Okt
18
2013

Primark – Mode zum Wegwerfen

Über das Discounter-Unwesen schreibe ich hier im Konsumpf ja praktisch schon von Anfang an. Zu verheerend sind die Auswirkungen von Aldi, Lidl, KiK & Co. auf Mensch und Umwelt (siehe z.B. HIER), und die Folgen des Billigwahns, der mittlerweile so selbstverständlich geworden ist, dass Konsumenten ihn kaum noch hinterfragen, bekommen vor allem die Menschen ab, die in ärmeren Ländern unseren Billigschund produzieren. Wer sich noch an die beiden Panorama-Dokumentationen über KiK erinnert, die deutlich zeigten, was es bedeutet, wenn ein Unternehmen an einem T-Shirt für zwei Euro fuffzich noch ordentlich Gewinn macht (siehe die YouTube-Videos HIER und HIER), der wird vermutlich auch nicht erstaunt sein, wenn er nun in der neuen Folge der ZDF Zoom-Reihe (die ich generell nur empfehlen kann!) sieht, was die englische Billigmodekette Primark so für Schäden anrichtet. Nicht zuletzt auch in den Köpfen der (meist jungen) KonsumentInnen – Kleidung, die man gar nicht mehr wäscht, sondern nach dem Tragen wegschmeißt… hallo, geht’s noch?! So langsam erreicht der Konsumismus wirklich schwer zu ertragende Dimensionen.

Wer immer der Illusion vom „kritischen“ oder „aufgeklärten“ Konsumenten anhängt, der sieht sich angesichts solcher Entwicklungen leider eines Schlechteren belehrt. Ich weiß gar nicht, was ich ekliger finden soll – die völlige Ignoranz der Konsumenten, die sich dann auf YouTube mit ihren Billigkäufen brüsten (hier sieht man, dass in unserem System die Formeln „Ich kaufe, also bin ich“ oder „Ich bin, was ich kaufe“ gelten) oder die Rücksichtslosigkeit des Konzerns, der auf dem Rücken der Arbeiter sein Zeug unter die Leute bringt und sinnlosen Konsum anfacht. Ehrlich gesagt ist es schwierig, hier einen Ansatzpunkt für Verbesserungen zu finden, da eben die grundsätzliche Entwicklung fatal ist und im Grunde ein Umdenken auf gesellschaftlicher Ebene bedeutet, beispielsweise, indem Konsum nicht mehr als „cool“ gilt…
Mode zum Wegwerfen“:

Schubsen, drängeln, kreischen – wo auch immer in Deutschland eine PRIMARK-Filiale eröffnet, herrscht Ausnahmezustand. Der irische Textil-Discounter erobert mit seiner Wegwerfmode die Fußgängerzonen. Bisher sind es in Deutschland zehn Filialen, acht weitere sind schon angekündigt. Immer Riesenverkaufsflächen, immer Toplagen. Ein Paradies für Teenager: hip wie H&M und billig wie KiK.

Ein T-Shirt für zwei Euro, eine Hose für elf Euro. Viele Fummel werden aufgrund ihres Spottpreises nicht einmal anprobiert, geschweige denn später gewaschen. Kaufen, anziehen, wegwerfen. Auf dem Internetportal Youtube tummeln sich begeisterte Teenies mit Videos über ihre Einkaufsbeutezüge, genannt „PRIMARK-Hauls“.ZDFzoom fragt: Wie kann PRIMARK so billig sein? Wenn ein T-Shirt nur zwei Euro kostet, dann muss irgendwo auf der Welt jemand den Preis dafür zahlen, sprich: für sehr wenig Geld sehr viel arbeiten. ZDFzoom macht sich auf die Suche: Laut Firmenangaben lässt PRIMARK unter anderem in Bangladesch produzieren, in rund 100 Fabriken. Als eine von vielen Textilketten ließ PRIMARK auch im Rana-Plaza-Gebäude in der Nähe der Hauptstadt Dhaka fertigen. Im April 2013 stürzte das Gebäude ein. Mehr als 1100 Menschen verloren ihr Leben, größtenteils Textilarbeiterinnen.

Ein penetranter Geruch

Immer wieder klagen Kunden über einen unangenehmen „giftigen“ Geruch in den PRIMARK-Geschäften. ZDFzoom forscht nach: Woher kommt der penetrante Geruch? Ist die Raumluft durch Schadstoffe aus den Textilien belastet?
In Internet-Foren finden sich immer wieder Berichte von PRIMARK-Kunden über Hautprobleme und allergische Reaktionen. Welche gesundheitlichen Risiken sind mit dem Tragen der Billigmode verbunden – zumal junge Leute vieles ungewaschen anziehen?
Anne Kauth und Ulli Rothaus gehen in der ZDFzoom Dokumentation „Mode zum Wegwerfen – Das Prinzip PRIMARK“ dem neuen Trend zur Wegwerfmode auf den Grund.


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7 Kommentare »

  • Olaf

    Ich habe es mittlerweile aufgegeben, die Leute auf Alternativen aufmerksam zu machen oder dazu zu bringen, ihren Lebensstil zu hinterfragen. Für den dicken Audi reicht es zwar immer, aber ein T-Shirt für mehr als 10€. No Way!

    Comment | 18. Oktober 2013
  • Der Horor

    Mal um die Verhältnisse zu verdeutlichen: Ich habe gerade eine Jacke und ein Poloshirt aus deutsche Produktion gekauft. Dafür habe ich 7 Monate gespart. Das waren 450€ für zwei Teile. Dafür bekommt man absolute Spitzenqualität in Funktion und Material (Loden Stoff und Merino Wolle). Auf den ersten Blick teuer, wenn man aber bedenkt das man das mindesten 10 Jahre tragen kann, spart man gewaltige Summen.

    Comment | 18. Oktober 2013
  • @ Olaf: Tja, da hast Du leider Recht – Leute, die im SUV zu Aldi fahren, um ein paar Cent bei der Milch zu fahren, sind ein unübersehbares Zeichen dafür, dass Ignoranz und Egoismus im Konsumbereich weit verbreitet sind.

    Comment | 18. Oktober 2013
  • Bettina

    Es ist ekelhaft, wenn man so etwas sieht. Eigentlich ekele ich mich vor diesen Leuten, die es kaufen und ihr Gehirn einfach nicht einschalten. Schuld sind auch die Eltern, die ihre Kinder nicht dementsprechend erziehen und nicht wissen, was Ethik bedeutet.

    Ich schaue mir genau an, was und von wem ich etwas kaufe. Lege auch mehr Geld dafür hin und kann es zum Glück jahrelang tragen. Es ist immer schön. Muss ich denn wie 08/15 herumlaufen?
    Die sehen ja alle fast gleich aus.

    Aber ich glaube, wir bisherigen Kritiker auf dieser Seite, gehören sowieso nicht zu dieser Sorte von Menschen.

    Comment | 22. Oktober 2013
  • georg

    Aber selbst wenn ich woanders ein Shirt kaufen möchte, kann ich mir sicher sein, dass es totzdem zu 90% in Bangladesch etc. produziert wurde – egal ob P&C oder H&M. Eine einheitliche Kennzeichnung aus okölogisch und ökonomisch nachhaltig Produktion- wie z.B. bei Bio würde es mir dennoch leichter machen auszuwählen.

    Comment | 25. Oktober 2013
  • Düdum Didai

    @Bettina: “Schuld sind auch die Eltern, die ihre Kinder nicht dementsprechend erziehen und nicht wissen, was Ethik bedeutet.” Wer Kinder hat, der weiß, dass man sie noch so “gut” erziehen kann und doch nicht verhindern wird, dass sich in der Entwicklungsphase zwischen 13 und 20 Jahren ein Schalter umlegt und das sogenannte Hirn – wenn überhaupt – nur noch im Sparmodus arbeitet und eigentlich nur noch die unmittelbaren Überlebensfunktionen abdeckt. Dieses entwicklungsphysiologisch bedingte “BRAINS-OFF!!” Syndrom wissen alle zu schätzen, die den Teenies in dieser Zeit alles mögliche aufschwätzen wollen. Das war vor 2000 Jahren nicht anders als es heute ist, und es wird auch so bleiben.

    Aber das Bewusstsein bei den über 20-Jährigen wächst, entsprechende Erziehung im Kindesalter – auch zur Empathie – vorausgesetzt. Nur wächst es halt sehr langsam, sodass es aussieht als seien alle Berichte, Ermahnungen, Schreckens-bilder… für die Katz. Gewisse Kreise haben bereits mit dem Umbau der Habengesellschaft in eine Seinsgesellschaft begonnen und die gänzlich unbelehrbaren Raffgeier wird die Verknappung von Resourcen in diese Richtung zwingen.

    Comment | 27. Oktober 2013
  • Hallo Georg.
    Ich finde deinen Satz “Aber selbst wenn ich woanders ein Shirt kaufen möchte, kann ich mir sicher sein, dass es totzdem zu 90% in Bangladesch etc. produziert wurde” für falsch formuliert. Es geht meiner Meinung nach nicht daraum, ob etwas in Bangladesch produziert wird oder nicht. Es geht um die Preise. Je niedriger diese sind, desto höher wird der Druck für den Produzenten. Und das ganze wirkt sich negativ auf Arbeitsbedingungen aus. Es geht nicht darum ob die Menschen für diese Produkte arbeiten oder nicht. Natürlich sollen sie das. Aber fair bezahlt.

    Comment | 7. August 2014

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