wenn wir nicht in einem Wirtschaftssystem lebten, das dafür sorgt, dass die Gesetze des Marktes und der Profitmaximierung zu Lasten ursprünglicher Ideale gingen. So ist die Zahl derjenigen, die aus wirklicher Überzeugung Biolandbau betreiben, vermutlich kaum gestiegen, während es für die meisten einfach nur ein lohnendes Einsatzfeld ist, bei dem die Gewinnspanne stimmt. Logisch, dass in so einem Umfeld die Biorichtlinien eher weiter aufgeweicht werden und man versucht, mit entsprechend üppig dimensionierten Betrieben die Nase vorn zu behalten.

Dementsprechend desillusionierend ist das, was das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus in seinem Beitrag „Bio boomt – Und unsere Bauern schauen nur zu“ neulich sendete. Faszinierend ist auch die Naivität vieler Kunden, die Bio kaufen und denken, dass dies automatisch aus der Region stammt. Schwer nachvollziehbare und von der Politik sehr kurzsichtig gedachte Subventionswirren sorgen dafür, dass Biolandbau in Deutschland zunehmend unrentabler wird.

Bio boomt. Von Obst, über Fertigsuppe bis hin zum Putzmittel – fast nichts, was es nicht auch in Bio gibt. Überall, wo Bio draufsteht, greifen Kunden guten Gewissens zu. Mittlerweile gibt es Bio-Produkte in jedem Supermarkt. Der Umsatz ist auf über 6,6 Milliarden Euro gestiegen. Doch auf der Strecke bleiben ausgerechnet die, die es produzieren: „Wir haben uns 2011 entschlossen, diesen Hof wieder rückumzustellen auf den konventionellen Landbau“, sagt Landwirtin Anne Isenburg.

Wie kann das sein? Bio boomt vor allem in Supermärkten und Discountern. Deutschland bildet in der Nachfrage nach Bio-Produkten die Spitze in Europa. In einem Edeka-Markt finden sich rund 10.000 Bio-Artikel in den Regalen – zehn Prozent vom gesamten Sortiment. Marktleiter Peter Splettstößer sagt: „Es gibt in jeder Produktgruppe Bio. Das ist für mich schon fast erschreckend und ich frage mich wie das kommt.“ Das fragen wir uns auch: wo kommen diese Massen eigentlich her?

Über die Hälfte von Bio kommt aus dem Ausland

Von wegen allein aus Deutschland. Über 50 Prozent der Bio-Produkte kommt aus dem Ausland: Bohnen aus China, der Honig aus Mexiko, Brasilien, Chile und jeder zweite Bio-Apfel kommt ebenfalls von weit her. Diese Kartoffeln aus Ägypten sind 3.200 Kilometer weit gereist. Bohnen aus China 7.200 Kilometer und die Äpfel aus Argentinien satte 12.300 Kilometer.

10.000 Bio-Bauern fehlen in Deutschland um die Riesennachfrage zu decken. Und immer mehr geben auf. Was läuft schief in Deutschland? Das Stichwort lautet: Ökoförderung. In Deutschland ein Flicken-Teppich jedes Bundesland entscheidet selbst. Fast überall wird gekürzt, Brandenburg und Schleswig-Holstein haben sie gestrichen – gerade mal zwei Länder bauen Öko aus. Null Förderung für Biobauern. Jeder zehnte Ökobauer produziert mittlerweile wieder konventionell. (…)

(…) Die Deutschen wollen Bio mehr denn je. Aber zu welchem Preis? Wer wirklich ökologisch einkaufen will, sollte Produkte aus der Region im Blick behalten.

Dieser Trend wird, wie ich auch hier im Blog schon das eine oder andere Mal angemerkt habe, noch stark befeuert durch Discounter und Supermärkte, die den Druck auf die Preise und die Kostenstruktur weiter erhöhen und damit den Biolandbau zunehmend in die aus anderen Bereichen sattsam bekannte (schädliche) Profitspirale zwängen. Der SWR brachte unlängst ein Bio-Special und ging auch auf dieses Thema ein – „Bio-Lebensmittel beim Discounter – Bio ganz billig“:

(…) Im Gegensatz zu den Siegeln der deutschen Öko-Anbauverbände wie Demeter, Bioland und anderen garantiert das EU-Bio-Siegel Mindeststandards. Nicht mehr und nicht weniger. Für die Lebensmittel-Hersteller ergeben sich daraus Möglichkeiten, wie die Bio-Ware billiger produziert werden kann. So enthält Kirschjoghurt, wie Ökotest als Beispiel anführt, nach den strengen Öko-Landbau-Richtlinien elf Prozent Kirschen und keine anderen natürlichen Aromen. Das EU-Bio-Siegel erlaubt, den Anteil der Kirschen auf sechs Prozent zu senken, für den Geschmack natürliche Aromen zuzufügen und den Joghurt mit billigem Rote-Bete-Saft rosa zu färben. (…)

Dass der Handel mit Bio-Produkten kein Nischendasein mehr führt, sondern ein hart umkämpfter Massenmarkt ist, in dem sich viel Geld verdienen lässt, hat in der Branche längst den Umgang von Bauern, Lebensmittelproduzenten und Händlern verändert. War den Pionieren der Branche ein partnerschaftliches Miteinander wichtig, herrscht heute zum Teil ein harter Wettbewerb. Dies hat dazu geführt, dass der “Bundesverband Naturkost und Naturwaren” einen Branchenkodex entwickelt hat, der unter anderem einen fairen Umgang auf allen Ebenen vorsieht.

Massenhaft erzeugte Bio-Milch wird ebenso wenig in idyllischen kleinen Kuhställen von Hand gemolken, wie billige spanische Bio-Tomaten auf kleinen Parzellen liebevoll gepflegt werden. Aber Kühe, die Bio-Milch nach dem EU-Bio-Siegel produzieren sollen, haben das Recht auf Auslauf und sind nicht den ganzen Tag im Stall eingesperrt. Und spanische Bio-Tomaten werden zwar auch in großen Treibhäusern gezogen, sollen aber nach EU-Vorschriften wasserschonend und ohne Einsatz von Pestiziden angebaut werden. Dass etwa Tomaten aus Spanien oder Olivenöl aus Griechenland den vorgeschriebenen EU-Standards entsprechen, wird regelmäßig kontrolliert. Auch bei exotischen Früchten aus Brasilien oder Kaffee aus Äthiopien gibt es Kontrollen der Endprodukte und der Herstellung, die gewährleisten sollen, dass das EU-Bio-Siegel zu Recht vergeben wird.

Bio ist nicht automatisch fair

Wer jedoch glaubt, dass Bio-Produkte immer unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden, liegt falsch. Die Richtlinien der deutschen Öko-Verbände sind nicht nur bei der Herstellung der Lebensmittel strenger als die EU-Verordnung, sondern sehen auch vor, dass in den Betrieben soziale Arbeitsbedingungen herrschen. Beim EU-Bio-Siegel sind dafür keine Standards vorgeschrieben, was vor allem bei Importprodukten bedeuten kann, dass Arbeiter auf den Bio-Plantagen nahezu genau so ausgebeutet werden wie in den seit langem umstrittenen konventionellen Betrieben. (…)

Wenn man sich mal bei YouTube herumtreibt, begegnet einem dort ein erschütterndes Maß an Ignoranz und Dummheit – warum ich das erwähne? Nun, weil es dort auch in gewissen Kreisen üblich ist, Bio generell für Humbug zu halten (das sind vermutlich auch Leute, die Umwelt- und Naturschutz als Abzocke ansehen und freie Fahrt für freie Bürger fordern…). Dass diese Skepsis trotz allem nicht unbedingt angebracht ist, zeigte der SWR in „Zehn Jahre ‚Ökomonitoring Baden-Württemberg‘ – Wie gut ist Bio?“:

(…) Bio-Lebensmittel dürfen sich zu recht mit dem BIO-Zeichen brüsten. Das verkündete der württembergische Verbraucherschutzminister Alexander Bonde, als er nun die Bilanz von zehn Jahre Öko-Monitoring vorstellte. Die Qualität von etwa Obst, Gemüse, Wein und Kaffee in Bioqualität sind demnach topp, besonders wenn sie aus Deutschland stammen. Von über 1.100 deutschen Bio-Lebensmitteln beanstandeten die Überwachungsämter nur etwas mehr als 20 Produkte. Die meisten dieser Lebensmittel enthielten dabei lediglich winzige Spuren von Spritzgiften. (…)

Das Ökomonitoring des Landes Baden-Württemberg hat gezeigt, dass eine regelmäßige Überwachung hilft, die Qualität der Lebensmittel zu verbessern. Denn die Gesamtzahl der Beanstandungen ist im Laufe der vergangenen zehn Jahre deutlich zurückgegangen. Anfangs entsprachen noch fast zehn Prozent der Bioware nicht den entsprechenden Bio-Richtlinien. Inzwischen gibt es dagegen nur noch bei rund einem Prozent der Lebensmittel etwas zu mäkeln. (…)

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Die Sehnsucht nach dem einfachen Leben

Nein nein, keine Angst, ich mache nicht etwa wegen der Fußball-EM eine Pause; andere Dinge nehmen mich momentan in Beschlag. Damit Ihr Euch aber nicht langweilen müsst, will ich Euch die interessante Sendung „Einfaches Leben“ aus der 3Sat-Reihe Scobel ans Herz legen. Wie bei Scobel üblich gibt es neben den Gesprächen mit den Studiogästen (die sind mäßig interessant) verschiedene kurze Filme zwischendurch die die Facetten eines einfachen, auf weniger Konsum und mehr Selbstversorgung basierenden Lebens beleuchten.

Mit den Gästen:

  • Dr. Notker Wolf (Abtprimas des Benediktinerordens und Professor für Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie)
  • Dr. Svenja Flasspöhler (Philosophin)
  • Aussteiger und Asketen gab es schon immer. Nicht in einer Tonne, aber in einer kleinen schäbigen Hütte lebte der Philosoph Diogenes und war damit zufrieden. Asketische Strömungen kennt die Kultur- und Geistesgeschichte zu Genüge. Aber werden Askese und gesellschaftlicher Rückzug derzeit zur Massenbewegung? Die moderne Lebenswelt ist zunehmend komplexer werdenden Mechanismen und Strukturen unterworfen.

Ganze Lebensbereiche entziehen sich dem Verständnis, sind nicht mehr zu dirigieren: Kaum jemand kennt alle Funktionen seines Handys oder weiß, woher die Nahrungsmittel seines Speiseplans stammen. Längst werden Entscheidungen über das eigene Leben ganz woanders gefällt, in Brüssel oder an den Schreibtischen großer Global Player. Die Politikverdrossenheit steht symptomatisch für die Ohnmachtsgefühle vieler Bürger. Hilflosigkeit angesichts von Komplexität und Globalisierung, aber auch das Gefühl von Entfremdung, Überreizung und Übersättigung sind zu zentralen Grundstimmungen in den modernen Industriegesellschaften geworden.

Der Mensch reagiert auf diese Überforderung mit dem Bedürfnis nach Vereinfachung. “Simplify your life” ist zum verbreiteten Slogan geworden. Die Sehnsucht nach Überschaubarkeit zeigt sich in den verschiedensten Lebensbereichen – von Mode über Architektur und Design bis hin zu Ernährungsweisen und Reiseverhalten. Wandern statt Fernflug, regionale statt ausländische Küche sind angesagt. Aber auch Philosophie und Religion stellen sich diesem Trend.

Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen über die Erscheinungsformen moderner Askese.

 

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Lesetipps: Red-Bull-Kapitalismus | Kreuzfahrten | Soziale Netzwerke | Gärtnern in der Stadt

Da ist er also, der Juni. Kein Sommer in Sicht, also ideale Voraussetzungen, um ein bisschen was zu lesen. Beispielsweise das Feature des Freitag über den Red Bull-Konzern und seine epidermische Ausbreitung im Sportbereich. Mal unabhängig davon, was man nun von der Blubberbrause halten mag, ist das Vorgehen von RB „beispielhaft“ – in dem Sinne, dass man sieht, in welche Richtung sich der Sport bewegen wird, da er den gleichen Gesetzen der kompletten Durchkommerzialisierung unterworfen ist, wie andere Lebensbereiche auch. Schön ist das nicht. „Red-Bull-Kapitalismus“:

Red Bull ist mehr als ein Getränk, ein Energiespender, ein Lebensgefühl. Ja, es ist mehr als nur ein Produkt. Es verkörpert die aktuellste Form des Kapitalismus

Getränke eignen sich als Prophezeiungen des jeweils neuesten Stadiums des Kapitalismus besonders gut. In ihnen sind die Aspekte von Lebens- und Genussmittel, Differenz und Mainstreaming, Image und Illusion besonders ausgeprägt – und das umso mehr, als sich die Welt gerade das Rauchen abgewöhnt. Die meisten von ihnen kokettieren damit, mehr als ein Getränk zu sein, Lifestyle und Lebensfreude auszudrücken oder auch einen besonderen Status zu haben: die legale Droge. Wenn im Folgenden also vom verflüssigten Kapitalismus im weiteren Sinne und den Red-Bull-Kapitalismus im engeren Sinne die Rede ist, dann um zu beschreiben, wie die Macht vom Produzenten auf den Distribuenten übergegangen ist. (…)

Der entscheidende Impuls für eine Distributionsdominanz in Postdemokratie und Neoliberalismus ist die Verknüpfung eines (mehr oder weniger virtuellen) Produkts mit den Sphären der Freizeit und der Medien, aber auch mit anderen kontrollierbaren und übernehmbaren „Events“ und Institutionen wie Kunst, Pop und sogar Medizin, Politik und Bildung – kurz gesagt: die Blödmaschinen. Die Dominanz kann sich auf dem Freizeit- und Kulturmarkt realisieren, weil sie zu Blödmaschinen geworden sind, und umgekehrt werden Medien, Spektakel und „kulturelle“ Institutionen zu Blödmaschinen, weil sie sich für die Herstellung und Festigung der Distributionsdominanz oligarchischer Interessen zu Beihelfern machen lassen. Die Medien sind nicht einfach „Opfer“ von Ökonomisierung und Privatisierung, sondern sie sind Teil der Wandlung des Produktions- in den Distributionskapitalismus. Daher geht es eben nicht allein um die „Kultivierung“ einer Marke wie „Red Bull“, sondern vielmehr um die Red-Bullisierung kultureller Institutionen. (…)

Ebenfalls sich ausbreitend wie die Pest sind Kreuzfahrten – früher ein exklusiver Luxus für wenige, heute längst Massentourismus. Mit den in unserem Wirtschaftssystem nahezu zwangsläufigen Folgen: Umweltverschmutzung, Ausbeutung und Profitmaximierung auf dem Rücken der Kunden. Darüber berichtete vor einer Weile pressetext.at: „Kreuzfahrten: Kundenabzocke auf Dreckschleudern. Schifffahrtsbranche anlässlich des Titanic-Jahrestages unter Druck“:

Kreuzfahrten sind weniger sicher als Anbieter propagieren, nehmen Kunden wie auch Beschäftigte aus und schaden der Umwelt. Mit scharfer Kritik durchkreuzt Ross A. Klein von der Memorial University in St. John’s http://ucs.mun.ca anlässlich des 100. Jahrestages der Titanic-Katastrophe die gängigen Vorstellungen über die “weißen Riesen der Weltmeere”. Mit sozial- und umweltverantwortlichem Urlaub hat die Branche gar nichts zu tun, so das Resümee des Kreuzfahrt-Kritikers. (…)

(…) Ein weiterer Kritikpunkt der Meeres-Kolosse sind deren verheerende Ökobilanz. “Pro Passagierkilometer produziert ein typisches Kreuzfahrtschiff mehr als drei Mal so viele Treibhausgase pro Kilometer als eine Boeing 747. Grund dafür ist das Schweröl, mit dem die Schiffe unterwegs sind”, erklärt Greenpeace-Meeresbiologin Antje Helms http://greenpeace.at auf Anfrage von pressetext. (…)

Kommen wir mal lieber zu erfreulicheren Trends – wie dem, dass auch in Städtenimmer mehr Selbstversorgung via eigenen oder Gemeinschaftsgärten betrieben wird. Karmakonsum brachte vor kurzem eine Rezension des Buches „Gärtnern in der Stadt“ von Martin Rasper, das sich mit dieser Entwicklung befasst:

Nachdem das Buch deutlich gemacht hat, warum das Gärtnern gerade in Zeiten einer vernetzten Welt über die private Ebene hinaus auch eine sehr politische Angelegenheit ist, gibt es zu guter Letzt noch wunderbar nützliche Tipps für die eigene Umsetzung, die nachdem man dieses Buch gelesen hat, nicht lange auf sich warten lassen dürfte. Um mit den etwas schrägen Worte aus dem Buch zu schließen: „Vielleicht haben die Gärten sich vorgenommen, die Welt zu retten. Wir sollten sie dabei unterstützen.“

Übrigens, die Webseite gutenahrung.de hat eine interessante Infografik über die Essgewohnheiten der Deutschen veröffentlicht:

Nahrung und Ernährung Deutschland
Via: Gute Nahrung

Was täten wir nur ohne die „sozialen Netzwerke“ im Internet? Kaum etwas (vielleicht noch neben Ebay und Pornoseiten) hat dem Netz so zum Durchbruch bei der breiten Masse verholfen wie die Möglichkeit, sich mit seinen Freunden und virtuellen Bekannten zu vernetzen und auszutauschen. Claudia Klinger macht sich in „Von der Personalisierung des großen Gesprächs“ so ihre Gedanken über die möglichen (negativen) Folgen und Nebenwirkungen einer Facebook-„Gefällt mir“-Kultur:

(…) Ok, das kann und darf jeder machen, wie er mag. Erwähnenswert erscheint es mir, weil ich ja selber merke, dass das Kommentieren auf Blogs abgenommen hat, und dass sich immer mehr Menschen den andersartigen Strukturen der “Sozialen Netze” unterwerfen, um sich auszutauschen. Anders als Blogartikel und Foren sind Gespräche in diesen Netzen nicht nach Themen strukturiert, sondern entlang an Personen – eine grundstürzend ANDERE Situation mit Folgen für das “große Gespräch der vielen mit den vielen”, die kaum mal diskutiert werden.

Wenn Personen wichtiger werden als Themen

Eine Diskussion unter dem Original-Artikel im Blog des Verfassers ist ein duch Thema und Autor/in definier- und erinnerbarer “öffentlicher Ort”. Ein virtueller, jedoch beständiger Platz, der als Agora dienen kann, wo man sich den gemeinsamen Belangen widmet.

Wogegen in den sozialen Netzen nur chaotische Vernetzungen verschiedenster Individuen existieren, die vielfach “Things” (Artikel, Videos…) verlinken, wobei gelegentlich unter solchen Verlinkungen Gespräche entstehen. Gespräche, die aber niemals “alle” zu gleichen Bedingungen lesen können, denn A ist ja mit B, C und D vernetzt, wogegen ein User E es nicht mitbekommt, wenn er nicht auch A abonniert/eingekreist hat.

So ergeben sich geschichtslose Kurzzeit-Stimmfühlung-Partys, die binnen Stunden, spätestens Tagen aus der “Sicht” geraten. Letzteres gilt auch für die seltenen hochkarätigen Diskussionen – z.B. die kürzliche Diskussion über Urheberrecht, die ich jetzt nur wieder finden kann, indem ich in den Postings von Stefan Münz zurück blättere, durch dessen Hinweis ich sie fand. Wobei ich mich nur deshalb an die Herkunft der Info erinnern kann, weil ich Stefan seit den Anfängen des Webs kenne. Für die meisten meiner “Vernetzten” gibt es solche Erinnerungsstützen nicht. (…)

Dass Facebook auch ein Tummelplatz für Leute mit „aggressivem Narzissmus“ ist, vermeldet der Guardian: „Facebook’s ‘dark side’: study finds link to socially aggressive narcissism“ (mal ehrlich – geahnt haben wir das doch schon immer! :-) :

Researchers have established a direct link between the number of friends you have on Facebook and the degree to which you are a “socially disruptive” narcissist, confirming the conclusions of many social media sceptics.

People who score highly on the Narcissistic Personality Inventory questionnaire had more friends on Facebook, tagged themselves more often and updated their newsfeeds more regularly.

The research comes amid increasing evidence that young people are becoming increasingly narcissistic, and obsessed with self-image and shallow friendships. (…)

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Fernsehtipp: Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes

Diesen Film, der um 23 Uhr im Bayerischen Fernsehen läuft, müsst Ihr Euch heute alle ansehen, das ist ein Befehl! :-) „Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes

Bertram Verhaags Dokumentarfilm entstand als BR-Koproduktion und erzählt am Beispiel dieser beiden Wissenschaftler vom Einfluss der Gentechnikunternehmen auf die Forschung – engagiert, parteiisch und streitbar, oder in den Worten des Regisseurs: als “dokumentarischer Thriller zum Thema Gentechnik”.

Im Frühjahr 2001 kam es in der Geschichte des renommierten Wissenschaftsmagazins “Nature” zu einem bislang einmaligen Akt: Als Reaktion auf eine Flut von Beschwerden entschied sich die Redaktion der Fachzeitschrift, sich von einem publizierten Artikel zu distanzieren. Die in “Nature” veröffentlichte und nachträglich inkriminierte Studie stammte von dem Biologen Ignacio Chapela und einem seiner Studenten, die sich mit der Vermischung einheimischer und gentechnisch veränderter Maissorten in Mexiko beschäftigt hatten. Der Großteil der Beschwerden wurde vermutlich von dem Großkonzern Monsanto initiiert, um die für das Unternehmen unliebsamen Erkenntnisse zu desavouieren. Denn der umstrittene Artikel der Forscher kam zu dem Ergebnis, dass das genetische Reservoir der Urmais-Sorten in Mexiko von der Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen bedroht ist.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich im August 1998, als der Molekularbiologe Árpád Pusztai im britischen Fernsehen ein Interview gab, in dem er sich für Langzeittests für gentechnisch veränderte Nahrungsmittel aussprach und Verbraucher vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln warnte. Innerhalb kürzester Zeit sah sich Pusztai einem politischen Kreuzfeuer ausgesetzt, sein Arbeitsvertrag wurde nicht verlängert und er wurde von der Royal Society, dem nationalen Wissenschaftsgremium, ausgeschlossen.

Auch hier scheint es so, als ob die Sanktionen das Resultat einer gezielten Kampagne gewesen sind, die als Reaktion auf Pusztais kritische Anmerkungen initiiert wurden. Beide Fälle sind Beispiele für die zunehmende Bedrohung der Freiheit der Forschung, die nicht nur die Wissenschaftsgemeinde etwas angeht. Denn wenn multinationale Konzerne kritische Veröffentlichungen von Forschern unterdrücken können, dann ist nicht nur die Demokratie in Gefahr, sondern auf lange Sicht unser aller Gesundheit bedroht.

Bertram Verhaags Dokumentarfilm entstand als BR-Koproduktion und erzählt am Beispiel dieser beiden Wissenschaftler vom Einfluss der Gentechnikunternehmen auf die Forschung – engagiert, parteiisch und streitbar, oder in den Worten des Regisseurs: als “dokumentarischer Thriller zum Thema Gentechnik”. Der Dokumentarfilm, der an diesem Abend als deutsche Erstausstrahlung zu sehen ist, wurde mit acht internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem drei Mal als bester Dokumentarfilm.

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Fernsehtipp: „Fasten und Heilen: Altes Wissen und neueste Forschung“

Was kann es Konsumkritischeres geben als zu fasten? Und wen wundert es, dass die Erforschung des Fastens durch die Pharmaindustrie nicht gern gesehen wird? All dies und mehr könnt Ihr Euch fragen, wenn Ihr Euch die Arte-Doku „Fasten und Heilen: Altes Wissen und neueste Forschung“ anschaut, die „heute“, also genau genommen morgen früh um 5 Uhr auf Arte wiederholt wird. Die Doku steht anschließend hoffentlich auch in der Mediathek – oder bei YouTube.

Und wenn es eine Alternative zur Allmacht der Medikamente gäbe?
In Russland und Deutschland ist das therapeutische Fasten seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Heilmethoden. Eine erstaunliche Recherche von Sylvie Gilman und Thierry de Lestrade.

In Frankreich sieht der Umgang mit dem Fasten ganz anders aus. Während es von den Ärzten im Allgemeinen ignoriert wird, findet es in der Bevölkerung immer mehr Anhänger, die sich auch für die Verbreitung dieser Methode stark machen.

Einige sind dennoch dem Fasten gegenüber dennoch skeptisch eingestellt. Die MIVILUDES, die Interministerielle Gruppe zur Beobachtung des Sektenwesens und seiner Bekämpfung in Frankreich, warnt vor sektiererischen Auswüchsen.

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Ei Ei Ei – Käfigeier in konventionellen Lebensmitteln versteckt

Sie sind ja schon zur regelmäßigen Rubrik in diesem Blog geworden – meine Berichte über die ganzen Tricks und Sauereien, die die Lebensmittelindustrie so in petto hat, um den Verbraucher zu täuschen, ihm minderwertige und ungesunde Produkte als Premium und begehrenswert anzupreisen. Passend zu Ostern gab es einen Bericht der WDR-Sendung markt über die Gepflogenheiten der Hersteller, Eier aus der besonders schändlichen Käfighaltung in ihren Produkten einzusetzen. Der Preis ist eben das wichtigste! Mal abgesehen davon, dass Eierkonsum eh nicht so sonderlich nötig ist, sollte man auf jeden Fall solche Zustände, wie sie im Beitrag „Ernährung: Verdeckte Käfigeier“ geschildert werden, nicht noch unterstützen. Der erste Satz der untenstehenden Beschreibung ist natürlich kompletter Quatsch, da man ja a) ganz auf Eier verzichten kann oder b) auf Bioprodukte zurückgreifen sollte:

 Viele EU-Länder kümmert das Verbot von Legehennen-Batterien wenig. Der Verbraucher hat keine Chance, den Schwindel zu erkennen und muss weiter Käfigeier essen.

Es sind Bilder, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte: Hühner in Legebatterien, zerrupft, teils verendet. Unsere Aufnahmen von Ende Februar stammen aus einer französischen Hühnerfarm, die der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ zugespielt wurden. Dokumente belegen, dass die illegalen Käfigeier über Großhändler ihren Weg nach Deutschland finden. Wie kann das sein?

Es gibt Höfe, da werden die Eier zusammengesammelt. Dann werden sie zu Verpackungsstationen geschickt“, berichtet Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Sie werden wieder von verschiedenen Einkäufern weiterverkauft an Unternehmen, die diese Eier wieder verarbeiten für Produkte anderer Unternehmen – eine völlig intransparente Verarbeitungskette. Und genau dazwischen fehlt jegliche Kennzeichnungspflicht, die am Ende dem Verbraucher sagt, welches Ei wirklich in dem Produkt ist.

Verbraucher verunsichert

Bei einem Streifzug durch den Supermarkt finden wir etliche Lebensmittel wie Nudeln, Gebäck oder Soßen, bei denen nicht zu erkennen ist, woher die Eier stammen. Begriffe wie Eipulver oder Vollei verschleiern die Herkunft. Es kann theoretisch ein Käfigei sein.

Wir fragen bei großen Lebensmittelkonzernen nach, ob Käfigeier verwendet werden. Die Antworten fallen dürftig aus. Die Firma Kraftfoods etwa schreibt uns: „Den ausschließlichen Bezug von Ei-Halbfertigprodukten aus Boden- und Freilandhaltung prüfen wir regelmäßig, insbesondere im Hinblick auf die Verfügbarkeit.“ Ein Dementi klingt anders.

Die Lebensmittelindustrie klagt über zu wenige Eier aus alternativer Haltung. Dabei hatte sie zwölf Jahre Zeit, sich auf die Umstellung vorzubereiten. Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch wirft Industrie und Politik Versagen vor. Zwölf EU-Länder seien dem Legebatterie-Verbot nicht nachgekommen. Das nutzten viele Hersteller jetzt aus: „Am Ende des Tages ist es so, dass die billigsten Eier in Gestalt von Flüssigeiern in der Industrie landen“, erklärt Wolfschmidt. „Ob die deutsche Ernährungsindustrie auf Käfigeier verzichtet, die ja illegal sind, lässt sich aus unserer Sicht nicht genau feststellen.“ (…)

Kostendruck kontra Tierschutz

Solange es Legehennen-Batterien gibt, werden auch weiter illegale Käfigeier in Lebensmitteln auf den Tellern der Verbraucher landen. Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund wirft der Politik Versäumnisse vor: „Es bleibt festzustellen, dass hier die gesamte politische Klasse auf europäischer Ebene schlicht versagt hat. Zwölf Jahre lang gab es eine Übergangsfrist. Offenbar hat niemand kontrolliert, welches Land sich daran hält. Jetzt wird darüber lamentiert, man habe keine Handlungsmöglichkeiten. Die deutsche Regierung hat Handlungsmöglichkeiten. Sie kann eine nationale Kennzeichnungspflicht einführen, sie muss mutig sein, dann kann zumindest der Verbraucher am Regal entscheiden, welches Produkt er noch will und welches Produkt er nicht mehr will.

Doch das ist reines Wunschdenken. Die Bundesregierung lehnt eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Käfigeiern ab. Selbst Ostereier können Käfigeier sein. Denn sobald sie gekocht und gefärbt sind, gelten sie als verarbeitet. So einfach ist das. Der Verbraucher wird es nicht erfahren.

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Lesetipps: Reichtum & Ruhm | Hilfe, LOHAS! | Marlboro | Konsumverzicht

Es wird mal wieder Zeit für ein paar Lesetipps im Konsumpf – beginnen möchte ich mit dem Artikel „Nur noch Reichtum und Ruhm im Kopf?“ von Florian Rötzer auf Telepolis. Er stellt eine neue US-Studie vor – anhand der sich mir die Frage stellt, ob die nun seit einigen Jahrzehnten andauernde und von Medien, Reklamewirtschaft und Politik betriebene „Umerziehung“ der Menschen von Bürgern zu Konsumenten „Früchte“ getragen hat, also Erfolge im Sinne der Durchkommerzialisierer zeitigt. Hoffentlich nicht!

(…) was auch für die nach 1982 Geborenen zutrifft. Für sie sind extrinsische Werte wie Geld, Aussehen und Ruhm wichtiger als für die Baby Boomer, während intrinsische Werte wie Selbstakzeptanz, Gemeinschaft oder Zugehörigkeit eine geringere Rolle spielen. Die Sorge um die Mitmenschen nahm hingegen nur leicht ab, die bürgerpolitische Orientierung, also das Interesse an sozialen Problemen, politischer Partizipation, Vertrauen in die Regierung oder Engagement für die Umwelt oder das Energiesparen ging hingegen beträchtlich zurück, vor allem was den Umweltschutz anbelangt, der das Thema der vorhergehenden Generation war und ist. Es gebe keineswegs eine “Generation Wir” meinen die Psychologen, sondern vielmehr eine “Generation Ich”. (…)

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Am 21.3. Demo in Kiel „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“

Diesen Veranstaltungstipp für die Region Kiel möchte ich Euch heute mit auf den Weg geben – wie man sieht, bewegt sich etwas im Kampf gegen eine alles monopolisierende Nahrungsmittelindustrie:

Bauernhöfe statt Agrarindustrie
Gemeinsam für eine neue, faire Agrarpolitik in Schleswig-Holstein

KUNDGEBUNG MI. 21.3. 13 Uhr vor dem Landeshaus in Kiel, Düsternbrooker Weg 70
Trecker-Korso vom Wilhelmplatz zum Landeshaus

Ein breites Bündnis (siehe Flyer) aus Landwirtschafts-, Umwelt-, Imker-, Verbraucher-, Tierschutz- und Eine-Welt Organisationen lädt ein zur Kundgebung Bauernhöfe statt Agrarindustrie

– 11.00 Uhr Treffen der Trecker auf dem Wilhelmplatz in Kiel – gemeinsamer Treckerkorso
– 13.00 Uhr Versammlung vor dem Landeshaus, Düsternbrooker Weg 70 mit Musik, Poesie, bunten Transparenten und politischen Forderungen
– 13.30 Uhr Kundgebung mit Forderungen und Fragen an die politischen VertreterInnen

– Stärkung des Ökolandbaus – BIOLAND und DEMETER
– Faire Preise & Stärkung der Erzeuger am Markt – Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM)
– Artgerechte Tierhaltung – PROVIEH
– Umwelt- und Klimaschutz – BUND
– Gentechnikfreie Landwirtschaft und Bienenschutz – BI gentechnikfreies SH
– Regionale Vermarktung – EVG Landwege e.G.
– Stärkung der Kleinbäuerinnen und Bauern in den Ländern des Südens – Brot für die Welt

Wir wollen gemeinsam kurz vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein ein deutliches Zeichen setzen für eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft, faire Preise, für Vielfalt statt Monokulturen. Für eine klima- und umweltverträgliche und gentechnikfreie Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung. Für gesunde, regionale Lebensmittel, solidarisch mit den KleinbäuerInnen des Südens.

Wie kann man sich beteiligen?
Durch zahlreiche Teilnahme!
Durch eine Spende an: Landwege e.V. – Konto 9906520 – Sparkasse zu Lübeck – BLZ 23050101 – Verwendungszweck: Spende für Kundgebung 21.3.2012 und Angabe der vollständigen Adresse für die Spendenbescheinigung

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Meat free Monday

Ich denke mal, spätestens seit dem Bestseller „Tiere essen“ von J.S. Foer ist das Thema (Teilzeit-)Vegetarismus im Mainstream angekommen und wurde bei manchen Menschen das Bewusstsein für die Problematik, die mit etwas scheinbar Selbstverständlichem wie dem Fleischkonsum einhergeht, geschärft. Natürlich wäre es aus den verschiedensten Gründen – Umwelt, Ethik, Gesundheit… – sinnvoll, wenn der Fleischverzehr ganz eingestellt werden würde, allerdings ist der Ansatz, zumindest eine Reduktion zu bewirken, auch nicht so verkehrt, wenn man bedenkt, wie emotional aufgeladen für einige Leute dieses Thema ist. Dies sieht man auch bei dem Beitrag „Fleischlos-Tage: Kulturkampf in deutschen Kantinen“ der BR-Sendung quer, der den „Meat free Monday“ beschreibt, der löblicherweise mittlerweile in einigen Firmen-Kantinen üblich ist und so die Leute auch an die Vielfalt vegetarischen Essens heranführt und zeigt, dass Gemüse etc. nicht bloße Beilagen zu einer Wurst oder einem Steak sind. Ich staune bei der Gelegenheit ja immer wieder, dass so mancher Zeitgenosse es offenbar schon kaum ertragen kann, auch nur einen Tag lang mal kein totes Tier in sich reinzuschaufeln, wie man in dem Beitrag sehen kann. Traurig, wie festgefahren Menschen so sein können…

Immer häufiger machen Firmenkantinen monatliche oder wöchentliche Fleischlos-Tage und wollen damit die Umwelt schonen. Denn fast 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen sind auf die Fleischindustrie zurückzuführen – mehr als alle Transport- und Verkehrsabgase zusammen. Doch das hehre Ziel des Umweltschutzes überzeugt viele Arbeitnehmer dieser Firmen trotzdem nicht. Sie fühlen sich an den sogenannten Veggie-Days im wahrsten Sinne des Wortes bevormundet und boykottieren die Kantinen.

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Wie die Industrie aus Kindern Junkfood-Junkies macht

Es ist – zumal für Leser meines Blogs – eigentlich keine neue Erkenntnis, die uns Foodwatch da vorgestern als Ergebnis einer Studie vorlegte. Die Angebote der Nahrungsmittelindustrie, die speziell auf Kinder abzielen (in Aufmachung, Reklame, Rezeptur) wurden gründlich unter die Lupe genommen, und für überwiegend zu süß, zu ungesund, zu fett befunden. Trotzdem werden diese Produkte von der Marketingmaschinerie der Konzerne ungestraft als „gesunde Mahlzeit“ o.ä. angepriesen – während in anderen Ländern Reklame für Kinder sogar schon verboten ist, darf hierzulande noch gelogen werden, dass sich die Balken biegen. Natürlich sind auch die Eltern dafür mitverantwortlich, was die Kinder zu sich nehmen, aber solange die Unternehmen gehirnwäschegleich ihre Desinformationen ausstreuen, wird es für viele schwierig, Fakten von Märchen zu trennen. Ein Mitglied der Konsumpf-Facebookgruppe fragte zu Recht, was eigentlich in den Köpfen von Unternehmern, Herstellern, Werbeleuten, Händlern vor geht, dass sie hier nicht selbst die Reißleine ziehen – und statt dessen den eigenen Profit vor das Wohl der Kinder setzen.

Hier nun also zur Foodwatch-Studie „Wie die Industrie aus Kindern Junkfood-Funkies macht“:

Unausgewogene Produkte, perfides Marketing und überbordende Lobbyarbeit: Die Lebensmittelindustrie leistet keinen Beitrag zur ausgewogenen Ernährung von Kindern, sondern trägt massiv zur grassierenden Fehlernährung bei. Das belegt der Report „Kinder kaufen“, den foodwatch heute in Berlin vorstellte.

Das ist das Problem: In Deutschland sind 15 Prozent der Kinder übergewichtig, 6 Prozent sogar adipös – ihnen drohen Krankheiten wie Diabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Der wichtigste Grund für das Übergewichtsproblem: Kinder ernähren sich falsch. Sie essen zu viele Süßigkeiten, fettige Snacks und Fleisch, trinken zu viel Limonade; Obst und Gemüse kommen dagegen zu kurz.

Das ist der Stand: Ein umfassender Marktcheck von foodwatch zeigt: Das Angebot an industriellen Kinderlebensmittel besteht fast ausschließlich aus Süßigkeiten und Snacks. Dieses Junkfood drängt die Industrie den Kindern mit perfiden Marketingstrategien auf – und verhindert jede Regulierung, angefangen bei einer transparenten Nährwertkennzeichnung, durch massive Lobbyarbeit. Die Hersteller sind damit mitverantwortlich für die schlechte Ernährung der Kinder.

Das fordert foodwatch:
  • Industrie in die Verantwortung nehmen: Die Lebensmittelindustrie muss dort Verantwortung übernehmen, wo ihre Verantwortung tatsächlich liegt: In der Produktion ausgewogener Kinderlebensmittel – nicht in PR-trächtigen Alibi-Maßnahmen wie Bewegungsinitiativen und Ernährungstipps für den Schulunterricht. Die Verantwortung für die Fehlernährung von Kindern darf nicht auf die Eltern abgewälzt werden!
  • Kein Kinder-Marketing für Süßigkeiten: Produkte, die nicht ausgewogen sein können (wie Süßigkeiten) dürfen nicht länger als Kinderprodukte beworben und mit Comicfiguren, Spielzeugbeigaben, Gewinnspielen oder Idolen direkt an Kinder vermarktet werden.
  • Werbefreie Schulen: Schulen und Kindergärten müssen werbe- und PR-freie Räume werden.
  • Schluss mit der Alibi-Sport-Förderung durch die Industrie: Die Junkfood-Industrie ist kein geeigneter Partner für den Staat, für Schulen und Sportverbände wie den Deutschen Fußballbund (DFB). Sponsoring-Partnerschaften und gemeinsame Programme zur Bewegungsförderung oder Übergewichts-Bekämpfung dienen den Unternehmen als Ablasshandel und müssen beendet werden.

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