Aug
05
2010
1

Die wahren Fashion Victims

„Fashion victim“, so nennt man in unseren wohlgenährten Gegenden Menschen, die sklavisch jeden Trend mitmachen und immer nach der aktuellsten Mode gekleidet sind, egal, ob diese zu ihnen passt oder nicht. Solche Modeopfer sind also abhängig von dem, was einem Designer und Label so alles vorsetzen – ein wahres Luxusproblem.

Die tatsächlichen Opfer der Modeindustrie sind natürlich andere – nämlich diejenigen, die in den Billiglohnländern unter teils menschenunwürdigen Bedingungen für möglichst geringe Kosten (zur Wahrung der erklecklichen Gewinnspanne der Modekonzerne) all das zusammen nähen, was wir am Leibe tragen und oft nach kurzer Zeit, nach dem Ende einer Modeperiode, wieder entsorgen. Die schweizerische Erklärung von Bern, die sich schon lange gegen die Ausbeutung in den Entwicklungsländern engagiert, hat nun ein neues Projekt gestartet – „10 Rappen für ein würdiges Leben“. Sie soll die Modefirmen, von denen die allermeisten sich nicht um existenzsichernde Löhne kümmern, dafür aber um ein schillerndes Image und hohle Reklamespots, zum Umdenken animieren. 10 Wochen lang wird jede wird ein anderer Teil der Konzerne aufs Korn genommen – in der ersten Woche sind es Dessous- und Bademodenproduzenten wie Calida oder Triumph. Wer also diesen Unternehmen Druck machen will, geht am besten auf die Kampagnenwebsite www.zehnrappen.ch und unterschreibt dort (online) seinen Protest. (10 Rappen entsprechen übrigens gerade einmal 7–8 Eurocent!)

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Apr
11
2010
8

Lidl mal wieder: Discounter täuscht Verbraucher – Menschenrechtler verklagen Lidl

liddl-lohnt-sichDas Thema Discounter wird wohl ein heißes bleiben, solange es diese Form des ausbeuterischen und zerstörerischen Handels und Handelns geben wird. Nachdem KiK vor ein paar Tagen eine eigene Fernsehsendung gewidmet wurde, ist nun wieder die Urmutter aller Skandalfirmen an der Reihe: Lidl. All die teuren TV-Reklamespots und Imagekampagnen haben nichst genutzt, die Menschen lassen sich nicht so leicht hinters Licht führen, wie sich das die Konzernleitung vermutlich wünschen würde. Besonders interessant darin finde ich, dass ausgerechnet diese Werbung Lidl nun zum Verhängnis wird, wie u.a. der Stern zu berichten weiß: „Discounter täuscht Verbraucher: Menschenrechtler verklagen Lidl“:

(…) Verbraucherschützer und Menschenrechtler gehen gerichtlich gegen Deutschlands zweitgrößten Discounter Lidl vor. Das Unternehmen löse Versprechen über faire Arbeitsbedingungen bei seinen Bekleidungslieferanten in Bangladesch nicht ein, erklärte die Verbraucherzentrale Hamburg am Donnerstag. Gemeinsam mit der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) habe sie daher Klage beim Landgericht Heilbronn wegen irreführender Werbung eingereicht. „Lidl täuscht die Verbraucher“, sagte der Geschäftsführer der Hamburger Verbraucherzentrale, Günter Hörmann in Hamburg. (…)

Lidl hatte in Anzeigen zu seinen Kleidungskollektionen nach Angaben der Verbraucherzentrale stets darauf verwiesen, sich „weltweit für faire Arbeitsbedingungen“ einzusetzen. Das Unternehmen arbeite nur mit Produzenten zusammen, „die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen“, hieß es demzufolge darin. (…) „Es besteht ein krasser Widerspruch zwischen der öffentlichen Darstellung Lidls und den tatsächlichen Verhältnissen in den Produktionsstätten der Lieferanten“, erklärte ECCHR-Sprecherin Miriam Saage-Maaß zur Begründung der Klage. Die CCC warf dem Discounter vor, sich „ein Sozialmäntelchen“ umzuhängen und mit der Werbung „Schönfärberei“ zu betreiben. Nach Darstellung der Verbraucherzentale war Lidl zuvor wegen seiner angeblich irreführenden Werbung abgemahnt worden, hatte aber nicht reagiert. Deshalb sei die Klage eingereicht worden.

Auch der Spiegel greift das Thema auf – „Juristen leiten Hungerlohn-Klage gegen Lidl ein“, wie die taz („Nähen für Lidl bringt Hungerlohn“) oder Die Zeit („Dumpinglöhne in Fernost“) und ebenso das Nachrichtenportal Ostholstein: „Hängt sich Lidl ein Sozialmäntelchen um?“ (Antwort: ja! Das ist das Discount-Prinzip.) Nicht vergessen werden darf bei diesen Berichten natürlich, dass Aldi oder andere Billigheimer da kein Stück besser sind, wie z.B. die Studie des Südwind-Instituts letztes Jahr ergab. Und selbst viele teure Marken lassen ihre Klamotten unter unwürdigen Bedingungen produzieren…

(Dass Werbung irreführend ist und schadet, ist natürlich nichts Neues für unsereins, aber schön, dass auch die Mainstreammedien dies immer öfter konstatieren.)

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