Reklame ist eine Pest. Das habe ich hier im Blog ja schon des öfteren konstatiert und belegt – genauso, wie ich immer wieder feststelle, dass die Zustände in den USA, was Kommerzialisierung etc. angeht, noch weitaus schlimmer sind als bei uns. Was ich bisher beispielsweise nicht wusste, ist, dass man in Städten wie New York EIGENTLICH Genehmigungen für Plakatierungen etc. einholen muss, sich aber immer mehr Firmen einen Dreck darum scheren; ja, es gibt sogar Agenturen, die sich genau auf diese illegale und den öffentlichen Raum mit ihrem Zeug zupflasternde Form des Marketings spezialisiert haben. In Hamburg und Berlin habe ich Ähnliches auch schon erlebt, als ganze Straßenzüge mit Aufklebern für irgendeine CD oder eine Tour verunziert waren – und das nicht für irgendeine kleine Undergroundveranstaltung, sondern für Megamainstreamschrott wie Atze Schröder! Die amerikanische Dokumentation „On Corporate Graffiti“ befasst sich genau mit dieser Problematik und zeigt, wie Street Art-Künstler in den USA diesem kommerziellen Treiben auf ihre Art entgegentreten und den öffentlichen Raum den Konzernen zumindest partiell wieder zu entreißen versuchen. Leider gibt es das Ganze nur auf Englisch, ohne Untertitel, aber die Bilder sprechen auch schon für sich. :-) (Gefunden bei der Anti-Advertising-Agency.)
Kategorie: Adbusting Seite 6 von 12
Das ist ausnahmsweise mal ein Werbespot, der mir gefällt – in Auftrag gegeben hat ihn eine US-amerikanische Ärztegruppe, die darauf aufmerksam machen will, wie ungesund die McDoof-Kost ist. Es ist geplant, ihn tatsächlich mehrfach im US-Fernsehen auszustrahlen, sehr zum Zorn des Burger- und Frittenkonzerns, der den Ärzten „Propaganda“ vorwirft und den Clip „skandalös und verlogen“ nennt. Etwas, das das Unternehmen in der eigenen Reklame natürlich NIEMALS einfallen würde… man denke nur daran, wie McD die Verbraucher bezüglich der Herkunft des Fleisches in die Irre führt (siehe den Beitrag von foodwatch zu dem Thema) oder so tut als wäre eine ausgewogene und gesunde Ernährung mit ihren Produkten der Normalfall.
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Die Billboard Liberation Front gehört mit zu den „Urvätern“ des Adbusting und kämpft bereits seit zwei Jahrzehnten in den USA gegen das Überhandnehmen von Reklame und Kommerzbotschaften im öffentlichen Raum, primär gegen Plakatwände. Dabei nimmt sie sich das Recht heraus, auf die sonst nur einseitig funktionierenden Werbebotschaften der Konzerne zu antworten und die Wahrheiten hinter den schillernden Marketingfassaden bloß zu legen. Auf ihrer Website, die so angelegt ist, als wäre sie eine Marketingfirma und würde für Firmen „Werbeverbesserungen“ anbieten, zählt sie McDonald’s oder Phillip Morris zu ihren „Kunden“, für die sie entsprechend tätig war. Zum Beispiel dies hier (Vorher/Nachher-Bilder):
Interessant finde ich dabei auch ihr „Manifest“, in dem sie (in zum Teil sehr sarkastischer Art und Weise) Stellung beziehen zum Kommerzwahn unserer Zeit. Ich übersetze es hier mal eben:
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Das BLF Manifest
Am Anfang war die Werbung. Und die Werbung wurde dem Konsumenten durch den Werbetreibenden gebracht. Wünsche, Selbstbild, Ambitionen, Hoffnung; all dies findet ihren Ursprung in der Werbung. Durch die Werbung und die Absichten der Anbieter formen wir unsere Ideen und lernen die Mythen, die uns zu dem machen, was wir als Menschen sind. Dass diese Methode alle früheren Formen von Selbst-Definition ersetzt hat, steht außer Frage. Es ist klar, dass die Werbung heutzutage die angesehenste Position in unserer Kosmologie inne hat.
- Werbung überzieht alle Ecken unseres Wachlebens; es durchdringt unser Bewusstsein dermaßen, dass sogar unsere Träume oft ununterscheidbar von einer schnellen Abfolge von TV-Werbespots sind.
- Verschiedene Arten von Medien dienen der Reklame als primäre Kanäle zu den Menschen. Komplett neue Medien wurden erfunden, nur um den Prozess der Vermittlung von Werbung zu erleichtern.
- Altmodische Auffassungen, dass Kunst, Wissenschaft und Spiritualität die höchsten Errungenschaften und die edelsten Ziele des menschlichen Geistes seien wurden an den kristallinen Stränden des Aufkaufs/der Übernahme ausgemerzt; der heiligen Jagd nach Konsumgütern. Alle alten Formen und Philosophien wurden clever vereinnahmt und zurückgegeben in Form von Marketingstrategien und Konsumentenkampagnen durch die neuen Schamanen, die Werbeschaffenden.
- Spiritualität, Literatur und die phyisikalischen Künste Malerei, Skulptur, Musik und Tanz werden im Großen und Ganzen in der gleichen Art produziert, verpackt und konsumiert wie ein neues Auto. Produktinhalte, diktiert durch Trends und Hipness, haben eine eingebaute Halbwertszeit, die dem Produzentenkalender entspricht, um durch neue Modelle ersetzt zu werden.
- Product Placement in Film und Fernsehen haben die Handlung, die Entwicklung der Charaktere und andere veraltete Strategien in punkto Bedeutung in der Tagesordnung der Filmemacher ersetzt. Die Regisseure, die die größten Budgets unter sich haben, haben ihre Erfahrungen häufig im Bereich von TV-Reklame und Musikvideos gemacht.
- Künstler werden danach beurteilt und belohnt, wie ihre Position in der fortwährenden Kommodifizierung von Kunstobjekten aussieht. Sich vor Moden und den Launen der Galeriekultur verneigend, versuchen diese Künstler verspielte Sammlerstücke oder „Jahrgangs“-Objekte zu schaffen, die erfolgreich den Sammlermarkt bedienen. Die erfolgreichsten Künstler sind jene, die ihre Kunst am erfolgreichsten verkaufen können. Mit zunehmender Häufigkeit lernen sie von den Werbeschaffenden; sie brauchen nicht länger fälschlicherweise die Unterscheidung zwischen „feiner“ und „kommerzieller“ Kunst aufrechtzuerhalten.
- Und so sehen wir, dass die Werbung unsere Welt definiert, indem sie sowohl den Fokus auf das „Image“ wie auch die Kultur des Konsums richtet, die schlussendlich alle Individuen anzieht und inspriert, begierig darauf, mit ihren Mitmenschen in tiefsinniger Weise zu kommunizieren. Es ist klar, dass Er, der die Werbung kontrolliert, mit der Stimme unserer Epoche (dem Zeitgeist) spricht.
- Du kannst Fernsehen, Computer und Radio ausschalten/zerschlagen/abschießen/zerhacken oder in anderer Form vermeiden. Du wirst nicht dazu gezwungen, Zeitschriften zu kaufen oder Zeitungen zu abonnieren. Du kannst deinen Rottweiler auf Vertreter abrichten. Von all den Arten von Medien, die benutzt werden, um Reklame zu verbreiten, gibt es nur eine, der man nur als Bettlägeriger oder Menschenfeind entfliehen kann. Wir sprechen natürlich von Werbeplakatwänden (billboards). Zusammen mit seinen kleineren Cousins, Werbepostern und Aufklebern/Grafiken, ist die Werbeplakatwand omnipräsent und niemand, der durch unsere Welt geht, kann ihr entfliehen. Jeder kennt die Werbeplakatwand; sie ist in jedermanns Bewusstsein.
- Aus diesen Gründen setzt die Billboard Liberation Front jetzt und für alle Zeit fest, dass zu Werben bedeutet, zu Existieren. Zu Existieren heißt zu Werben. Unser äußerstes Ziel ist nichts anderes, als eine persönliche und eigene Werbeplaktwand für jeden Bürger. Bis zu dem glorreichen Tag der globalen Kommunikation, an dem jeder Mann, jede Frau und jedes Kind der Welt in 100 Punkt Schriftgröße von seinem Dach aus zuschreien oder zusingen kann; bis zu diesem Tag werden wir fortfahren, alles in unserer Macht stehende zu tun, um die Massen darin zu ermutigen, alle möglichen Mittel auszuschöpfen, die vorhandenen Medien zu requirieren und sie nach ihren eigenem Gusto zu verändern.
- Jedes Mal, wenn du eine Werbebotschaft in deinem Kopf änderst, wenn du auf eine Plakatwand kletterst und physisch die originale Botschaft und Grafik verwandelst, jedes Mal, wenn du den Slogan abänderst, gelangst du in den Stand der Hohepriesterschaft der Werber.
Jack Napier
John Thomas
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Der amerikanische Künstler Packard Jennings zeigt auf seiner Website Centennial Society, wie vielfältig und sowohl amüsant wie auch subversiv Widerstand gegen den alltäglichen Konsumwahn sein kann. Er präsentiert dem verblüfften Leser eine ganze Reihe seiner Aktionen, mit denen er vor gut 15 Jahren begann und mit denen er nach wie vor Zeichen setzt gegen ein aus Reklame und kaufbaren Werten bestehendes medial vermitteltes Gesellschaftsbild. Aus der Fülle seiner in der Regel von ihm selbst illustrierten und durchgeführten Culture-Jamming.Aktionen möchte ich nur eine Handvoll ehrausgereifen – es lohnt sich aber auf jeden Fall, sich auch die anderen anzuschauen. Vielleicht animieren sie den einen oder anderen ja, ebenfalls entsprechend tätig zu werden. Zwar sind diverse der von Jennigs zur Verfügung gestellten Aktivisten-Materialien schon auf den amerikanischen Markt abgestimmt und zum Teil im Grenzbereich von Kunst und Aktivismus, aber als Anregung taugen sie allemal!
Ein paar Aktionen möchte ich hier schlaglichtartig herausgreifen. Z.B. den liebevoll gestalteten Pocket Survival Guide, der zeigt, wie man mit den ganzen Plastikverpackungen den Klimaschäden, den die Produktion dieser Verpackungen auslösen, entkommen kann. Etwas zum Verwirren der Betrachter und so ganz ohne Text vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar… Dazu gibt es auch ein nettes Video, in dem wir erfahren, wie man den Guide bastelt und dann an die passenden Produkte im Supermarkt klebt.
Noch anarchistischer ist das „Business Reply Pamphlet“ – dieses soll man in die vor allem in den USA massenhaft versendeten „Porto bezahlt Empfänger“-Rückumschläge packen und an die entsprechenden werbenden Firmen zurücksenden. Das Pamphlet ist eine Anleitung zum Umsturz und zur Auflehnung gegen die (in diesen Firmen) herrschenden Zustände. Überzeichnet radikal aber wirklich unterhaltsam. Für heimische Zwecke könnte man sich sicherlich überlegen, irgendwelche anderen passenden Botschaften, Hinweise zu aufklärenden Websites (wie Konsumpf ;-) oder ähnliches in solche Umschläge zu tun und wegzuschicken.
Geradezu klassisch (im Sinne des Culture Jammings) sind Jennings’ „Überarbeitungen“ von Plakatwänden zu bezeichnen („Billboard Alterations“) – Adbusting, wie es sein soll:
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Greenpeace UK rief vor einigen Wochen dazu auf, das BP-Logo im Lichte der neuesten Katastrophe passend umzugestalten, so dass es statt des heuchlerischen grünen Images ein zutreffenderes Bild des Ölkonzerns zeichnet. Weltweit machten viele Menschen mit, und nun wurden die Sieger gekürt – den Publikumspreis bekam das wirklich sehr gelungene Adbusting des Franzosen Laurent Hunziker, das auf traurig-schöne Weise das wahre Wesen der Ölindustrie und von BP darstellt:
Den Jury-Preis gewann der Deutsche Alexander Hettich mit seinem ebenfalls treffenden Entwurf:
Diese und diverse andere kann man auf der Greenpeace-Seite herunterladen, z.B. für das Basteln von Stickern, die man wie zufällig an einer Aral (=BP)-Tankstelle, öhm, verlieren könnte z.B. ;-)
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Adbusting und Culture Jamming sind ja Methoden, wie der einzelne in den von kommerziellen oder stadtplanerischen Interessen besetzten öffentlichen Raum eingreifen kann, um ganz im Sinne der Situationisten eine Deautomatisierung des Sehens und ein Aufbrechen gewohnter Muster zu bewirken (um es mal geschwollen auszudrücken ;-). Dabei ist Street Art immer an der Grenze zwischen dem rein künstlerischen Aspekt und auch durchaus beabsichtigter Kritik an Firmen, Zuständen oder allgemeiner alltäglicher Abstumpfung. Vor einiger Zeit brachte das Art-Magazin einen netten Artikel über „Street Art-Skulpturen – Die neue Stadtguerilla“, bei dem vor allem die üppige Bilderstrecke lohnenswert ist, da sie viele gelungene Beispiele origineller und ungewöhnlicher Eingriffe in den öffentlichen Raum der Städte zeigt:
Illegale Skulpturen und Interventionen im öffentlichen Raum sind der neueste Streich der Postgraffiti-Generation. Street Art verwandelt die Stadt in einen Abenteuerspielplatz der Kunst. […]
[…] Kultur entsteht durch Spiel – den Spaß daran und durch die daraus entstehende Spannung. “Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt”, schrieb Friedrich Schiller einst. Und der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga prägte den Begriff “Homo ludens”, den spielenden Mensch, der für die Street-Art-Künstler so beschreibend ist. Die Straße wird zur Leinwand, die Stadt zum Abenteuerspielplatz. Zweckgebundene Stadtmöbel werden zweckentfremdet. Jede Bushaltestelle, jede Sitzbank, jeder Pflasterstein ist ein nächstes, potenzielles Kunstwerk. Und die Künstler spielen mit dem Stadtraum, den Bewohnern und der Geschichte der künstlerischen Avantgarde. Ein Schuss Spontaneität der Situationisten, ein paar choreografische Fluxus-Elemente, ein bisschen Land Art, eine Dosis Dada-Absurdität, verquirlt mit Ready-Mades und Minimalismus – und fertig ist die Street-Art-Skulptur. Aber man muss diese Bezüge auch nicht erkennen, um Street Art zu verstehen. “Street Art versteckt sich nicht in Museen. Sie funktioniert in unserem alltäglichen Lebensraum, ist Kunst für die Masse, und kann trotzdem intellektuell und konzeptionell sein”, sagt Brad Downey. “Street Art ist wie Baudrillard in Disneyland.”
(Ansonsten ist natürlich immer ein Besuch bei rebelart zu empfehlen, um noch mehr (subversive) Streetart zu sehen.)
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Tschuldigung, dass ich das Thema BP noch einmal aufgreife, aber dieses Adbusting hier ist einfach zu gut, als dass ich es ignorieren könnte [via]:
Dass BP wirklich ein übler Konzern ist, zeigen sie auch damit, dass sie begonnen haben, bei Google und Yahoo Adwords zu kaufen, die direkt mit der Katastrophe zusammenhängen (“oil spill” etc.), um die Leute so auf die firmeneigenen Seiten zu leiten und ja nicht auf kritische. Geht es noch erbärmlicher? Wie tief kann man sinken? (Quelle Examiner.com, „BP buys Google, Yahoo search words: Is it to keep people from real news on Gulf oil spill disaster?“) Hoffentlich tankt niemand mehr bei Aral in diesem Land. (Oder Shell. Oder Esso. Oder… oder…)
Wer live sehen will, was an der Leckstelle im Golf von Mexiko vor sich geht, kann sich den Stream von CNN anschauen (da wird einem ziemlich schlecht…).
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Nachdem Apples iPad unter großem Marketing- und Mediengetöse nun also auch in good ol’ Germany gelandet ist, nutzt die taz die günstige Gelegenheit der gesteigerten Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, um in der Titelgeschichte der neuen Ausgabe auf „Die dunke Seite des iPads“ hinzuweisen und in „Freitod verboten“ die Hintergründe näher zu erläutern.
Die Firma Foxconn produziert in China für den Apple-Konzern das iPad. Eine Reihe von Selbsttötungen in der chinesischen Belegschaft zeigt die Arbeitsbedingungen in den Fabriken der Elektronikindustrie. […]
[…] Der jüngste Freitod des 23-Jährigen erfolgte, nur Stunden nachdem Foxconn-Chef Terry Gou erstmals in der Firmengeschichte Journalisten zum Besuch des Fabrikgeländes eingeladen und persönlich herumgeführt hatte. Bis dahin galt Longhua als “verbotene Stadt”, zu der Fremde und vor allem Journalisten keinen Zutritt hatten. Die einzige legale Gewerkschaft gilt ohnehin als Handlanger des Managements. Noch im Februar wurde ein Reuters-Fotograf, der von außen Aufnahmen gemacht hatte, von Werkschützern getreten und bedroht. […]
[…] Bereits am Dienstag hatte in Hongkong die Aktivistengruppe Sacom (“Schüler und Lehrer gegen das Fehlverhalten von Konzernen”) vor einem Foxconn-Büro protestiert, iPhones aus Pappe verbrannt und zum Boykott des neuen 4G aufgerufen. “Wir wollen das Bewusstsein der Konsumenten wecken, welchen Preis Arbeiter für die Produktion des iPhones zahlen”, sagte Debby Chan Sze-wan von Sacom. […]
Andreas Ingerl beleuchtet den taz-Artikel in „Foxconn, Apple und die taz“ durchaus kritisch, weil dort gewisse Zahlenzusammenhänge suggeriert werden, die nicht ganz stimmig sind, und eher einseitig auf Apple rumgehackt wird, obwohl Foxconn auch für viele andere große Unternehmen produziert. Was an den unhaltbaren Zuständen bei der Produktion unserer Elektronikspielereien natürlich nichts substanziell ändert – auch und vor allem in diesem Konsumbereich sollte sich jeder gut überlegen, ob er unbedingt dauernd das neueste Gerät braucht, um glücklich zu sein.
Apropos Apple – der Blog von Johannes P Osterhoff dokumentiert eine schöne Plakatnappingaktion aus dem Berliner U-Bahnhof Rosenthaler Platz. „Steve Jobs offers iPad users “freedom from porn.” And yet the iPads’ measures will offer an unprecedented porn experience. An ad-busting from Berlin Mitte.“ Da sag noch mal einer, das iPad hätte keinen praktischen Nutzen! ;)
As one can see in the relaxed posture Apple imagines for its future users, the iPad is about to offer an entirely new porn experience. The user experience of the device and its dimensions will make it a perfect hand for porn viewers. […]
Wo wir grad bei Adbusting sind – Greenpeace England ruft gerade zu einem Wettbewerb aus, das bisherige BP (British Petroleum)-Logo und den Werbespruch umzuarbeiten und besser an die Realitäten anzupassen. „Wanted: Neues Logo für BP“ erklärt Greenpeace auf der deutschen Seite – und die ersten kreativen Vorschläge sind bereits eingetrudelt.
Da hilft auch der Slogan Beyond Petroleum (jenseits des Erdöls) nicht viel: Der Energiekonzern BP steckt bis zum Hals in der braunen Masse. Das Markenzeichen von BP, eine leuchtend grüne Sonne, passt so gar nicht zu seinem dreckigen Geschäft mit dem Öl. Greenpeace sieht dringenden Überarbeitungsbedarf und hat zum Wettbewerb aufgerufen: Gesucht werden Logo-Entwürfe, die zeigen, wofür der Ölmulti wirklich steht. […]
[…] Greenpeace hat den Flaggenwechsel bereits im BP-Hauptquartier in London eingeleitet und in einer Protestaktion die Firmenflagge unter dem Slogan British Polluters durch eine ölverschmierte ersetzt. Nun sind unsere User an der Reihe: Die ersten Logoentwürfe sind bereits eingegangen und hier zu bestaunen. Die Vorschläge reichen von Burning Platform über Blind Profit bis hin zu Back in Black. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme am Greenpeace-Wettbewerb: Der Entwurf muss sich am ursprünglichen BP-Logo orientieren. Die drei Gewinnerbeiträge bilden das Hauptmotiv der internationalen Greenpeace-Kampagne gegen BP. […]
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Letzte Woche schrieb mich Paul Kalkbrenner (ja, DER Paul Kalkbrenner!) an und wies mich darauf hin, dass er in den 90ern ebenfalls in punkto Adbusting aktiv gewesen ist; vor allem im Rahmen seines Abgang!-Merchandising, in dem er verfremdete und parodierte Logos in T-Shirt-Form verbreitete. Bereits 1997 hielt er einen bemerkenswerten Vortrag auf dem Chaos Communication Congress ’97 zum Thema „Adbusting / Markenhacken“, den ich Euch als heutige Leseempfehlung ans Herz legen möchte. Denn leider haben die Aussagen, die Herr Kalkbrenner dort tätigt, auch heutzutage nichts an Aktualität verloren – der Kommerz blüht eher noch stärker als ehedem… Aber glücklicherweise auch der Widerstand dagegen!
[…] Einer der bekanntesten Werbeideologen, Jacques Séguélas von der Agentur Euro-RSCG formuliert es so: “Die Werbung hat alles erobert… Sie ist zum Schulmeister unserer Kinder geworden, da sie bei ihren Lehrern nur Stunden absitzen, das Fernsehen dagegen tausend Stunden eifrig verfolgen. Sie sitzen gebannt vor unseren Spots, und so wird die Werbung auch zum Lehrmeister fürs Leben.”
Die Macht der Bilder, der visuellen Kommunikation, bleibt aber auch im Erwachsenenalter ungebrochen. Sie ist stärker als logische Argumente. Auch wenn du dich darüber erhaben fühlst, die Penetranz der Werbebilder dressiert dich trotzdem.
Deshalb arbeitet jede Werbung mit Bildern, deshalb sind erfolgreiche Marken Wort-Bild-Zeichen. Jeder kennt den Coca-Cola Schriftzug, ebenso wie das Lebensgefühl, das uns durch ungezählte Werbespots und Print-Kampagnen eingebleut wurde. Jeder kennt den Marlboro-Schriftzug und assoziiert ihn mit Freiheit und Abenteuer, Cowboy-Romantik und herber Männlichkeit. Selbst die Telekom hat es geschafft mit einem Werbeetat von über 500 Millionen DM tausende von Narren davon zu überzeugen, sich ihre in wenigen Tagen wertlosen Aktien zu kaufen. […]
[…] Die Frage: “Where do you want to go today?” ist mittlerweile ein registriertes Trademark von Microsoft. Siemens hat vor wenigen Monaten erfolgreich eine schwule Kölner Telefongesellschaft verklagt und ihr untersagt, den Slogan: “Wir gehören zur Familie” zu benutzen, obwohl der Slogan “We are Family” seit Jahren fester Bestandteil der Schwulenszene ist.
Die Absurdität hat Methode. Obwohl wir zweifelsfrei im Kapitalismus bzw. der freien Marktwirtschaft leben, in der auch die Kunst längst zur Ware geworden ist, darf man als Künstler mit kritischen Adbusting-Werken keinen kommerziellen Erfolg haben. Konzernen wie Shell ist jedoch millionenschwere Augenwischerei, sprich Werbung, besserer Betrug am Verbraucher gestattet. […]
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Nach all den Büchern, die sich mit den mehr praktischen Aspekten des Culture Jamming und der Konsumkritik beschäftigen, stieß ich vor einigen Wochen zu meiner Freude auf ein theoretisch ausgerichtetes Werk, das diese Widerstandsform und die kritische Auseinandersetzung mit dem Konsumkapitalismus (so nennt der Autor unser System konsequent im gesamten Buch) von (kommuniktions)wissenschaftlicher Seite her beleuchtet. Andreas Völlingers „Im Zeichen des Marktes. Culture Jamming, Kommunikationsguerilla und subkultureller Protest gegen die Logo-Welt der Konsumgesellschaft“ gelingt es dabei, die Grundlagen des sog. „semiotischen Widerstands“ gegen die herrschende Logo- und Zeichenflut, die uns durch die Kozerne via Marketing, Werbung und Medien aufgezwungen wird, gekonnt darzulegen als auch über verschiedene Formen subkulturellen Widerstands (wie Skateboarding, Graffitti und Adbusting) zu referieren.
Auch wer sich schon intensiv mit der gesamten Thematik befasst und z.B. die Bücher von Kalle Lasn oder Naomi Klein gelesen hat, wird hier noch einiges Neues entdecken, zumal der Reiz dieser Untersuchung des Autors sicherlich darin liegt, dass er einen weiten Bogen von postmodernen / poststrukturalistischen Theorien von Eco, Debord, Barthes oder Bourdieu, wie sie manch Studenten in der Uni begegnen, hin zu den praktischen und konkreten Aspekten (The Yes Men, Subvertising) schlägt. Dies geschieht alles auch mit einer eindeutigen Sympathie für die Absichten von Culture Jammern und anderen Gruppen, die sich gegen die Durchkommerzialisierung des Alltags stemmen (wie vor allem im persönlich geprägten Ausblick am Ende des Buches deutlich wird). Auf knapp 150 Seiten wird ein umfassender und dennoch recht kompakter Überblick gegeben, wie breit die Ideen des „zeichenhaften Widerstands“ in der Gesellschaft bereits gestreut sind und in welch unterschiedlichen Ausprägungen sie vorkommen können und wo die Grenzen und Risiken liegen. Der Autor zeigt auch, wie weit Konzerne mit ihren Symbolen und Logos in unserem Alltag hereinreichen und dass öffentliche Räume (und damit das gesellschaftliche Miteinander) immer stärker gefährdet sind, zu reinen Konsumräumen zu werden.
Die wissenschaftlich gehaltene Sprache und die vielen Literaturangaben und Querverweise mögen dabei vielleicht den einen oder anderen Aktivisten erst einmal abschrecken – sollten sie aber nicht! Eine wahre Fundgrube stellt nämlich die umfangreiche Literaturliste im Anhang dar, die auch für mich noch viele bis dato unbekannte Internet-Quellen und auch Leseanregungen bereit hält – davon werden alle Leser meines Blogs in der Zukunft sicher noch profitieren. :-)
Mein Fazit: ein spannendes Buch, das eher für Fortgeschrittene gedacht ist bzw. für Menschen, die sich Themen lieber wissenschaftlich-theoretisch nähern. Von daher ist Völlingers Werk natürlich kein Ersatz für „Aufrüttler“ wie Lasns „Culture Jamming“ oder „Das Schwarzbuch Markenfirmen“, sondern eine gute ergänzende Lektüre, die einige neue Facetten der Bewegung aufzeigt und Culture Jamming und Adbusting auch im wissenschaftlichen Diskurs verstärkt ankommen lässt. Ein Angriff auf die Deutungshoheit der Zeichen, die bisher bei den Konzernen und ihren Medien liegt, muss meiner Meinung nach sowieso von den verschiedensten Seiten aus erfolgen, wenn eine Schwächung Aussicht auf Erfolg haben soll, um ein kritischeres Bewusstsein bei den Menschen für die sie umgebenden Botschaften zu wecken und zu schärfen.
Während die Mitglieder einer subkulturellen Gemeinschaft durch semiotischen WIderstand hauptsächlich Abgrenzung betreiben, kann Culture Jamming als Mittel der Kontaktaufnahme dienen, um gerade dort anzusetzen, wo herkömmliche Argumentation gegen das herrschende System versagt:
„Wo Aufklärung nicht ankommt, kann Kommunikationsguerilla die wirksamere Taktik sein, wo es eine aufnahmebereite Zielgruppe oder gesellschaftlichen Druck gibt, ist Aufklärung und Information angesagt, und oft greifen beide ineinander.“ (autonoma a.f.r.i.k.a. gruppe)
Aus dieser Warte bietet Culture Jamming eine Möglichkeit, Gesellschaftskritik auch zu jenen Menschen zu tragen, die sich dieser verweigern – Debord würde hier wohl argumentieren, dass sie der vom konsumkapitalistischen Spektakel erzeugten Passivität erlegen sind – und möglicherweise auch bei ihnen einen Denk- und vielleicht sogar Umdenkprozess anzuregen.
Dieser Aus- und Ansicht des Autors schließe ich mich gerne an.
Andreas Völlinger „Im Zeichen des Marktes. Culture Jamming, Kommunikationsguerilla und subkultureller Protest gegen die Logo-Welt der Konsumgesellschaft“, Tectum Verlag 2010, 148 S., 24.90 €











