Dez
09
2011
10

Werbung gegen Realität, Teil 15: Weltrettende Konzerne

Ich hoffe, Ihr schreit nicht entnervt auf, wenn ich Euch heute wieder nur ein kurzes Filmchen kredenze? Es passt auf jeden Fall sehr gut in meine kleine Reihe „Werbung gegen Realität“ und zeigt (wieder einmal), wie weit Reklamebotschaften und die dahinterstehenden Fakten auseinanderklaffen. Aber auch, wie leicht sich offenbar immer noch viele Menschen von düdeligen Fernsehbildern, Hochglanzclips und Marketingchichi einwickeln lassen. Es gibt also noch viel an Aufklärung zu tun! In der Sendung Plusminus ging es jedenfalls darum, was wirklich hinter den medial breitgetretenen Kampagnen einiger Firmen steckt, die sich mit Natur- und Umweltschutzengagement brüsten, das, wenn man genauer hinschaut, am Ende doch eher bescheiden ist und wohl primär der Pflege des Unternehmensimages dient. Nicht zu vergessen, dass manche Firmen bei Herstellung und Vertrieb ihrer Produkte vermutlich mehr Schaden anrichten, als sie nachher mit den paar Cent pro Produkt wieder in den Umweltschutz stecken. „Klima retten – und Umsatz machen

„Ein Kasten Krombacher gleich ein Quadratmeter geschützter Regenwald“
Mit dieser Botschaft hat die Brauerei Krombacher die Werbewirtschaft in Deutschland nachhaltig verändert.

„Cause related Marketing“, zweckbezogenes Marketing, nennt sich so etwas. Das Prinzip: Der Konsument spendet mit dem Kauf eines Produkts gleichzeitig für einen guten Zweck. Unternehmen können so öffentlich darstellen, dass sie soziale Verantwortung übernehmen – und Hilfsorganisationen nehmen das Geld gern. (…)

Wirtschaftswissenschaftler Frank Huber von der Universität Mainz sieht hinter dieser Strategie eine bewusste Ablenkung von dem, was da am Ende tatsächlich gespendet werde. Ein Quadratmeter Regenwald höre sich eben besser an, als fünf Cent für jeden verkauften Kasten. (…)

(Übrigens finde ich diesen Krombacher-Spot, der auch zu sehen ist, echt widerwärtig – genau diese Art von abstoßend gefühlsduseliger und kitschiger Reklame löst bei mir intensivste Abwehrreaktionen aus. Leider ist diese Masche ja weit verbreitet, so dass man eh kaum unterscheiden kann, wofür geworben wird.)

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Feb
17
2010
4

Werbung gegen Realität, Teil 14 – Dem Hamburger auf der Spur

Schon des öfteren habe ich mir gewünscht, dass die Medien, die die Verdummungskampagnen der Reklame ausstrahlen und abdrucken, mit diesen Inhalten kritsch ins Gericht gehen, statt sie einfach nur kommentarlos neben den sonstigen „Content“ zu stellen. Letzte Woche gab es dann tatsächlich eine jener seltenen Sternstunden, nämlich im Beitrag „Fast Food – Dem Hamburger auf der Spur“ des WDR-Magazins markt. Dort wird die Reklame des McDonald’s-Konzerns mit der Realität konfrontiert, und dies in Gegenwart eines Konzernsprechers. Also eigentlich das perfekte Setting, um diesen Herrn mal so richtig ins Schwitzen und in Erklärungsnöte zu bringen – leider unterbleibt die Frage bzw. Feststellung, dass das, was McD da in seiner Werbung zeigt, nicht der Wahrheit entspricht, in dem Sinne, dass der wirkliche volle Umfang verschleiert wird, so dass der Firmensprecher sich herauswinden kann, schade. Dass industrielle Fleischproduktion sowieso tierundwürdig ist, muss ich hier nicht eigens erwähnen – immerhin erfreulich, dass der Sender da doch einige schockierende Bilder zeigt, die im Kontrast zum marketingiduzierten Image eines „leckeren, gesunden Burgers“ stehen. Guten Appetit, kann man da nur sagen…

In einem Werbespot stellt sich ein junger Mann als Qualitätsscout von McDonald’s vor: „Hallo, ich bin Martin Vollmer. Als Qualitätsscout von McDonald‘s will ich mal sehen, wo das Rindfleisch für BigMac und Co. herkommt.“ Er stellt den Schneiderhof vor. Auch wir wollen wissen, wo das Fleisch herkommt und besuchen den Schneiderhof. Und in der Tat handelt es sich bei dem Hof offenbar um einen Vorzeigebetrieb. Er bietet seinen Kühen einen Traumstall, ideal für Werbeaufnahmen.

Wenige Autominuten weiter sieht es jedoch schon ganz anders aus. Milchvieh in Süddeutschland steht oft in dunkeln Ställen. Am Hals angebunden können sich die Tiere nur hoch und runter bewegen, oft ein Leben lang. Konkrete gesetzliche Vorschriften fehlen. (…)

(…) Die Tierhaltung ist also offensichtlich egal, solange ausreichend Muskel- und Fettgewebe vorhanden ist. (…)

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Okt
14
2009
2

Werbung gegen Realität, Teil 13 – Das Märchen vom Öko-Image

Über die derzeit wie Pilze aus dem Boden sprießenden Imagekampagnen großer Konzerne, die sich umgekehrt proportional zur Umweltschädigung ihrer Produkte und Geschäftspolitik ein umso grüneres Mäntelchen umhängen, je schlimmer sie es in der Realität treiben, hatte ich ja hier schon ein paar Mal berichtet. Nun nimmt sich auch das NDR-Medienmagazin Zapp! dieser Problematik an und entlarvt in „Das Märchen vom Öko-Image“ die frechen Reklamelügen von RWE, Vattenfall, Daimler & Co. Werbung generell nicht zu glauben ist ohnehin das beste, was man tun kann, um seine mentale Gesundheit zu schützen.

Trotz des grau-braunen Herbstwetters: die Farbe, die dominiert ist grün. Nicht unbedingt in der Mode, dafür aber bei sehr vielen anderen Produkten des täglichen Lebens. Waschmittel, Putzmittel, Strom, Cremes, Limonade, alles ist im Einklang mit der Natur. Man hat schon fast ein schlechtes Gewissen noch Fahrrad zu fahren, so großartig sind die neuen Autos anscheinend fürs Klima. Schön, dass man wieder mit gutem Gefühl einkaufen kann. Jedenfalls, wenn man der Werbung glaubt.

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Apr
21
2009
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Werbung gegen Realität, Teil 12: Yogurette

bild-7„Ja, die Yogurette, die schmeckt so himmlich joghurt-leicht“, tralala. Wer kennt ihn nicht, diesen grenzdebilen Singsang aus dem Fernsehen, mit dem Ferrero seit Jahren (Jahrzehnten?) ihre Erdbeer-Joghurt-Schokolade bewerben und sie in den Rang einer natürlich-leckeren, sportlich-aktiven und damit eigentlich gesunden Schleckerei zu erheben versuchen. Sicher sind auch schon Millionen Gutgläubiger auf diesen Reklameschmarrn reingefallen – denn mit der Realität hat das Image dieses Produkt leider nur wenig zu tun. Tatsächlich ist dies mal wieder ein sehr „schönes“ Beispiel dafür, wie Werbung funktioniert und den Verbraucher in die Irre führen soll. Auf die Idee, zu suggerieren, dass man durch das Verzehren gezuckerter Produkte etwas für seinen Körper, für seine Fitness gar täte, muss man auch erst einmal kommen, Hut ab vor dieser Dreistigkeit der Marketingabteilung.

Die Foodwatch-Initiative Abgespeist hat sich dieses Treiben nun lange genug mit angesehen und zerlegt die Reklameversprechen von Ferrero aktuell gerade in ihre Einzelteile. So erfahren wir, dass Yogurette mehr Kalorien und Fett enthält als eine normale Vollmilchschokolade, der Käufer darüber auf der Packung aber gar nicht aufgeklärt wird. Nur über den Nährwert von Erdbeeren, von denen in dieser Schokolade sicherlich bestenfalls Spurenelemente enthalten sein dürften, lässt sich der Hersteller hier aus. Genauer gesagt besteht die Yogurette zu 5.5% aus Erdbeergranulat, eine Mischung aus Zucker, Fett und etwas Erdbeerpulver. Lecker, was? Gesunde Nahrung sieht natürlich anders aus, und wer tatsächlich glaubt, sich mit dem Verzehr dieses Produkts etwas Gutes zu tun, befindet sich ganz schön auf dem Holzweg. Alles weitere erfahrt ihr auf der entsprechenden Seite von Abgespeist, dort kann man dem Hersteller auch mit einem vorbereiteten E-Mail-Formular seine Meinung zu dieser Irreführung geigen.

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Feb
13
2009
7

Werbung gegen Realität, Teil 11: Katzen würden (kein) Whiskas kaufen

dosenfutter_2Wer kennt sie nicht, die markigen Sprüche „Katzen würden Whiskas kaufen“, „Ein ganzer Kerl Dank Chappi“ oder die süßlich-schleimige TV-Reklame, in der eine Tierhalterin ihrer Katze eine Dose Fertigfutter öffnet, mit einem Petersilieblättchen verfeinert und das Tier daraufhin in schnurrende Ekstase verfällt (ich verlinke hier generell nicht auf Original-Reklame, um die Spots nicht unnötig noch bekannter zu machen als sie eh schon sind)? Die Botschaft ist klar: dieses Zeug ist so lecker, das hätten die Werbeleute am Set am liebsten selbst gegessen! Natürlich ist es auch extrem gesund, denn Katzen wissen schließlich am besten, was gut für sie ist. Und gerade, weil so große Konzerne dahinter stehen, wird die Qualität ja wohl unbestritten sein, denn das Futter wird doch „von führenden Züchtern empfohlen“! (Es sind übrigens nur sehr wenige Firmen, die sich diesen Markt teilen, auch wenn sie ihren Produkten verschiedene Namen geben, um eine größere Vielfalt zu suggerieren. Marktführer Effem produziert u.a. Whiskas, Sheba, Brekkies und Chappi; Mars z.B. Kitekat, Cesar, Pedigree und Frolic; dazu gibt es dann natürlich noch eine Reihe von Billigprodukten anderer Hersteller und Supermarktketten.)

Auf der Seite Cat Care der Tierhilfe Kassel wird Klartext geredet über das von den Marketingfuzzis in so hohen Tönen angepriesene, angeblich so unheimlich leckere und gesunde Dosenfutter – „Katzen würden Mäuse kaufen. Was ist drin im Katzenfutter?“. Tatsächlich sollte sich auch in diesem Falle niemand der Illusion hingeben, dass vollmundige bunte Werbeversprechungen irgend etwas mit der Realität zu tun hätten, denn in Wirklichkeit kauft der Tierfreund im Supermarkt oft nur schamlos überteuerte und mit Zusatzstoffen „hochgepimpte“ Abfälle! Selten ist das Missverhältnis von schillernder Reklamewelt zum eigentlichen Produkt so krass wie hier.

Wenn man sich aber mal eine Dose Katzenfutter einer x-beliebigen Firma ansieht, ist man sehr erstaunt, darin so ziemlich alles zu finden – nur fast kein Fleisch!

Was ist eigentlich in der Dose?

Los geht es meist mit „Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen“. Das ist nichts anderes als: billige Schlachtabfälle, zerkleinertes Fell, Knochen, Federn, Schnäbel, Wolle, Urin und etliches mehr. Auch wenn die Katze in der Natur die ganze Maus frisst, ist das Verhältnis der einzelnen tierischen Bestandteile in der Dose nicht ausgeglichen und die Qualität des verwendeten Fleisches nicht sehr hoch, weil das für den Hersteller viel zu teuer wäre. Generell kann man sagen, dass der Fleischanteil daran immer sehr gering ist, und die „4% Huhn, Kaninchen etc.“ bedeuten nichts anderes, als dass von diesen Abfällen 4% von entsprechendem Tier stammen. Diese Abfälle sind für den menschlichen Verzehr nicht zugelassen, und fallen deshalb auch nicht unter die Bestimmungen der Lebensmittelindustrie. Nicht alle verwendeten Kadaver sind frisch, und außerdem werden natürlich auch kranke Tiere verarbeitet, so dass sich u.a. auch karzinogenes Gewebe in den Dosen befindet. Nicht sehr appetitlich und auch nicht sehr gesund!
Normalerweise würde eine Katze dieses Zeug nicht anrühren, aber die zugesetzten Fette (Abfallfette, z.B. altes Bratfett), die Geschmacks- und Konservierungsstoffe und der zugesetzte Zucker lassen die Katze ihren Ekel vergessen.

(…) Zum Schluss findet man noch eine besondere Überraschung in der Dose: Zucker! Dieser schädigt nachweislich den Organismus der Katze und verursacht Zahn- und manchmal auch Bauspeicheldrüsenprobleme.

Verdummung im Supermarkt
katzeLeider werden die Tierbesitzer nicht über die Zusammensetzung aufgeklärt, sondern mit netten Bildchen von süßen und zufriedenen Katzen ruhig gestellt, die von der Dose und vom Fernseher prangen. Ob man nun die Firma x, die Firma y oder die Firma mit den lila Aufklebern kauft, ob die Dose schlicht ist oder das Futter in kleinen, teuren 100-g-Schälchen oder Tütchen daherkommt, ob es sich als Ragout, Geschnetzeltes oder Häppchen in Gélé tarnt; der Großteil der Futtermarken kommt aus derselben Fabrik ein und desselben Herstellers – und der hat als Ziel die Optimierung seiner Bilanz und nicht die Gesundheit unserer Katzen.

Fast alle genannten Inhaltsstoffe, einschließlich Zucker, sind billige Rohstoffe, die die Dose füllen, ohne der Katze auch nur ansatzweise von Nutzen zu sein. Hinzu kommen noch Konservierungsstoffe, die meist unter dem Deckmantel „EWG-Zusatzstoffe“ laufen und Krebs auslösen können. Hier wird deutlich, dass der Tierbesitzer bewusst im Unklaren gelassen wird.

Guten Appetit, kann man den armen Tieren da nur noch zurufen, und fordern, dass die Hersteller und Reklameleute zur Strafe den Dreck mal selbst fressen müssten… In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Beitrag „Macht Tiernahrung unsere Vierbeiner krank?“:

»Meiner Auffassung gehören viele Verantwortliche der Futtermittelindustrie ins Gefängnis, 5 Jahre mindestens und ohne Bewährung.« (Prof. O. Wassermann, Toxikologie Kiel, 1998)

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Jan
29
2009
13

Werbung gegen Realität, Teil 10: Zucker (vs. Stevia) und die Zucker-Mafia

zuckerWer kennt sie nicht, die immer mal wieder geschalteten großflächig angelegten Imagekampagnen der Zuckerindustrie, die uns suggerieren, dass Zucker ein ganz natürliches und folglich also gesundes „Lebensmittel“ sei. Okay, zum Schutz der Zähne sollte man vielleicht nicht allzuviel davon essen bzw. sich ausreichend oft die Zähne putzen, aber im Prinzip spricht ja wohl nichts gegen diese süße Versuchung, oder? Schön wär’s. Wie so oft bei derart aufgeblasenem PR-Gedöns wird hier versucht, mit viel Einsatz von Geld und medialer Aufmerksamkeit ein schädliches Produkt in einem besserem Licht dastehen zu lassen als es das verdient.

Das ist eigentlich nichts Neues. Tatsächlich berichtete DIE ZEIT bereits 1991 in „Die Zucker-Mafia“ von den unerfreulichen Methoden, mit denen uns Industriezucker ins Essen gemischt wird:

Überflüssig und ungesund: weil es keinen guten Grund gibt, ihre Produkte zu konsumieren, drückt die Zuckerindustrie ihre Erzeugnisse mit vielen Tricks in den Markt. Die süße Droge versteckt sich in ungezählten Lebensmitteln: Fischkonserven und Senf, Milchgetränken, Tütensuppen und Tomatenketchup.

(…) Glaubt man aber der Süß-Werbung, dann ist Zucker pure Natur. „Zucker ist Sonne zum Essen“, preist eine Werbebroschüre. Doch zwischen Sonne und Essen muß viel Arbeit, Chemie, Energie und Geld aufgewandt werden, um zu dem chemisch reinen süßen Kristall zu kommen, das wir in solchen Massen konsumieren.

(…) Zucker ist selbst in Massen billig, deshalb dient er nicht nur zum Süßen. Wenn der Göttinger Ernährungspsychologe Volker Pudel den Herstellern von Mischmilch zum Beispiel empfiehlt, etwas weniger Zucker in ihre Produkte zu tun, erfährt er mitunter Verblüffendes: „Ich höre dann immer von den Herren, daß der Zucker, wie sie sich ausdrücken, der Körper ist, also eine gewisse Masse bringt.“ So wird schon mal das Volumen des Milch-Mischgetränks mit der Füllmasse Zucker vergrößert, weil man, so Pudel, „sonst was anderes reintun müßte, was möglicherweise teurer wäre“.

Wer weiß schon, daß Tomatenketchup zu fast einem Drittel aus Zucker bestehen kann: zehn Würfel in hundert Gramm, fünfzig in einer Flasche? Zucker findet sich in Tütensuppen, aber auch in dem Stoff, der unseren Speisen eigentlich die Schärfe geben soll: im Senf. Wer Zucker vermeiden will, müßte auf Fischkonserven verzichten. Und auch die sauren Gurken sind süßer, als ihr Name glauben macht.

Auf oe24.at fand sich unlängst die (ebenfalls nicht so neue) Erkenntnis: „Droge Zucker: Süßigkeiten können süchtig machen“.

Beim Konsum von Süßem wird in der Region des Nucleus Accumbens der Botenstoff Dopamin freigesetzt. Er gilt als chemisches Signal, das erst Motivation und im Laufe der Zeit Sucht auslöst. Ähnliche Veränderungen hatten die Forscher zuvor bei Ratten beobachtet, die nach Kokain oder Heroin süchtig waren.

Forschungsleiter Bart Hoebel sieht hier eine mögliche Erklärung für diverse Esssüchte. Was auch erklärt, warum der Kampf gegen Übergewicht so oft verloren wird.

In Großbritannien ist die Werbung für zucker- und fettreiche Produkte im Kinderfernsehen seit letztem Jahr verboten, was man sicherlich als kleinen Sieg gegen die Zucker-Mafia werten kann. Ob so etwas viel hilft, ist eine andere Frage, zumal wenn die Eltern sich selbst nur von Cola, Chips und Fertiggerichten ernähren, aber es ist immerhin ein Signal.

Nach einer Entscheidung eines Hamburger Gerichts darf Zucker seit 1992 offiziell sogar als Schadstoff bezeichnet werden… Um so erstaunlicher, dass Unternehmen nach wie vor ihre bis zur Halskrause gesüßten Produkte (man denke da nur an das Nestlé-Zeugs, Fruchtzwerge oder zuckrige „Frühstückscerealien“) als vermeintlich „gesund“ anpreisen dürfen.

Vor allem, da es seit einer Weile auch gesündere Alternativen gibt. Nein, natürlich nicht die industriell gefertigten Süßstoffe, die z.B. aus einer Cola light einen Giftcocktail machen. Sondern Stevia, eine Pflanze aus Paraguay, die auch Süß- oder Honigkraut genannt wird, deutlich körperverträglichere Eigenschaften besitzt und in vielen Ländern der Welt schon verwendet wird – nur in der EU nicht. Über diesen verbraucherfeindlichen und industriefreundlichen Fakt berichtete vorgestern auch die ARD-Sendung Plusminus:

Heute kann man bereits in vielen Ländern Stevia-Produkte kaufen, nur in der Europäischen Union nicht. Kein Stevia-Kraut, kein Pulver und keine flüssigen Auszüge dürfen als Lebensmittel auf den europäischen Markt gelangen – trotz nachgewiesener hervorragender Eigenschaften. Dr. Michael Bolz vom Klinikum Südstadt Rostock: „Diese süßmachenden Substanzen haben den Vorteil, dass sie keine Kalorien haben, dass sie den Blutzucker nicht erhöhen, möglicherweise auch blutdrucksenkend wirken.“ In anderen Ländern wurde das schon längst erkannt. In Japan, Australien, den USA oder der Schweiz stehen Stevia-Produkte in den Supermärkten im Regal.

Die Lobby der Zuckerindustrie verhindert die Zulassung durch die EU. Professor Jan Geuns von der Katholischen Universität in Leuven (Belgien) hat schon zig Anträge auf Zulassung von Stevia gestellt. Alle wurden abgelehnt. „Ich spreche das Wort Korruption nicht aus, aber vielleicht ist es so“, so der Professor, der die Süßpflanze erforscht.

Für die Zulassung dieser offensichtlich sehr sinnvollen Pflanze setzt sich derzeit auch das Projekt FreeStevia ein.

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Jan
18
2009
1

Werbung gegen Realität, Teil 9: AWD

Irgendwie scheint diese Woche meine Woche der Kritik an der Finanzwirtschaft zu sein – denn heute möchte ich ein wenig näher auf den Allgemeinen Wirtschafts-Dienst (AWD) eingehen. In der eigenen Reklame stellt sich der „unabhängige Finanzoptimierer“ AWD natürlich als seriös, ausschließlich kundenzentriert und kompetent dar und behauptet, „auch in der Werbung Spitzenreiter“ zu sein. Diese Werbespots zeigen ausschließlich glückliche, entspannte Menschen, die quasi nur Dank der tollen Beratung dieser Firma ruhig schlafen und ihr Leben genießen können. Die Wirklichkeit sieht aber leider in manchen Fällen ganz anders aus, wie N3 in seiner Sendung Markt Anfang der Woche schilderte – „Abgezockt: Kleinanleger um Altersvorsorge gebracht“:

Er gehört zu Europas größten Finanzdienstleistern: AWD mit Sitz in Hannover. Rund 6.000 Mitarbeiter vertreiben Lebensversicherungen oder Geldanlagen zur Altersvorsorge. Doch die Praktiken des AWDs sind umstritten: Verbraucherschützer warnen vor aufdringlichen Verkaufsmethoden. Dass dahinter noch ein anderes System steckt, berichten ehemalige Mitarbeiter. Der AWD hätte sie in die Schuldenfalle getrieben.

Hintergrund ist das AWD-eigene Honorarsystem: die sogenannte Linearisierung. Handelsvertretern werden Provisionen auf Vorschussbasis gezahlt. Werden sie hinterher nicht ins Verdienen gebracht, müssen sie zurückgezahlt werden.

(…) Und diese Produkte sind hochriskant und in der Regel nicht geeignet für Kleinanleger, das Hauptklientel von Finanzdienstleistern wie dem AWD. Wirtschaftsdetektiv Medard Fuchsgruber beobachtet seit Jahren den AWD und weiß, dass in den Ruin getriebene Kunden keine Einzelfälle sind.

Tatsächlich existiert inzwischen sogar ein eigenes Forum der AWD-Aussteiger, der Verein der ehemaligen AWD-Mitarbeiter e.V. Dies zeigt, dass es sich bei den Vorfällen beileibe nicht nur um einige bedauerliche Einzelfälle zu handeln scheint.

Bereits vor zwei Jahren berichtete der Hessische Rundfunk in „Vorsicht! Abzocke: Schlecht beraten. Wie Finanzdienstleister arbeiten“ über mehrere Fälle, in denen allen vollmundigen Werbeversprechungen zum Trotz vor allem Rentner von AWD-Vertretern zu Abschlüssen gedrängt wurden, die ihren Bedürfnissen absolut nicht entsprachen bzw. deren Risiko ihnen verschwiegen wurde. Wie fast immer zeigt sich auch hier, dass man auf die glamourösen Reklamebehauptungen der Konzerne, die diese großspurig im Fernsehen und anderen Massenmedien herauströten, besser nichts geben sollte.

Für diejenigen, die ihr Geld lieber sinnvoll, ökologisch und ethisch angemessen anlegen wollen, hat die taz unlängst sieben nachhaltige Tipps zur Finanzkrise veröffentlicht: „Bleiben Sie flüssig und sauber“ – absolut lesens- und vor allem natürlich auch nachahmenswert!

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Written by Peter M. in: Konzernkritik,Wirtschaft | Schlagwörter: , , ,
Dez
18
2008
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Werbung gegen Realität, Teil 8: RWE

verschmutzung-_chimney_2Wer auf der Suche nach dreisten und schamlosen Reklamelügen ist, wird beim Klima-Lügendetektor regelmäßig fündig. Vor allem die besonders klimaschädlichen Industrien wie Energieversorger und Autobauer versuchen sich via Werbung nachträglich reinzuwaschen bzw. übles Geschäftsgebaren zu verschleiern.

Neuestes Beispiel: RWE. Am Werbeetat wird bei diesem Konzern traditionell nicht gespart, und so machte RWE unlängst mit einer Anzeige im Special der ZEIT zum 90. Geburtstag von Helmut Schmidt von sich reden, in der sie peinlich und platt von „Emissiönchen” schwadronierten – zu dumm, dass der International Herald Tribune just zuvor ein vernichtendes Urteil über den EU-Emissionshandel zog: „Polluter’s Windfall: Carbon into gold”. Ursprünglich sollten Luftverschmutzer wie die RWE Emissionsrechte ersteigern und so dazu angehalten werden, möglichst wenig CO2 auszustoßen. In der Praxis sieht diese hübsche Idee (die in Wirtschaftsbüchern auch als „Internalisierung externer Kosten” bezeichnet wird) leider nicht mehr so positiv aus, denn ein Großteil der Rechte werden den Konzernen geschenkt, wobei diese ihre Strompreise dennoch so berechnen, als müssten sie dafür zahlen. Dies darf man getrost als vom Bürger bezahlte Subvention an die Großindustrie bezeichnen.

Four years later, the carbon trading system has created a multibillion-euro windfall for some of the Continent’s biggest polluters, with little or no noticeable benefit to the environment so far.

After heavy lobbying by giant utilities and smokestack industries, which argued that their competitiveness could be impaired, the EU all but scrapped the idea of selling permits. It gave them out for free, in such quantities that the market came close to collapsing because of a glut.

But in line with the original strategy, utilities in countries from Spain to Britain to Poland still put a „market value“ on their books for the permits and added some of that putative cost to the prices they charged industrial customers for electricity. And they did not stop there. In one particularly contentious case, regulators in Germany accused utilities of charging customers for far more permits than they were entitled to.

Nowhere was this behavior more evident than at RWE, a major German power company, which has acknowledged that it is the biggest carbon dioxide emitter in Europe. Bank analysts and environmental advocates estimate RWE had received a windfall of roughly €5 billion, or $6.5 billion at current exchange rates, in the first three years of the system, ending in 2007 – more than any other company in Europe.

Vor diesem Hintergrund sind Anzeigenkampagnen, wie RWE sie regelmäßig schaltet, sicherlich zynisch und erbärmlich zu nennen. Der Klima-Lügendetektor titelt dann auch süffisant „Millionen Tönnchen Emissiönchen”.

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Dez
15
2008
5

Werbung gegen Realität, Teil 7: Cola light

Gibt es tatsächlich Menschen, die glauben, das Trinken von Cola light bzw. der neuen Sorte mit grünem Tee (was ja sicherlich eine Nähe zur sog. „Wellness“ suggerieren soll) wäre in irgend einer Form gesund? Gesünder (= weniger schädlich) als die normale Cola zumindest? Ich hoffe nicht, auch wenn der Coca Cola-Konzern in seiner Werbung natürlich genau diesen Eindruck zu erzeugen versucht – ich denke da nur an die Firmenmaxime, einen Lifestyle um dieses Getränk herum zu stricken:

Mit der aktuellen Kampagne „hello you“ motiviert Coca-Cola light alle Frauen, ihre einzigartige Persönlichkeit noch mehr auszuleben.

Unglaublich dämlich, dieses plumpe Ansinnen der Marketingabteilung, aus einer braunen Blubberbrause sowas wie einen Persönlichkeitsverstärker zu machen. Nun ja, vermutlich fallen trotzdem ein paar Leute darauf hinein.

Gerne wird ja auch darauf verwiesen, dass dieses Getränk „null Gramm Zucker” enthielte. Das stimmt zwar, aber nur, wenn man unter Zucker den normalen Industriezucker versteht, denn selbstverständlich sind in der Cola light dafür ganz andere Elemente aus dem Chemiebaukasten vertreten. Ich zitiere den Greenpeace-Magazin-Artikel „Diät Cola – Was die Werbung verschweigt”:

Ist Cola Light ein Cocktail aus womöglich neurotoxischen und krebserregenden Substanzen? Davor warnt das britische Umweltmagazin „The Ecologist“. Als gefährlich prangert das Magazin den als krebserregend geltenden Süßstoff Aspartam an, aber auch zahn- und knochenschädigende Phosphor- und Zitronensäuren sowie erbgutschädigende Farbstoffe wie die Ammonsulfit-Zuckerkulör (E150d).

Wohl bekomm’s! Ich bleib dann doch lieber bei Wasser und Tee oder vielleicht mal einem Glas Wein oder einer Club Mate…

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Written by Peter M. in: Konzernkritik,Reklame | Schlagwörter: , , ,
Dez
06
2008
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Werbung gegen Realität, Teil 6: Die Deutsche Post

Die Werbespötte der Deutschen Post, in der eine Vielzahl von Briefträgern, zu Lande und zu Luft, unterwegs ist, um einen einzigen Brief zu Kunden zu bringen, dudelten lange genug durch die Fernsehkanäle (ich will das hier nicht verlinken, aber wer bei Youtube „Deutsche Post“ und „die Post ist da“ eintippt, wird schnell fündig). Wie meistens (immer?) bei so großangelegten Imagekampagnen sieht die Wirklichkeit leider anders aus, als die Marketingnasen das in ihrer Reklame darstellen. Aber das Für-dumm-Verkaufen der Zuschauer und Kunden gehört natürlich zum alltäglichen Geschäft der Werbeindustrie. Das sehr sehenswerte Polit-/Satiremagazin quer auf Bayern 3 schaute in seiner jüngsten Ausgabe mal hinter die Kulissen und klärt auf, wieso in Unterhaching und sonstwo in der Republik, Briefkästen immer öfter tagelang leer bleiben.

Der Beruf des Briefträgers ist nicht mehr das, was er einmal war. Während früher ein Tratsch am Gartenzaun oder wenigstens ein paar freundliche Worte möglich waren, muss jetzt im Akkord zugestellt werden. 16.000 Stellen hat die Post eingespart. Die Folge für die Bürger: Ihre Briefe kommen immer später an. Zudem klagen die Postboten oft über Stress, nicht zu bewältigende Briefmengen und schlechte Bezahlung. Die Fälle von Frühverrentung nehmen zu. Gerade in der Vorweihnachtszeit bangt nun so mancher Kunde, dass sein Päckchen nicht mehr rechtzeitig ankommt.

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