Kategorie: Humor Seite 8 von 9

European Advertising Agency

Die Subversiv Messe, die vor zwei Wochen in Linz stattfand, hat so einige schöne Projekte gezeitigt, beispielsweise diesen seriös wirkenden, aber doch satirisch gemeinten „Informationsfilm“ European Advertising Agency, in dem es um die endlich stärkere Verbreitung von Werbung geht, der bisher viel zu enge Fesseln auferlegt sind, denn schließlich existieren skandalöser Weise immer noch Bereiche im Leben eines Menschen, die nicht komplett von Reklame und Kaufpropaganda ausgefüllt sind!

Im Zentrum des Projekts EUAA stehen inszenierte Vorgänge rund um eine fiktive Agentur der Europäischen Union, die sich um die Organisation und Durchführung einer europaweiten Werbeliberalisierung kümmert. Am stärksten polarisiert bei dieser Reform die “Aufwertung” der Euro-Banknoten zu Werbeflächen. Das Herzstück des Projekts ist das Promotion-Video der European Advertising Agency, eine fiktive, dystopische Belangsendung der Europäischen Union, in der diese werbepolitische Entwicklung vorgestellt und beworben wird. Das Promotion Video gibt vor, ein hochoffizieller und dementsprechend teurer Werbefilm der EU zu sein, und soll Europas Bürger auf die kommenden Umstellungen vorbereiten. Im Verlauf der halbstündigen Sendung werden die Interviews immer unkonventioneller, die Antworten immer gewagter. Die Sendung driftet langsam von einer seriösen, hochpolitischen Belangsendung in Richtung Polit- und Mediensatire ab, und endet in einem furiosen Finale. Ein Bruch, der sich schleichend und unmerklich auf inhaltlicher Ebene abspielt, und gegen Ende auch visuell erfahrbar wird (der Präsident der EUAA lässt sich vor laufenden Kameras das Logo eines Getränkeherstellers tätowieren), trennt den authentischen Anfangsteil der Sendung vom satirisch-zynischen Ende, und hinterlässt beim Zuseher einen fahlen Nachgeschmack. Die Arbeit sieht sich als Diskussionsansatz, soll stark polarisieren, selbst aber nur andeutungsweise Stellung beziehen. Hinterfragung der Grundsätze „Wirtschaftswachstum um jeden Preis“, Problematisierung der Pole Geld und Moral, die kritische Auseinandersetzung mit der Macht des Kapitals (welcher zuerst die EU erliegt, später auch noch der Präsident der EUAA) und Ironisierung werbewirtschaftlicher Tabubereiche sind die inhaltlichen Schwerpunkte.

The European Advertising Agency – Promotion Video from G2Film on Vimeo.

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Innenministerium lässt Satire-Website vom Netz nehmen

Tja, in einem so staatsgläubigen Land wie dem unsrigen darf man sich nicht wundern, dass der Staatsapparat seine Macht mit Klauen und Zähnen verteidigt und gar keinen Spaß versteht. So kam vorgestern die Meldung über den Ticker, dass das Bundesinnenministerium eine private satirische Website durch den Provider domainfactory vom Netz nehmen ließ, bei der es jemand gewagt hatte, eine Parodie auf die BMI-Site zu lancieren und sich dabei der „Corporate Identity“ der Regierung (Bundesadler etc.) zu bedienen:

Stein des Anstoßes war eine auf der Subdomain bmi.pifo.biz gehostete Website, die dem alten Internetauftritt des BMI nachempfunden war. Während die Website in Teilen offenbar eine genaue Kopie der offiziellen Schäuble-Homepage war, setzten sich andere Teile in deutlich satirischer Absicht mit Themen wie Internetsperren oder Überwachung auseinander.

(…) Das BMI, bei dem er nachgefragt hat, weiß nichts von einer Beschwerde, sagt er. Auf Nachfrage beim Hoster wird klar: Beschwert hatte sich das Bundesverwaltungsamt (BVA), das unter anderem über die Verwendung hoheitlicher Kennzeichen wacht. “Unter der o.g. Domain […] wird der Internetauftritt des Bundesministeriums des Innern nachgeahmt”, steht in dem Fax des Bundesverwaltungsamtes. “Wir bitten Sie als Provider, die genannte Domain umgehend zu sperren.”

(…) Dabei räumt das BVA ein, dass es sich um Satire handelt. Eine Abwägung, ob die Seite deshalb etwa von Kunst- oder Meinungsfreiheit gedeckt sei, habe stattgefunden. “Auch wenn die maßgeblichen Inhalte auf ‘bmi.pifo.biz’ als Satire zu bewerten sind”, heißt es in der Stellungnahme der Behörde, “führt es im konkreten Fall zu keiner anderen rechtlichen Bewertung.”

Ist das etwa schon ein Vorgeschmack auf die schöne neue Welt des Webs in Zeiten von Zensursulas Internetsperr-Gesetz? Um so mehr muss man solche Aktionen, wie sie die Yes Men! in den USA mehrere Male durchgeführt haben, beispielsweise, indem sie einen Fake der WTO-Site ins Netz stellten, bewundern (ihre Parodie auf BP mussten sie dann leider auch auf Betreiben des Unternehmens wieder vom Netz nehmen). Denn deren Wirksamkeit basiert ja gerade darauf, dass sie die „Oiginale“ täuschend echt nachmachen und somit für heilsame Verwirrung sorgen. Satire, über die in großen Balkenlettern „SATIRE“ steht, ist hingegen fast schon witzlos…

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Unfreiwillige Komik der Telekom

Zufällig stieß ich neulich im Netz auf diese Reklameeinblendung der Telekom, die vor dem Hintergrund der diversen Datenschutzskandale rund um dieses Unternehmen einer gewissen unfreiwilligen Komik nicht entbehrt, wie ich finde. :-)

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GAP – von Kindern, für Kinder

bild-71Es gibt ein sehr bissiges und seit Jahren erfolgreiches Satiremagazin in den USA – The Onion. In bemerkenswert professioneller Art und Weise, technisch und optisch perfekt dargeboten, werden hier Nachrichten und Dokumentationen „gefälscht“ bzw. persifliert und viele Themen aus der Tagesaktualität, aber auch grundsätzliche gesellschaftliche Entwicklungen & Probleme, sonderbare technische Erfindungen u.ä. angesprochen. Einige davon sind so bitter, dass einem das Schmunzeln auf den Lippen gefriert, und einige sind so absurd, dass sie einen für einen Moment innehalten lassen und einem bewusst wird, wie absurd auch die „normalen“ Nachrichten sind, die einem das Fernsehen jeden Tag so vorsetzt. So ist dann das Motto von The Onion auch „You seem to be informed“. Immerhin 3 Millionen Menschen verfolgen Woche für Woche diese „Nachrichten“ aus einer Parallelwelt, die der unseren irgendwie erschreckend ähnlich sieht.

Zwei Beiträge möchte ich Euch heute mal ans Herz legen – zum einen „New Gap Collection – for Kids by Kids“, das die Problematik von Kinderarbeit in asiatischen Sweatshops thematisiert. Gerade die bei westlichen Jugendlichen so angesagten Marken und Ladenketten wie Nike oder Gap sind dafür berüchtigt, dass ihre Klamotten unter unwürdigen Bedingungen hergestellt werden, während sich die Konzerne via Reklame ein schillerndes Lifestyle-Image zurechtzimmern. [via]

Harte Kost ist auch „Hollow Point Bullets recalled that fail to explode targets” – mit voller Ernsthaftigkeit wird hier darüber berichtet, dass versehentlich schadhaft ausgelieferte Munition die inneren Organe nicht so gut zerstöre, wie sie es laut Versprechen des Herstellers eigentlich müsste. Schwarzer Humor, der fast schon weh tut. :-) Zugleich beleuchtet dieser Film auch die Abgebrühtheit, mit der Nachrichtensender sonst oft Gewalttaten für ihre Quote ausschlachten, durchaus kritisch.

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Volksverblödung

Klare und deutliche Worte von Georg Schramm zur (Schief-)Lage der Nation… [via]

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Antipreneur-Shop – Das Warenweltende – Endlich wahrhaft Sinnvolles kaufen!

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Okay, okay, eigentlich ist mein Blog ja grundsätzlich werbefrei und konsumabhold eingestellt, aber heute lasse ich mich doch einmal hinreißen, nicht nur einen Surftipp loszuwerden, sondern alle Leser zum intensiven Kaufen & Verkonsumieren der im nigelnagelneuen Antipreneur-Shop angepriesenen Waren aufzufordern. Schließlich ist Einkaufen seit Neuestem auch von der Regierung verordnete patriotische Pflicht, um das Abschmieren der Wirtschaft ein wenig zu bremsen – wie wäre es denn, wenn man statt irgendeinen Schmarrn wie einem neuen Auto lieber etwas wirklich Sinnvolles und Originelles erwirbt? Im Antipreneur-Shop findet man beides in Hülle und Fülle, selbst wenn das Angebot in Zukunft gerne noch etwas üppiger ausfallen dürfte.

Zu den Highlights zählt für mich zum einen das Kriegs-Quartett (liegt hier schon vor mir auf dem Tisch und ist wirklich nett gestaltet), das ganz im Geiste der neuen Zeit (Stichwort: Abwrackprämie) das langweilige und angestaubte Auto- oder Fregattenquartett auf den Schulhöfen ablösen dürfe. Statt mit PS oder Hubraum sticht man hier den Mitspieler mit Gefallenen und Todesquotienten aus, und nebenbei lernt man auch nützliche Dinge, die man geschickt in den Smalltalk auf der nächsten Party einfließen lassen kann – wusstet Ihr beispielsweise, dass der Italienisch-Türkische Krieg 1911 1 Jahr lang dauerte und insgesamt 14.000 Opfer forderte? (Eher ein Loser-Krieg, wenn man ihn z.B. mit dem Koreakrieg und seinen stattlichen 1.892.000 Toten vergleicht.)

Mehr für den praktisch veranlagten Kunden dürfte die Shopping-Bag „Kaufkraft“ sein – sie wird in fünf edlen Designs angeboten und besticht durch ihr unbegrenztes Fassungsvermögen, das durch den konsequenten Verzicht auf einen den eigenen Kaufwahn unnötig behindernden Boden erreicht wird. Künstlerisch Interessierte werden ihren Spaß an den Waldbrandtapeten haben, die zukünftig sicherlich die öden, noch von Oma & Opa bekannten Foto-/Baumtapeten ablösen dürften. Andere tolle Gimmicks wie Badges ohne Anstecknadeln (die sog. Beta-Buttons) oder Anthrax-Formulare für das bürokratisch korrekte Planen von Anschlägen (per Schreibmaschine; Bio!) runden das Sortiment geschmackssicher ab.

Das innovative Angebot spiegelt sich auch in der nicht minder innovativen „Konzern“struktur, denn jeder, der interessiert ist, kann (eventuell) mitmachen und z.B. seine eigenen Slogans für die Antipreneur-Website einsenden. Tolle Sache! Frei nach dem bei Antipreneur zu lesenden Amazon-Motto: „Kunden, die diesen Artikel nicht gekauft haben, haben auch diesen Artikel nicht gekauft“, habe ich mich dann soeben auch ordentlich mit den feilgebotenen Waren eingedeckt und für die nächsten Jahre alle Nicht-Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke für die Verwandtschaft beisammen.

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society conspiracy – das Spiel

2904Schon im Sommer 2004, also vor mittlerweile annähernd 5 Jahren, hob Norbert Rost in seinem Feldpolitik-Blog das „Spiel“ society conspiracy aus der Taufe. Bei diesem „Spiel“ dreht sich alles darum, das alltägliche Streben nach einer besseren Welt, danach, andere Menschen davon zu animieren, etwas weniger ignorant durchs Leben zu gehen oder lästigen Konzernen oder Reklamekampagnen Einhalt zu gebieten, neu zu definieren, nämlich als Teil eines (lebenslangen) Spiels mit selbst verfassten Regeln und Zielen. Das Ganze ist etwas schwer zu beschreiben ist, deshalb empfehle ich einfach mal, sich den Originalartikel in Gänze durchzulesen, da ich ihn wirklich sehr anregend finde. Übrigens, auch dieser Beitrag von mir ist von nun an ein Teil des Spiels… :-)

Das Konzept. society conspiracy ist ein Erlebnis-Spiel. Es findet in derselben Gesellschaft statt, in der du dich sowieso aufhältst. Das Spiel erweitert dein Tun aber um eine Ebene – du ziehst nicht nur dein Leben durch, nein du spielst nebenbei auch society conspiracy. Als Mitspieler verbreitest du rote Pillen, redest zweideutige Dinge, konfrontierst, provozierst, protestierst. Natürlich heimlich und geheimnisvoll, lieber leise als laut. Und immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Humor ist eine Waffe. Verwirrung dein Ziel. Das Denken des Gegenübers zu provozieren, ihn mit roten Pillen aus der vorgegeben Bahn zu bringen kann erhellend sein. Und befreiend.

(…) Alleine spielt sichs immer einsam. Versuche herauszufinden, auf welchem Wege du Mitspieler findest, die nicht vom Spielmechanismus gesteuert werden oder wie es möglich ist, mechanische Spielfiguren zu coolen Mitspielern mutieren zu lassen. Zusammen werdet ihr wissen, wie es weitergeht.

Norberts Spiel ist übrigens eine gelungene Verdeutlichung, worum es beim so genannten „Meme Warfare“ geht, einer der Grundlagen, auf denen Culture Jamming und generelle Subversion beruhen. Dieses wichtige und erhellende Konzept werde ich demnächst in einem gesonderten Beitrag noch etwas ausführlicher erläutern.

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Faschistomat

Fernsehkritik.tv ist ein seit ca. zwei Jahren existierender, kostenloser Videopodcast des Hamburgers Holger Kreymeier, der einmal im Monat ausführlich das Fernsehprogramm und seine Auswüchse kritisch „würdigt“. Dabei werden nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Privatsender-Formate oder Call-In-Abzockshows einer genaueren Analyse unterzogen, sondern durchaus auch den öffentlich-rechtlichen Stationen ein Spiegel vorgehalten. Wem Kalkofe zu hyperaktiv ist, wird an diesem Podcast eher seine Freude haben. In der neuesten Folge gab es einen besonders guten Beitrag unter dem Titel „Faschistomat“, in welchem die abartige Boulevardsendung „Red!“ auf Pro 7 und das von diesem Format vermittelte kranke Frauenbild zerlegt wird. Über dieses Thema, also die verheerenden Auswirkungen solcher medial verbreiteter „Vorbilder“ (= zur alleinig gültigen Norm erklärten Schönheitsideale) werde ich in meiner Serie Werbung schadet noch genauer eingehen. Jetzt aber erst einmal viel Spaß mit dem Faschistomaten von Pro 7:


Faschistomat Red Fernsehkritik.tv

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Fröhliche Weihnacht und so

Auf Grund des bevorstehenden Heiligabends gibt es heute lediglich zwei eher heiter-besinnliche Beobachtungen am Rande. Zum einen dieses schöne Fundstück von Google Trends – amüsant zu sehen, wie gegenläufig sich die Suchbegriffe Kekse (blaue Kurve) und Abnehmen (rote Kurve) gerade zur Weihnachtszeit und in den Tagen danach entwickeln. Manchmal erzählt einem Statistik mehr über eine Gesellschaft als 1000 Worte:

kekse-vs-abnehmen

Und hier noch für alle Unentschlossenen das ultimative und absolut unverzichtbare Last minute-Weihnachtsgeschenk: der Mactini.

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Thanksgiving-Gebet

[gefunden via Apfelblick; Original The Joy of Tech]

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