Dez
01
2009
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Buchbesprechung: Carrie McLaren & Jason Trochinsky „Ad Nauseam: A Survivor’s Guide to American Consumer Culture“

mclaren-ad-nauseamEs ist wirklich bedauerlich, dass viele interessante Bücher gerade zur Thematik der Konsum- und Reklamekritik nicht in Deutschland erscheinen bzw. nicht auf Deutsch übersetzt werden, denn so wird ihre Verbreitung hierzulande doch etwas eingeschränkt. Dabei hätte es ein Buch wie das vor kurzem erschienene „Ad Nauseam: A Survivor’s Guide to American Consumer Culture“ (>> offizielle Website) wirklich verdient, ein weltweiter Bestseller zu werden. Die beiden Herausgeber Carrie McLaren und Jason Torchinsky waren mitverantwortlich für das Stay Free!-Magazine, das man ein wenig mit dem kanadischen Adbusters vergleichen kann und das mittlerweile nur noch als Online-Blog weitergeführt wird. In ihrem Buch versammeln sie eine Vielzahl von Artikeln, die in Stay Free! erschienen, teils überarbeitet und ergänzt, aber auch ganz neue Texte.

Anders als Kalle Lasns wegweisendes Meisterwerk „Culture Jamming“, das ein klares Ziel und eine klare, radikale Aussage verfolgt, beleuchten McLaren und Torchinsky in ihrem Buch die verschiedensten Aspekte, die zu unserer Konsumkultur gehören, wobei sie das besondere Augenmerk auf die Reklame und ihre Auswirkungen legen. Wirklich spannend sind beispielsweise ihre Ausführungen darüber, wie sich Werbung im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat, mit welch aus heutiger Sicht geradezu rührend naiven Anzeigen Firmen  Ende des 19. Jahrhunderts versuchten, Kunden von ihren Produkten zu überzeugen. Tatsächlich stand damals noch das Produkt als solches und genaue Informationen im Mittelpunkt des Reklametreibens, während heutzutage ja nur noch Image verkauft wird. Wer nun aber meint, dass früher alles besser gewesen sei, sollte sich einmal das Kapitel „Everything I know about life I learned from Medical Marketing“ durchlesen, das verdeutlicht, mit welch windigen Methoden Firmen auch damals schon die Menschen hinters Licht zu führen versuchten (indiesoweit hat sich nichts in der Reklamebranche geändert) – Produkte wie Listerine, das zunächst als antiseptisches Mittel bei Operationen oder gegen Schuppen eingesetzt wurde, wurde dann 1939 von Warner-Lambert umpositioniert und in ganzseitigen Anzeigen plötzlich als Medikament gegen schlechten Atem (!) angepriesen.

Neben Artikeln darüber, wie Reklame wirkt – besonders erschreckend ist hier eine Studie, die an amerikanischen Schulen durchgeführt wurde und die zeigt, wie sehr Kinder und Jugendliche sich durch das Marketing der Konzerne beeinflussen lassen – oder welche Bedeutung Marken in unserem Leben haben, befassen sich die Autoren ebenfalls mit der spannenden Frage „How Consumer Culture Shapes People“. Wird unser Denken durch den Konsumismus immer flacher und schlampiger oder zerstört Reklamesprech die Sprache? Sehr faszinierend (diesen Artikel werde ich auch für meinen Blog übersetzen) finde ich beispielsweise „L.A. Law – How Hollywood is shaping our legal system“, das zeigt, dass die ganzen Gerichtsshows und die Darstellung von Prozessen in Filmen tatsächlich auch Auswirkungen auf die reale Rechtssprechung und das Verhalten von Richtern und Verteidigern haben.

Mein Highlight des Buches ist das letzte Kapitel, in dem es um kreative Widerstandsaktionen gegen die große Konsummaschine geht – ein Kapitel hatte ich ja neulich schon mal übersetzt, aber es finden sich noch andere schöne Ideen darin. Jedes der Kapitel wird übrigens mit einer kleinen Fragestunde aus der bunt-schillernden Welt von Reklame und Konsum abgeschlossen, in denen man weitere, manchmal schwer zu glaubende, Details über Firmen und deren Strategien erfährt. Wusstest Ihr zum Beispiel, dass Coca Cola, um während des Dritten Reichs im lukrativen deutschen Markt präsent zu sein, Fanta erfunden hat, weil dies deutscher klang? Und dass CC durch Lobbyarbeit es schaffte, dass Coke-Vertreter alle Softdrink-Fabriken in Deutschland und den besetzten Gebieten überwachen durften? Und sich der Konzern bei den Nazis einschleimte, indem er kostenlose Flaschen mit Mineralwasser für den Notfalleinsatz zur Verfügung stellte. (Naja, Coca Cola ist ja auch aus vielen anderen Gründen nicht tragbar.)

Insgesamt ist „Ad Nauseam“ ein richtig gutes, leicht verständlich und humorvoll geschriebenes Werk (das vom Layout her für ein amerikanisches Buch auch erstaunlich angenehm und frisch gesetzt ist), das ein Schlaglicht auf viele, zum Teil sehr skurrile, Facetten der Konsumgesellschaft, in der wir heute leben, wirft und (hoffentlich) beim Leser auch eigenes Nachdenken über manch Grundmechanismus unserer Gesellschaftsordnung anregt. Ich kann es also absolut jedem als Nachttischlektüre oder potentielles Weihnachtsgeschenk (so man denn diesem Konsumritual folgen will/muss) empfehlen.

Carry McLaren & Jason Trochinsky (Hrsg.): „Ad Nauseam: A Survivor’s Guide to American Consumer Culture“, Faber and Faber, New York, 2009, 340 S., 18 US$

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Okt
28
2009
2

Buchbesprechung: Alexander Meschnig & Mathias Stuhr „Wunschlos unglücklich – Alles über Konsum“

meschnig-wunschlos-unglucklichIn einem konsumkritischen Blog sehe ich es ja fast schon als meine Pflicht an, die – doch recht rar gesäte – deutschsprachige Literatur zum Thema Konsumkritik auch hier vorzustellen. Deshalb ist mit Alexander Meschnigs und Mathias Stuhrs „Wunschlos unglücklich – Alles über Konsum“ nun ein Buch an der Reihe, welches ich vor einiger Zeit per Zufall in einem Berliner Antiquariat entdeckte und dessen konkurrenzlos günstiger Preis von 2 € mich themengerecht zum spontanen Kauf verführte. Zumal die Ankündigung auf dem Buchdeckel bereits sehr vielversprechend klang:

Konsum kann heute alles sein – praktisch jeder Bereich der gesellschaftlichen oder sozialen Realität kann unter diesem Aspekt betrachtet werden. Die Konsumgesellschaft verspricht grenzenloses Glück für alle: Ich kaufe – also bin ich. Meschnig und Stuhr lassen uns hinter die Kulissen der Konsumwelt blicken mit einem Handbuch, das „alles über Konsum weiß“.

Mit solch einem Anspruch liegt die Latte natürlich sehr hoch – und leider musste ich nach der Lektüre auch konstatieren, dass das Buch diese Versprechungen nicht wirklich einhalten kann. Denn obwohl der grundlegende Tenor der beiden Autoren eher konsumkritisch geprägt ist, fallen manche Kapitel und Ausführungen – wohl unter dem vermeintlichen Zwang einer umfassenden und „objektiven“ Darstellung der Facetten der Konsumgesellschaft – seltsam unentschlossen und vage aus.

Doch der Reihe nach. Das Buch ist in zehn Oberkapitel gegliedert, die sich mit den verschiedenen Bereichen beschäftigen, die unsere heutige Konsumgesellschaft maßgeblich bestimmen. In „Politik“ machen die Autoren deutlich, wie sich der Fokus der Zivilgesellschaft vom Bürger hin zum Konsumenten verschoben hat, um den nun alle buhlen. In „Produktion“ werden Veränderungen sowohl in der herkömmlichen Produktionswelt (hin zum Prosumenten, dem Ikea-Kunden, der einen Teil der Möbelherstellung selbst übernimmt) wie auch der Werbewelt beschrieben, die von der Darstellung von Fakten und Informationen weitestgehend abgerückt ist und nun nur noch Erlebniswelten und immaterielle Werte der Marke zu vermitteln versucht.

Der Übergang des Konsumismus hin zu einer Art Ersatzreligion ist aus diesem Grunde auch fließend (siehe auch den Beitrag „Welche Religion kommt nach dem Kapitalismus“) – aus dem Kaufen wird ein Kult, der jeden Tag zu zelebrieren ist und der jeden (der es sich finanziell leisten kann) miteinschließt. Auch diese Klischees, religiöse Anspielungen und Motive, bedient die Reklame mittlerweile direkt oder indirekt.

Konsum ist nichts anderes als der tröstliche Glaube an die Auferstehung aller Dinge. Die Regale im Supermarkt füllen sich ständig neu, stets legt mehr vor unseren Augen, als wir tatsächlich kaufen können. Was ich heute wegnehme, liegt morgen in der gleichen Qualität wieder da. Wie durch ein Wunder ist alles stets auf Neue vorhanden. Unsere wahre Auferstehungskirche ist das Einkaufszentrum und sein Evangelium das Sonderangebot der Woche.

Überhaupt die neuen Götzen: die Marken und Logos, Sie bestimmen Stadtbilder und werden zu eigenen Publikumsattraktionen, wie die „VW-Autostadt“ in Wolfsburg. Und sie sorgen für Identitäten, Zugehörigkeitsgefühl zu Gruppen – dies wird in den Kapiteln „Identitäten“ und „Marken“ näher ausgeführt, in denen auch deutlich gemacht wird, wie tief der Konsum inzwischen unser aller Leben, ob gewollt oder ungewollt, durchzogen hat. Von „Markenterror“ ist hier dann auch folgerichtig die Rede.

Kann bei aller Heimeligkeit des Konsums überhaupt von Terror gesprochen werden? Den Terror üben die Produkte nicht unbedingt auf diejenigen aus, die regelmäßig einkaufen und das so selbstverständlich tun, wie andere Sport treiben oder Haare waschen. Der Markenterror vollzieht sich auf der Ebene der sozialen Teilhabe. Es ist kein physischer Terror in Form von Anschlägen oder Überfällen. Wenn jemandem tagtäglich etwas Begehrtenswertes vor Augen geführt wird, das Objekt der Begierde aber nicht erreicht werden kann, dann beginnt die Unzufriedenheit, der psychische Terror. Eine Mischung aus Angst ud dem Gefühl der Ablehnung macht jede weitere Form des Kontakts mit der Konsumwelt zum Frusterlebnis.

(An dieser Stelle wage ich es doch, den Autoren zu widersprechen – der „Konsumterror“ betrifft nicht nur diejenigen, die sich Dinge nicht leisten können, sondern auch die, die genug Geld haben, ihre Zeit, ihre Energie etc. aber dafür verschwenden/aufwenden, einzukaufen, up to date zu sein, mit der Mode zu gehen etc. Auch hier herrscht permanente Unterbefriedigung, wenn auch aus anderen Gründen.)

In „Unternehmen“ werden einige der großen Marken und Konzerne und ihr Aufstieg in den globalen Kaufolymp vorgestellt – Puma, Ikea oder auch Mattel. Gerade hier fehlte mir beim Lesen zuweilen etwas die kritische Distanz. Die Shopping-Malls und Einkaufstempel sind das Thema von „Räume“ – die großen Einkaufszentren sind mancherorts, vor allem in den USA, ja schon zum Ersatz für ein richtiges soziales Leben geworden, das frühere Stadtzentren abseits des Kaufenmüssens boten. Besonders schrecklich und erschreckend fand ich die Beschreibung von Celebration City, einer Art antiseptischer Kunststadt, die der Disney-Konzern in die Gegend gepflanzt hat und in der eben jene ehemaligen, durch den Konsum zerstörten städtischen öffentlichen Räume nachgebildet werden. Dies nicht etwa wie in Disneyland als Touristenattraktion, sondern als „gated community“ für echte Bürger. In den Worten des ehemaligen Disney-Chefs Michael D. Eisner:

„Ich wäre glücklich in Celebration leben zu können – ich schätze die Freundlichkeit und Sauberkeit, den hohen architektonischen Standard und den unverkennbaren Gemeinschaftsgeist und Stolz, der dort herrscht. Außerdem gefällt es mir, dass man dort an die idealisierenden Familien-Comedies im Fernsehen der fünfziger Jahre erinnert wird, als die Häuser noch Holzzäune hatten und Donna Reed und Jane Wyatt von ihren Veranden aus ihren Kindern, die in Sicherheit zur Schule gehen konnten, zum Abschied zuwinkten.“

Natürlich können sich nur wohlhabende Menschen Plätze in diesem gruseligen Wohnsubstitut leisten…

Noch spannender wird es dann in dem Kapitel „Kulturen“, das aufzeigt, wie die Konsumkultur auch Subkulturen, Widerstand und Gegenbewegungen nach und nach aufsaugt, aussaugt und infiltriert und wie die Medien und die Reklameindustrie aus ehemals im Untergrund schwelenden Entwicklungen neue Megatrends und Hypes generiert, die sich am Ende für die Konzerne in klingender Münze auszahlen. Den „Medien“ ist demzufolge auch ein eigenes Kapitel gewidmet, hier neben der Werbung insbesondere auch Fernsehsendungen, die mit Product Placement und Cross-Selling den Konsum permanent weiter anheizen.

Wirklich groß wird das Buch dann für mein Empfinden im abschließenden Kapitel „Ausblick“, in dem ganz klare und unzweideutige konsumkritische Töne angeschlagen werden, die vor allem auch über das generelle Wirtschafts- und Produktionssystem, da auf dem immer steigen müssenden Konsum basiert, reflektieren und auch durchaus am sog. „politischen Konsum“ (Lohas etc.) als Lösung zweifeln. Ich habe mal beim Verlag eva (Europäische Verlagsanstalt) angefragt, ob ich ein Unterkapitel hier vielleicht im Blog veröffentlichen darf; eine Antwort steht bislang leider noch aus.

Kritischer Verbraucher zu sein bedeutet meist ausschließlich, sich für die Verteidigung eigener Interessen einzusetzen. Ein mündiger Bürger zu sein würde im Gegensatz dazu bedeuten, dass man versuchte, seine vereinzelte Existenz zu überwinden, vom eigenen Leben zu abstrahieren und sich mit anderen zusammenzutun, um Einfluss auf die Politik zu nehmen, Macht zu teilen und gemeinsam auszuüben. Verbraucherkritik allein verbleibt im System des von ihr Kritisierten. (…)

Verbraucherkritik bedeutet in den allermeisten Fällen auch nicht, den Verzicht zu postulieren. Man soll „anders“ konsumieren, aber nicht den Konsum per se verweigern. Der Kampf um die Kaufkraft ist das letzte Tabu, an das niemand zu rühren wagt. Kein Politiker kann ernsthaft den Verzicht predigen, ohne Schaden zu nehmen. Und selbst von alternativer Seite vernehmen wir nur sehr leise Töne, wenn es um private Einschränkungen geht. (…)

(…) Im Konsumentenstaat besteht die Tendenz, jegliches politisches Handeln nur noch im Hinblick auf die eigene Kaufkraft zu messen. Geht sie zurück, muss die politische Führung abgewählt werden. Politik reduziert sich für die meisten Bürger inzwischen auf Fragen des privaten Konsums. Politische Kommunikation wird zu einer Form der Werbung. Genau wie diese muss Politik heute Aufmerksamkeit um jeden Preis erregen. Die Omnipräsenz der Werbung ist dabei symptomatisch für einen umfassenden Erregungszustand der Gesellschaft, der die Aufmerksamkeit zum „Zahlungsmittel“ macht. Es entsteht ein „mentaler Kapitalismus“, der mit den Massenmedien einen eigenen Dienstleistungssektor hervorbringt. (…)

Insgesamt ist das Buch durchaus zu empfehlen, auch wenn es, wie geschrieben, teilweise etwas unklar positioniert ist – für den Anfänger ist es vielleicht zu vielfacettig und damit verwirrend, für den Konsumkritiker manchmal zu austarierend. Dennoch wirft es auf jeden Fall einen gelungenen Blick hinter die Kulissen des Konsumtreibens, das uns alle umgibt und über das „man“ für gewöhnlich nicht weiter nachdenkt.

Alexander Meschnig/Mathias Stuhr: „Wunschlos unglücklich – Alles über Konsum“, eva Europäische Verlagsanstalt 2005, 198 S., 4.90 € (direkt beim Verlag)

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Okt
15
2009
6

Vermessung der Utopie

zelik-altvater-vermessung_utopieNa, das ist doch mal was – soeben ist das Buch „Vermessung der Utopie“ von Raul Zelik und Elmar Altvater erschienen, in dem es um Alternativen zum Kapitalismus heutiger Prägung geht:

Ob Klimawandel, industrielle Überkapazitäten, Arbeitslosigkeit oder Verteilung des Reichtums – der »freie Markt« scheint grundlegende soziale und wirtschaftliche Probleme nicht lösen zu können. Doch ist eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus überhaupt noch vorstellbar? Raul Zelik und Elmar Altvater liefern in ihrem Gespräch eine radikal-kritische Analyse der Gegenwart. Ihr gemeinsamer Versuch, ein utopisches Gesellschaftsmodell zu entwickeln, geht von einem Ökonomiebegriff aus, der das ökologische und soziale Gemeinwohl einbezieht und auf Vernunft gegründet ist.

Das allein ist schon spannend genug, aber gekrönt wird diese Neuveröffentlichung dadurch, dass die pdf-Form kostenlos zum Download erhältlich ist! Der Online-Versandhandel Tubuk, bekannt für sein exquisites Programm, bietet neben der gebundenen Papierausgabe auch die pdf-Ausgabe an – man muss sich lediglich registrieren und kann anschließend für 0,00 Euro das Digitalbuch auf seinen Rechner laden. Ein schöner Service! Wer lieber was zum Blättern in den Händen halten mag, kann sich das Werk dort natürlich auch für 14,90 Euro in analoger Buchform bestellen. Ausnahmsweise empfehle ich Euch also mal ein Buch, ohne es vorher selbst gelesen zu haben, aber eine Rezension meinerseits folgt dann sicherlich auch irgendwann.

>> Zur Buch-/Downloadseite (oben auf den „PDF“-Reiter klicken, um an den kostenlosen Download zu gelangen)

EDIT: Danke für den Hinweis – noch besser, nämlich ohne Registrierung, geht es auf der Homepage zum Buch http://www.vermessung-der-utopie.de

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Sep
15
2009
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Buchbesprechung: Jane Holtz Kay „Asphalt Nation“

holtz-kay-asphalt-nationNormalerweise bespreche ich hier in meinem Blog nur Bücher, die ich auch ruhigen Gewissens zur weiteren Lektüre empfehlen kann (das Niedermachen „schlechter“ Bücher ist doch eher Zeitverschwendung). Heute muss ich allerdings mal eine Ausnahme machen – denn Jane Holtz Kays Werk „Asphalt Nation. How the automobile took over America and how we can take it back“ ist, wenn ich ehrlich sein soll, kein wirklich gutes Buch, das ich auch nur mit ziemlicher Mühe und unter Überspringen einiger Abschnitte, durchgelesen, durchgearbeitet habe. Der Stil ist oft ermüdend, sehr blumig und weitschweifig, dazu werden gerade im Teil über die Entwicklung des Automobilwahns in den USA eine Unmenge völlig unspannender Details geboten (welcher Architekt 1937 was wo gesagt oder geplant hat), die das Lesen weiter erschweren.

Der Grund, weswegen ich es aber dennoch nicht der Vergessenheit anheim fallen lassen möchte, ist ganz einfach: das Thema ist wichtig und es wert, auf die Tagesordnung gesetzt zu werden. Und bei aller Kritik gibt Kays Buch doch auch eine Vielzahl von Einblicke in das Wesen amerikanischer Verkehrsplanung und zudem eine Menge Denkanstöße, wo die vielen Nachteile dieses Verkehrsmittels zu sehen sind.

Doch der Reihe nach. J.H. Kay ist Architektur- und Verkehrsplanungskritikerin für diverse angesehene Magazine in den USA, und bietet deshalb einen etwas anderen Blickwinkel auf die Problematik Auto als man das sonst oft erlebt. Zudem ist sie glühende Verfechterin einer Abkehr vom Automobil, was ja auch schon im Titel des Buches zum Ausdruck kommt. Manchmal wünschte man sich vielleicht auch eine etwas differenziertere Sichtweise, da sie doch manche Kritikpunkte in Laufe der über 400 Seiten gebetsmühlenartig wiederholt…

Aufgeteilt hat sie „Asphalt Nation“ in drei große Abschnitte: „Car glut: A nation in Lifelock“, in dem es um eine schonungslose Beschreibung des Ist-Zustandes geht. „Car tracks: The machine that made the land“ – ein Rückblick auf 100 Jahre Automobilisierung in den Staaten, der, wie gesagt, für meinen Geschmack viel zu ausführlich ausgefallen ist, jedoch gut die irrsinnige Entwicklung hin zu einer nur aufs Auto ausgelegten Nation zeigt. Und in Teil 3 „Car free: From dead end to exit“ spricht die Autorin schließlich über Wege aus dem momentanen Dilemma.

Ich möchte an dieser Stelle einige der Kritikpunkte an der Götzifizierung des Autos, die Kay dem Leser unterbreitet, aufgreifen, vielleicht auch als Diskussionsanregung und Denkanstoß. Gerade in den letzten Jahren steht das Auto ja selbst hierzulande immer öfter in der Kritik Kritik, und dies zumeist auf Grund des CO2-Ausstoßes (der mittlerweile alle anderen Aspekte der Umweltdebatte zu überdecken scheint). An die mannigfaltigen sonstigen Nachteile, die die einseitige Fokussierung auf dieses Verkehrsmittel mit sich bringt, denkt scheinbar sonst kaum jemand nach, was den Autobauern sicherlich sehr entgegen kommt (von daher sind auch die vermeintlich so innovativen Elektroauto-Pläne der Grünen sehr industriekompatibel). „Asphalt Nation“ führt einem auf jeden Fall eins sehr schnell vor Augen: wie schon im Bereich der Kommerzialisierung und des Reklameterrors sind die USA auch was die Abhängigkeit vom Auto angeht, viel „weiter“ als wir uns das in Europa vorstellen können. Denn viele mittelgroße Städte haben gar keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr, da die staatlichen Stellen ihre Mittel seit vielen Jahrzehnten grotesk verzerrt zum Vorteil der Automobilisierung ausgeben und nur ein Bruchteil für andere Konzepte übrig bleibt.

Zu den bekannten Nachteilen für die Umwelt wie der Luftverschmutzung, dem giftigen Abrieb der Reifen, dem Gift im Innenraum der Wagen, der Ressourcenverschwendung bei Herstellung und Verschrottung der Wagen (in den USA gibt es sogar riesige Halden, auf denen Altreifen gelagert werden, die manchmal in Brand geraten und so die Luft zusätzlich mit Giftstoffen „anreichern“) gesellt sich natürlich auch die indirekte Beeinflussung des Landes durch den Straßenbau und den damit verbundenen Schäden an der Umwelt (von den immensen Kosten für die Allgemeinheit, diese instand zu halten, mal ganz zu schweigen). Kay führt noch diverse andere bedenkenswerte Punkte auf, die ich stichwortartig erwähnen möchte:

  • Mehr & bessere Straßen führen immer nur zu noch mehr Verkehr, noch mehr Autos
  • Autofahren fördert Aggressivität
  • Unabhängigkeit wird eingeschränkt in einem Land, in dem alles nur noch mit dem Auto erreicht werden kann. Zum Nachteil von Jugendlichen, Älteren, Kranken oder Armen, die sich kein Auto leisten können. Gerade der letzte Punkt fördert noch zusätzlich die Bildung von Ghettos und nimmt gewissen Bevölkerungsschichten Bewegungsfreiheit.
  • Autofahren ist gefährlich, nicht nur für die Fahrer, sondern auch für Unbeteiligte und die Tierwelt. Die Autorin bringt den netten (wenngleich etwas schiefen) Vergleich: jeden Tag kommen in den USA so viele Menschen bei Autounfällen um, als wenn täglich ein Linienmaschine mit 150 Personen abstürzen würde. Die Flugzeugindustrie würde bei solchen Zahlen sofort unter massiven Beschuss geraten, beim Autoverkehr wird das einfach so hingenommen.
  • Autofahren erzeugt Lärm, der wiederum viele Menschen krank macht.
  • Viele Menschen verschulden sich für ihre Autos, das sie benötigen, um zur Arbeit etc. zu gelangen.
  • Jeder US-Bürger steht viele viele Stunden seines Lebens im Stau, um von A nach B zu gelangen.

Einer der wichtigsten Punkte, den die Autorin ausführt, liegt in der durch die extreme Autoorientierung ausgelösten Änderung der ursprünglich für den Menschen gedachten Architektur – Innenstädte, in denen alles schnell zu Fuß erreicht werden kann, in der es enge Nachbarschaften gibt, werden durch Einfamilienenhaussiedlungen vor der Stadt ersetzt, die die dort wohnenden dazu zwingen, das Auto zu benutzen. Malls und Einkaufszonen werden nur noch für das Auto ausgelegt, so wie viele Gebäude, auch die großen Bürokomplexe, nicht mehr für Fußgänger gedacht sind, sondern abweisend wirken und sich lediglich zum Durchfahren eignen. Jane Holtz Kay beschreibt in ihrem Buch eine Menge Beispiele, wie sich der Baustil nach und nach dem Auto angepasst hat, von den Garagen, die Verandas ersetzt haben bis hin zu den Suburbs, in denen es nicht mal mehr Bürgersteige gibt. Das Auto dominiert hier Planung und Denken und nimmt im wahrsten Sinne des Wortes einen breiten Raum ein.

As economist Donald Shoup summed it up, „Form no longer follows function, fashion or even finance. Instead, form follows parking requirements.“ In the end the car’s horizontal needs at rest and in motion mean that architecture is car bound.

On the larger scale, city by city, suburb by suburb, we have a hard-topped nation. From 30 to 50 percent of urban America is given over to the car, two-thirds in Los Angeles. In Houston the figure for the amount of asphalt is 30 car spaces per resident. (…) On the outskirts, mall lots, defined by the needs at the most jam-packed periods of shopping at Thanksgiving or Christmas, stand empty much of the year. Ironically, this means that peak time requirements hurt rather than help the surroundings and make real estate pricier.

(…) When flattening for parking is more profitable than restoration for renting, every building, hiwever historic or attractive, becomes a lure for developers to demolish for its „highest and best“ use. Too often, this means its potential as a parking lot.

(…) Lewis Mumford predicted no less: „The right to have access to every building in the city by private motorcar in an age when everyone possesses such a vehicle is actually the right to destroy the city.“

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Das ehemalige Michigan Theatre in Detroit dient heute nur noch als Abstellfläche für Autos...

Dieses Thema einer Architektur, einer Stadt- und Verkehrsplanung, die alles dem individuellen Autoverkehr unterordnet und opfert, ist letztlich das Leitmotiv von Jane Holzs Kays Buch, das ich deshalb nur andeuten konnte.

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich dann, wie gesagt, mit der Geschichte des Automobils in den USA.Hier ist erstaunlich zu sehen, wie früh, nämlich noch vor den 20er Jahren, die amerikanischen Regierungen begonnen haben, ihre Gelder von den öffentlichen Verkehrsmitteln, von Straßenbahnen etc. weg hin zur Automobilisierung zu lenken (auch aufgrund der Wirtschaftslobby von Ford, GM & Co.). Und so gab es schon früh echte Probleme mit diesem neuen Verkehrsmittel. Bereits 1933 bemerkte ein Verantwortlicher:

„Imperceptibly, car ownership has created an ‚automobile psychology‘,“ the committee noted. „The automobile has become a dominant influence in the life of the individual and he, in a real sense, has become dependent upon it.“

Teil Nummer III beschäftigt sich schließlich mit möglichen Auswegen aus dem Dilemma. Natürlich plädiert die Autorin nicht für eine völlige Abschaffung des Autos, aber sie setzt sich vor allem für einen massiven Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel (bei einer gleichzeitigen Beschneidung der Subventionierung der Autokultur) ein, wie er in den größeren Städten inzwischen auch wieder stattfindet. U-Bahn, Straßenbahn, Buslinien, Eisenbahn sollen Entlastung bringen. Aber gleichzeitig muss sich auch an der Stadtplanung etwas ändern – es muss wieder Gegenden geben, in denen man bequem zu Fuß oder Rad unterwegs sein kann und wo man auch die Dinge des täglichen Bedarfs findet (dies ist eine Abkehr von den Riesenmalls auf der grünen Wiese etc.). In den Staaten gibt es seit vielen Jahrzehnten das sog. „Zoning“, das bedeutet, dass in Stadtvierteln teils nur für Wohngebäude gestattet sind und Restaurants, Geschäfte etc. wiederum in anderen Quadranten liegen müssen. Für uns in Europa klingen diese Pläne und Vorschläge nicht so sonderlich innovativ, denn immerhin existiert noch ein halbwegs akzeptables Netz an Bahnlinien usw., auch wenn die Deutsche Bahn sich natürlich in den vergangenen Jahren aktiv bemüht hat, die Streckendichte zu reduzieren.

Similiarly, the quest for „efficiancy“ through privatization is a menace, luring communities to sell off transit systems to private contractors. Dedicated to private gain, these profit-makers drain what is left of mass transit’s life by maintaining what they deem the profitable commuter runs while cutting back the „off-hour“ rides that link city neighbourhoods. Moreover, the budget-cutters who hawk this public service not only fractionalize the system, slighting both rich and poor, but in the end also lose money. (…) „More often than not, the figures reveal that privatization is a money-losing position for all but the privatizers.“

Kritisch anzumerken ist an „Asphalt Nation“ sicherlich die von mir schon erwähnte Einseitigkeit. Denn tatsächlich muss man auch erkennen, dass das Auto neben den vielen Nachteilen auch gewichtige Vorteile für den Einzelnen (nicht unbedingt für die Gesellschaft) mit sich bringt, die man beim Entwickeln von Alternativen berücksichtigen muss, will man Erfolg damit haben, die Verkehrsplanung umzukrempeln. Ich empfehle zu dem Thema den Artikel „Keine Verkehrswende ohne Überwindung der Autokultur“ der Zeitschrift Streifzüge.

Jane Holtz Kay „Asphalt Nation. How the automobile took over America and how we can take it back“, Crown Publishers 1997, 418 S. (vergriffen, kann man aber für vergleichsweise wenig Geld gebraucht erwerben (z.B. bei abebooks, zvab, booklooker etc.))

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Aug
13
2009
7

Buchbesprechung: „Nestlé. Anatomie eines Weltkonzerns“

attac-nestlaÜber die Firma Nestlé gibt es viel Kritisches zu sagen – manches habe ich ja auch hier in meinem Blog schon unters Volk gebracht. Wer jedoch gerne eine kompakte Fassung der Sünden des Schweizer Großkonzerns zwischen zwei Buchdeckeln sein eigen nennen möchte, dem kann ich das Buch „Nestlé. Anatomie eines Weltkonzerns“, herausgegeben von Attac Schweiz, erschienen 2005 im Rotpunktverlag, empfehlen. Dieses kleine und mit 128 Seiten nicht unmäßig dicke Büchlein sorgte bereits in seiner Entstehungsphase für Wirbel, denn tatsächlich hatte Nestlé offenbar so große Angst vor dem, was die Attac-Autoren (u.a. Sandra Bott und Stephan Suhner) bei ihren Recherchen herausfinden würden, dass sie eine „V-Frau“ in die Aktivistengruppe einschleusten, um über den Fortgang des Buches auf dem Laufenden zu sein – hier sieht man wieder einmal, mit welchen Bandagen in der „freien Wirtschaft“ gekämpft wird. Als dies nach Erscheinen des Werkes publik wurde, sorgte es für einigen Wirbel („Nestlé ließ bespitzeln“, Frankfurter Rundschau vom 16.6.2008), verschaffte dem Buch aber nachträglich noch etwas wohlverdiente Aufmerksamkeit.

Denn was die Schweizer Attac-Gruppe hier zusammengetragen hat, ist ein erschreckendes Psychogramm eines Konzerns, der bei seinem scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg zu einem der größten Unternehmen der Welt keine Rücksicht nimmt und primär auf den eigenen Vorteil aus ist, allen buntschillernden verlogenen Reklame- und Imagekampagnen zum Trotz. In acht Hauptkapitel ist das Buch gegliedert, wobei das erste einer kurzen Einleitung und einer Historie dieser Firma gewidmet ist. In den nächsten sechs Abschnitten geht es um einige der wichtigsten Kritikpunkte an Nestlé. Da wäre das oft angespannte Verhältnis zum Arbeitsrecht und zu Gewerkschaften weltweit, vor allem in Südamerika und Asien, aber auch in Frankreich und Deutschland versucht man hier gerne, das Maximum fürs Unternehmen aus den Arbeitern herauszuholen. Um den Konflikt in Kolumbien dreht sich ein eigenes Kapitel, das deutlich macht, wie hart Nestlé zum Teil vorgeht. Auch wenn seit dem Erscheinen des Buches an die 4 Jahre vergangen sind, dürfte sich hier, wie auch an den anderen Kritikpunkten, nicht viel geändert haben.

Besonders unerfreulich ist der Abschnitt über Nestlés proaktive Einstellung zur Gentechnik. Während in Europa der Widerstand in den meisten Ländern so groß ist, dass der Konzern hier davon abgesehen hat, genveränderte Produkte direkt/offensiv anzubieten (über Futtermittel etc. kommen wir hierzulande aber auch in den „Genuss“ dieser Sachen) sieht das in den ärmeren Regionen anders aus, in denen die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert und aufgeklärt wird, so dass Nestlé hier im großen Stile abkassiert. Wie auch im Bereich Kaffee, wo der Konzern mit Sitz im Schweizerischen Vevey zu den größten Anbietern  bzw. Kaffee-Einkäufern weltweit gehört. Von fairem Handel hat man hier noch nichts gehört, statt dessen wird die Differenz aus dem sinkenden Weltmarktpreis des Kaffees nicht an den Endverbraucher weitergegeben, sondern flott in die eigene Tasche gesteckt – während die Bauern in den Anbauländern darben.

Ebenso bedrohlich wie Nestlés Engagement im Genbereich ist auch der offen deklarierte Plan, so viele Wasserquellen wie nur irgend möglich unter seine Kontrolle zu bekommen, weil dies ein Zukunftsmarkt ist und der Firma auch eine unangreifbare Position im Wettbewerb bietet. Allerdings zeigen die Autoren, dass es in verschiedenen Ländern erfolgreichen Widerstand gegen den Aufkauf lokaler Quellen gegeben hat, so in Südamerika und auch den USA sowie sogar einmal in der Schweiz, also vor der eigenen Haustür. Wer immer hierzulande Flaschenwasser von Vittel, Perrier, San Pellegrino oder Pure Life und Aquarel kauft und trinkt, unterstützt diesen Konzern in seinem Bestreben, ein öffentliches Gut zu privatisieren und zu monopolisieren – denkt beim nächsten Einkauf mal darüber nach… (Gleiches gilt natürlich auch für den Erwerb von Coca-Cola-Produkten etc., denn Nestlé ist selbstverständlich nicht der einzige Multi, der seine Krakenarme nach diesem lebenswichtigen Gut ausstreckt.)

Den Schlusspunkt bildet der nichtendenwollende und bereits seit den 70er Jahren schwelende Skandal um Milchpulver, mit dem Nestlé gerade in ärmeren Ländern Mütter das Stillen abgewöhnen will, damit sie fortan das teure industrielle Produkt für ihre Babys verwenden. Hier zeigt sich die besondere Skrupellosigkeit dieses Unternehmens. Abgerundet werden all diese Infos, die vermutlich auch nur die Spitze des Eisbergs darstellen, mit Surftipps und einer (nicht vollständigen) Liste der Marken, die weltweit zu Nestlé gehören. Wer sich also einen geeigneten Überblick über das Gebaren dieses Unternehmens verschaffen will und eine gelungene Argumentationshilfe benötigt, wenn er mal wieder jemanden im Bekanntenkreis davon überzeugen will, Nestlé-Produkte lieber im Regal liegen zu lassen, der sollte sich dieses Buch ruhig zulegen. (Oder in der Bibliothek ausleihen. :-)

Attac-Texte – „Nestlé. Anatomie eines Weltkonzerns“. Rotpunktverlag 2005, 128 S., 9,50 €

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Jun
22
2009
33

Buchbesprechung: Kalle Lasn „Culture Jamming. Das Manifest der Anti-Werbung“

„Werbung ist das am weitesten verbreitete und stärkste aller mentalen Umweltgifte.“
– Kalle Lasn, „Culture Jamming“

cover_culturejamming_groEine Rezension für dieses Buch zu schreiben fällt mir nicht ganz leicht. Normalerweise regen einen gute Bücher ja zum Nachdenken an, vielleicht sogar mal zum UMdenken in dem einen oder anderen Detail. Dass ein Buch jedoch einen so großen „Impact“ hat, dass ich mit Fug und Recht behaupten kann, es hätte mein Leben verändert, ist extrem selten. Kalle Lasns „Culture Jamming. Das Manifest der Anti-Werbung“ ist solch ein Buch. Schon seit Jahren trieb mich ein wachsendes Unbehagen über die Entwicklung um mich herum um, was die zunehmende Ausbreitung von Reklame und Kommerz angeht, ohne dass ich genau den Finger auf diese schwelende Wunde legen konnte. Aber nach nur wenigen Seiten Lektüre von „Culture Jamming“ wurde mir bewusst, dass hier jemand genau die Gedanken zu Ende gedacht hatte, die mich so lange bedrängten und (oft unbewusst) beschäftigten – meine Abscheu gegenüber der immer aufdringlicheren Dummbräsigkeit von Werbung übler Firmen, mein wachsender Unmut gegenüber den nur noch auf kommerziell verwertbare „Events“ ausgelegten Medien – der „Welt des Spektakels“ –, mein Unwohlsein angesichts der voranschreitenden Uniformität der (Waren-)Welt, all dies thematisiert Lasn in seinem bahnbrechenden Buch scharfsinnig und pointiert, fundiert und unterhaltsam.

„Culture Jamming“ ist in vier Bereiche aufgeteilt, die nach den Jahreszeiten Herbst Winter, Frühling und Sommer benannt sind und in der entsprechenden Logik auch den Zustand unserer Gesellschaft und unseres Wirtschaftssystems beschreiben. Zu Beginn umreißt Lasn den Ist-Zustand („eine Bilanz des Schadens“, wie er schreibt), der in einer alle Lebensbereiche durchziehenden Kommerzialisierung besteht, in einer wachsenden Macht von immer größer werdenden Unternehmen und einer siechenden Natur. „Winter“ ist eine noch zugespitztere Darstellung – „Amerika in einer Konsumtrance“. Lasn verwendet America™ nur noch mit dem Trademarksymbol, um zu zeigen, dass die Konzerne es sind, die das Geschick des Landes leiten und dass der amerikanische „way of life“ wie ein (sehr erfolgreiches) Produkt den Globus überzieht und überall den gleichen Schaden beim Menschen wie der Umwelt anrichtet.

Ist also alles schon zu spät? Nein, in „Frühling“ erwachen die Menschen allmählich wieder zum Leben – es regt sich Widerstand. Ausgehend von den Situationisten in den 60er Jahren in Frankreich, die eine der geistigen Grundlagen für Culture Jamming und Adbusting gelegt haben (kleine Erklärung dieser Begriffe hier), zeigt Lasn, dass es schon immer Widerstand gegen die Vereinnahmung des Lebens durch die Wirtschaft gegeben hat, vor allem in der Kunst- und Musikszene. In den letzten Jahren und Jahrzehnten entsteht aber auch Widerstand konkret gegen Kampagnen und Reklame, Menschen fangen an, die „bequemen und abstumpfenden Muster zu durchbrechen, denen wir verfallen sind“. Im Culture Jamming geht es laut Lasn darum, „den Strom des Spektakels so lange anzuhalten, bis man sein System neu eingestellt hat. Debord nannte das ‚die alte Syntax durchbrechen‘ und durch eine neue ersetzen.“ Tatsächlich hörte ich in diesem Buch zum ersten mal von solch konkretem und teils „organisiertem“ Widerstand gegen die Ansinnen der Konzerne und der Reklame und war selbst von dieser Vorstellung sofort elektrisiert. Im weiteren Verlauf des Buches stellt Lasn dann das Adbusting, also das Karikieren, Ins-Gegenteil-Verkehren von Anzeigen und Werbespots vor und zeigt, dass sich hier eine vitale „Szene“ entwickelt hat.

„Sommer“ ist schließlich der Aufruf, selbst aktiv zu werden, etwas zu unternehmen und mit Änderungen auch im eigenen kleinen Bereich zu beginnen – und zu versuchen, auch andere Menschen „zu wecken“. Kalle Lasn spricht sich dafür aus, die Wut, die viele Menschen angesichts der momentanen Situation befällt, zu nutzen, um sich zu wehren und die Macht der Konzerne anzugreifen. Er regt zu Akten des zivilen Ungehorsams an und dazu, sich von Firmen nicht alles bieten zu lassen (bei ungebetenen Werbeanrufen soll man beispielsweise das Gegenüber um seine private Telefonnummer bitten, man werde dann später zurückrufen). Es geht ihm auch darum, vieles von dem, was uns die Reklameindustrie als „cool“ einzureden versucht, nicht mehr als „cool“ dastehen zu lassen – Dinge wie Fastfood oder überteuerte, unter üblen Bedingungen hergestellte Sportschuhe von Nike sind nicht „cool“, sondern schädlich und peinlich. Von daher verfolgt der Autor durchaus auch ein idealistisches Ziel, nämlich, das Bewusstsein der Leute für diese Missstände zu wecken und sie so zu einer Verhaltensänderungen anzuregen.

kalle-lasn-adbusters_rsDas größte Plus von Lasns Buch ist für mein Empfinden der latent anarchische und vor allem proaktive Ansatz – hier wird also nicht nur abgehoben in theoretischen Sphären über Phänomene diskutiert, sondern es findet eine unmittelbare Aktivierung des Lesers statt – zumindest war dies bei mir der Fall. Sofort hat man Lust, mal sein Einkaufsverhalten zu überdenken und den ganzen überflüssigen und meist auch noch ungesunden Quatsch der großen Konzerne von seinem Einkaufszettel zu streichen. Oder Reklame so weit wie möglich aus dem eigenen Leben zu verbannen. Den Fernsehkonsum zu reduzieren, insbesondere den privater Sendeanstalten (deren Programm eh nur eine Dauerwerbesendung mit kurzen Anmoderationen darstellt). Rauszugehen und die Kommerzbotschaften der Firmen lächerlich zu machen. Widerstand zu leisten gegen die scheinbar unaufhaltsame Kommerzialisierung des gesamten Lebens. Oder auch einen Blog wie diesen hier ins Leben zu rufen. :-) Es gäbe noch viel mehr zu diesem Werk zu sagen, aber ich empfehle einfach, es mal selbst zu lesen, um den Kopf ein wenig frei zu bekommen, und sich auch mal die Website des kanadischen, von Lasn herausgegebenen Adbusters Magazine anzuschauen.

Fazit: „Culture Jamming“ ist ein wichtiges Buch, das jeder, der am aktuellen (Konsum-)Leben teilnimmt, gelesen haben sollte. Es schärft den Blick und motiviert zum selbstständigen, kritischen Denken, hilft bei der Befreiung von Konzernverkleisterung via Werbung und Imagekampagnen – und es animiert zum Aktivwerden und Widerstand leisten und macht Mut. Was will man mehr?

Kalle Lasn: „Culture Jamming. Das Manifest der Anti-Werbung“, orange press, 3. Aufl. 2008, 224 S. + 16 Farbseiten, 20,– €

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2009
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Buchbesprechung: Bill McKibben „The Age of Missing Information“

mckibben-age-of-missing-informationMan kann es drehen und wenden wie man will, und egal ob es einem gefällt oder nicht – das Fernsehen ist auch heutzutage immer noch das Massenmedium Nr. 1 mit dem größten Einfluss auf die Gesellschaft. Je nach dem welche Studie man zu Rate zieht, verbringt der durchschnittliche Nordamerikaner immerhin unglaubliche 4 bis 6 Stunden am Tag damit, vor dem Flimmerkasten zu sitzen und sich berieseln zu lassen. Ein Phänomen, das so vielen Menschen so viel Lebenszeit raubt bzw. dem sie einen so großen Teil ihrer Freizeit widmen, verdient es natürlich, eingehender unter die Lupe genommen zu werden.

Diesen Versuch, das Phänomen Fernsehen zu analysieren, hat auch der amerikanische Autor und Kulturkritiker Bill McKibben in seinem gleichermaßen unterhaltsamen wie vielseitigen Buch „The Age of Missing Information“ (leider nur auf Englisch erhältlich) unternommen, das ursprünglich bereits 1992 erschien und 2006 neu aufgelegt wurde, mit einigen kurzen Ergänzungen hinsichtlich der „neuen“ Medien, namentlich des Internets. McKibben nähert sich den Ausmaßen, die die Fernsehberieselung in unserer Gesellschaft mittlerweile angenommen hat, auf eine wahrlich originelle Weise, nämlich in Form eines Selbstexperiments. Dazu verbrachte der Autor einen Tag und eine Nacht in der unberührten Natur, in den Bergen, alleine mit seinem Zelt und seinen Gedanken. Gleichzeitig ließ er sich von Freunden und Bekannten das komplette 24-Stunden-Programm aller insgesamt ca. einhundert Sender, die er in seinem Ort empfangen kann, auf Video aufnehmen und verglich dann anschließend (in mühsamer Einzelauswertung aller Videobänder der einzelnen Sender, auch von Shoppingkanälen, was ihn viele Monate in Anspruch nahm) die Anzahl und Qualität der Informationen, die er bei seinem Aufenthalt in der Natur erfuhr mit der, die der normale Fernsehzuschauer am selben Tag vermittelt bekam. Denn obwohl wir in einem vermeintlichen „Informationszeitalter“ („Age of Information“) leben, zweifelt McKibben doch stark an, dass wir in vielen wichtigen Bereichen des Lebens wirklich informiert sind bzw. durch das Fernsehen tatsächlich relevant informiert werden – statt dessen leben wir für ihn, wie der Titel es schon andeutet, teilweise eher in einem Zeitalter der ausgelassenen/ausgeblendeten Informationen.

Diese Grundthese des Buches wird auf insgesamt gut 250 Seiten ausgiebig untersucht – in den einzelnen Kapiteln, die nach den verschiedenen Tageszeiten benannt sind, entblättert der Autor zum einen ein faszinierendes „Psychogramm“ amerikanischer Fernsehlandschaft (viele Referenzen auf einzelne US-Serien etc. sind für uns hier natürlich nicht direkt nachvollziehbar, was aber für das Verständnis des Textes nicht weiter dramatisch ist) und auch der Bedeutung, die Fernsehen für die heutige Kultur hat. Gleichzeitig entwickelt McKibben Schritt für Schritt einen umfassenden Katalog an Argumenten und Beobachtungen, die verdeutlichen, wie stark vor allem auch die negativen Folgen der Allgegenwart des TV sind. Ich habe eine Weile überlegt, wie ausführlich ich diese Analysen hier in meiner Buchbesprechung vorstellen soll, und habe mich dann entschlossen, zumindest einige der wichtigsten Punkte kurz anzureißen, da ich die dargelegten Erkenntnisse durchaus für beachtenswert halte. (Um tiefer in die Materie einzusteigen, empfehle ich dann doch die Lektüre des Buches selbst, oder andere medienkritische Werke wie von Marshall McLuhan, der in diesem Buch auch mehrfach Erwähnung findet.)

  • Einer der ersten kritischen Punkte sieht der Autor in einer gewissen medial bewirkten Gleichschaltung von Geschmäckern weltweit sowie ein durch die weltweite Werbung transportiertes „normiertes“ Menschenbild oder Frauenideal, das gewachsene Vorstellungen, beispielsweise vom Altern, ersetzt und zerstört.

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    © erikdungan, stock.xchng

  • Wir haben zwar den Eindruck, durch die ganzen Geschichtsdokus umfassend Bescheid zu wissen, doch in Wirklichkeit wird die Menschheitsgeschichte stark verkürzt – alles, was vor der Erfindung des Films lag, wirkt auf den heutigen Menschen fast unglaubwürdig. Dafür werden die Dinge, die bereits auf Film gebannt wurden, immer und immer wieder gezeigt (ich denke da an die ganzen Hitler-Dokus mit den immer gleichen Originalaufnahmen). Außerdem wird unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem des ewigen Wachstums und Konsumierens als das einzig mögliche dargestellt, da wir via Fernsehen nichts anderes kennen (Fernsehbilder reichen eben nur 60, 70 Jahre zurück) – quer durch alle Sender.
  • Naturfilme im Fernsehen werden auf die uns von Hollywood & Co. antrainierten Formate getrimmt – dramatische Musik, Spannungskurven etc., so dass uns die reale Natur langweilig vorkommt. (Wer hat sich nicht auch schon mal eine Zeitlupe in der Realwelt gewünscht? So weit hat uns Sportfernsehen mittlerweile konditioniert.) Für McKibben sind die Fernsehdokus so etwas wie ein „Best of“, die nur besonders spannende Momente herausgreifen und so das Gesamtbild völlig verzerren. Dieses Prinzip der einseitigen Darstellung gilt auch für viele andere vermeintliche Informationen, die das Fernsehen liefert.
  • In unserem sonstigen Leben erwarten wir ähnliche Kicks und Dauerhöhepunkte wie sie uns das Fernsehen permanent vorführt, und deshalb wird uns schnell langweilig (und wir schalten den Fernseher ein).
  • Diese Jagd nach Sensationen führt dazu, dass zwar viele Katastrophen ausführlichst gesendet werden, dafür aber sehr viel weniger Zeit für grundlegendere Themen (z.B. den Klimawandel, der zu manchen der Katastrophen geführt hat) zur Verfügung steht, weil sich komplexe und über Jahre oder Jahrzehnte entwickelnde Prozesse nun mal schlecht im 15-Minuten-TV-Format darstellen und abhandeln lassen. Ein Mangel an Tiefe ist darum vielen Berichterstattungen zu eigen.
  • Statt unser Leben wirklich zu leben, mit all seinen Höhen und Tiefen, mit Euphorie und Trauer, mit Belustigung und Langeweile, verwenden viele das Fernsehen als eine Art „Zentralheizung“, die unser Empfindungsniveau immer auf einem gleichen Level hält. Tatsächlich haben Studien herausgefunden, dass viele Menschen Fernsehen nicht bewusst nach gewissen Sendungen aussuchen, sondern es einfach laufen lassen, als Ablenkung oder Entspannung, (fast) egal, was geboten wird. Fernsehkonsum soll, diesen Studien zufolge, nicht dazu dienen, Neues zu entdecken, sondern sich in gewohnten Strukturen wiederzufinden und dort, in einer künstlichen, aber bekannten Welt, so etwas wie Halt und Vertrautes zu entdecken.
  • Die tatsächlichen Informationen, die per Fernsehen vermittelt werden, werden durch die Vielzahl an anderen Eindrücken, die auf den normalen Zuschauer sonst noch so am Tag einprasseln, oftmals wieder nivelliert – jede Menge Belangloses begräbt die wenigen behaltenswerten Fakten und Infos.
  • Dadurch, dass die meisten Sender jeden Tag 24 Stunden Programm füllen müssen, werden Unmengen an belanglosem Kram über den Äther gejagt, kommerzielle Botschaften, Trivialitäten etc., so dass die Qualität mit den Jahren immer weiter gesunken ist (schreibt McKibben – gerade durch den Eintritt der Privatsender stimmt das wohl leider auch).
  • Fernsehen produziert Stars, die nur für ihr Starsein als solches gefeiert und hofiert werden. Sie werden zu „Legenden“, eben weil das TV seine Sendezeit füllen muss. Menschen, die wirklich etwas können und leisten, sind für die Konsumkultur und den Starkult hingegen oft uninteressant.
  • Fernsehen befeuert nicht Fantasien, sondern propagiert eine triste Realität – für McKibben ist TV absolut anti-utopisch, da wir entmutigt werden, darüber nachzudenken, dass es, abgesehen vom Kauf neuer Produkte, einen besseren Weg gibt, viele Dinge zu tun oder Grundsätzliches zu ändern.
  • Durch das Fernsehen wird uns der Eindruck vermittelt, dass der jeweilige Zuschauer das wichtigste Wesen auf der Welt ist und sich alles andere um ihn herum dreht, insbesondere, was Konsumgüter etc. angeht. Gerade dadurch, dass wir uns nicht mehr mit realen Menschen, sondern den Zerrbildern im Fernsehen vergleichen, sind wir mit uns unzufrieden und meinen, immer mehr kaufen zu müssen, um uns zu vervollkommnen.

Soweit also eine Auswahl der Punkte, die der Autor in seinem Buch anspricht – einige der Punkte waren mir bisher noch gar nicht so bewusst und nehme ich als willkommene Ergänzung für potentielle Diskussionen gerne in mein Argumentationsrepertoire auf :-) McKibben verteufelt übrigens nicht das Medium Fernsehen per se, sondern vor allem den unheimlichen Status, den es im Leben der Menschen in den letzten Jahrzehnten erlangt hat, und die Auswirkungen, die sich für das gesellschaftliche Miteinander daraus ergeben.

Sumasummarum ist „The Age of Missing Information“ ein spannendes und angenehm locker zu lesendes Werk mit vielen Gedanken, die zu Diskussionen und eigenem Grübeln anregen. So soll ein gutes Buch sein!

Bill McKibben, „The Age of Missing Information“, Random House 2006, 264 S., 14.95 US$

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2009
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Buchbesprechung: John Stauber & Sheldon Rampton „Giftmüll macht schlank“

Giftmuell macht schlankDies ist ein schreckliches Buch, dessen Lektüre mir manches Mal nicht gerade leicht gefallen ist. Nicht etwa weil die beiden US-Amerikaner John Stauber und Sheldon Rampton einen schwerverständlichen Stil am Leibe hätten oder das Thema langweilig wäre. Nein, ganz im Gegenteil – es liegt vielmehr daran, dass einen die Abgründe, die dem Leser hier verdeutlicht werden, des öfteren den Atem stocken und unbändige Wut und Abscheu aufkommen lassen. In „Giftmüll macht schlank. Medienprofis, Spin Doctors, PR-Wizards. Die Wahrheit über die Public-Relations-Industrie“ (in den USA bereits 1995 erschienen) geben die Autoren einen bestürzenden Einblick darin, wie tief sich Propaganda und Desinformation in den letzten Jahrzehnten schon in unsere Gesellschaft, die Medien und das, was wir zu wissen glaubten, gefressen haben.

Stauber und Rampton steigen in ihrem Buch hinab in die morastigen und schlammigen Untiefen einer Industrie, die unser aller Leben mehr bestimmt, als wir uns das bewusst sind, und die offensichtlich keine Skrupel kennt, wenn es nur in der eigenen Kasse klingelt – Public Relations, kurz: PR. Die „reguläre“ Dosis an Fehlinformation und Lügen erhält der moderne Konsument tagtäglich ja bereits durch normale Werbung & Reklame. Hier weiß aber inzwischen eigentlich (fast) jeder, dass die Firmen in ihren Anzeigen gerne Märchen erzählen und uns mit ihren Floskeln für dumm verkaufen wollen. Sehr viel subtiler und deshalb wirkungsvoller und noch gefährlicher ist jedoch das, was im Bereich der PR-Arbeit rund um die Uhr geschieht. Denn anders als bei offener Werbung passiert hier vieles quasi im Verborgenen – Auftraggeber bleiben für den Bürger unsichtbar, die PR-Unternehmen selbst in der Regel auch. Dafür tarnen sie sich mit unterwanderten Aktivistengruppen, mit eigens dafür initiierten Bürger- oder Umweltgruppen, sie kaufen Experten und Politiker, sie sorgen für eine beschönigte Presse, machen Kritiker mundtot usw.

In insgesamt 12 Kapiteln greifen die Autoren einige besonders krasse und erschreckende Fälle von PR-Arbeit (überwiegend in den USA bzw. Südamerika) auf. Schnell wird klar, dass PR sich nicht nur auf wirtschaftliche, sondern auch politische Bereiche erstreckt und bereits seit vielen Jahrzehnten intensiv praktiziert wird. Alle Beispiele/Konzerne hier im einzelnen zu behandeln, würde den Rahmen meiner Rezension sprengen, aber um nur einige zu nennen: die amerikanische Atomindustrie, Pharmariesen, Genfirmen wie Monsanto, oder die dem Buch den Titel gebende Kampagne der Großindustrie, in der sie den Bürgern und Bauern ihren giftigen, bleikontaminierten Klärschlamm als gesunden Dünger zu verkaufen versucht (kein Scherz!), um so die teure Entsorgung zu umgehen und dafür bestellte Gutachten vorlegt und Aktivisten lahmlegt. Das schlimme ist – selbst mit solch für den gesunden Menschenverstand absurden Ansinnen haben PR-Firmen und damit ihre Auftraggeber Erfolg. Es wird schnell klar, dass die großen der PR-Branche wie Burson-Marsteller keine Skrupel haben, die widerlichsten Konzerne wie Philip Morris, Eli Lilly, Nestlé, Pfizer, Genentech etc. und selbst Diktaturen zu vertreten. Wenn man en detail liest, mit welchen Methoden PR-Profis Umweltgruppen unterwandern oder Politiker auf ihre Seite zu ziehen versuchen, kann man eigentlich nur noch Ekel und Verachtung für solches Geschäftsgebaren empfinden. Ein Beispiel von vielen aus dem Buch:

CAST (Council for Agricultural Science and Technology) wurde 1972 gegründet und wird von Hunderten von Unternehmen finanziert, die alle mit genetisch veränderten Lebensmitteln, Agrarchemie, Additiven für Lebensmittel und industrieller Landwirtschaft zu tun haben. Darunter finden sich Firmen wie Dow, General Mills, Land O’Lakes, Ciba-Geigy, Archer Daniels Midland, Monsanto, Philip Morris und Uniroyal. (…) CAST ist eine klassische Tarnorganisation der Industrie, die behauptet, „aktuelle, unverfälschte und wissenschaftlich Informationen über Nahrungsmittel und Agrarwirtschaft zu liefern“. Tatsächlich hat CAST über zwei Jahrzehnte lang heftig für pestizidverseuchte Nahrung, bestrahltes Obst und Gemüse sowie den Einsatz von Hormonen und Pharmazeutika in der Tierzucht gekämpft. Die Hunderte von Wissenschaftlern aus Industrie und Forschung, die CAST angehören, sind oft Empfänger großzügiger Drittmittel und anderer Gelder, die von den gleichen Konzernen stammen, de CAST finanzieren.

Ein besonders schlimmes Kapitel befasst sich mit den Verquickungen von Public Relations mit den Medien. Es ist klar, dass das Gerede von einer „freien Presse“ ohnehin nur eine Illusion ist. Doch die PR-Firmen treiben die Abhängigkeiten von Presse und Wirtschaft noch einen Schritt weiter, in dem sie für ihre Kunden eigene Beiträge, teils auch schon fertig geschnittene Filme, vermeintliche Nachrichten (die eigentlich nur Pressemitteilungen von Firmen darstellen) produzieren und diese dann kostenlos an die Medien weitergeben. Und die Sender und Redaktionen greifen freudig und begeistert zu – kritische journalistische Recherche findet in solchen Fällen kaum mehr statt, so dass die Sender zu reinen Verlautbarungsstationen der Konzerne verkommen. Wer beispielsweise hierzulande den sog. „Nachrichtenkanal“ N24 einschaltet und dort die rund um die Uhr laufende Militärpropaganda sieht, ahnt vielleicht schon, woher diese Beiträge eigentlich stammen…

Die PR-Abteilungen von Unternehmen haben einen enormen Einfluss auf die Gestaltung der Nachrichten, auch wenn Redakteure das Gegenteil behaupten. Großunternehmen pumpen allein in den USA jedes Jahr hundert Milliarden Dollar in die Kassen der Medienunternehmen. Ben Bagdikian betont „Die Auswahl von Nachrichten nach dem Kriterium der optimalen Werbeunterstützung ist mittlerweile  so normal geworden, dass man inzwischen mit wissenschaftlicher Präzision darangeht und es zum alltäglichen Handwerk der Medien gehört.“ Der PR-Manager Robert Dilenschneider gibt zu: „Der Glaube, betriebswirtschaftliche und redaktionelle Entscheidungen in der Presse und den Medien würden völlig getrennt voneinander getroffen, ist in weiten Zügen in Mythos.“

Wer es bis zum letzten Kapitel „Den eigenen Hinterhof erobern“ geschafft hat, ohne vollends an der Welt dort draußen zu verzweifeln, bekommt am Ende dann doch auch ein paar versöhnlichere und aufbauendere Töne zu hören. Dass beispielsweise PR nicht per se „böse“ sein muss, sondern natürlich auch für viele gute Aktionen und Ideen PR betrieben wird, um ihnen Gehör zu verschaffen. Und Stauber & Rampton machen uns Mut, sich gegen die Desinformationsmaschine zu stellen und vor allem im lokalen Bereich aktiv für die eigenen Rechte und die Kommunen einzutreten, weil diese „NIMBY (Not In My Backyard)“-Bewegungen tatsächlich gute Chancen haben, selbst große, übermächtig erscheinenden Gegner, die mit dem ganzen Waffenarsenal der PR kämpfen, aufzuhalten oder zumindest Sand in deren Getriebe zu streuen. Außerdem rufen sie dazu auf, dass wir uns abseits der Mainstreammedien eine Meinung bilden und bei allen Meldungen, die wir so lesen, im Hinterkopf behalten, dass dahinter eventuell gewaltige Interessensgruppen stehen, die diese Nachrichten mit voller Absicht verbreiten (oder manches bewusst unterdrücken).

cmd-radioDie Tatsache, dass sich Unternehmen und Regierungen bemüßigt fühlen, jedes Jahr Milliarden für die Manipulation der Öffentlichkeit auszugeben, ist eine perverse Hommage an die menschliche Natur und an unsere eigenen Moralvorstellungen.

Die beiden Autoren betreiben übrigens die Website SourceWatch und geben in ihrem Center for Media and Democracy das vierteljährlich erscheinenden Magazin PR Watch heraus, auf der man sich eingehender über die aktuellen Verflechtungen von PR, Lobbyarbeit, Politik & Wirtschaft informieren kann.

John Stauber & Sheldon Rampton „Giftmüll macht schlank“. orange press 2006, 319 S., 20,– €, ISBN 978-3-936086-28-7

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2009
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Buchbesprechung: Tobias Schlegl „Zu spät? So zukunftsfähig sind wir jungen Deutschen“

schlegel-zu-spat-mittelFür mich war Tobias „Tobi“ Schlegl früher eigentlich nur einer von vielen mäßig interessanten Viva-Moderatoren, der nach seiner Zeit beim Kölner Musiksender in der Versenkung verschwand. Erst als er vor knapp zwei Jahren den Moderationssessel bei der N3-Satiresendung extra 3 erklomm, nahm ich ihn wieder wahr – und war angenehm überrascht über die Art und Weise, wie er auch ernste Themen wie z.B. die Probleme der Atommüllendlagerung, amüsant und bissig präsentierte. Tatsächlich erfahre ich in seinem aktuellen Buch „Zu spät? So zukunftsfähig sind wir jungen Deutschen. Eine Inspektion“ nun endlich auch, was er in der Zeit zwischen Viva und N3 getrieben hat und weshalb er bei extra 3 genau an der richtigen Stelle sitzt: er war Anfang dieses Jahrtausends Mitglied im „Rat für Nachhaltige Entwicklung“ – ein die Bundesregierung beratendes Gremium, das sich mit Themen wie Konsum, Umweltschutz oder Bildung beschäftigt.

Nun ist Tobias Schlegl also unter die Buchautoren gegangen und zeichnet auf seiner Reise durch Deutschland ein Bild der derzeitigen Nachhaltigkeitsdebatte. Jedes der 24 Kapitel trägt den Titel eines Songs seiner Lieblingsband Die Ärzte (Bela B. wird im Rahmen des Buches auch ausführlich interviewt) und gibt damit schon einmal die Marschrichtung vor: sein Buch richtet sich vor allem an jüngere Menschen und versucht, diese für die uns umgebenden Missstände zu sensibilisieren und für politisches und gesellschaftliches Engagement zu aktivieren. In sehr locker-flockigem Stil, dabei dennoch zielstrebig und kritisch, ohne jedoch im Mindesten verbissen zu wirken, macht sich Schlegel auf, Konzernen auf den Zahn zu fühlen, Aktivisten- und Umweltschutzgruppen zu besuchen und Fragen nach der Entwicklung unserer Gesellschaft aufzuwerfen.

So protestiert er zusammen mit Tilo Bode und foodwatch vor einer McDonald’s-Filiale, weil diese Firma den Tieren, die sie in ihre Burger pressen, nur genmanipuliertes Futter zu fressen gibt. Gemeinsam mit einigen Leuten von Attac nimmt Tobias Schlegl an einem Flashmob im Kölner Bahnhof gegen die Bahnprivatisierung und auch an einer globalisierungskritischen Stadtführung in Hameln teil. Er pflanzt einen ganzen Sonntag lang mit Freiwilligen Bäume, geht im Umweltbundesamt und bei der Stiftung Warentest auf Konfrontationskurs und scheitert daran, bei Filialen der großen Kleidungsketten wie H&M und Zara, genauere Informationen über die (bekanntlich oft katastrophalen) Produktionsbedingungen der Klamotten zu erhalten. Ebenfalls sehr lesenswert ist das Kapitel, in dem der Autor die Werbefloskeln von McD in deren Imagekampagne, laut der jeder mal hinter die Kulissen des Bratimperiums schauen kann, als hohle Versprechungen entlarvt, da es ihm auch nach vielen Wochen nicht gelingt, tatsächlich einen Termin zu ergattern.

Bei der Vielzahl an möglichen Angriffspunkten und Gesprächspartnern auf nur gut 200 Seiten ist klar, dass vieles lediglich angerissen werden kann. Hier könnte man vermutlich auch den einzigen wirklichen Kritikpunkt an Schlegls „Inspektion“ sehen – z.B. befasst er sich damit, woher Ikea das Holz für seine Möbelproduktion bezieht. Denn viele Holzprodukte werden aus illegaler Rodung und nicht nachhaltig gewonnen – ein Missstand, dem man mit Hilfe von Zertifizierungen wie dem FSC-Siegel abhelfen will. Ikea hat in der Hinsicht einen relativ guten Ruf, bemüht sich um „sauberes Holz“ und arbeitet auch mit den Leuten vom FSC zusammen, ohne allerdings deren Siegel auf ihren Produkten zu verwenden. Auch wenn dieses Unternehmen sich also in dm Bereich durchaus engagiert zeigt (wobei der geplante Anteil von FSC-Holz mit 30% auch noch viel Luft nach oben lässt), so fehlt mir im Buch dennoch die Betrachtung der anderen Waren, die Ikea in Massen unter die Leute bringt und die teils unter ähnlich unerfreulichen Bedingungen produziert werden wie bei vielen anderen Konzernen auch (niedrige Preise kommen halt nicht von ungefähr).

Das latente Manko der oft recht schlaglichtartigen Betrachtung gleicht Schlegl jedoch am Ende eines jeden Kapitels mit einer Reihe guter praktischer Tipps für den Alltag sowie Hinweisen auf Websites, auf denen man sich weiter informieren kann, aus und macht das Buch somit zu einem guten Ausgangspunkt für die eigenen Recherchen und Nachforschungen. Vor allem für Einsteiger und Neulinge in Sachen Nachhaltigkeit und Konsumgesellschaft ist „Zu spät?“ deshalb eindeutig zu empfehlen.

Tobias Schlegl „Zu spät? So zukunftsfähig sind wir jungen Deutschen. Eine Inspektion“, rororo 2008, 217 S., 8.95 €

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Jan
03
2009
4

Buchbesprechung: Neil Boorman „Good bye Logo. Wie ich lernte, ohne Marken zu leben“

0000444871Dies ist ein bemerkenswertes Buch. Der Verlag preist es launig mit „Ein freches Experiment, das die Konsumgesellschaft radikal in Frage stellt“ an – die Grundidee ist schnell skizziert und klingt eher nach etwas freakiger Unterhaltung als nach einer wirklichen Auseinandersetzung mit unserer Kaufkultur: der britische Lifestyle-Journalist Neil Boorman versucht, ein ganzes Jahr lang konsequent auf alle Luxus- und Markenprodukte zu verzichten und schildert seine Erfahrungen in einem persönlichen Tagebuch.

Der erste Teil von „Good bye Logo“ bestätigt diese Vermutung zunächst – Neil Boorman beschreibt sein Leben ausführlich als das eines wirklich Konsumsüchtigen. Er definiert sich und seine Außenwirkung vor allem über die von ihm gekauften und zur Schau getragenen Marken und geht dabei so weit, auch alle anderen Menschen um ihn herum danach einzuteilen, ob sie die richtigen (Adidas, Apple) oder falschen, da uncoolen Marken (Puma) besitzen. Er arbeitet extrem viel, um sich dann in der knapp bemessenen Freizeit vor allem dem Konsum hinzugeben – die Samstage verbringt er traditionell mit seiner Freundin in den Shoppingcentern Londons. Bis zu diesem Moment klingen die Ausführungen des Autors zumindest für mich doch etwas arg übertrieben, wenn nicht sogar klischeeüberladen, da zumindest ich solche Extremkäufer nicht kenne.

Als Boorman jedoch nach der Lektüre des ihm die Augen öffnenden Werkes „Ways of Seeing“ von John Berger langsam an seinem Lebensstil zu zweifeln beginnt und tatsächlich eine waschechte Kaufsucht diagnostiziert, wird das Buch plötzlich interessant. Um sich von seiner Sucht zu heilen, beschließt der Autor eine kathartische und aufsehenerregende Aktion: das öffentliche Verbrennen ALLER seiner Markenprodukte und das darauf folgende Leben ohne all diese Dinge. Er gibt sich 180 Tage Zeit, um sich auf den großen Moment vorzubereiten und begleitet diese Phase der Bestandsaufnahme und Analyse per Internettagebuch. Je näher der Termin rückt, desto öfter wird er von Mitbürgern für diese Aktion angefeindet, bei vielen ist das Kaufen und Besitzen von Sachen offenbar so tief verwurzelt, dass ihnen Boormans Plan als geradezu ketzerisch erscheint.

Es ist faszinierend mitzuerleben, wie sich Boorman im Laufe des Buches tatsächlich weiterentwickelt, wie er beginnt, den Fundamenten unserer Konsumgesellschaft auf den Grund zu gehen – er vertieft sich intensiv in Literatur zu diesem Thema und lässt den Leser an seinen Gedankengängen und Erkenntnissen teilhaben. Die eigentliche Verbrennung seiner Markenhabe wird als großes Ereignis inszeniert, auf das er lange hinfiebert und das von den Medien entsprechend begleitet wird. Fortan findet ein radialer Lebensstilwandel statt – keine fetischisierten Adidasturnschuhe mehr, sondern preiswerte Treter aus dem Armyshop oder Second-Hand-Laden, kein Fernsehen, statt dessen Lesen, Spaziergänge u.ä. Hier wird ihm und uns schnell klar, wie schwierig es mittlerweile geworden ist, der Allgegenwart der großen Konzerne zu entkommen, die sich in allen Lebensbereichen breit gemacht haben. So wird seine Suche nach markenfreien Produkten teilweise zu einer echten Odyssee, selbst im großen London.

Auch über sein Verhältnis zur Werbeindustrie reflektiert Boorman im Laufe der Wochen verstärkt und erkennt, mit welch perfiden Methoden die Reklame arbeitet, um bei den Menschen eine latente Unzufriedenheit zu erzeugen und den Kauf von profanen Gegenständen als Lösung dieser Unterbefriedigung, als persönlichkeitsbildend anzubieten. Vor allem seine Überlegungen zu diesem wichtigen Themenkreis gehören zu den besonders starken Momenten von „Good bye Logo“, die durch mannigfaltige Zitate und Literaturverweise gestützt werden.

Erschreckend ist auch seine Erkenntnis, dass viele Leute, die beispielsweise Nike-Schuhe kaufen, sehr wohl über die schlechten Arbeitsbedingungen, den niedrigen Lohn der Arbeiter(innen) und die extreme Spanne zwischen Endverbraucherpreis und Produktionskosten Bescheid wissen, dennoch aber unvermindert dieser Marke die Treue halten. Nicht nur Boorman beschleichen hier ungute Gefühle darüber, wie tief der Marken- und Konsumfetisch bereits ins allgemeine Bewusstsein eingesickert ist, wie sehr für den modernen Konsumenschen Marken zur Persönlichkeit gehören.

Schwachpunkt des Ansatzes des Autors ist sicherlich, dass er sich bei seinem Konsumverhalten nur auf das Vermeiden von Marken konzentriert und dabei nicht unbedingt auf Nachhaltigkeit etc. achtet – Biomarken sind bei ihm ebenfalls tabu. Dennoch führt sein neuer Lebensstil dazu, dass er sich gesünder ernährt, weniger Zeit für Kauf und Pflege irgendwelcher Dinge verschwendet und sein Denken von der Beschäftigung mit Coolness und Trendgerechtheit befreit. Der lockere, leicht zu lesende Stil und die von mir geschilderte zunehmende Dichte der Informationen machen das Buch somit zu einem echten Lesegenuss, machen Mut und regen den eigenen Geist an, über unser Verhältnis zum Warenfetisch und der verheerenden Wirkung von Werbung nachzudenken. Eine ganz klare Kaufempfehlung! (Interessante Frage: Ist eine Kaufempfehlung für ein Buch über Konsumkritik ein Widerspruch in sich? ;-)

>> Boormans Website Bonfire of the Brands, auf der er das Projekt dokumentiert

Neil Boorman „Good bye Logo. Wie ich lernte, ohne Marken zu leben“. Econ 2007, 304 S., 16,95 € – Neuauflage Januar 2009, Ullstein Taschenbuch, 8,95 €

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