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Buchbesprechung: Tobias Schlegl „Zu spät? So zukunftsfähig sind wir jungen Deutschen“

schlegel-zu-spat-mittelFür mich war Tobias „Tobi“ Schlegl früher eigentlich nur einer von vielen mäßig interessanten Viva-Moderatoren, der nach seiner Zeit beim Kölner Musiksender in der Versenkung verschwand. Erst als er vor knapp zwei Jahren den Moderationssessel bei der N3-Satiresendung extra 3 erklomm, nahm ich ihn wieder wahr – und war angenehm überrascht über die Art und Weise, wie er auch ernste Themen wie z.B. die Probleme der Atommüllendlagerung, amüsant und bissig präsentierte. Tatsächlich erfahre ich in seinem aktuellen Buch „Zu spät? So zukunftsfähig sind wir jungen Deutschen. Eine Inspektion“ nun endlich auch, was er in der Zeit zwischen Viva und N3 getrieben hat und weshalb er bei extra 3 genau an der richtigen Stelle sitzt: er war Anfang dieses Jahrtausends Mitglied im „Rat für Nachhaltige Entwicklung“ – ein die Bundesregierung beratendes Gremium, das sich mit Themen wie Konsum, Umweltschutz oder Bildung beschäftigt.

Nun ist Tobias Schlegl also unter die Buchautoren gegangen und zeichnet auf seiner Reise durch Deutschland ein Bild der derzeitigen Nachhaltigkeitsdebatte. Jedes der 24 Kapitel trägt den Titel eines Songs seiner Lieblingsband Die Ärzte (Bela B. wird im Rahmen des Buches auch ausführlich interviewt) und gibt damit schon einmal die Marschrichtung vor: sein Buch richtet sich vor allem an jüngere Menschen und versucht, diese für die uns umgebenden Missstände zu sensibilisieren und für politisches und gesellschaftliches Engagement zu aktivieren. In sehr locker-flockigem Stil, dabei dennoch zielstrebig und kritisch, ohne jedoch im Mindesten verbissen zu wirken, macht sich Schlegel auf, Konzernen auf den Zahn zu fühlen, Aktivisten- und Umweltschutzgruppen zu besuchen und Fragen nach der Entwicklung unserer Gesellschaft aufzuwerfen.

So protestiert er zusammen mit Tilo Bode und foodwatch vor einer McDonald’s-Filiale, weil diese Firma den Tieren, die sie in ihre Burger pressen, nur genmanipuliertes Futter zu fressen gibt. Gemeinsam mit einigen Leuten von Attac nimmt Tobias Schlegl an einem Flashmob im Kölner Bahnhof gegen die Bahnprivatisierung und auch an einer globalisierungskritischen Stadtführung in Hameln teil. Er pflanzt einen ganzen Sonntag lang mit Freiwilligen Bäume, geht im Umweltbundesamt und bei der Stiftung Warentest auf Konfrontationskurs und scheitert daran, bei Filialen der großen Kleidungsketten wie H&M und Zara, genauere Informationen über die (bekanntlich oft katastrophalen) Produktionsbedingungen der Klamotten zu erhalten. Ebenfalls sehr lesenswert ist das Kapitel, in dem der Autor die Werbefloskeln von McD in deren Imagekampagne, laut der jeder mal hinter die Kulissen des Bratimperiums schauen kann, als hohle Versprechungen entlarvt, da es ihm auch nach vielen Wochen nicht gelingt, tatsächlich einen Termin zu ergattern.

Bei der Vielzahl an möglichen Angriffspunkten und Gesprächspartnern auf nur gut 200 Seiten ist klar, dass vieles lediglich angerissen werden kann. Hier könnte man vermutlich auch den einzigen wirklichen Kritikpunkt an Schlegls „Inspektion“ sehen – z.B. befasst er sich damit, woher Ikea das Holz für seine Möbelproduktion bezieht. Denn viele Holzprodukte werden aus illegaler Rodung und nicht nachhaltig gewonnen – ein Missstand, dem man mit Hilfe von Zertifizierungen wie dem FSC-Siegel abhelfen will. Ikea hat in der Hinsicht einen relativ guten Ruf, bemüht sich um „sauberes Holz“ und arbeitet auch mit den Leuten vom FSC zusammen, ohne allerdings deren Siegel auf ihren Produkten zu verwenden. Auch wenn dieses Unternehmen sich also in dm Bereich durchaus engagiert zeigt (wobei der geplante Anteil von FSC-Holz mit 30% auch noch viel Luft nach oben lässt), so fehlt mir im Buch dennoch die Betrachtung der anderen Waren, die Ikea in Massen unter die Leute bringt und die teils unter ähnlich unerfreulichen Bedingungen produziert werden wie bei vielen anderen Konzernen auch (niedrige Preise kommen halt nicht von ungefähr).

Das latente Manko der oft recht schlaglichtartigen Betrachtung gleicht Schlegl jedoch am Ende eines jeden Kapitels mit einer Reihe guter praktischer Tipps für den Alltag sowie Hinweisen auf Websites, auf denen man sich weiter informieren kann, aus und macht das Buch somit zu einem guten Ausgangspunkt für die eigenen Recherchen und Nachforschungen. Vor allem für Einsteiger und Neulinge in Sachen Nachhaltigkeit und Konsumgesellschaft ist „Zu spät?“ deshalb eindeutig zu empfehlen.

Tobias Schlegl „Zu spät? So zukunftsfähig sind wir jungen Deutschen. Eine Inspektion“, rororo 2008, 217 S., 8.95 €

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Chemieeinsatz für mehr Nachhaltigkeit – BASF und die Ökobilanz von Äpfeln

applesDiese Beobachtung am Rande, auf die mich Michael von Die Farmblogger hingewiesen hat, passt eigentlich sehr gut zwischen meine beiden Serien Werbung schadet und Werbung gegen Realität. Gerade in dem medialen Bereich, in dem keine offene Reklame betrieben wird – bei der man als halbwegs aufgeklärter Mensch ja von vorneherein minimalen, wenn nicht gar negativen Wahrheitsgehalt vermutet –, sondern die Spezialisten der Public Relation (PR) ihre Fäden ziehen, wird es für den Normalbürger schwierig, zwischen bloßer Firmenpropaganda und echten Informationen zu unterscheiden. Genau das, also die oft recht subtil betriebene Verwirrung und Vertuschung, ist natürlich auch die mit PR nicht selten verbundene Absicht – auf diese Problematik werde ich sicherlich noch einmal in einem gesonderten Beitrag näher eingehen.

Heute will ich nur ein „schönes“ Beispiel präsentieren – der Chemieriese BASF präsentiert sich nämlich nächste Woche auf der fruit logistica in Berlin. In dem Zusammenhang gab man eine gemeinsam mit REWE betriebene Studie bekannt, die nachweisen soll, dass einheimische Äpfel bezüglich ihrer Ökobilanz mitnichten besser sein müssen als Obst, das aus den entlegensten Winkeln der Erde herangekarrt wird. Diese Studie mit dem vollmundigen Titel „Mehr Nachhaltigkeit im Obst- und Gemüsehandel mit Hilfe der BASF Ökoeffizienz-Analyse“ kommt zu dem verblüffenden Fazit:

Der gezielte Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln verbessert die Ökoeffizienz: höhere Erträge reduzieren den Flächenbedarf und die Umweltbelastung.

Welch ein Zufall, dass BASF eine breite Palette an solchen die „Ökoeffizienz verbessernden“ Chemiekeulen im Angebot hat, nicht wahr? Wie man daraus folgern könnte, ist Biolandbau also gar nicht nachhaltig – mehr Chemie muss auf die Felder gesprüht werden! Die Natur und die Gesundheit der Menschen werden sich bei BASF & Co. bedanken…

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Unsere kleine Welt – Der Klimafilm

Wem die 21 Minuten des Kurzfilms „The Story of Stuff“ zu lang sind, um sich einen Eindruck von unsem verqueren Wirtschafts- und Konsumssystem zu verschaffen, der hat nun die Möglichkeit, sich noch kompakter zu informieren. Studenten der Fakultät Gestaltung an der Hochschule Augsburg haben den 3:50minütigen Film „Unsere kleine Welt“ erstellt. In diesem sehr schön gemachten und kurzweiligen Clip wird am Beispiel eines Ehepaars im Schrebergarten gezeigt, welche Wege viele unserer so als selbstverständlich erachteten Produkte bereits hinter sich haben und welche Auswirkungen unser ungezügelter Konsum für den Rest der Welt hat. Sehr zu empfehlen! Auf der Website des Projekts könnt Ihr Euch den Film auch in verschiedenen Formaten herunterladen. [via]


Unsere Kleine Welt – Der Klimafilm from Josef Buchner on Vimeo.

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Eine Stadt für die Menschen

Manchmal, wenn ich so durch Kiel gehe, vorbei an den komplett mit Automobilen zugestellten Straßenrändern, mich zwischen peinlichen Geländewagen hindurchquetsche und den niemals, nicht mal Nachts, enden wollenden Verkehrslärm auszublenden versuche, steigt ein wunderlicher, gar wundersamer Gedanke in mir auf: wie wäre es wohl, wenn unsere Städte nicht um die Autos herum errichtet wären? Wenn sich die Infrastruktur nicht primär danach richtete, wie man möglichst schnell von A nach B fahren kann? Wenn all das hässliche, aufdringliche Blech auf vier Rädern, das 24 Stunden nonstop das Stadtbild bestimmt, nicht da wäre und man demzufolge auch keinen „Parkraum“ benötigt? Kurz: wie sähe eine „Stadt für die Menschen“ aus? Diese Frage stellte sich unlängst auch der Stuttgart Blog – anhand eines Dokumentationsbandes über Stuttgart im letzten Jahrhundert. Bis in die 1930er Jahre hinein war die Stadt nämlich autofrei, was sich auch direkt in der Architektur niederschlug:

stuttgart-bopser_400Die Menschen haben sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der (in nahezu jeder Straße vorhandenen) Straßenbahn fortbewegt und das hat funktioniert. Die Räume zwischen den Häusern (heute besser als Straßen bekannt) war für die Menschen da und nicht für die Autos. Große Plätze wie z.B. der Charlottenplatz oder der Österreichische Platz waren keine stinkenden Verkehrsknotenpunkte, sondern Plätze, auf denen sich Menschen aufhielten und lebten.

Doch plötzlich kam das Auto. Irgendwann nach dem Krieg wurde das plötzlich modern, dass sich jeder mit seinem eigenen Fahrzeug fortbewegen kann. Obwohl wir heute wissen, dass diese extrem teure, laute, gefährliche, antiquierte Form des Individualverkehrs die Luft verpestet und die Lebensqualität enorm einschränkt, ist die Stadt seit dem Durchbruch dieser „Technologie“ vollkommen auf das Auto fixiert. Menschen werden an den Straßenrand bzw. auf die wenigen verbleibenden und somit völlig überlaufenen Fußgängerzonen verbannt. Ist die Zeit denn nicht reif für eine Art Rückbesinnung bzw einen weiteren Schritt, was den Personenverkehr in der Stadt betrifft?

(…) Natürlich muss es ausgereifte Alternativkonzepte geben, und ich bin mir sicher, dass sich in diesem Bereich schon viel getan hätte, wenn die Autoindustrie keine so bedeutende Rolle in Politik und Wirtschaft inne hätte, um die Existenz dieser eigentlich antiquierten Verkehrsform aufrecht zu erhalten.

Tja, doch die Realität sieht leider anders aus. Das jüngst „geschnürte“ Konjunkturpaket II enthält weitere Maßnahmen zur Stützung und Stärkung dieser Fetischindustrie – die Vorstellung, dass die dort genannte Abwrackprämie für Altautos z.B. nur dann gezahlt werden würde, wenn man sein Auto ganz abschafft (und nicht einen Neuwagen kauft), ist in diesen Zeiten, bei dieser Regierung, natürlich illusorisch, wenn nicht gar ketzerisch. (Die Frankfurter Rundschau schlug kürzlich ein ausgewogeneres Konjunkturpaket vor, nämlich ein „Programm für wahrhaft Bedürftige“.)

Übrigens gibt es tatsächlich Orte auf der Welt, wo der Rückbau von Straßen/Autobahnen keine Utopie, sondern Realität ist – nämlich in Seoul. In „Es gibt keine Zukunft ohne Umwelt“ beschreibt Prof. Hermann Knoflacher, dass dem Autoverkehr nicht überall alles geopfert wird (siehe dazu auch seinen Artikel „Der Einfluss des Autos auf die Stadt“):

Der jüngst gewählte Präsident von Südkorea hat die Zeichen der Zeit schon vor Jahren erkannt, als er noch Bürgermeister von Seoul war. Die 5,8 km lange Autobahn mitten durch die Stadt hätte saniert werden müssen. Er entschied sich, der Stadt wieder Leben zu schenken und die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Die Autobahn war nicht die Lebensader der lokalen Wirtschaft, sondern strangulierte diese. Also wurde beschlossen, sie um der Zukunft willen abzureißen.

(…) Unsere Politiker, die der Bevölkerung neue Fahrbahnen versprechen, merken wahrscheinlich gar nicht, dass sie damit den Menschen die Türen in die Zukunft verbauen. Wer diese Politiker wählt, darf sich nicht wundern, wenn er und seine Kinder immer weniger Freiheit und Chancen im Leben haben werden.

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Werbung schadet (3): Ressourcenverschwendung

Nachdem ich im ersten Teil meiner „Aufklärungsserie“ über die Schädlichkeit von Werbung über die Auswirkungen auf die Sprache und im zweiten Teil über die unselige Verquickung von Reklame und Redaktionellem berichtet habe, möchte ich heute – passend zu den grünen Suchmaschinen gestern – kurz auf die negativen Konsequenzen des Werbetreibens für die Umwelt und den Gesamtplaneten eingehen.

Bereits ein einfacher Blick in den eigenen Briefkasten macht uns jeden Tag den Wahnsinn des Reklameterrors deutlich: bei den meisten von uns dürfte dort mehr Werbung als eigentliche Post zu finden sein. Womit der erste, sichtbarste Teil der Ressourcenvergeudung direkt vor uns liegt: die Papier- und Plastikverschwendung. Dazu der Einsatz der ganzen Chemikalien, damit die Flyer und Prospekte so schön bunt sind, sowie die für den Prospektdruck notwendigen Energie. Zudem muss die Post deutlich mehr Kapazitäten bereit stellen (also mehr Volumen transportieren, woraus wiederum ein gesteigerter Treibstoffeinsatz resultiert) als in einer Welt ohne diese Wurfsendungen. (Übrigens, ein Eintrag der eigenen Adresse in sog. Robinsonlisten reduziert unerwünschte Post signifikant und schont somit auch die Umwelt.)

Die Initiative „Mach’s grün“ hat einmal durchgerechnet, was allein der deutsche Prospektmist alles so verschling5: 33 kg an Postwurfsendungen erhält jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr, das ergibt 2.7 Mio gefällte Bäume, um das Werbematerial für ganz Deutschland zu produzieren – was wiederum 1.157 Millionen kWh Strom verbraucht, 455.400 Tonnen CO2 freisetzt und die Verschmutzung von 4,62 Milliarden Litern Wasser mit sich bringt. Unglaubliche Zahlen.

fussgaengerzoneDazu kommt beispielsweise auch die Energieverschleuderung für Werbetafeln und sonstige Leuchtreklame – dagegen treten inzwischen sogar regelrechte Aktivistengruppen ein, wie die französischen Clan du Néon, die nachts durch die Städte ziehen und Neonwerbung einfach ausschalten (siehe auch den Schreibmaschine-Blog). Genauso nutzlos sind auch die von vielen Firmen verteilten kleinen „Werbegeschenke“ (die z.B. Bestellungen bei Versandhäusern beiliegen) – meist billiger Plunder, der entweder sofort weggeschmissen wird, unbenutzt herum liegt oder nach wenigen Anwendungen kaputt geht. Was sich allein hier an Rohstoffen etc. einsparen ließe! Natürlich wird auch im Entstehungsprozess eines Flyers o.ä. so einiges an Ressourcen vergeudet – mindestens schon mal die kreative Energie und die Lebenszeit einer ganzen Reihe von Menschen. Denn statt etwas Sinnvolles zu produzieren, das den Menschen nützt oder sie wenigstens erfreut, werden nur Kampagnen und Anzeigen erdacht, die die meisten von uns in der Regel nerven und die dazu dienen sollen, dass wir noch mehr kaufen und konsumieren. Somit ist Reklame das Schmieröl in dieser wahnwitzigen Maschine des stetig zu steigernden Gewinns und der immer weiter anwachsenden Produktion, die irgendwann zur Katastrophe führen muss – ergo trägt Werbung ganz direkt zur schleichenden Zerstörung der Umwelt und der Gesellschaft bei.

Eine weitere wichtige Ressource, die in rauen Mengen in diesen Apparat gepumpt wird, darf ebenfalls nicht vergessen werden: das Geld! Schätzungen gehen davon aus, dass inzwischen weltweit jedes Jahr die unfassbare Summe von über 400 Milliarden US$ für Reklame ausgegeben wird – bereits ein kleiner Teil davon würde genügen, um viele wirklich wichtige Probleme auf der Erde zu bekämpfen, wie Hunger, Seuchen, Bildungsnotstand etc. Ist es nicht pervers, dass die Verbraucher diese immensen Kosten dann wiederum durch höhere Produktpreise selbst bezahlen, und das, obwohl die meisten Menschen gar nicht mit den perfiden, verlogenen Reklamebotschaften beschallt und bedrängt werden wollen? Somit finanzieren wir – überspitzt formuliert – also unseren eigenen Henker.

Die Werbewirtschaft hat 2001 einen Umsatz von 32 Mrd. Euro und kostet jeden Einwohner Deutschlands einen auf die Produkte aufgeschlagenen Betrag von 400 Euro. Tendenz steigend. [Quelle]

>> Teil 1: Die Versaubeutelung der Sprache
>> Teil 2: Die untrennbare Vermischung von Reklame und Redaktionellem
>> Teil 2b: Medienmanipulation durch Werbeentzug
>> Teil 4: Die Verschandelung des öffentlichen Raums und die Durchkommerzialisierung des Alltags

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Nachtrag zu Google/Scroogle sowie: sind Spammer mit Schuld am Klimawandel?

bild-5Kurzer Nachtrag zu meinem Google/Scroogle-Beitrag von vorhin – es gibt sogar tatsächlich auch „grüne“ Suchmaschinen. Zum einen Forestle, die mit Yahoo zusammen arbeiten und dort für jeden Klick, den ein User auf eine der Ads an der Seite tätigt, eine Spende an The Nature Conservancy zum Erhalt von Regenwald leisten. Pro Suche sollen so durchschnittlich (schließlich klickt nicht jeder auf die Textwerbeeinblendungen an der Seite) 0,1 Quadratmeter Regenwald gerettet werden. Hier steht, wie es funktioniert (siehe dazu auch den Beitrag von Spreeblick).

Die Suchmaschine Znout arbeitet mit den Google-Ergebnissen und will den Energieverbrauch und damit CO2-Ausstoß verringern kompensieren, der durch die Internetnutzung entsteht. Zum Ausgleich werden Zertifikate für erneuerbare Energien erworben (wobei nicht ganz klar wird, woher das Geld dafür eigentlich kommt; vermutlich auch durch die Klicks auf die AdWords).

Eine ausführlichere Übersicht zum Thema „grüne Suchmaschinen“ und eine Liste mit möglichen Alternativen hat gestern auch der Markus Trumann zusammengestellt (habe ich eben erst gesehen, so ein Zufall).

Und weil’s so gut zum Thema Energieverbrauch durchs Netz passt – die verdammten Spammer sind nicht nur durch ihre Penetranz eine Pest, sondern verschwenden auch ungeheure Mengen an Ressourcen, wie man hier nachlesen kann:

Viele Leute schalten aus diesem Grund ihre Computer am Arbeitsplatz überhaupt nicht mehr aus, da sie am Morgen nicht 30 Minuten Zeit haben die Spam Welle auszusitzen. Somit ist es klar, dass Spammer und Virenversender nicht nur einen volkswirtschaftlichen Schaden wegen erhöhter Kosten anrichten sondern auch noch unsere Umwelt aufs ärgste schädigen. Ein Grund mehr dem Spam den Kampf anzusagen – finden Sie nicht auch?

Ihr einfacher Beitrag zum Umweltschutz: kaufen Sie nicht bei Spammern. Wenn diese damit nicht verdienen, dann stellen sie die Aktivitäten ein.

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Prof. Dr. Michael Braungart über Nachhaltigkeit und Cradle-to-Cradle

Im November letzten Jahres fand die erste Konferenz von Utopia, der Plattform für strategischen Konsum, statt. Einer der Redner war Prof. Dr. Michael Braungart, dessen Forschungen und Bücher zum Thema Cradle-to-Cradle (also einem Wirtschaften, in dem es keine Probleme mit Abfall gibt, sondern dieser Nahrung für weitere Kreisläufe darstellt), für viel Aufmerksamkeit sorgen und der intensiv mit Firmen an der Umsetzung dieses revolutionären Konzepts arbeitet. In seiner Rede legt Braungart dar, dass es nicht darum gehe, den Schaden, den Menschen mit ihrem heutigen Lebensstil anrichten, ein wenig zu verringern oder gar die Menschheit vom Erdball zu tilgen, damit dieser weiterexistieren könne, sondern um die Umgestaltung unseres Lebens und Wirtschaftens nach besagtem Cradle-to-Cradle-Prinzip, das dafür sorgt, dass mnschliches Wirken in der Welt nicht nur nicht schadet, sondern sogar (vergleichbar mit dem, was Pflanzen und Tiere zum Kreislauf beitragen) nützt und somit wirklich nachhaltig und tragfähig wird. Diese ca. 27 minütige, interessante und teils sehr amüsante Rede (in der er beispielsiwese McDonald’s-Essen als „Giftmüll“ bezeichnet, hehe) kann man sich als Podcast anhören oder auf der Utopia-Seite in Videoform anschauen.

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Klassiker: Grocery Store Wars

Heute möchte ich Euch einen kleinen Film ans Herz legen, der schon seit längerem durchs Netz geistert, den ich aber bisher noch nie in meinen Blogs veröffentlicht habe. Dabei ist „Grocery Store Wars“ eine sehr gelungene Parodie auf Star Wars, die sich aber primär mit dem täglichen Kampf von Bio-(„organic“)Gemüse und -Obst gegen die Übermacht von Industriefraß in den Regalen der Supermärkte befasst. Gedreht wurde er von den Free Range Studios, die jüngst mit dem großartigen „The Story of Stuff“ für Aufsehen sorgten. Diese Grafikfirma aus Washington setzt sich mit ihren Projekten lobenswerter Weise vor allem für „progressive non-profits, politcal campaigns and socially responsible businesses“ ein.

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Die Grüne Tomate im Dezember 2008 geht an… Angela Merkel!

die_gruene_tomate_toppSeit September 2008 wird der neue Bürger- und Verbraucherpreis „Die Grüne Tomate – ausgezeichnet unreif“ an Politiker, Institutionen und Konzerne vergeben, die sich beim Thema Greenwashing und rückschrittliche Klimapolitik besonders hervortun. Einen der ersten Preisträger, Vattenfall, hatte ich hier auch schon vorgestellt. Nun ist die Wahl zur Grünen Tomate für den Monat Dezember abgeschlossen, und über den Gewinn darf sich diesmal unsere Bundeskanzlerin freuen. Hier die offizielle Pressemitteilung dazu:

Umfaller beim Klima-Gipfel kommt nicht gut an

Fast 50 Prozent der Teilnehmer an der Wahl zur „GRÜNEN TOMATE“ waren bei der Dezember-Abstimmung der Meinung, dass die kurze Zeit als „Klimakanzlerin geadelte“ Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Vorreiterrolle zur Schaffung von Ausnahmeregelungen im „Klima-Paket“ auf dem EU-Gipfel in Brüssel am 11./12. Dezember 2008 die GRÜNE TOMATE verdient.

Der Bürger- und Verbraucher-Preis „DIE GRÜNE TOMATE – ausgezeichnet unreif“ wird seit September 2008 von Bürgern und Verbrauchern innerhalb der Community von utopia.de regelmäßig initiiert. Die Idee für diesen Preis entstand, als Mitglieder der Internet-Plattform utopia.de im dortigen Forum darüber diskutierten, wie man auf die vielfältigen Versuche der Vermarkter reagieren sollte, Produkte und Haltungen ökologisch korrekter darzustellen, als sie tatsächlich sind. Nominierungen und die Abstimmung erfolgen öffentlich durch die angemeldeten Mitglieder der Community. Der Preis soll mehr öffentliches Bewusstsein für Greenwashing – Grünfärberei – schaffen.
Nominiert wurde die Bundeskanzlerin aufgrund ihres überraschenden und für viele Bürger unverständlichen Verhaltens beim EU-Gipfel in Brüssel am 11./12. Dezember 2008.
Im Anschreiben an Bundeskanzlerin Merkel heißt es daher: „Wer sich in der Öffentlichkeit als Klimaschützerin profiliert, um dann in der Realität Ausnahmeregelungen zu initiieren, die einem wirkungsvollen ‚Klimaschutz-Paket‘ diametral zuwider laufen, betreibt ‚Grünfärberei‘.

Der damit einhergehende drohende Verlust der Glaubwürdigkeit sowie der Vorreiterrolle der Europäischen Union in Sachen Klimaschutz lässt dieses Verhalten darüber hinaus als noch bedenklicher erscheinen.“

Der Preis soll mehr öffentliches Bewusstsein für Grünfärberei schaffen und keineswegs nur anprangern, sondern – ausgestattet mit einer „Pflegeanleitung“ – den Ausgezeichneten auf die Sprünge helfen, am Ende doch für positive Veränderungen im Sinne einer nachhaltigen Gesellschaft zu wirken.

Die ‚Pflegeanleitung‘ für „DIE GRÜNE TOMATE:
1. Waschen Sie Ihre Grüne Tomate nicht rein, sondern gießen Sie sie mit Ehrlichkeit.
2. Düngen Sie Ihre Grüne Tomate nicht mit Pseudoökologie, sondern mit Nachhaltigkeit.
3. Umgeben Sie Ihre Grüne Tomate nicht mit faulem Zauber, sondern mit reiner Natur.
4. Lassen Sie Ihre Grüne Tomate nicht durch leere Worte, sondern aufgrund voller Überzeugung reifen.
5. Reichen Sie Ihrer Grünen Tomate nicht nur den Grünen Daumen – geben Sie ihr ein grünes Herzstück!
6. Wachsen Sie selbst – ehe Sie es von Ihrer Grünen Tomate verlangen!
7. Werden Sie wahrhaftig grün – und sorgen Sie dafür, dass Ihre Grüne Tomate nicht vor Scham, sondern aufgrund Ihrer Reife erröten kann. Viel Erfolg!

Das vollständige Endergebnis ist nachzu-lesen unter:
http://www.utopia.de/forum/showthread.php?t=3867

DIE GRÜNE TOMATE ist ein Bürgerpreis und wird von der utopia.de Community regelmäßig an Unternehmen, Produkte, Manager, Politiker, Lobbyisten, Agenturen, Pressestellen oder Institutionen vergeben, die durch „Greenwashing“, also Grünfärberei, glänzen.

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Genmanipulation – Folgen und Gefahren – Bayer & Monsanto

campact-gen-kopfbild_no0Es gab einmal eine Zeit, da war das Thema „Genmanipulation“ in aller Munde und Gegenstand auch der öffentlichen Mainstream-Diskussion. Doch irgendwie haben es die großen Konzerne geschafft, dass Genfood im Schatten der „Finanzkrise“ nun tatsächlich und im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde gelangt ist, jedoch ohne den medialen Aufschrei früherer Tage. Damit diese gefährliche Entwicklung nicht komplett in den Hintergrund tritt, hilft es nur, das Thema immer wieder auf die Tagesordnung und ins Bewusstsein zu hieven. Glücklicherweise bietet das Internet eine ideale Plattform zum Verbreiten von Information auch gegen den Mainstreamblabla. In den vergangenen Wochen und Monaten fand  ich so doch eine Reihe von interessanten und auch erschreckenden Beiträgen über die Konzerne, die ihren Profit über die Gesundheit jetziger und zukünftiger Generationen setzen und den Erdball mit genmanipulierten Produkten überziehen, allen voran Bayer, Monsanto und Nestlé (letztere setzen sich ja auch offen für die Förderung des Genfoods in der EU ein).

Über den Blog Für eine bessere Welt wurde ich auf eine neue Studie von foodwatch aufmerksam, die untersucht haben, ob die genveränderte Reissorte „Golden Rice“ wirklich Vorteile bringt, in diesem Falle die versprochene zusätzliche Anreicherung des Reis mit Vitamin A. Sie kommen zu dem ernüchternden Schluss:

Insgesamt stellt sich das ‘Golden Rice’-Projekt als eine Kampagne zur Durchsetzung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel dar, der öffentlichkeitswirksam ein humanitäres Kleid übergestreift wurde: Ein Projekt, mit dem gleichermaßen die Standards für die Risikoprüfung von gentechnisch verändertem Saatgut abgesenkt und die Kritiker der Gentechnik-Nahrung moralisch unter Druck gesetzt werden sollen sowie die Ablehnung der Verbraucher durchbrochen werden soll. Vor allem für die Politik sollten die Vorgänge um den ‘goldenen Reis’ eine Mahnung sein. Denn sie greift nur zu gerne die Heilsversprechen der Gentechnikindustrie auf, um sich vor den geeigneten, aber unbequemen Maßnahmen – wie etwa den Welthunger durch ein faires Welthandelsystem für Agrarprodukte zu bekämpfen – zu drücken.

Und wirklich, die von den Befürwortern der genveränderten Lebensmittel so oft beschworene Verbesserung der Lebensumstände der Menschen erweist sich leider als reines leeres Versprechen – aus dem sich allerdings hervorragend Profit schlagen lässt. Die längerfristigen Folgen auf die Gesundheit von Natur & Mensch sind jedoch noch gar nicht richtig erforscht und bekannt; hier scheint ähnlich naiv-dreist und kurzsichtig vorgegangen zu werden wie einst bei der Atomkraft, welche in den 50ern auch mal als saubere Energiegewinnung galt. Alarmierende Studien über gesundheitliche Schäden auf Grund von Genmanipulationen gibt es zuhauf, aber die passen natürlich nicht ins saubere Bild der Genlobby. Duckhome berichtet, wie Monsanto und Bayer mit der Risikotechnologie Genmanipulation zum Schaden vieler Leute auch in den ärmeren Ländern vorgehen. Das Perfide an beispielsweise genmanipuliertem Getreide ist, dass diese Firmen nach der Änderung auch nur eines Gens der ursprünglichen Pflanzen diese zum patent anmelden und somit fortan Lizenzen dafür verlangen können. In Verbindung mit der sog. „Terminierung“ der Gene, die verhindert, dass Bauern wie seit vielen Generationen üblich einen Teil der Ernte für die nächste Aussaat zurücklegen, sondern sich wieder für teures Geld neues „Wundersaatgut“ kaufen müssen, erzeugt dies einen immensen Druck. Auf Duckhome finden sich viele weitere Artikel über die mehr als fragwürdigen Methoden der Gen-Weltkonzerne, die man sich gar nicht alle durchlesen kann, ohne dass einem schlecht würde…

Wem das noch nicht genügt, der sollte sich vielleicht mal die 44minütige französische Arte-Dokumentation „Genmanipulation, Folgen und Gefahren“ anschauen:

Also, was kann man tun? Sicher ist es sinnvoll, nichts von bekanntermaßen Genfood propagierenden und produzierenden Unternehmen wie Nestlé zu kaufen (>> Auflistung einiger Marken, die inzwischen zu Nestlé gehören) und sich vor allem mit Bionahrungsmitteln zu ernähren (sofern es der eigene Geldbeutel hergibt). Aber man kann auch aktiv Aktionen und Kampagnen unterstützen, die diesen Wahnsinn stoppen wollen.

bild-1Bantam Mais will herausfinden, wo zur Zeit in Deutschland überall schon genmanipulierter Mais angepflanzt wird. Dazu soll jeder in seinem garten oder auf dem Balkon Bantam Mais anpflanzen, woraufhin er das Recht hat, zu erfahren, wer in seiner Nachbarschaft Gentechnikmais anbaut. Außerdem soll in einer Online-Unterschriftenaktion das Verbot des Monsanto-Genmais Mon810 bewirkt werden.

Natürlich setzt sich auch die Plattform für Online-Demokratie Campact! für ein Verbot von Gennahrungsmitteln aus und fördert eine Vielzahl von Aktionen, seien es Unterschriftensammlungen oder großflächige Plakate.

Greenpeace darf in dieser Aufzählung nicht fehlen – die Umweltschützer haben absendefertige Protest-E-Mails im Angebot, mit denen man den Politikern Druck machen kann (aber ob diese auf den Bürger statt auf die Wirtschaftslobbys hören, darf leider bezweifelt werden, jedenfalls beim derzeitgen politischen Personal, sie informieren aber auch sonst ausführlich zu dieser Thematik und bieten Nachrichten und Hintergrundberichte. Der Firma Müller Milch / Weihenstephan widmen sie sogar eine eigene Seite

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