Mrz
29
2010
2

Die dreisteste Werbelüge – Der Goldene Windbeutel 2010

Dass Werbung lügt ist eine tautologische Aussage, wie etwa „weißer Schimmel“ oder „dunkle Nacht“. Einige Reklametreibende aus dem Lebensmittelbereich sind allerdings besonders dreist bei ihren Imagekampagnen und täuschen und tricksen, was das Zeug hält. Deshalb hat sich Foodwatch bereits letztes Jahr daran gemacht, die dreisteste Werbelüge mit dem „Goldenen Windbeutel“ auszuzeichnen. Preisträger 2009 war übrigens Danone mit Actimel, einem überteuerten Industriejoghurt mit (wenn man der Reklame mit Kachelmann & Co. Glauben schenken würde) geradezu magischen Kräften.

Natürlich reißt der Strom an irreführender Werbung nicht ab und so gibt es auch dieses Jahr für eine der fünf nominierten Unternehmen den Goldenen Windbeutel zu „gewinnen“. Man kann nicht behaupten, dass die Frechheit der Konzerne geringer geworden wäre, im Gegenteil, wie man an diesem kleinen Informationsbeitrag sehen kann:

Noch bis zum 22. April kann man auf abgespeist – Etiketten lügen wie gedruckt noch für seinen Favoriten abstimmen. Verdient hätten diesen Preis natürlich alle vorgestellten Industrieprodukte („Lebensmittel“ kann man zu so einem gepanschten Zeug eigentlich ruhigen Gewissens nicht mehr sagen). Übrigens soll es dabei keineswegs darum gehen, nur ein paar „bedauerliche Einzelfälle“ anzuprangern, sondern vielmehr, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass der Konsument im Supermarkt grundsätzlich und systematisch durch Verpackungen und Reklame hinters Licht geführt werden soll und Firmen versuchen, uns vorzugaukeln, ihr billiger Industriemüll wäre etwa hochwertige gesunde Kost.

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Mrz
01
2010
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Radiotipps für den März

radio_isolated_on_white_with_clipping_pathKaum hat man sich’s versehen ist auch schon wieder ein neuer Monat da – und wieder einmal bringt er einige spannende Radiosendungen auf Deutschlandradio Kultur bzw. im Deutschlandfunk, die ich Euch heute schon mal vorstellen will. Wie üblich kann man die meisten Features nach der offiziellen Ausstrahlung (hoffentlich) auch auf den Websites der Sender als mp3 herunterladen oder zumindest dort nachhören.

DLR-K
Mo. 1.3. – 19:30 Uhr

Zeitfragen
„Kratzer an einem deutschen Statussymbol“
Das Auto zwischen Fortschrittsvehikel und Leitfossil
Von Heiner Dahl

DLF
Di. 02.03.2010 · 19:15 Uhr

Freiwerdende Gebiete – Schrumpfen als Chance
Von Anselm Weidner
In 40 Jahren werden zehn Millionen weniger Menschen in Deutschland leben; der Osten Deutschlands hat schon seit dem Mauerfall über zwei Millionen Menschen verloren. Leerwerdende Regionen, verlassene Dörfer in Vorpommern, in Brandenburg, ebenso wie in Südost-Niedersachsen oder Nordhessen: In den Zeiten des Abschieds vom Wachstum entstehen hierzulande immer ungleichere Lebensverhältnisse in immer disparateren Räumen.
Wenn schließlich irgendwo ein Zigarettenautomat als letztes Relikt der öffentlichen Versorgung steht, kann man darüber klagen oder wie die „Raumpioniere“ in Ost und West, von denen Anselm Weidner berichtet, „schrumpfende Regionen“ als „frei werdende Gebiete“ für neue Ideen, Projekte und Lebensweisen nutzen.

DLF
Fr. 05.03.2010 · 19:15 Uhr
Nicht weniger. Besser
Zur politischen Ökonomie des Schrumpfens

Von Matthias Greffrath
In der Volkswirtschaftslehre gibt es keine Theorie des Schrumpfens. Wachstum ist erwünscht und soll der Normalfall sein, Schrumpfen gilt als Störung. Aber was passierte eigentlich also, wenn wir die Konsequenz aus der Klimakrise und den Verwerfungen der globalen Ökonomie, aus der Kritik an Konsumismus, Naturzerstörung, Beschleunigung ziehen?
Wenn wir weniger, aber besser essen und öfter selbst kochen; nur einmal im Jahr, aber dafür gut vorbereitet reisen; unsere Möbel, Mäntel, Motorräder nicht alle Jahre wechseln; und nur noch so viel arbeiten, wie es uns gut tut – kurzum, wenn wir nachhaltig und vernünftig leben: Wäre das der GAU für unser Wirtschaftssystem, das Elend für Millionen von Arbeitern? Und wenn nicht: Was steht unserer Vernunft im Wege – um uns herum und in uns selbst?

DLR-K
Mo. 15.3. – 19:30 Uhr
Zeitfragen
„Beton statt Bildung“

Das Konjunkturpaket und seine Folgen
Von Anja Schrum und Ernst-Ludwig von Aster

DLF
Fr. 19.03.2010 · 20:10 Uhr
Auf Suche nach dem idealen Leben

Theo Pinkus und Amalie de Sassi
Von Jochanan Shelliem
Sie waren ein Jahrhundertpaar. Theo Pinkus und Amalie de Sassi, ein Paar, das zu den wichtigsten Protagonisten der unabhängigen Linken nicht allein in der Schweiz wurde, zum Gedächtnis der Alpenrepublik. Zum Energiezentrum, das der Schweizer Staatsschutz fünf Jahrzehnte lang überwachen ließ: Amalie, die Frauenrechtlerin. Theo, der Kommunist.
1929 empfängt Theo Pinkus das Parteibuch der KPD aus der Hand von Wilhelm Pieck. Der SA entkommt er knapp. In ihrer Züricher Wohnung sammeln Theo und Amalie verbotene Bücher. Aus ihrer Buchhandlung entwickelt sich die Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung.
1972 gründet Theo Pinkus die Utopisten-Begegnungsstätte Salecina. Hier diskutieren Herbert Marcuse, Carola Bloch, Max Frisch, hier treffen sich Lehrlinge aus Mailand mit Spontis aus West-Berlin.
Theo und Amalie bringen die jungen Alternativen mit den alten Kämpfern zusammen, das hält sie selbst frisch.
2009 wäre er 100 geworden, 2010 sie. Endlich erschließt die Züricher Zentralbibliothek die Sammlung des revolutionär-bibliophilen Paares.

DLR-K
Do. 25. 3 – 19:30 Uhr
Forschung und Gesellschaft
„Kein Blut am Handy“

Der geochemische Fingerabdruck für das kongolesische Coltan
Von Jan Lublinski

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Feb
18
2010
--

Zwei Podcast-Tipps: „Go Shopping!“ und „Freizeit nach Feierabend“

Ich bin doch immer wieder positiv überrascht, welch kritische Themen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer wieder mal angesprochen und diskutiert werden; ganz anders als im immer mehr ins Boulevard-eske abrutschenden Fernsehen (trotz natürlich einiger guter Ansätze in den 3. Programmen etc.). Diesen Sonntag liefen gleich zwei spannende Sendungen, die es beide noch als Podcast/mp3 gibt, und beide passen perfekt zum Thema meines Blogs.

Bayern 2 Zündfunk Generator vom 14.2.2010

Freizeit nach Feierabend? Über die Zukunft von Arbeit, Freizeit und die graue Zone dazwischen.
Was vor einigen Jahren als idealisierte Arbeitsweise der sogenannten Digitalen Bohème galt, ist längst Alltag geworden: „Arbeit“ ist oft eine Mischung aus freiwilliger Selbstausbeutung, ökonomischer Intelligenz und finanzieller Instabilität. Die Zeit der arbeitsfreien Freizeit ist vorbei. Nicht nur Autoren oder Designer leben in einer Grauzone aus Arbeit, Freizeit und ständiger Verfügbarkeit. Für immer mehr Menschen gilt: Das Handy bleibt am Wochenende an – und der Chef hat die Nummer. Die Aus- und Weiterbildung zahlt man selbst und absolviert sie nach Feierabend. So ist Freizeit zu einer Art Tafelsilber geworden, das man in schlechten Zeiten eben verkaufen muss: Und weil die Zeiten schlecht sind, boomt der Markt. Der Onlineversand Amazon etwa betreibt einen Marktplatz für ausbeuterisch bezahlte Mikroarbeit. Dort kann jeder für ein paar Dollar pro Tag digitale Fließbandarbeit verrichten. Denn mal ehrlich: Ist die Zeit beim Telefonieren oder zwischen zwei Terminen nicht eigentlich zu kostbar, um nicht ein paar Cents dazu zu verdienen? Wer profitiert davon, wenn Freizeit und Arbeit verschwimmen, Zeitarbeit zur Jederzeitarbeit wird, und welche Kritik an diesem Konzept sollte man beachten?

>> Podcast (mp3)

Und als zweites:

SR2 KulturRadio 14.2.2010

Dr. Eva Tenzer: Go Shopping!
Warum wir es einfach nicht lassen können.

Das Vertrauen in die „unsichtbare Hand des Marktes“ unterstellt, die Akteure der Wirtschaft würden sich vernünftig verhalten – zumindest vernünftig im Sinne ihrer eigenen Interessen.

Dass dies oft nicht stimmt, zeigt nicht nur die Finanzkrise, das zeigt auch ein Blick in eine beliebige Einkaufsstraße. Warum kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen oder die uns sogar schaden?

Warum fällt es so schwer, Instinkte zu zügeln, die einmal nützlich waren, inzwischen aber in den Ruin führen? Wie wehren wir uns dagegen, dass unsere Schwächen gezielt ausgenutzt werden?

>> Podcast (mp3)

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Dez
07
2009
2

Radiotipps: Was wäre wenn… (Privatautos verboten wären)

Auf DLR-Kultur lief letzte Woche jeden Morgen gegen 9 Uhr die spannende Serie Was wäre wenn…, die sich mit verschiedenen „utopischen“ Ideen befasst und Vordenker auf den jeweiligen Gebieten zu Wort kommen lässt. Die Themen sahen wie folgt aus:

Das Schöne daran: man musste nicht so früh aufstehen ;-) oder sich eigens ein Radio anschaffen, nein, die Beiträge können auf der DLR-Seite auch rückwirkend noch angehört werden – mit dem dort integrierten Player. Einfach den jeweiligen Tag anwählen und zur entsprechenden Uhrzeit scrollen und dann den Beitrag anklicken. Oder in obiger Liste direkt die mp3s runterladen, das ist noch einfacher.

Sehr interessant ist sicherlich auch der Beitrag „Warum wir uns Gefühle kaufen – zum Beginn der Extremshopping-Saison“ (>> mp3).

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Nov
14
2009
3

Radiotipp: Wer braucht schon Geld?

Heute Abend um 18:05 bringt Deutschlandradio Kultur ein spannendes Feature mit dem Titel „Wer braucht schon Geld? Alternative Wirtschaft im Selbstversuch“ (Wiederholung am 30. November o:05 Uhr):

Geld ist schnell. Schnell weg. Ob man zuviel davon hat oder zu wenig, immerzu macht es Sorgen. Doch niemand kommt ohne Geld aus. Es sei denn, man tauscht!

Ich zeige dir, wie du italienische Pasta selber machen kannst und du bringst mir Gitarrespielen bei. Die Autorin meldet sich bei einem Tauschring an, trifft dort auf einen Gitarrenlehrer und auch auf die Fragen: Wozu brauchen wir eigentlich Geld? Woher kommt Geld? Und würde unsere arbeitsteilige Gesellschaft ohne Münzen und Scheine wirklich zusammenbrechen? Gibt es ernst zu nehmende Visionen von einer Welt ohne Geld? Beispiele aus Japan, den USA und der Gemeinde Wörgl in Tirol lassen hoffen – in Zeiten der Krise.

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Okt
01
2009
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Radiotipps für den Oktober

radio_isolated_on_white_with_clipping_pathHier wieder meine beliebte Rubrik „Radiotipps“ – wie üblich ist es erstaunlich zu sehen, dass es im öff.-rechtlichen Rundfunk doch immer noch eine ganze Menge an kritischen Sendungen zu hören gibt. Diese Zusammenstellung (die wieder von Wiebke von Attac Kiel stammt) beschränkt sich auf das Programm vom Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur, die man beide auch im Netz empfangen kann und die ihre Beiträge zuweilen auch noch nachträglich zum Herunterladen anbieten.

DLF
Do. 01.10. – 10:10 Uhr
Journal am Vormittag
Heute bleibt das Auto stehen – was jeder Verbraucher für den Klimaschutz tun kann
Am Mikrofon: Britta Fecke
Nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Verbraucher sind beim Klimaschutz gefordert. Denn ein großer Anteil der täglich produzierten Energie wird in Deutschland von Privathaushalten genutzt. Ein Teil dieser Energie könnte eingespart und damit auch das Klima geschont werden. Möglichkeiten zum Klimaschutz gibt es viele, wie zum Beispiel kurze Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen oder beim Kauf des nächsten Autos gezielt auf den Verbrauch zu achten. Das gilt auch für Elektrogeräte und Küchenhelfer: Effizientere Haushaltsgeräte schonen dabei nicht nur das Klima, sondern auch die Haushaltskasse. Es gibt viele Mittel und Wege, um Energie zu sparen und damit gleichzeitig die Umwelt zu schonen. Was jeder Einzelne im täglichen Umgang mit Strom, Wärme und Wasser tun kann, darüber diskutiert Britta Fecke mit Experten im heutigen „Marktplatz“. Hörerfragen und -erfahrungen sind wie immer willkommen.

DLF
Fr. 02.10 – 19:15 Uhr

Dossier
Wirtschaft ohne Wachstum?
Auf der Suche nach einer politischen Ökonomie für das 21. Jahrhundert
Von Mathias Greffrath

DLF
Fr. 09.10.2009 · 20:10 Uhr
Abendland in Patriotenhand
Österreich auf dem rechten Weg?
Von Ursula Rütten
Je mehr jemand die eigene Nation liebt, desto weniger liebt er gewöhnlich die anderen. Das macht die internationale Solidarität der Nationalisten so schwierig. In Österreich ist die Lage besonders prekär: Zur nationalen „Missgeburt“ (Jörg Haider) bekennt man sich im Lager der Freiheitlichen eher ungern. Sich als „Ostmärker“ zur deutschen Nation zu bekennen, will 71 Jahre nach dem „Anschluss“ sehr wohlüberlegt sein. Aber was Heimat bedroht und hier nicht hingehört, ist ausgemachte Sache.
„Aggressive“ (muslimische), auch slawische Fremdkörper im (kreuz-katholischen) Volkskörper. „Gastarbeitslose“, „Wirtschaftsflüchtlinge“, die die EU nach Österreich als Asylbewerber durchwinke, zweisprachige Ortsschilder, zum Beispiel. Dass die FPÖ nach all den Skandalen und Spaltungen der letzten Jahre mit wachsendem Wählerzuspruch belohnt wird, verweist auf Durchsetzung von nationalchauvinistischem und rassistischem Gedankengut in weiten, vor allem jungen Teilen der Bevölkerung. Abgerundet wird das Bild durch eine soziale und politische Mitte, die dem wenig entgegen-setzt. Forderungen nach einer Umkehr der Migrations- und Integrationspolitik haben mittlerweile auch die großen Volksparteien übernommen.

DLR-K
Mo. 12.10. – 19:30 Uhr

Das politische Feature
„Rote Ampel für grüne Gentechnik?“
Nutzen und Schaden von Pflanzen aus dem Genlabor
Von Susanne Hermsen

DLF
Sa. 17.10.2009 · 11:05 Uhr

Reichtum aus der Tiefe
Die Ölnation Norwegen gibt Gas Richtung Europa
Noch vor 100 Jahren galt Norwegen als eines der ärmsten Länder Europas. Seit die Norweger große Öl- und Gasreservoirs vor den Küsten entdeckten, hat sich das Land zu einer der reichsten und modernsten Gesellschaften weltweit entwickelt.
Im Gegensatz zu Deutschland und den meisten anderen europäischen Staaten häufen die Norweger keine Schulden, sondern Jahr für Jahr neue Milliarden an, die sie in einen Fonds für zukünftige Generationen investieren. Auch die strategische Bedeutung des Landes nimmt zu. Während Russland seine Energielieferungen immer wieder als politische Waffe einsetzt, hat sich Norwegen als zuverlässiger Partner erwiesen. Das könnte den Annäherungsprozess an die Europäische Union vorantreiben

DLF
Fr. 23.10. – 19:15 Uhr

Das Kulturgespräch
ZEIT FORUM WISSENSCHAFT
Spielball Erde – Risiken und Nebenwirkungen des Geo-Engineering

DLF
Di. 27.10.2009 · 19:15 Uhr

„Auf der Tagesordnung steht Zorn“
Neue Protestformen in Frankreich
Von Ruth Jung
Millionen Franzosen folgten im Frühjahr 2009 dem Aufruf der Gewerkschaften zum Generalstreik. Beschäftigte aus allen Branchen traten am 29. Januar und am 19. März in den Ausstand. Im Übersee-Département Guadeloupe sogar über sechs Wochen lang.
Politiker zeigten sich überrascht von dieser Mobilisierung. Vergleiche mit 1936 und 1968 drängten sich auf. Wie aber sieht es nach dem Generalstreik aus? Haben die Gewerkschaften der sozialen Erosion wirklich etwas entgegenzusetzen? In Grenoble nahm die von Massenentlassungen bedrohte Belegschaft des Großunternehmens Caterpillar die Sache selbst in die Hand und stellte sich offen gegen die Gewerkschaft. Verantwortliche Manager wurden „festgesetzt“ und zu Verhandlungen gezwungen. Das Beispiel macht Schule.
„Die traditionellen Mobilisierungskampagnen zur Verteidigung von sozialen Rechten funktionieren heute nicht mehr“, sagen Aktivisten. Neue Protestformen sind gefordert.
Doch wie sehen die aus?

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Aug
30
2009
--

Radiotipps für September

radio_isolated_on_white_with_clipping_path1Nachdem die Rubrik Radiotipps letztes Mal ja so gut angekommen ist, hier wieder eine Vorschau auf das, was uns an interessanten Sendungen im September erwartet (DLR ist dabei Deutschlandradio, DLF Deutschlandfunk, DLR-K Deutschlandradio Kultur). Wie ich auch letztes Mal schon schrieb, scheinen diese Sender die letzten Refugien für kritische Gedanken geworden zu sein, nachdem im Fernsehen nur noch die Spaßgesellschaft bzw. der Kommerz regiert. Besonders interessant erscheint mir dabei die Sendung am 21.9. „Die Stylisten der Macht – Wie Politik im Zeitalter der Mediendemokratie inszeniert wird“. Übrigens stammt die Zusammenstellung originär nicht von mir, sondern von Wiebke von Attac Kiel – vielen Dank!

DLF
Di. 01.09.2009 · 19:15 Uhr
„Ich kämpfe bis zum Schluss“
Der Streit um die Braunkohle in der Lausitz

Von Charly Kowalczyk
„Das Eis in Grönland und Antarktis schmilzt schneller als erwartet“, die Weltwetterorganisation der Vereinten Nationen schlägt Alarm. Solche Meldungen werden in Brandenburg, dem Bundesland mit dem größten Pro-Kopf-Ausstoß an schädlichen Treibhausgasen, auf besondere Art wahrgenommen.
Vor dem Mauerfall arbeiteten im Lausitzer Revier 75.000 Menschen im Bergbau. Heute, 20 Jahre später, sind es kaum 5000. Ihre Arbeitsplätze sollen jetzt langfristig gesichert werden. Brandenburgs Landesregierung und der schwedische Energieriese Vattenfall wollen auch nach 2050 weiter Kohle fördern.
Drei Dörfer müssten für den Tagebau weichen. Die Sorge um den Klimaschutz und um den Verlust ihrer Heimat treiben viele Bewohner auf die Barrikaden. Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler dagegen setzen auf CO2-freie Kohlekraftwerke. Eine Illusion oder eine vernünftige Perspektive? Die Lausitz ist gespalten, zwischen denen, die ihre Heimat und denen, die ihren Arbeitsplatz verteidigen, zwischen Umweltschützern und Kohlebefürwortern.

DLF
Sa. 05.09.2009 · 11:05 Uhr
Wächter der Festung Europa

Die Grenzschutzagentur Frontex
Mit Reportagen von Florian Kellermann, Christoph Prößl und Karl Hoffmann
Die einen sehen sie als Bekenntnis für eine gemeinsame und planvolle EU-Migrationspolitik. Die anderen kritisieren sie als „Handlanger der mörderischen Abschottungspolitik“ der Europäischen Union. Die Rede ist von Frontex, der europäischen Grenzschutzagentur. Gegründet wurde die EU-Behörde im Oktober 2005 als Antwort auf den Ansturm zehntausender illegaler Einwanderer, die an den europäischen Mittelmeerküsten strandeten.
Die Aufgaben der Agentur mit Sitz in Warschau war von Beginn an umstritten. Sie soll illegale Migration eindämmen und hat doch wenig Handlungsspielraum. Denn Einwanderungspolitik ist ein heikles Terrain und immer noch Sache der Mitgliedsstaaten. Von einer gemeinsamen Migrations- und Asylpolitik ist die Europäische Union weit entfernt. An vielen EU-Außengrenzen herrscht derweil längst der dauerhafte Ausnahmezustand: Kriminelle Schleuser haben die Frontex-Patrouillen vor den europäischen Küsten in ihr Kalkül einbezogen. Und sie suchen sich immer neue Fluchtrouten.

DLF
So. 06.09.2009 · 16:30 Uhr
Riskant, weil komplex
Was Kernkraftwerke, das Finanzwesen und der Verkehr der Zukunft gemein haben

Von Bernd Schuh
Als am 1. Juli 2002 bei Überlingen eine europäische Frachtmaschine und eine russische Passagiermaschine kollidierten, war das auch ein Crash unterschiedlicher Systemphilosophien. Nicht der politischen wohlgemerkt, sondern der technischen Steuerungssysteme. Eine hierarchisch organisierte Fluglotsensteuerung traf auf verteilte maschinelle Intelligenz.
Für Techniksoziologen illustriert das Beispiel: Mit dem Komplexitätsgrad eines Systems steigt auch das Risiko für folgenschwere Fehlfunktionen. Der Mangel an Transparenz und Vorhersagbarkeit degradiert menschliche Akteure zu hilflosen Statisten.
Zunehmend übernehmen „intelligente“ Automaten die Steuerung komplexer Systeme, wie im völlig autonomen Fahrzeug, das sich ohne jegliche menschliche Führung bewegt und mit anderen Verkehrsteilnehmern und Verkehrsleitsystemen verständigt – eine Zukunftsvision, die im Schienenschnellverkehr längst Wirklichkeit ist und in der Frachtluftfahrt demnächst eingeführt wird.

DLR-K
Mo. 07.09.09 – 19:30 Uhr
Das politische Feature

„Links? Rechts?“
Begriffsbestimmungen politischer Standorte
Von Rosemarie Bölts

DLR-K
Di. 08.09.09 – 19:30 Uhr
Literatur
„Gib mir meine Sprache wieder“

Von der Aufrüstung durch Worte
Von Cornelia Jentzsch

DLR-K
Mo 14.09.09 – 19:30 Uhr
Das politische Feature

„Wer will nochmal, wer hat noch nicht?“
Von Wahlgeschenken und Wahlversprechen
Von Wolf-Sören Treusch

DLF
Fr. 18.09.2009 · 19:15 Uhr
Vorsicht, Zivilcourage!
Vom gefährlichen Leben der Whistleblower

Von Michael Reitz
„Whistleblower“ – Informanten, die Missstände, illegales Handeln oder Insidergeschäfte, von denen sie an ihrem Arbeitsplatz erfahren, an die Öffentlichkeit bringen. Der Whistleblower ist kein Denunziant, sondern er schlägt Alarm.
Spektakuläre Fälle: der FBI-Agent „Deep Throat“, der den Watergate-Skandal ins Rollen brachte; der Israeli Mordechai Vanunu, der das Atomwaffenprogramm Israels publik machte.
Während in den angelsächsischen Ländern Whistleblower weitestgehend Immunität genießen, gelten sie in Deutschland als Nestbeschmutzer. Mehrere Gesetzesvorhaben in dieser Hinsicht scheiterten, und auch im diesjährigen Wahlkampf war von einem Schutz der Alarmschläger nichts zu hören – und das, obwohl die Bankenkrise die Notwendigkeit couragierter Informanten offenbarte.

DLF
Sa. 19.09.09 – 23:05 Uhr bis 3 Uhr
Lange Nacht
Das Gegenteil von Glück?
Eine Lange Nacht über die Armut

Von Nora Bauer
Armut ist nicht das Gegenteil von Glück, aber wer sie erlebt, empfindet es oft so. Das ganz normale Leben wird schwierig. Es gibt weniger Spielräume für Entscheidungen. Alles kostet Geld. Und vieles beginnt zu bröckeln: die Lebenszufriedenheit, der Selbstwert, die Aussichten in der Zukunft, der Freundeskreis. Gesellschaftlich steht man plötzlich im Dunkel, ohne schuldig zu sein. Am schlimmsten ist es für Kinder. Sie können sich oft nicht gegen Ausgrenzung und gegen die Verachtung, die ihnen und ihren Eltern entgegenschlägt, wehren. Armut hat es immer gegeben. Die Ursachen, in eine Armut hineinzugeraten, sind vielfältig: lang anhaltende Krankheit, Scheidung, Arbeitslosigkeit, aber auch Alleinerziehung der Kinder, Alkoholismus oder mangelnde Bildung. Meistens entsteht Armut aus einer Mischung mehrerer solcher Faktoren. Die Zusammenhänge von sozialer armutsbedingter Deprivation und der Fortschreibung der Armut als gesellschaftliches „Erbe“ – einmal arm, immer arm – sowie die entwicklungspsychologischen Folgen der Armut für Kinder und Jugendliche werden gerade erst erforscht. Bezeichnenderweise hat sich die Armutsforschung in Deutschland in den letzten Jahren geradezu boomhaft entwickelt. Auch wenn die Sorgen der Nachkriegszeit mit Wohnungsnot, Kältetoten und Hungermärschen heute unvorstellbar erscheinen, gehört auch das wachsende Wohlstandsgefühl der 50er-Jahre für breite Bevölkerungsschichten inzwischen der Vergangenheit an und die Angst vor Verarmung, vor Altersarmut hat längst die Mittelschicht erreicht. Zwischen Resignation und selbstbewusstem Aufbegehren schwanken die Erfahrungsberichte in dieser „Langen Nacht“ über die Armut.

DLR-K
Mo. 21.09.09. – 19:30 Uhr
Das politische Feature
„Die Stylisten der Macht“

Wie Politik im Zeitalter der Mediendemokratie inszeniert wird
Von Katja Bigalke

DLR-K
Mo. 28.09.09. – 19:30 Uhr
Das politische Feature

„Klassenunterschiede“
Wie gerecht ist unser Steuersystem?
Von Winfried Roth

DLF
Di. 29.09.2009 · 19:15 Uhr
Wo ist Schmiedel?

Auf den Spuren eines APO-Aktivisten
Von Rainer Link
Im Sommer 1969 steht der Arbeiter Günther Schmiedel als Angeklagter vor dem Hamburgischen Landgericht. Man wirft ihm vor, Polizeibeamte beleidigt und getreten zu haben. Der „Vorzeige-Prolet“ sei ein gewaltbereiter Rädelsführer der Studentenbewegung, ist sich das Gericht sicher und statuiert ein Exempel.
Für ein Jahr und neun Monate soll der bisher Unbescholtene in Haft. Nicht nur die Studentenbewegung spricht von Klassenjustiz und Obrigkeitsstaat. Schmiedel, der bereits während des Prozesses psychische Auffälligkeiten zeigte, soll aus der Haft heraus in eine Psychiatrische Klinik verlegt worden sein. Doch weder seine einst so solidarischen Mitkämpfer oder Anwälte wissen, was aus Schmiedel geworden ist, und auch bei der Justiz ist nichts über Schmiedel zu erfahren.
Rainer Link begibt sich auf Spurensuche und versucht, Günther Schmiedel 40 Jahre nach dem Prozess gegen ihn dem Vergessen zu entreißen.

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Aug
10
2009
4

Deutsche Universitäten beginnen, sich gegen den Einfluss von Bertelsmann zu wehren

uni-siDas ist doch mal eine erfreuliche Meldung – der Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften der Uni Siegen gab vor einigen Tagen bekannt, sich nicht mehr am CHE-Hochschul-Ranking zu beteiligen. Damit setzt sich der Trend fort, dass immer mehr Universitäten, u.a. auch in der Schweiz und in Österreich, an diesem federführend von der Bertelsmann Stiftung getragenen Ranking, nicht mehr teilnehmen. Bemerkenswert ist dabei die Stellungnahme des Fachbereichs, in der explizit auch auf Bertelsmann eingegangen wird (Hervorhebung von mir):

Am 1. Juli 2009 hat der Fachbereichsrat des Fachbereichs 3 (Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften) der Universität Siegen beschlossen, sich mit seinen Fächern künftig nicht mehr am Ranking des von der Firma Bertelsmann gegründeten CHE (Centrum für Hochschulentwicklung gGmbH) zu beteiligen.

Die Gründe für diese Entscheidung sind:

  • Die Leistungen eines Faches in Forschung und Lehre lassen sich nicht à la Aktienkurse oder Bundesligatabellen darstellen. Das Profil und damit die Qualität einzelner Fächer differenziert sich nämlich horizontal statt vertikal: mit den in Forschung und Lehre jeweils gewählten inhaltlichen Akzenten. Die besondere Attraktivität der Siegener Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften liegt genau darin.
  • Die geforderten Daten durch Fächer, Fachbereich und Verwaltung – für das CHE kostenlos – bereitzustellen, bedeutet einen erheblichen Aufwand. Das bindet Ressourcen, die anderweitig, nämlich für die tatsächliche Verbesserung von Forschung und Lehre dringend benötigt werden.
  • Da es viele Zweifel an den Methoden und Kriterien des CHE-Ranking und an der willkürlichen Auswahl von Vergleichsparametern gibt, macht es wenig Sinn, hier weiter zu investieren.
  • Ständiges Messen, Testen, Ranken im Bildungswesen führt dazu, dass ›gute Messergebnisse‹ als Handlungsziel von Bildungsinstitutionen überbewertet werden. Das ist alles andere als funktional. Es gibt aber dem rankenden Privatunternehmen die Möglichkeit, das öffentliche Bildungswesen faktisch zu steuern und es demokratischer Kontrolle zu entziehen.
  • Das Ranking erzeugt, was es zu messen vorgibt: Ungleichheit zwischen den Hochschulen. Das Ranking fördert die Entkopplung von Forschung und Lehre und trägt damit zur Demontage der traditionellen Stärken des deutschen Hochschulsystems bei.

Aus diesen und weiteren Gründen haben sich nicht nur Österreich und die Schweiz bereits im letzten Jahr aus dem CHE-Ranking verabschiedet. Auch in den USA, dem Ursprungsland des Ranking von Bildungsinstitutionen, verweigern sich gerade gute Hochschulen dem Ranking durch finanziell interessierte Akteure und wirtschaftsnahe Organisationen. Auch in Deutschland nimmt die Bereitschaft zur Teilnahme am CHE-Ranking ab, zuletzt hat sich die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Kiel daraus verabschiedet (vgl. Forschung und Lehre 7/2009). An der Universität Siegen haben die Fachbereiche 2 und 8 entsprechend entschieden.

Dass wir den Vergleich mit anderen Hochschulen nicht scheuen, versteht sich. Wir entscheiden uns in keiner Weise gegen den Wettbewerb, vielmehr gegen den wachsenden Einfluss der Firma Bertelsmann und anderer Wirtschaftsverbände auf die Bewertung von Forschung und Lehre.

Wie gut wir sind, davon kann sich jede(r) ein eigenes Bild machen: in unseren Lehrveranstaltungen, auf unserer Homepage, auf den Homepages unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an unseren Forschungsergebnissen, in unseren Publikationen.

Bravo, kann man da nur sagen! Hoffentlich folgen noch viele andere Hochschulen diesem Beispiel.

bild-7„Bertelsmann, was soll an denen denn so schlimm sein, sind das nicht die netten Onkel mit dem Buchclub?“, fragt sich nun vielleicht der eine oder andere, der mit der Matiere bisher noch nicht so vertraut ist. Nun, dazu empfehle ich neben meinen älteren Beiträgen „Das Bertelsmann-Imperium“ und „Bertelsmann und die Bertelsmann-Stifung – die schleichende Untergrabung der Demokratie“ auch diese aktuelle Sendung der Initiative Freie-Radios.net: „Medienmacht & Arbeitsweise der Bertelsmann-Stiftung“ (mp3) [via]

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Aug
01
2009
1

Radiotipps für den August

radio_isolated_on_white_with_clipping_pathJa, doch, es gibt im Radio auch noch was anderes zu hören als nur den kommerziellen Düdelfunk und „die größten Hits aus den 80ern, 90ern und von heute“, sprich: genormte Musiktapete. Sender wie Deutschlandradio-Kultur und der Deutschlandfunk werden dem Bildungs- und Informationsauftrag, den das Fernsehen irgendwann auch mal hatte, wenigstens streckenweise noch gerecht, und so gibt es dort immer wieder spannende Sendungen zu Themen wie Globalisierung, Konsumkritik, Politik etc. zu hören.

Vor einigen Tagen kam in der Zündfunk Generator-Reihe im Bayerischen Rundfunk der Beitrag „10 Jahre Gipfelsturm: Und jetzt?“, den man sich HIER als mp3 runterladen kann.

Zehntausende demonstrieren im November 1999 gegen den Millenniumsgipfels der Welthandelsorganisation WTO. Heftige Straßenschlachten rufen zum ersten Mal eine neue Protestbewegung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: die Globalisierungskritik ist geboren. Schon ein Jahr zuvor hat sich in Frankreich der Verein Attac gegründet. Sein Motto: “Eine andere Welt ist möglich!” Was ist aus der globalisierungskritischen Bewegung geworden? Hat das Ringen um eine „andere Welt“ Erfolge gezeigt? Darüber hat der Zündfunk am 14. Juli in München im Café Muffathalle diskutiert.

TeilnehmerInnen:
KLAUS WERNER-LOBO
NICOLE GOHLKE,  Die Linke
ULRICH BRAND, Bundeskongress Internationalismus
HAGEN PFAFF, Attac München

Im August kommen dann z.B. die folgenden interessanten Sendungen (DLR-K ist Deutschlandradio-Kultur), wobei ich insbesondere auf die Sendung am 16.8. – „Shop till you drop“ hinweisen möchte:

DLF
So. 02.08.2009 · 17:05 Uhr
Die einstige Hegemonie Europas und der USA ist ins Wanken geraten.
Was aus Deutschland werden soll – Kulturelle Perspektiven für das 21. Jahrhundert
Mit dem Auftritt Chinas, Indiens, Brasiliens und der Arabischen Emirate auf dem globalen Markt haben sich die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Kräfteverhältnisse weltweit verändert. Die einstige Hegemonie Europas und der USA ist ins Wanken geraten und damit deren Selbstverständnis.
Mit der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise werden die tektonischen Verschiebungen wie selten zuvor spürbar. Die Eruption produktiver und kreativer Kräfte in zahlreichen Weltregionen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fordern die Industrienationen, ihre Gesellschaften und politischen Systeme in ungeahnter Weise heraus. Auch Deutschland befindet sich inmitten eines Anpassungs- und Gestaltungsprozesses. Hinzu kommen hier die spezifischen Herausforderungen der europäischen Integration und der deutsch-deutschen Vereinigungsgeschichte. Insgesamt acht „Kulturfragen“, vom 26. Juli bis zum 27. September, widmen sich den zentralen Fragen zu Perspektiven unseres Gemeinwesens. Dabei soll es weniger um utopische Visionen als eher um pragmatische Gestaltungsmöglichkeiten gehen. Zur Frage der „Kultur der Demokratie“ wird sich der Verfassungsrechtler und Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio äußern. Der einstige Industriemanager und Buchautor Daniel Goeudevert befasst sich mit der „Kultur der Ökonomie“. Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wird die „Kultur der Medien“ untersuchen. Weitere Themen sind Soziales, Bildung, Integration und Religion.

Christoph Schmitz
Sonntags 17:05
Kulturfragen
Ausgewählte Termine:
2. August: Der Industriemanager Daniel Goeudevert über „Kultur der Ökonomie“
9. August: Der Verfassungsrechtler Udo Di Fabio über „Kultur der Demokratie“
23. August: Der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher über „Kultur der Medien

DLR-K
Do. 06.08.09 – 19:30 Uhr
Forschung und Gesellschaft
„Kommunikative Stadtplanung“

Neue Impulse für die Demokratie
Von Ralf Bei der Kellen und Kai Steffen

DLF
Di. 11.08.2009 · 19:15 Uhr
Goldrausch
Oder: Vom Verschwinden eines Karpatendorfs (Ortserkundungen)

Von Lavinia Lazar und Carsten Dippel
In den rumänischen Karpaten, eingebettet in eine stolze Gebirgslandschaft, liegt das Goldgräberdorf Roşia Montană. Eine Vielzahl denkmalgeschützter Häuser, die vom einstigen Reichtum der Bewohner zeugen. Schon die Römer haben hier Edelmetalle gewonnen. Nun will eine kanadische Firma an dieser Stelle das größte Goldbergwerk Europas errichten.
300 Tonnen Gold und 2100 Tonnen Silber sollen innerhalb von 17 Jahren abgebaut werden. Um das zu leisten, muss die gesamte Region in eine Kraterlandschaft verwandelt werden. Es droht ein ökologisches Desaster. Zwist und Verfall hat die Firma in den Ort gebracht. Hunderte Familien wurden bereits umgesiedelt. Im jahrelangen Kampf um Roşia Montană sind Familien und Freundschaften zerbrochen. Eine vergiftete Atmosphäre schon heute, obwohl noch nicht einmal entschieden ist, ob das Projekt realisiert wird.

DLF
So. 16.08.2009 · 20:05 Uhr
Shop till you drop
Von Lust und Frust des Kaufens

Von Ingeborg Breuer und Peter Leusch
Die Zeiten, in denen Kaufen als Konsumterror verschrien und verpönt war, sind lange vorbei. Gerade jetzt während der globalen Wirtschaftskrise wird Konsumieren erste Bürgerpflicht, denn sonst brechen Wirtschaft und Gesellschaft zusammen – so zumindest argumentieren Ökonomen. Der Philosoph Norbert Bolz behauptet sogar, dass uns das Konsumieren immun mache gegen fanatische Religionen. Dagegen spricht der amerikanische Politikwissenschaftler Benjamin Barber kritisch von einem „Hyperkonsumismus“, der erwachsene Menschen infantilisiere und schlecht sei für die Demokratie.
Zwischen diesen ideologischen Extremen ist eine Menge Platz. Und so begegnet man in der Welt des Konsums ganz unterschiedlichen Typen. Die Skala reicht von den Konsum-begeisterten, für die es nichts schöneres gibt als einen Shopping-Tag, über Gelegenheitskäufer bis hin zu Konsummuffeln. Mancher Rentner, der noch von den Entbehrungen der Kriegszeit geprägt ist, hat sich zum Schnäppchenjäger entwickelt. Aber es gibt auch den erzwungenen Konsumverzicht für die steigende Zahl der sozial Schwachen, denen das Geld zum Shoppen fehlt. Und dann ist da noch der Konsumverweigerer, der auch die notwendigsten Anschaffungen hinauszuzögern versucht. Er lebt eher asketisch und will sich den inneren Werten zuwenden, sucht Kultur statt Konsum.
Der Ökonomie sind die unterschiedlichen Facetten des Konsums egal: Hauptsache, die Wirtschaft brummt.

DLR-K
Mo. 17.08.09 – 19:30 Uhr
Zeitfragen
Das politische Feature
„Achtung, Sie verlassen den demokratischen Sektor!“
Erkundungen im konservativen Grenzland. Wo endet konservative, auch rechte politische Einstellung und wo beginnt demokratiefeindliches Gedankengut?
Von Hannelore Daue

DLF
Do. 20.08.09 – 10:10 Uhr
Journal am Vormittag
Geschmack, Chemie und Gesundheit – Lebensmittelzusätze und Aromen
Am Mikrofon: Georg Ehring
So viele Erdbeeren kann man gar nicht anbauen, wie für sämtliche Erdbeerjoghurts der Welt erforderlich wären. Für den Geschmack sorgen nicht nur beim Joghurt Aromastoffe aus dem Labor: hergestellt mit Hilfe von Schimmelpilzen, Holzfasern oder Ausgangsstoffen aus dem Chemielabor – häufig unter Einsatz der Gentechnik. Vor allem in Fertigprodukten sorgen Zusatzstoffe und Aromen für Geschmack, Haltbarkeit und gleichbleibende Qualität. Viele Kunden fühlen sich allerdings getäuscht, und Ernährungswissenschaftler warnen: Risiken und Nebenwirkungen sind noch längst nicht umfassend erforscht. Welchen Sinn hat der Einsatz von Zusatzstoffen und Aromen? Was wird unseren Lebensmitteln wirklich zugesetzt, und wie wird es zugelassen? Wie kann ich mich darüber informieren, was ich esse? Und was macht der Ersatz von Natur durch Technik mit unserer Esskultur? Über diese und andere Fragen rund um Lebensmittel und ihre Zusätze diskutiert Georg Ehring mit Hörern und Experten.

DLR-K
Mo. 24.08.09 – 19:30 Uhr
Zeitfragen
Das politische Feature
„Es gibt keine christliche Straßenbeleuchtung oder Können die Freien Wähler mehr als Kommunalpolitik?“
Von Anja Schrum und Ernst Ludwig von Aster

DLR-K
Do. 27.08.09 – 13:07 Uhr
Länderreport
„Auf engstem Raum“ Massentierhaltung in Niedersachsen
Von Christina Selzer

DLF
Fr. 28.08.09 – 19:15 Uhr
Dossier
Das Medienquartett:
Medien und Medienpolitik

zur Diskussion

DLR-K
Mo. 31.08.09 – 19:30 Uhr
Zeitfragen
Das politische Feature
„Parolen, Phrasen, Plattitüden“
Wie mit Sprache Politik gemacht wird
Von Thomas Klug

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Mrz
08
2009
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Kurzer Radiotipp: „Der neue Kulturkapitalismus“

dkulturHeute bzw. genauer gesagt morgen um 0:05 (sprich in ca. zweieinhalb Stunden) kommt eine interessante Sendung auf Deutschlandradio Kultur, auf die ich Euch schnell noch hinweisen wollte (ich nehme mal an, dass man dieses Feature morgen wie gewöhnlich auf der Website auch als mp3 runterladen kann ich habe mich getäuscht, ausgerechnet diesen Beitrag gibt es nicht als Download, grr):

Mo. 09.03.2009 · 00:05 Uhr
Haben & Sein
Der neue Kulturkapitalismus

Feature von Elke Buhr und Thomas Groß

Das Kind aus Afrika, das Obst aus dem Bioladen, das Hybrid-Auto in der Garage – Stars wie Brad Pitt, Madonna und George Clooney praktizieren längst den ‚Lifestyle of Health and Sustainability‘. Shoppen ist identitätstiftend – wenn Waren den Status von Kultobjekten erhalten, wird jede Kaufentscheidung zum Ausdruck der Persönlichkeit.
Ein Lifestyle, der bisweilen pathologische Züge annimmt. Selbsthilfegruppen kümmern sich um Menschen, die nur zu sich finden, wenn sie an ihrem Stil arbeiten. Unterstützt von professionellen Beobachtern der Kommerzkultur wie Robert Misik, Holm Friebel und Neil Boorman berichten die Autoren von der zunehmenden Verflechtung von Kunst, Werbung und Ökonomie.

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