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Surftipp: Aktion ÜBERWACH! sowie Neues vom elektronischen Polizeistaat

aktion-uberwachDas ist doch mal eine hübsche Idee – als Reaktion und Gegenaktion zu den von politischer Seite immer weiter zunehmenden Überwachungsphantasien und -realitäten haben sich einige engagierte Menschen zusammen getan und die Aktion ÜBERWACH! ins Leben gegründet. Die ursprünglich aus Schweden stammende Idee ist dabei plausibel und einleuchtend und basiert auf dem Prinzip „Wie du mir, so ich dir“:

Die große Koalition aus CDU & SPD will Deutschland in Zeiten des internationalen Terrors zu einem sicheren Land für uns alle machen. Das klingt auf den ersten Blick gut, ist es aber auf den zweiten gar nicht

Denn das wenig mehr an Sicherheit sollen wir, die Bürger dieses Landes, teuer mit einem großen Verlust an persönlicher Freiheit bezahlen. De facto droht die Bundesrepublik Deutschland durch die geplanten Maßnahmen zu einem präventiven Überwachungsstaat umgebaut zu werden.

Die Aktion “ÜBERWACH!” will auf diese besorgniserregende Entwicklung aufmerksam machen, indem sie den Spieß umdreht und den Geruch der Überwachung den Bundes- und Landesministerien, sowie den Regierungs- und Oppositionsparteien selbst unter die Nase reibt.

(…) Es werden Zugriffe der Bundes- und Landesministerien, sowie von Regierungs- und Oppositionsparteien auf teilnehmende Blogs, Foren und Webauftritte überwacht. Dabei werden ausschließlich der Zeitpunkt des Zugriffs, die zugreifende Institution und die URL der besuchten Seite protokolliert und auf Vorrat gespeichert.

So kann man auf der ÜBERWACH!-Seite genau verfolgen, welche staatlichen Stellen, also Parteien oder Ministerien sich welche (kritischen) Blogs, die an der Aktion teilnehmen, wann angeschaut haben etc. – dies zu sehen ist schon durchaus erstaunlich. Ich werde mal sehen, den für diese Aktion nötigen Programmcode auch in meinen Blog einzubauen, denn jeder, der eine Website oder einen Blog betreibt, kann und soll mitmachen.

sneak_a_peekAch so, wer meint, bei uns sei es doch gar nicht so schlimm mit der Online-Überwachung, der schaue sich bitte mal diese Statistik an (via; und hier die ganze Studie als pdf) – Deutschland nimmt weltweit einen „guten“ 10. Platz ein, was elektronische Polizeistaatlichkeit angeht, dabei ist das neue Zensursula-Gesetz noch gar nicht berücksichtigt worden:

  1. China
  2. Nordkorea
  3. Weißrussland
  4. Russland
  5. Großbritannien
  6. USA
  7. Singapur
  8. Israel
  9. Frankreich
  10. Deutschland

Die Liste ist natürlich etwas verfälscht, da es sicher viele Entwicklungsländer gibt, in denen viel größere Repressionen stattfinden, die nur technisch nicht so weit entwickelt sind bzw. deren Bürger nicht flächendeckend Internetzugang haben, den man deshalb auch nicht so rigoros überwachen muss.

Spannend finde ich dazu auch die auf daten-speicherung.de zu findende Aufstellung all der Sicherheits- und Überwachungs-Gesetze, die seit 1956 in Deutschland bezüglich der Beschneidung der Persönlichkeitsrechte der Bürger erlassen wurden, und welche Parteien diesen zugestimmt haben. Neben dem üblichen Muster (Regierung stimmt zu, Opposition lehnt ab) gibt es immer wieder auch erstaunliche Abweichungen. In der Summe sind Die Linke (deren Mitglieder jedoch zum Teil bis 1989 in der DDR noch ganz andere Überwachungsmaßnahmen mitgetragen haben dürften) und die FDP (die in diesem Feld ihrem Namen „Freie Demokraten“ wenigstens mal gerecht wird) die Parteien, die sich am geringsten an solchen Gesetzen beteiligt haben. Seht Euch diese Auflistung mal an!

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Die Subversiv Messe in den Tagesthemen

Na sowas – da hat es die dieser Tage im österreichischen Linz stattfindende Subversiv Messe doch tatsächlich bis hinein in die absoluten Mainstreammedien geschafft – die staatstragenden Tagesthemen berichteten vorgestern immerhin volle 3 Minuten in Bild und Ton von dem Projekt. Die Moderatorin wirkt zwar eher amüsiert bzw. verwirrt, so als könne sie mit dem Thema Subversion eher wenig anfangen, aber ich finde es doch schön, dass solche Culture Jamming-Praktiken wenigstens zu nachtschlafender Stunde mal kurz im Fernsehen zu sehen sind. Sogar der Antipreneur-Shop findet lobende Erwähnung! Das wirkliche umstürzlerische Potential mancher Anbieter auf dieser Messe haben die Macher der Tagesthemen aber wohl nicht erkannt bzw. begriffen, denke ich mal, jedenfalls wirkt die Auswahl der vorgestellten Projekte etwas ratlos…

(Übrigens sorry, dass ich aktuell mal wieder eher weniger eigenen Inhalt liefere und auf viele „Fremdquellen“ zurückgreife, aber momentan bin ich zeitlich ziemlich in Bedrängnis, so dass keine rechte Muße für ausufernde Eigentexte bleibt. Das ändert sich aber auch wieder, versprochen!)

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Wow!

Unglaublich – die E-Petition gegen die geplante Internetzensur (also von der Leyens Gesetz im Namen des „Kampfes gegen die Kinderpornographie“) scheint ein riesiger Erfolg zu werden. Jedenfalls steigt die Zahl der Unterzeichner weiter rasant an. Als ich die Aktion am Mittwoch Nachmittag zum ersten Mal in meinem Blog erwähnte, standen wir bei gut 35.000, heute sind es schon über 67.000, somit ist das Quorum von 50.000 erreicht und die Petition wird dem Petitionsausschuss vorgelegt. Aber je mehr Menschen unterzeichnen, desto größer natürlich das (Medien-)Echo – deshalb: weitersagen und fleißig online unterzeichnen! Der Irgendwas ist ja immer-Blog fasst in „Noch mal in Ruhe, für alle Politiker“ die ernüchternd ignoranten Reaktionen aus der Politik auf die Petition zusammen und erklärt noch einmal, warum das Gesetz völlig unwirksam ist, was sein eigentliches Ziel, also den Kampf gegen die Kinderpornographie, angeht und statt dessen aber eine Bedrohung der Freiheit aller Bürger darstellt.

Nachtrag: Lesenswert dazu ist auch der Leitartikel der Frankfurter RundschauZensur hilft keinem Kind“ – endlich findet das Thema auch kritisch in den Mainstreammedien statt.

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S wie… Subversion

bild-72Darf man über etwas so Konkretes, so Handlungsbezogenes wie Subversion wissenschaftlich nachdenken und referieren? Man darf! Und man kann – das zeigt das Magazin Malmoe, eine sowohl als Printausgabe wie auch im Netz veröffentlichte Zeitschrift, die sich mit dem Spannungsfeld von Kultur, Konsum, Internet und Gesellschaft befasst. In ihrer letzten Ausgabe, Heft Nr. 45, geht es nun also um Subversion, und es werden einige spannende Fragen gestellt (und beantwortet?).

Ist Subversion eine Strategie, eine Kunst des Handelns, die hegemoniale Machtpraktiken unterwandert? Oder ist sie eine Projektionsfläche, auf der sich Widerstand konsumieren lässt? Wann transformiert sich Subversion, wann wirkt sie schon als Begriff? Und: Ist Alltag Subversion oder Subversion alltäglich?

Das Inhaltsverzeichnis klingt schon mal durchaus vielversprechend (wenn auch teilweise vielleicht etwas abgehoben); vier der fünf Artikel sind übrigens komplett online nachlesbar. So lob ich’s mir, so publiziert man heute!

EDIT: Na sowas, nun sind es tatsächlich nur noch zwei Artikel, die online stehen. Was soll das…??

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Widerstand gegen die Internetzensur – Online-Petition unterzeichnen

bild-5Es ist an der Zeit, dass sich die Bürger gegen die unsinnigen, vermeintlich im Namen der Kinderpornographie geführten Internetsperren (die letztlich auf eine Zensur generell missliebiger Seiten hinauszulaufen drohen) zur Wehr setzen. Auf der Seite des Bundestages könnt Ihr jetzt eine Online-Petition unterzeichnen – zwar muss man sich dafür anmelden/registrieren, aber das sollte ja wohl keine allzu hohe Hürde für ein freies Internet sein.

Text der Petition
Wir fordern, daß der Deutsche  Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des  Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu  lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien  Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung  des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Begründung
Das vornehmliche Ziel – Kinder  zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen  Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen  mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.

Hier geht’s zur entsprechenden Seite. Bereits am ersten Tag haben 10.000 Menschen dort mitgezeichnet, was eine rekordverdächtig hohe Anzahl für eine E-Petition ist; zwei Tage später sind es bereits über 32.000 35.000 Unterzeichner. Also alle mitmachen, um den Wahnsinn zu stoppen! Und wer das nicht online machen mag – hier gibt es auch eine Offline-Version als pdf, zum Ausdrucken, Unterschreiben und wegschicken oder -faxen.

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Wir zahlen nicht für Eure Krise!

Auf folgende Veranstaltung möchte ich doch gerne alle hinweisen – denn diese „Finanzkrise“, in der Milliarden und in den USA mittlerweile Billionen (trillions!) von Euro und Dollar von staatlichen und damit Steuergeldern zur Rettung eines kranken und abgewirtschafteten Systems verwendet werden, sollte nicht auf unserem Rücken ausgetragen werden (auch wenn alles danach ausschaut, als wenn Politik & Finanzwirtschaft genau darauf hinsteuern). Das Motto ist also, sich nicht alles gefallen zu lassen und auch zu zeigen, dass man den oft hohlen Phrasen der Politiker nicht glaubt und sich andere Lösungen vorstellt. Deshalb:

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Bundesweites Bündnis ruft zu Demonstrationen gegen Krisenpolitik der Regierung auf
Pressemitteilung des bundesweiten Bündnisses “Wir zahlen nicht für eure Krise”

Ein breites Bündnis aus Gewerkschaftsgliederungen, Erwerbslosen- und Sozialprotestorganisationen, dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac, entwicklungspolitischen und antikapitalistische Gruppen mobilisiert unter dem Motto “Wir zahlen nicht für eure Krise! – Für eine solidarische Gesellschaft” für den 28. März zu Demonstrationen in Berlin und Frankfurt am Main gegen die Krisenpolitik der Bundesregierung. Die Proteste finden im unmittelbaren Vorfeld des so genannten Weltfinanzgipfels der G20 am 2. April in London statt. Die Veranstalter erwarten mehrere zehntausend Menschen.

“Die Krisenpolitik der Bundesregierung ist dilettantisch und unsozial zugleich. Weiterhin unterschätzt die Regierung völlig die Dramatik der Lage”, kritisiert Bernd Riexinger, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Stuttgart. “Bereits während der vergangenen Boomphase hat ein großer Teil der Beschäftigten Lohneinbußen hinnehmen müssen, und Leiharbeit verdrängte stabile Beschäftigungsverhältnisse. Mit dem Ausbruch der Krise geht es nun Hunderttausenden an den Kragen. Deshalb fordern wir einen Schutzschirm für Beschäftigte”.

Hüseyin Aydin von der Föderation demokratischer Arbeitervereine – DIDF ergänzt: “Insbesondere Migrantinnen und Migranten leiden unter prekären Arbeitsbedingungen. Zusätzlich stehen sie im Fall von Krisen als erste auf der Abschussliste. Die Krise zeigt verschärft, dass wir einen Richtungswechsel bei den sozialen Sicherungssystemen brauchen. Hartz IV muss weg.”

Die bisherige Krisenpolitik der Bundesregierung bewertet das Bündnis aus sozialer Perspektive als katastrophal. “Eine Antwort auf die Krise des neoliberalen Kapitalismus kann nicht die Verstaatlichung der Verluste sein. Sie muss auf Zurückdrängung von sozialer Ungleichheit weltweit und die Demokratisierung der Wirtschaft durch Vergesellschaftung setzen”, erklärt Christina Kaindl von der Gruppe Soziale Kämpfe. “Gegen Krise, Standortkonkurrenz und Profitlogik treten wir ein für eine Zukunft ohne Armut und Ausbeutung. Der Kapitalismus bietet für die Menschen keine Zukunft. Wir brauchen Alternativen zum Kapitalismus.”

Parallel zu den Demonstrationen in Deutschland erwartet der britische Gewerkschaftsdachverband TUC zu seinen Protesten gegen die G20 in London 100.000 Menschen. Auch die Teilnehmer des Weltsozialforums Ende Januar im brasilianischen Belém haben zu globalen Aktionen aufgerufen.

“Diese Krise erfordert einen Paradigmenwechsel in der Regulierung der Weltwirtschaft. Das heißt ein Schrumpfen der Finanzmärkte durch internationale Steuern, Kapitalverkehrskontrollen und das Verbot von Derivaten”, sagt Alexis Passadakis vom Koordinierungskreis von Attac. “Die Liberalisierung der Finanzmärkte, aber auch von Handel muss gestoppt werden, damit der Süden nicht die Zeche zahlt. Erforderlich ist eine Umverteilung von Nord nach Süd. Die bisherigen Ankündigungen der G20 laufen auf ein business as usual hinaus. Es ist Zeit, dass Druck von der Straße das Blatt wendet.”

Die Berliner Demonstration startet um 12 Uhr am Roten Rathaus. Die Frankfurter Protestzüge beginnen ebenfalls um 12 Uhr am Hauptbahnhof und der Bockenheimer Warte. Die Abschlusskundgebungen in Berlin am Gendarmenmarkt und in Frankfurt auf dem Römerberg sind für 15 Uhr geplant.

Kontakt: kapitalismuskrise.org

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Werbung schadet (4): Die Verschandelung des öffentlichen Raums und die Durchkommerzialisierung des Alltags

In meiner kleinen Aufklärungsserie „Werbung schadet“ möchte ich heute auf zwei eng miteinander verwobene Sachverhalte eingehen, die zu den vielen negativen Seiten der Reklame(industrie) zählen. Zunächst wäre da die Verschandelung des öffentlichen Raums, über die ich in meinem Blog ja schon des öfteren referiert habe (siehe den Artikel „Du kannst uns nicht entkommen” aus der ZEIT oder meinen Beitrag „Ban Billboard Blight – Kampf den Werbeplakaten” über den wachsenden Widerstand an der Zuplakatierung der Städte) – immer mehr ehemals freie Flächen dienen der Produktanpreisung und Präsentation einzelner Konzerne und lassen ihre unermüdlichen Konsumbotschaften pausenlos auf die Menschen einströmen. So manch einer merkt es vermutlich kaum noch bewusst, wenn er durch eine mit Schildern, Logos und Reklame zugepflasterte Innenstadt geht, und auch in den Geschäften (z.B. Supermärkten) wird ja meist weiter um die Aufmerksamkeit mit bunten Aufstellern und von den Marketingheinis ersonnenen Dumpfsprüchen gebuhlt. So wird die kommerzielle Propaganda der Firmen zu einem stetigen Hintergrundrauschen unseres Lebens – kunstvoll (und bedrückend) visualisiert durch den Kurzfilm „Kapitaal – Walking through a branded city“:

In „Die Allgegenwart der Werbung“ hat sich der Unser täglich Spam-Blog mal die Mühe gemacht und eine erschreckend lange (sicherlich immer noch unvollständige) Liste der Orte gemacht, an denen uns die Reklame im Alltag inzwischen überall begegnet (Ihr könnt sie dort im Beitrag selbst nachlesen) – spätestens dann wird das Ausmaß des Reklameproblems deutlich: man kann ihr an kaum einem Ort noch entkommen.

Der Aufwand, mit dem zurzeit Werbung betrieben wird, ist monströs. Er muss es auch sein, da mithilfe der Werbung eine große psychische Kraft im Individuum unten gehalten werden muss. Die meisten Menschen, die ehrlich zu sich selbst sind, werden unter „Selbstverwirklichung“ etwas deutlich anderes verstehen als die Reduktion des eigenen Selbstes auf das Dasein eines Konsumtrottels. Der Zweck der Werbung ist die Unterdrückung der Lust an der und am Ausleben der eigenen Persönlichkeit, das Ziel der Werbung ist kaufender Konformismus durch genormte, in gut behandelbare Zielgruppen passende Kunden. Jeder industriell produzierte Tinnef wird mit Hilfe der Werbung mit einer psychischen Kraft aufgeladen, die aus sehr persönlichen und gut unterdrückten Quellen stammt und über dieses Vehikel an den Kauftrottel gebracht — als Surrogat für ein wirkliches Leben.

bild-1Und die Kommerzialisierung schreitet schier unaufhaltsam voran – früher spielten Bands noch in der Ostsehalle Kiel, jetzt in der Sparkassen-Arena. „Meine“ Arminia aus Bielefeld kämpfte ehedem auf der Alm gegen den Abstieg, jetzt in der profanen SchücoArena. Der Sprusko-Blog (mit seinem die Kommerzmalaise gut zusammenfassenden Motto „Schund produzieren, um Schund zu konsumieren“) erstellte vor einiger Zeit seine „Top Ten der besonders bescheuerten (um)benannten Veranstaltungsorte“, und ließ darin keinen Zweifel, was er von dieser neuen Unsitte hält: nämlich nichts. Denn nicht nur vergewaltigen Namen wie die Lanxess Arena (früher KölnArena) oder easyCredit-Stadion das Sprachgefühl der Menschen und degradieren sie beim Sprechen über diese Hallen und Stadien zu unfreiwilligen Markenverbreitern, sondern selbstverständlich gelingt es den Konzernen so, ihren Namen auch in eigentlich sachlichen Berichterstattungen prominent zu platzieren, ohne dass man es offiziell als Schleichwerbung deklarieren würde. Dennoch führt dies dazu, dass Marken und Unternehmen allgegenwärtig sind und bleiben – die Akademie für Publizistik untersuchte in ihrem Ethikrat diese Problematik unter der Fragestellung „Zwingen Namen wie AWD-Dome zur Schleichwerbung?“ genau diese Problematik.

(…) ist es ein Ärgernis, dass Markenunternehmen es durch Namenskauf und Sponsoring schaffen, den Kernbereich journalistischer Berichterstattung zu infiltrieren: die Nachrichten. Wo die Sprache nüchtern und der Ton überwiegend sachlich sein muss, ist die Sensibilität für PR-Botschaften immer noch hoch. Ein Markenname, der ohne aktuellen Informationszusammenhang in den Nachrichten genannt würde – das ist sogar für ungeübte Leser und Hörer als Missgriff erkennbar, von Profis ganz zu schweigen.

Womit wir bei einem weiteren wichtigen Negativeffekt von Reklame angelangt wären, nämlich der gnadenlosen, keine Grenzen kennenden Durchkommerzialisierung des Daseins. Manchmal kommt sie so offen und aggressiv daher wie bei Werbepaketen, die unsere Blicke beim Bummel durch die Stadt beleidigen, oder bei TV-Spots, die die Spannungskurve eines Films zerstören, manchmal etwas weniger deutlich wie bei der eben angesprochenen Art und Weise, Sportveranstaltungen, Mannschaften (siehe das Team Telekom beim Fahrradsport) oder eben gleich Stadien oder gar komplette Fußballligen (Coca Cola Championship in England – irgendwann wird die 1. Fußballbundesliga hierzulande sicherlich Deutsche Bank- oder Telekom-Liga heißen) zu sponsern und damit in die Marketingstrategie eines Konzerns einzugliedern. Und diese Sponsorverträge gehen in aller Regel ja nicht nur damit einher, dass der Name des „Gönners“ überall groß erscheinen muss, nein, oft wird mit diesem Sponsoring dann auch in den Reklamekampagnen der Firmen groß geworben, um das eigene Image aufzupeppen, so dass die Verquickung der verschiedenen Ebenen (z.B. Sport oder Prominenz) mit Produkten und Unternehmen fast schon normal und selbstverständlich erscheint.

werbtr-klFolglich sickert die Logik der kommerziellen Verwertung von allen Aspekten des Lebens auch zunehmend in das normale Leben der Menschen – es wird von vielen schon als völlig natürlich, als Naturgesetz empfunden, private Nutzenmaximierung (koste es die anderen, was es wolle) und Profitorientierung als Lebenssinn zu betrachten (man höre sich nur die Floskeln so mancher neoliberaler Politiker an). Wer beispielsweise solche Sendungen wie Germany’s Next Top Model mitfiebernd verfolgt, setzt sich nicht nicht nur einem kranken, dümmlichen Frauen- und Menschenbild aus (auf diesen Punkt wird noch in einem gesonderten Beitrag einzugehen sein), sondern findet es offensichtlich auch vollkommen akzeptabel und  sogar unterhaltsam, dass sich dort junge Menschen (Models) einzig mit dem Ziel, auf ihre zukünftige kommerzielle Verwertbarkeit als Werbesubjekt hin durchleuchtet und optimiert zu werden, in die große Konsummaschine einspannen lassen.

Gerade das Kommerzfernsehen hat natürlich viel dazu beigetragen, Kommerz und Konsum zum alltäglichen Gegenstand ihrer Ausstrahlungen und damit dem Inhalt von dem, was viele Leute heute unter „Unterhaltung“ verstehen, zu machen und dabei „Content“ und Reklame/Kaufaufforderung untrennbar zu vermischen – was sicherlich auch die Absicht dieser Form des Fernsehens sein dürfte, denn so findet eine noch bessere Zielgruppenansprache und effektivere Verkaufsförderung statt.

Ich zitiere zum Abschluss noch einmal den Unser täglich Spam-Blog:

Dem traurigen gesellschaftlichen Zerfall unter dem Diktat der totalen Verwirtschaftung ging ein ebenso trauriger persönlicher Zerfall der meisten Menschen voraus, der ebenfalls unter dem Banner der totalen Verwirtschaftung vonstatten ging. Kaum etwas könnte den deprimierenden, gegenwärtig über die Gesellschaften ablaufenden Prozess besser illustrieren als die Allgegenwart der Reklame.

>> Teil 1: Die Versaubeutelung der Sprache
>> Teil 2: Die untrennbare Vermischung von Reklame und Redaktionellem
>> Teil 2b: Medienmanipulation durch Werbeentzug
>> Teil 3: Ressourcenverschwendung

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Die Menschen & die sie umgebenden Missstände

991932_leadership_1Vor einer Weile stieß ich im Finanzcrash-Forum auf einen interessanten Beitrag eines Users namens Otto Lidenbrock – er beschreibt sehr gut die Problematik, der man sich als jemand, der seine Stimme gegen den Mainstream und gegen Missstände erhebt, quasi dauernd im täglichen Miteinander ausgesetzt sieht. Dass man nämlich bei so manchem Zeitgenossen auf frustrierende Abwehrmechanismen stößt, auch auf eine gewisse Art von Ignoranz, die sicher auch in einer Angst vor jeglicher Veränderung begründet ist – am besten alles so lassen, egal wie bedrückend die aktuelle Situation auch sein mag. Ich finde das Motto „Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber es muss anders werden, um besser zu werden“ eigentlich hilfreicher. ;-) Hier also der komplette Beitrag:

Seit Jahren versuche auch ich vergeblich, die Menschen in meiner Umgebung auf die zahlreichen Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Nicht mit langwierigen und theoretischen Erklärungen und Referaten, sondern ganz praktisch, indem ich Probleme ganz klar benenne und versuche, im Rahmen eines Gesprächs Ursachen zu finden und Lösungsansätze aufzuzeigen. Niemals belehrend oder von oben herab, sondern freundschaftlich und hilfsbereit.

Das Ergebnis ist leider so gut wie immer (in 99 Prozent aller Fälle), dass meine Gesprächspartner entweder an der Gesellschaft im Allgemeinen überhaupt nicht interessiert sind (das sind deutlich mehr als die Hälfte) oder sich auf den Standpunkt stellen, was kann ich allein schon machen?

Wenn man den resignierten Was-kann-ich-schon-machen-Typen dann aufzuzeigen versucht, dass sie schon durch kleine Veränderungen ihrer Gewohnheiten viel bewirken könnten, stellt man fest, dass sie in Wirklichkeit gar nichts ändern wollen. Sie werden in ihrem Verhalten vor allem durch Trägheit, Denkfaulheit und vor allem von der Furcht vor Veränderungen geleitet. Sie regen sich zum Beispiel nach einem Bericht im Fernsehen darüber auf, wie grausam Massentierhaltung, Tiertransporte und Schlachthöfe seien, wollen aber partout nicht auf den täglichen Aufschnitt, die Currywurst und das Putenschnitzel verzichten. Versucht man diesen Menschen dann deutlich zu machen, dass schon eine kleine Reduzierung des Fleischkonsums aller zu einer Verbesserung der Situation der Schlachttiere führen würde, benehmen sie sich wie Kinder, denen man den Lolly wegnehmen will. Der mitleidlose Egoismus setzt sich durch und sie schalten auf stur.

Die meisten Menschen sind meiner Erfahrung nach jedoch an der Gesellschaft im Ganzen im Grunde überhaupt nicht interessiert. Sie sind, euphemistisch gesprochen, intellektuell ganz einfach nicht in der Lage zu erkennen, dass auch sie auf die Gesellschaft in der sie leben angewiesen sind, und dass Missstände in dieser Gesellschaft über kurz oder lang auch sie selbst betreffen werden. Der Horizont dieser Menschen reicht nicht aus, um weiter als bis zum nächsten Urlaub zu blicken. Sie haben sich in ihrem Sklavendasein eingerichtet und bauen die uns in kleinen Dosen verabreichten Schweinereien ganz einfach in ihr tägliches Dasein ein. Es wird zwar hier und da gemurrt, aber eben auch ganz schnell vergessen – wenn der Wolf ein Schaf gerissen hat, schaut die Herde kurz auf und grast dann gemütlich weiter.

Ich habe jahrelang darüber gegrübelt, wie menschenverachtende Unrechtssysteme eigentlich so gut funktionieren können, wie es möglich war, dass im Dritten Reich Millionen Menschen umgebracht oder in den Tod getrieben wurden und alle dabei mehr oder weniger schulterzuckend zugesehen haben. Ich habe mich gefragt, warum die Verwaltung solcher Systeme so reibungslos funktioniert, warum die Menschen trotz des himmelschreienden Unrechts das um sie herum geschieht, bis auf ganz wenige Ausnahmen hundertprozentig ihre Arbeit machen.

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass drei bestimmte negative Eigenschaften dafür verantwortlich zu machen sind, die praktisch jeder Mensch von Geburt an in sich trägt und die sich aufgrund der unterschiedlichen Sozialisation bei jedem Einzelnen verschieden stark äußern:

1.) Egoismus (wahrscheinlich biologisch bedingt, eine Art Überlebenstrieb)

2.) Opportunismus (Max Frisch schrieb einmal: „Opportunismus ist ein spontanes Verhältnis zur Realität.“)

3.) Trägheit (Veränderungen sind dem Menschen unheimlich, das kann man besonders gut bei Kindern beobachten)

Das Zusammenspiel dieser Eigenschaften, gepaart mit einer gehörigen Portion Rücksichtslosigkeit und Dummheit führen dazu, dass kaum ein Mensch in der Lage ist, zu erkennen, dass Altruismus auch ihm persönlich Vorteile bietet und damit seinen Egoismus befriedigt, dass eine Auflehnung gegen die herrschende Ordnung langfristig durchaus zu einer Verbesserung der persönlichen Situation führen kann, und dass Aktivität dazu führen kann, sich besser und wertvoller zu fühlen.

Leider scheint die Fähigkeit, nachzudenken, bei den meisten Menschen schon in sehr frühen Stadien ihrer Entwicklung verlorenzugehen. Dies liegt meiner Meinung nach eindeutig daran, dass es die Herrschenden geschafft haben, die Menschen weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht zu haben. Alle Bereiche menschlichen Lebens werden mittlerweile von irgendwelchen Organisationsstrukturen der sogenannten “Eliten” überwacht und manipuliert, die Medien pflanzen die entsprechenden Botschaften in die Gehirne und unsere Sprache gleicht immer mehr dem Orwell’schen Neusprech. Die Menschen plappern die täglich wiederholten Parolen bereitwillig nach und sind mittlerweile nicht mehr in der Lage, ihre persönliche Situation realistisch einzuschätzen. Darauf angesprochen fühlt sich ihr Unterbewusstsein ertappt und sie reagieren mit Aggressivität und Ausgrenzung.

Ich persönlich habe mit dieser Situation Frieden geschlossen. Ich weiß, dass ich meine Mitmenschen nicht zum Nachdenken bewegen kann, und schon gar nicht zu einer Veränderung ihres (Fehl-)verhaltens. Was ich persönlich tun kann, was tatsächlich in meiner Macht steht, das versuche ich umzusetzen. Ansonsten beschränke ich meine Rolle in unserer Gesellschaft auf die des Beobachters und manchmal auch auf die des Kritikers. Meine Nerven danken es mir!

adbusters-norwegen-culture-jamManche dieser Beobachtungen finde ich wirklich gut getroffen und ich kann sie nur bestätigen, allerdings sähe mein Fazit nicht so negativ-resigniert aus, da es mir in der Vergangenheit durchaus des öfteren gelungen ist, Menschen in meinem Umfeld auf Missstände aufmerksam zu machen und auch zu Änderungen anzustiften. Wie ich schon einmal z.B. bezüglich de „Spiels“ society conspiracy erwähnte, kommt es darauf an, sich zu wehren und immer wieder unverzagt andere, neue, „subversive“ Gedanken in seine Umgebung einfließen zu lassen. Natürlich schwenkt nicht sofort jeder ein und wacht auf, aber oft ist es ja schon ein Erfolg, wenn es einem gelingt, erste Zweifel an einem eigentlich für unveränderlich geltenden Zustand oder einem Image (z.B. einer Firma) zu wecken und bei dem einen oder anderen einen allmählichen Nachdenkprozess anzuregen. Manchmal sind es schon die kleinen Erfolge, die einen dann motivieren – wenn man es schafft, dass jemand ein paar Mal weniger zu McDoof oder Aldi geht, weil man sein schlechtes Gewissen geweckt hat. Wenn jemand nicht mehr einfach blind alles glaubt, was im Fernsehen oder der Zeitung steht. Wenn jemand unbequeme Fragen zu stellen beginnt. Usw. usf. Deshalb darf man sich auf keinen Fall entmutigen lassen, auch nicht von denjenige, die meinen, alles besser zu wissen und die uns IHRE destruktiven Meme („Widerstand ist zwecklos“, „Bringt ja doch alles nichts“, „Was kann ich schon ausrichten?“, „Es gibt keine Alternativen“ usw.) einflüstern wollen. Nö!

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Surftipp: Ban Billboard Blight – Kampf den Werbeplakaten

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Für mich, der im doch eher beschaulichen und von Großreklameleinwänden weitgehend verschonten Kiel wohnt, ist es immer wieder faszinierend und erschreckend zugleich, zu lesen, wie die Situation insbesondere in Nordamerika aussieht – schließlich schwappen US-amerikanische Trends in der Regel nach einigen Jahren ja auch zu uns herüber. Marktschreierisch und aufdringlich, so kleistern manche Firmen die Städte und sogar Landschaften mit ihren grellbunten und verdummenden Parolen zu, die nichts anderes zum Ziel haben, als den Betrachter zum Kauf eines in der Regel überflüssigen Produkts zu animieren.

Auf die Zumüllung des öffentlichen Raums durch Reklame werde ich in meiner Reihe „Werbung schadet“ noch einmal ausführlicher eingehen – für heute möchte ich Euch zunächst eine interessante amerikanische Website empfehlen, die sich genau mit dieser Problematik auseinandersetzt: Ban Billboard Blight (in etwa mit „Verbannen der Verschandelung durch Werbeschilder“ zu übersetzen), eine Initiative, die sich ein löbliches Ziel gesetzt hat:„Defending our public spaces. Protecting our visual landscape.“ So versuchen die Initiatoren beispielsweise ganz bodenständig, die Betreiber der Werbetafeln dazu zu bringen, diese zumindest in Schuss zu halten, damit einem solch ein Anblick wie bei obigem Bild erspart bleibt. Vor allem aber setzt sich die Initiative dafür ein, die Übermacht des „visuellen Kidnappings“ (der städtischen Flächen) einzudämmen und auch die besonders aufdringlichen und gigantischen Reklamewände zu verhindern – wie im Falle der Firma World Wide Rush, die in Los Angeles Monsterplakate von knapp 1.400 Quadratmetern Größe aufzustellen gedenkt. Für ihre Ziele setzt die Non-Profit-Organisation Ban Billboard Blight durchaus auch juristische Mittel ein, um wenigstens die illegal oder halblegal in die Gegend gepflanzten Werbebanner, die zum Teil auch Risiken für den Brandschutz darstellen, zu verscheuchen. Angesichts der Reklamezustände in den USA erscheint dies wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel, aber es ist natürlich trotzdem sehr positiv, dass sich einige Bürger zu wehren beginnen und nicht einfach alles so hinnehmen, was ihnen die Konzerne so vor die Nase setzen.

In Zürich existiert mit der IG Plakat | Raum | Gesellschaft bereits eine vergleichbare Initiative, und das ORF berichtete 2008 über den „Kampf gegen Werbetafeln an Freilandstraßen“; in einer Onlineumfrage waren sich dort fast 2/3 aller User einig, dass diese Plakate „furchtbar hässlich“ seien und „die Landschaft verschandeln“. Bereits 2002 fand einBerliner Aktionstag gegen Werbung statt, während dem hunderte von Aktivisten in der Stadt Reklametafeln besprühten, umgestalteten oder einfach nur abmontierten; Vorbild waren hier vermutlich die französischenCasseurs de Pub, eine seit 1999 aktive Widerstandsgruppe gegen den Reklameterror. Vielleicht sind die Tage der geduldeten Omnipräsenz von Werbung ja gezählt, wenngleich man schon den Eindruck haben muss, dass es den Werbetreibenden völlig egal ist, wie sehr sie den anderen Menschen auf den Geist gehen, Hauptsache ihre Ergüsse fallen im schrillen Konsumchor irgendwie auf.

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McDonald’s säuft ab…

… zumindest wünscht man sich doch zuweilen, dass die Burgerbratklitschen alle mal von der einen oder anderen Springflut hinweggeschwemmt werden würden. Ähnliche geheime Gelüste trieben möglicherweise auch die dänische Künstlergruppe Superflex um – wie sonst kommt man auf die Idee, ein McDoof-„Restaurant“ im Miniaturmaßstab realitätsnah nachzubauen, anschließend zu fluten und all das als kleinen Film ins Netz zu stellen und in der South London Gallery vorzuführen? Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen und erfreut vielleicht auch den einen oder anderen Leser hier. ;-)

[via culture jamming (ein sehr empfehlenswerter Blog – „Sand im Getriebe der Gedankenmaschine“)]

Flooded McDonald’s from Superflex on Vimeo.

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