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Die Bank gewinnt immer

Auch wenn der nachfolgende Beitrag „Bluten für die Banken: Steuerzahler in Geiselhaft der Finanzwelt“ des BR3-Magazins quer humoresk daher kommt, ist er doch leider nur zu wahr und eigentlich alles andere als lustig…

Wenn derzeit griechische Staatsanleihen als Ramsch eingestuft werden, reiben sich die Banker schon die Hände. Denn sie kassieren hohe Zinsen, und wenn der Staat die Kredite nicht zurückzahlen kann, springt eben die EU ein. Das globale Finanzsystem sollte Lehman Brothers ein Denkmal setzen – denn Spekulieren ist heute risikoloser denn je. Die Furcht vor einer neuen Finanzkrise zwingt Regierungen weltweit, das Volksvermögen als Risikodeckung unkontrollierbarer Finanzgeschäfte einzusetzen. Das bedeutet aber letztlich: Sterben aus Angst vor dem Tod.

Anschließend gab es dann auch noch ein Interview, das der Frage nachging, inwieweit das Handeln der Banken vielleicht sogar strafrechtlich relevant sein könnte:

Mit dem Strafrecht kommt man in der Welt der Hochfinanz nicht besonders weit, heißt es immer. Tatsächlich? Prof. Bernd Schünemann ist Experte für Strafrecht. Er meint, die Finanzkrise würde Züge von global organisierter Kriminalität tragen.

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Das Attac-Bankentribunal in Live-Übertragung

Ich hatte neulich ja schon auf die sehr interessante Veranstaltung von Attac hingewiesen, die von heute bis zum Sonntag in Berlin stattfindet – das Bankentribunal. Da alles ausverkauft ist und möglichst viele Leute diese Informationen mitbekommen sollen, stellt Attac auch einen Livestream zur Verfügung:

Attac Bankentribunal, 9.-11. April, Volksbühne Berlin
Schon vor über einer Woche waren die knapp 800 Plätze im großen Saal der Volksbühne restlos ausgebucht. Wir freuen uns sehr über die gewaltige Resonanz! Doch auch Spontanentschlossene haben noch eine Chance: Die Ereignisse im Saal werden live auf die Videoleinwände ins bestuhlte Foyer der Volksbühne übertragen. 100 Karten stehen seit dem 6. April zum Sonderpreis zum Verkauf und können direkt bei der Volksbühne bestellt werden. Der Besuch der Workshops, Anhörungen, (Teilen des) Kulturprogramms und natürlich die Menschen und Atmosphäre vor Ort bleiben inklusive.
Wer es nicht nach Berlin schafft, sich aber trotzdem ein eigenes Bild machen möchte, ist herzlich zu unserem Online-Streaming eingeladen. Jeweils ab Programmbeginn wird die Live-Übertragung auch ins Internet eingespeist und kann auf der Attac Bankentribunal-Seite abgerufen werden. Erläuterungen und Details zu den technischen Voraussetzungen siehe dort. Mehrere Attac-Gruppen, unter anderem in Düsseldorf, Nürnberg und Hannover, organisieren vor Ort eine Übertragung auf Leinwand.

Bankentribunal online: www.attac.de/bankentribunal
Streaming: http://www.attac.de/aktuell/krisen/bankentribunal/service/streaming

Orte und Zeiten geplanter Live-Übertragungen

Aktuell sind Public Viewings in folgenden Städten in Planung

  • Nürnberg
    Politischer Brunch mit Live-Stream zur Urteilsverkündung und dem Forum der Alternativen beim Bankentribunal in Berlin.
    Wann: Sonntag, den 11. April ab 10 Uhr
    Wo: im Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adamkleinstraße 6, großer Saal
  • Heilbronn
    Wann: Samstag, 10. April 2010, von 9:30 bis ca. 18:00 Uhr
    Wo: Kiliansplatz Heilbronn
  • Düsseldorf
    Public Viewing des Live Streams vom Bankentribunal in Berlin
    Wann: Samstag, den 10. April ab 09:30 Uhr
    Wo: Im Niemandsland, Heerstraße 19
  • Hannover
    Live-Übertragung des Bankentribunals mit Buffet und Diskussionen
    Wann: Samstag, den 10. April ab 09:30 Uhr
    Wo: Warenannahme in der Faust, Faustgelände zur Bettfedernfabrik 3
  • Osnabrück
    Live-Übertragung des Bankentribunals
    Wann: Freitag, 09.04.: 19:30 – ca. 22 Uhr
    Samstag, 10.04.: 09:30 – ca. 20 Uhr
    Sonntag, 11.04.: 10:00 – ca. 13 Uhr
    Wo: Big Buttinsky c/o Filmpassage.de, Johannisstraße 112
  • Fürth
    Infostand in der Fußgängerzone
  • Kiel
    Live-Übertragung des Bankentribunals

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Das Bankentribunal – weil die Krise System hat!

bildschirmfoto-2010-03-19-um-203103Attac hat die sog. „Finanzkrise“ von Anfang an kritisch begleitet und auch schon im Vorfeld gewarnt, leider vergebens. Nachdem nun mit Steuergeldern marode Banken gerettet wurden, scheint alles so weiterzulaufen wie bisher – um dies zu verhindern, veranstaltet Attac vom 9. bis 11. April in der Berliner Volksbühne das Bankentribunal. In dieser Mischung aus Kultur, Kabarett und Informationen und Diskussionen rund um das Bankenthema wird den Verantwortlichen, u.a. Angela Merkel, Gerhard Schröder und Josef Ackermann, der Prozess gemacht (wenn auch nur symbolisch). Schaut doch mal vorbei, wenn Ihr zu dem Zeitpunkt grad in Berlin seid!

Vom 9. bis 11. April 2010 wird Attac Deutschland in Zusammenarbeit mit der Berliner Volksbühne ein öffentliches Tribunal durchführen, das die Ursachen des Finanzcrashs, die Beugung der Demokratie durch fragwürdige Rettungsmaßnahmen und die fahrlässige Vorbereitung neuer Krisen öffentlichkeitswirksam beleuchten soll.

Das Tribunal wird am Freitag Abend (9.4.) mit einer Eröffnungsrede von Albrecht Müller, einer Lesung der Volksbühne zum Thema Banken und Beiträgen der Kabarettisten Urban Priol und Georg Schramm beginnen.

Das eigentliche Tribunal wird am Samstag, dem 10.4., stattfinden, beginnend am Morgen mit der Anklageerhebung. Es folgen mehrere Blöcke der Beweisaufnahme und am Abend die Schlussplädoyers. Die Urteilsverkündung wird am Sonntag Vormittag stattfinden. Im Anschluss ist ein „Forum der Alternativen“ geplant, in dem konkrete Vorschläge zur Transformation des Finanzsektors diskutiert und Perspektiven zur Weiterarbeit entwickelt werden.

Die Reden von Anklägern, Zeugen und Verteidigern werden aufgelockert durch kurze Videobeiträge, die in pointierter Form anschaulich komplexe Zusammenhänge darstellen. Auch eine partizipative Phase in kleineren Gruppen ist geplant. Als Zeugen treten authentisch Journalisten, Gutachter, Banker, NGO-Vertreter etc. und Betroffene der Krisenfolgen auf. Als Richter werden prominente Intellektuelle und Vertreter einer kritischen Zivilgesellschaft fungieren.

Angeklagt werden sowohl politische Entscheidungsträger als auch Bank-Manager – und nicht zuletzt Komplizen aus Bankenaufsicht, Wirtschaftsprüfungsunternehmen und Rating-Agenturen.

Da wir damit rechnen müssen, dass viele der Angeklagten nicht erscheinen, werden Verteidiger an ihrer statt sprechen.

Dem Tribunal geht es nicht in erster Linie darum, individuelle Schuldige dingfest zu machen oder gar Sündenböcke ins Rampenlicht zu stellen, sondern darum, die systemischen Ursachen der Krise einem breiten Publikum in spannender Form anschaulich zu machen und zu weitergehenden Fragen und Einmischungen anzuregen.

Drei Beweisaufnahmen werden im Zentrum des Tribunals stehen. Jeder Beweisaufnahme wird ein Anklägerteam zugeordnet.

1. Vorbereitung der Krise und Aushöhlung der Demokratie

  • Förderung eines krisenverursachenden Systems durch eine Politik der Deregulierung, der Umverteilung von unten nach oben und der Privatisierung
  • Erpressung des Staates und der Gesellschaft („too-big-to-fail“-System)
  • Entmachtung des Bundestages (SoFFin-Gesetz) und organisierte Geheimhaltung und Täuschung  von Bundestag und Öffentlichkeit
  • Bankenrettungen auf Kosten der Steuerzahler unter Schonung der Banken/Gläubiger

2. Zerstörung der ökonomischen Lebensgrundlagen in Nord und Süd

Anhörungen zu den Schattenseiten des gegenwärtigen Weltfinanzsystems und den Folgen der Krise

  • Verschuldung und Privatisierungsdruck
  • Gesundheit und Rente
  • Arbeit
  • Globaler Süden
  • Ökologie
  • Demokratie

3. Verschärfung der Krise

  • Kein Verbot risikoreicher Finanzpraktiken und Finanzinstitutionen
  • Banken und Großkonzerne gegen Regulierungen
  • Verschärfung der strukturellen Ursachen der Krise

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Fernsehtipp: Verzockt, verloren, verstaatlicht

Schnell noch ein Fernsehtipp für heute Abend – um 0:35 Uhr läuft im ZDF die Doku „Verzockt, verloren, verstaatlich – was kostet uns die Hypo Real Estate?“, die die Hintergründe um die HRE-Bank aufrollt. Fast ist die „Finanzkrise“ in den Medien schon wieder vergessen (die Folgen werden wir aber noch viele Jahre lang zu spüren bekommen!), aber zum Glück eben nur fast, denn die Autoren gehen dem unerträglichen Filz aus Politik und Wirtschaft hier ein wenig auf den Grund.

(…) Welche Lehren sind aus dem Fall Hypo Real Estate gezogen worden? Machen die Banken so weiter wie bisher? Der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, warnt die Finanzakteure in der Dokumentation vor einer Wiederholung: Steuerzahler und Bürger würden solch eine Rettung nicht noch einmal mitmachen. Die Banker müssten sich wieder auf alte Werte besinnen und Konsequenzen aus der Krise ziehen.

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Banken bankrottieren!

bankBanken und Bankrott, das hängt nicht nur vom Wortstamme her zusammen. Als ich diese Meldung hier gestern auf Spiegel Online las, musste ich doch ein wenig grinsen: „DSB-Bankrott: Kundenansturm stürzt niederländische Privatbank in die Pleite“.

(…) Der Ansturm auf Konten bei der DSB-Bank begann, nachdem am 1. Oktober eine Vereinigung verärgerter Kunden öffentlich dazu aufrief, dort deponierte Gelder abzuziehen. Sie fühlten sich durch Quergeschäfte wie der obligatorischen Verbindung ihrer Hausbaukredite mit ihrer Meinung nach zu teuren Lebensversicherungen übervorteilt. Innerhalb weniger Tage wurden so mehr als 600 Millionen Euro abgehoben, die Bank war deshalb bereits am 12. Oktober durch Gerichtsbeschluss unter die Kontrolle der Zentralbank gestellt worden.

Von wegen der Kunde kann nichts gegen die Umtriebe der Konzerne unternehmen…! Ob man so etwas allerdings auch hierzulande schaffen würde, also aus Protest gegen z.B. Herrn Ackermanns absurde Renditevorstellungen und die rücksichtslosen Geschäftspraktiken seines Hauses alles Geld von der Deutschen Bank abzuziehen, wage ich ja zu bezweifeln (schon allein wegen der Trägheit vieler Menschen). Schön wär’s aber schon!

Sollte jemand noch einen Grund dafür suchen, die herkömmlichen Banken zu boykottieren, so wird er hier fündig: „Investment banks borrow money from gov’t at 0%, lend it back at 3%“. Soll heißen: die Banken in den USA erhalten Geld von der Federal Reserve mit einem Zinssatz von 0%, und dann gehen sie her und kaufen mit selbigem Geld Staatsanleihen, die mit 2–3% verzinst werden. Der Staat schenkt den Banken somit ganz legal und offiziell Abermilliarden. Unglaublich, ein Skandal erster Güte. All das Gefasel von „mehr Regulierung“ oder „Bändigung der Finanzmärkte“ etc. von Seiten der Politik war also nur Augenwischerei und beschwichtigende Phrasen zur Einlullung derjenigen, die diese Zeche zahlen müssen – die Bürger/Steuerzahler. Mehr hier: „How Wall Street is making its billions”.

(…) What kind of bonds are they buying? Are they investing the money in American business? “No, they are mostly buying Treasuries.” So the money is just being shuffled from one Federal bank account to another, with each Wall Street bank skimming off $1 billion per month for itself? “Pretty much.” (…)

Widerwärtig, zumal wenn man mein Posting von gestern im Hinterkopf hat.

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Lesetipps: Konsum und Kasino-Kapitalismus

50-centHeute möchte ich Euch mit ein paar kleinen Lesetipps in den Tag entlassen – jetzt, wo die Wirtschaftskrise ja quasi schon so gut wie vorbei ist, ist es nur logisch, dass alles wieder so toll und unbeschwert läuft wie zuvor (ich hoffe, man merkt den leicht sarkastischen Unterton). Und deshalb darf es auch nicht verwundern, dass bei Banken & Börsen das altbekannte Spielchen des Zockens eingekehrt ist. So sehr die Vorwürfe des „Casinos“ und der „gierigen Banker“ auch eine arg verkürzte Krisenanalyse bedeuten, so sehr sorgt es doch für Unverständnis und Staunen, mit welcher Unverfrorenheit  die Finanzinstitute erneut zu Werke gehen, als wäre nie etwas geschehen. Ist ja auch fast nichts, wenn man mal davon absieht, dass die Banken nur mit Hilfe von Billionen Staatsgeldern am Leben erhalten werden konnten – Geld (UNSER Geld!), mit dem nun neuerlich gezockt werden darf… Der Spiegel berichtet jedenfalls über „Gier an den Märkten: Casino-Kapitalismus feiert Comeback“:

(…) Damit dürfen die kurzzeitig in Misskredit geratenen Investmentbanker am Ende des Jahres wieder mit satten Boni rechnen. Man müsse ja “fair sein” zu den Jungs, findet Goldman-Finanzchef David Viniar. “Sie haben einen guten Job gemacht.” Das “Wall Street Journal” rechnet deshalb mit einem neuen Rekordjahr für die Branche.

(…) Das Casino ist offensichtlich wieder eröffnet. Während die Welt nach den Beben auf den Finanzmärkten noch mit den Aufräumarbeiten beschäftigt ist, widmen sich die Protagonisten der Finanzwelt schon wieder ihren gefährlichen Geschäften. Ohne das eigene Handeln zu hinterfragen.

Einsicht, dass für den Zusammenbruch eines Systems viele Einzelne ihre Beiträge leisten? Fehlanzeige. Die Elite der Finanzwelt schiebt die Verantwortung von sich. Von persönlichen Fehlern wollen die Wenigsten sprechen. Wenn jemand Schuld trägt, dann immer die anderen. (…)

Beim Lesen des Artikels überkommt mich schon das Gruseln – noch mehr, wenn ich dann diese Meldung dagegen halte, die fast zeitgleich in vielen Zeitungen erschien und deren Message offenbar in großem Stile unters Volk geprügelt werden soll: „Experten mahnen Politik: Staat muss eisern sparen“ titelten die neoliberalen Kieler Nachrichten, und die Cellesche Zeitung führt aus: „Wirtschaft im Aufwind – Schwarz-gelb muss sparen“:

(…) Und dennoch sehen sie schwarz für Steuersenkungen im großen Stil, die wohl nur auf Pump zu haben sind. Die Regierung aus Union und FDP sei stattdessen gefordert, Milliarden bei Gesundheits- und Sozialausgaben einzusparen, heißt es im Herbstgutachten der Forschungsinstitute. (…)

Man muss schon sehr hartgesotten sein, um über die kausale Verbindung dieser beiden Meldungen nicht in Rage zu geraten – denn während die Banken ungeniert die nächste Blase produzieren, bereiten die sog. „Experten“ (zu denen auch das renommierte IfW (Institut für Weltwirtschaft) in Kiel zählt) die Menschen darauf vor, dass für sie von dem großen Kuchen, der da füllhornartig verteilt wurde, nur Brosamen (Abwrackprämie) übrig bleiben. Auf die Idee, an dem Finanz- und Geldsystem etwas zu ändern, um mit dem Geld ganz anders umgehen zu können, kommen die gelehrten Herren natürlich nicht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch diese Pressemitteilung über pressetext.de: „Historiker: Grenzen des Konsums erreicht“, die zeigt, dass es auch Wissenschaftler und Experten gibt, die weiter als nur bis zum nächsten Quartalsende denken können:

Der Konsum als Lebensform der Moderne steht auf einem Scheideweg. Zu diesem Schluss kommt der Historiker Wolfgang König vom Fachgebiet Technikgeschichte der TU Berlin http://www.philosophie.tu-berlin.de im Buch “Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft”. Angesichts der häufigen Darstellung, dass der Konsument für Wohl oder Niedergang der Weltwirtschaft verantwortlich sei, müsse das Phänomen des Konsums besser untersucht werden. “Denn die Frage, ob sich das derzeitige Konsumverhalten noch beliebig verlängern lässt, muss mit ‘Nein’ beantwortet werden”, so der Geschichtsforscher im pressetext-Interview. (…)

Und noch ein absolut lesenswerter Artikel, diesmal in Der Freitag – in „Lust auf Frust“ geht der Politikwissenschaftler Serge Embacher den Ursachen für die stetig zunehmende Poltikverdrossenheit und Demokratiemüdigkeit auf den Grund, die durch obige beiden News natürlich weitere Nahrung erhalten:

(…) Doch was macht diese Demokratie heute aus? Während ihre Verfahren einwandfrei funktionieren, gerät ihr tieferer Sinn aus dem Blick. Für die Demokratie als egalitäres Projekt der Vernunft und der demokratischen Emphase gilt heute „Alarmstufe rot“. Zahlreiche Frustrierte und Enttäuschte wenden sich ab. Schuld daran sind gravierende Fehlentwicklungen im politischen Mainstream der letzten 20 Jahre: Der zunehmenden Anballung ökonomischer Macht durch die schiere Logik der Kapitalkonzentration ist man nicht länger mit einer korrigierenden und umverteilenden Politik der sozialen Gerechtigkeit, sondern mit einer permanenten und nachlaufenden Anpassung an vorgebliche Sachzwänge begegnet. Das „Märchen“ vom teuren Sozialstaat, den sich niemand mehr leisten könne, wurde parteiübergreifend als neue Meta-Erzählung akzeptiert. Die Folge ist der bekannte Umbau des Sozialstaats von einer marktkorrigierenden Instanz zu einem Marktprinzipien gehorchenden Mechanismus der Fürsorge in individuellen Notlagen. (…)

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Wall Street macht sich bereit für die nächste Spekulationsblase

© svilen001, stock.xchng

© svilen001, stock.xchng

War es nicht so, dass unsere geliebte Bundesregierung und die anderen unbeschreiblich fähigen Regierungen weltweit den „notleidenden Banken“ mit Milliarden aus der Patsche halfen, dafür aber auch strengere Regulierungen und Überwachungen einführen wollten? Tja, Pustekuchen, natürlich ist nicht wirklich etwas geschehen, um die Macht der Banken und Finanzjongleure zu begrenzen, denn die Party der Banker geht in die nächste Runde. Wie die New York Times jetzt berichtet, haben findige Köpfe der Finanzindustrie das nächste Feld ausgemacht, auf dem zu tummeln sich für das händeringend nach Anlagemöglichkeiten suchende Kapital lohnt: die sog. „life settlements“, Lebensversicherungen älterer und kranker Menschen, die diese verkaufen. Diese Policen sollen dann, wie schon letztes Jahr mit den faulen Immobilienkrediten, wieder zu neuen Paketen geschnürt und auf ins weltweite Börsencasino eingespeist werden.

Then they plan to “securitize” these policies, in Wall Street jargon, by packaging hundreds or thousands together into bonds. They will then resell those bonds to investors, like big pension funds, who will receive the payouts when people with the insurance die.

The earlier the policyholder dies, the bigger the return — though if people live longer than expected, investors could get poor returns or even lose money.

Either way, Wall Street would profit by pocketing sizable fees for creating the bonds, reselling them and subsequently trading them.

Bei soviel Dreistigkeit – offenbar haben die Banker nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt (was aber auch nicht zu erwarten war, seien wir mal ehrlich) – fällt mir echt nichts mehr ein, von der Geschmacklosigkeit, darauf zu spekulieren, dass Leute möglichst früh sterben mal ganz zu schweigen. Wir dürfen uns dann also wohl schon mal auf die nächste platzende Spekulationsblase freuen, die dann wieder der normale Bürger ausbaden und gegenfinanzieren „darf“… Das Echo in der amerikanischen Blogszene fällt dementsprechend harsch und angewidert aus – z.B. „Wall Street Ghouls“, „Wall Street Gambles Again“, „Banksters to bet trillions on decreased life expectancy with ‚securitized life insurance‘“, „Stranger-owned life insurance“, und die internationale Ausgabe des Spiegels befasste sich aktuell ebenfalls mit der Thematik.

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Quickborn pfeift bei der Finanzierung auf die Banken

Für viele Kommunen, die finanziell aus dem letzten Loch pfeifen, sind dubiose und oft nachteilige Privatisierungen und Konstrukte wie Public Private Partnership (PPP) und Cross-Border Leasing (CBL) die einzige Möglichkeit, um überhaupt noch über die Runden zu kommen und den Bewohnern ein Mindestmaß an Versorgung zu garantieren. Dass es auch anders geht, als nur auf Staatsknete aus Berlin zu hoffen oder das Tafelsilber an Finanzjongleure und Konzerne zu verhökern, zeigt jetzt die kleine Stadt Quickborn in Schleswig-Holstein. Statt sich Geld für dringend nötige Sanierungen und Projekte für teure Zinsen bei den Banken zu leihen, greift man hier (wie schon die Leute in dem quer-Beitrag „Geld ohne Bank“) zu einer Lösung abseits der ausgetreten Pfade und bezieht die Bürger selbst mit ein. Wer bereit ist, der Stadt mindestens 5.000 € zu leihen, erhält diese nach einem Jahr mit 3% Zinsen zurück und unterstützt dabei gleichzeitig direkt die eigene Gemeinde. Der Run auf dieses Angebot war so groß, dass nach 3 Tagen bereits 4 Mio. € zusammen gekommen waren. Die NDR-Sendung markt berichtete Anfang der Woche darüber diesen Coup:

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Geld ohne Bank – Private Kreditbörsen boomen

Wem bei dem Filmchen über die Banker vor einigen Tagen auch ganz schlecht geworden ist und sich nun fragt, was man dagegen tun kann, dem verschafft vielleicht dies ein wenig Linderung – quer brachte nämlich unlängst einen Beitrag „Geld ohne Bank – Private Kreditbörsen boomen”. Denn das beste ist es doch immer noch, sich von den miesen Methoden der Banken so unabhängig wie nur irgend möglich zu machen und die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen. (Oder wenigstens zu einer Bank mit ethischen Grundsätze zu wechseln, die mit dem Geld keine Kriege, Atomkraft oder Gentechnik finanzieren, wie das bei den „normalen“ Banken der Fall ist.)

Während sich Politiker und Banker noch streiten, ob es eine Kreditklemme gibt oder nicht, haben die Verbraucher längst andere Wege gefunden, um an Geld zu kommen: Ein Gastwirt aus Hauzenberg im Bayerischen Wald, dem seine Bank den Kredit für die dringend notwendige Renovierung verweigerte, lieh sich das Geld bei seinen Gästen. Ebenso unkonventionell wie beliebt sind Internetplattformen, bei denen die Verbraucher sich gegenseitig Geld leihen. In vielen Fällen auch eine interessante Form der Geldanlage. Sind also Privatleute die besseren Banken?

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Die Party der Banker geht weiter

Tja, hat sich was mit „Krise“ – diejenigen, die vor allem mit an dem ganzen Schlamassel Schuld sind, feiern sich inzwischen wieder selbst und geben mit vollen Händen das (Steuer-)Geld aus, das sie von den Regierungen zur Rettung des maroden Systems hinten rein geschoben bekommen haben. Dieser Beitrag von Report Mainz sagt eigentlich alles… [via] Verbrechen lohnt sich eben nach wie vor!

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