Kategorie: Banken

Giftige Papiere und Konsumgesellschaft

Neulich gab es in meiner Lieblingssendung quer (immer wieder erstaunlich, dass so etwas im Bayerischen Fernsehen läuft) wieder einmal ein kleines, feines Highlight zu bewundern – der Sozialpsychologe Prof. Harald Welzer war zu Gast und unterhielt sich mit Moderator Christoph Süß über die Finanzkrise, über die Folgen, aber auch die Gründe sowie unsere „Kultur des Konsums und der Verschwendung“ und das alles verschlingende Wirtschaftswachstumspostulat, die er (wie ich denke: vollkommen richtiger Weise) als grundlegendes systemisches Problem begreift. Absolut sehenswert!

Banken vor neuen Milliardenlöchern: Was sagt ein Experte zur Finanzkrise?

Deutschlands Geldinstitute horten noch Unmengen von faulen Wertpapieren, die längst nicht abgeschrieben sind. Wenn diese Giftpapiere platzen, dann droht der nächste Bankencrash.

bild-3(Auf das Bild klicken, um den Film zu starten)

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Na bitte!

484010_business_man_modifiedÜberall wird gemosert und gemeckert, dass die Banken und Banker so undankbar seien und die Zigmilliarden von Staatsgeldern die sie zur Aufrechterhaltung ihres Roulettes benötigen, einfach so nähmen, ohne mit der Wimper zu zucken. Tatsächlich wissen die Banken sehr wohl, bei wem sie sich für diesen Geldsegen zu bedanken haben – nein, natürlich nicht bei den Bürgern des Landes, die diese Gelder aus Steuern aufbringen müssen, sondern bei den Parteien, die diese Beschlüsse in seltener Einmütigkeit gefasst haben. Dieser Artikel auf n-tv, „Großspenden der Großbanken – ‘Peanuts’ für die Union“ verschlägt einem fast die Sprache – die drei besonders finanzwirtschaftsfreundlichen Parteien CDU/CSU, FDP und SPD erhalten von diversen Großbanken, Parteispenden in der Höhe vieler Hunderttausender von Euro. Darf man in diesem Zusammenhang den Begriff „Korruption“ in den Mund nehmen? Es macht zumindest keinen sehr koscheren Eindruck. Warum viele Bürger & Wähler diesem Treiben tatenlos zusehen und diesen Parteien in der Krise trotzdem Kompetenz oder Glaubwürdigkeit zugestehen, wird mir für immer ein Rätsel bleiben.

Trotz Finanzkrise haben die deutschen Parteien im vergangenen Jahr die meisten Großspenden aus der Bankenbranche erhalten. Dies geht aus den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben der Parteien an den Bundestag hervor, die nun erstmals für das gesamte Jahr vorliegen.
Allein die Deutsche Bank überwies im letzten Quartal insgesamt 500.000 Euro an CDU, SPD und FDP: Jeweils 200.000 Euro gingen an die CDU und die FDP, 100.000 Euro gingen an die SPD. Zu den Förderern gehörten auch die Commerzbank, der Finanz- und Versicherungskonzern Allianz sowie die Privatbanken Sal. Oppenheim und Berenberg.

(Siehe dazu auch den aktuellen Beitrag bei als-ob-leben?)

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Der Geist des Geldes

bild-51Unlängst hatte der Film „Let’s make money“ erstaunlich großen Zulauf in unseren Kinos, und das, obwohl es sich nicht um den neuesten realitätsverneinenden Disney-Schmock, sondern um eine relativ schonungslose Betrachtungsweise des globalisierten Wirtschaftstreibens handelte. Ein wichtiges Thema, das zum Verständnis der aktuellen Misere jedoch unerlässlich ist, fehlte leider, trotz des Titels: nämlich ein Blick auf unser Geldsystem, auf dessen Grundlage unser Wirtschaftssystem überhaupt nur „funktionieren“ kann und letztlich viele Irrwege im „realen Wirtschaften“ schon vorzeichnet, wenn nicht gar erzwingt. Ende 2007 drehte Filmemacher Yorick Niess eine interessante und erhellende Dokumentation zu dieser Problematik und ergänzt damit „Let’s make money“ perfekt: „Der Geist des Geldes“, die es leider nicht bis in unsere Kinos schaffte – damals war die Zeit vielleicht noch nicht reif (genug). Dabei wäre ihm eine ähnliche Aufmerksamkeit und Beachtung definitiv zu wünschen. Man kann sich den Film jedoch inzwischen auf DVD für faire 13 € bei der INWO (Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung) bestellen und momentan auch noch bei Google Video in voller Länge und akzeptabler Qualität kostenlos ansehen (allerdings wird gemunkelt, dass Google seinen Videoservice bald einstellt – also schnell noch nutzen!).

Der Film macht sich mit auf die Suche nach dem magischen Geist des Geldes. Knapp 3.000 Jahre Geschichte haben unseren Umgang mit Geld verändert.
Der Film schärft den Blick auf unser Zahlungsmittel.

Im heutigen Geld lauern Gefahren:
„Unsere Demokratie ist tödlich bedroht!“, warnt Autor und UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler.
Rechtsanwalt Harald Wozniewski sieht einen modernen Feudalismus.
Der Präsident vom Institut für Weltwirtschaft erklärt, warum Umweltschutz keine Chance hat.
„Das Geld wird unsere Religionen ersetzen!“, meint Philosoph Jochen Weiß.

Es ist die einzige deutsche Dokumentation, die auch Erfolgsautor Bernard A. Lietaer anführen kann – Miterfinder des Euros und ehemaliger Zentralbanker. Filmemacher Yorick Niess hat über ein Jahr hinweg das Geld erforscht und aktuelle Trends gesammelt. Die Aufnahmen haben ihn in fünf Länder geführt. Geld regiert die Welt. Doch die Erfindung verändert sich heute rasant. Wer den Geist des Geldes versteht, kann seine Zukunft mitgestalten.

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„Notleidende Banken“ zum Unwort des Jahres 2008 gewählt

Da hat die alljährlich tagende unabhängige Jury von Journalisten und Sprachwissenschaftlern genau das richtige Un-Wort 2008 erkoren: „Notleidende Banken“. Ein Begriff, der die Realität verdreht und verharmlost. Denn notleidend sind nicht die „armen“ Banken, sondern allenfalls die etwaig gefeuerten Mitarbeiter. Und betroffen sind die Kunden, die um ihre Einlagen gebracht wurden. Und die Gesellschaft als Ganzes, die nun für die Unfähigkeit dieser Branche bürgen muss und all die Jahre zuvor auch schon unter den absurden Renditevorgaben der Finanzinstitute zu leiden hatte. Schließlich arbeitet Geld (entgegen den Reklamesprüchen) nicht – andere Menschen/Firmen = wir alle müssen arbeiten und immer noch eine Schippe drauflegen, damit sich das angelegte Geld vermehrt und die Banken ihre Ausschüttungen vornehmen können. Und nun soll das Casino ja mit Hilfe des Staates unverändert fortgeführt werden. Schönen Dank. („Notleidende Kredite“ halte ich übrigens für noch unwortiger…)

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Banken frisieren

Spätestens seit dem offiziellen Ausbruch der „Finanzkrise“ haben Banken in punkto Seriosität einen ähnlich schlechten Ruf weg wie Gebrauchtwagenhändler und der Werbemarkt – und dies vollkommen zurecht! Nachfolgender Beitrag des ARD-Magazins Plusminus zeigt sehr schön und unterhaltsam, wie, nun, „unverkrampft“ Banken mit ihren eigenen Bilanzen umgehen, wohingegen sie bei der Kreditvergabe gerne auf jede Kleinigkeit der bittstellenden Unternehmen achten. [via]

Gerade am aktuellen Beispiel der Teilverstaatlichung der Commerzbank sieht man auch, wie sehr die Politik ihre schützende Hand über das Finanzwesen hält, ungeachtet aller Fehlentwicklungen, die dort zu verzeichnen sind. Für ca. 18 Mrd. € erhält der Staat 25% der CoBa-Aktien – und bezahlt damit das Vierfache von dem, was der GESAMTE Konzern wert ist. Somit steht der Steuerzahler ein für die Fehlspekulationen des Unternehmens, für die Fehlentscheidungen und auch für die Übernahme der Dresdner Bank, die mit dem frischen Geld nun natürlich fröhlich gewuppt werden kann. Dieser Vorgang bleibt auch in der Netzwelt nicht unbemerkt und unkommentiert.

Der Querschuss-Blog (der übrigens immer sehr erhellende Analysen und Statistiken zur tatsächlichen Lage der Weltwirtschaft präsentiert): „Wir ergreifen eine einmalige Chance“:

Welche Forderungen noch auf Grund einer sich weiter verschärfenden Finanz- und Wirtschaftkrise einzubringen sind und welche Verbindlichkeiten bedient werden können und mit wie viel an Hilfen der Staat einspringen muss, wird die Zukunft der neuen Commerzbank zeigen.

Sicher ist auch für den deutschen Steuerzahler, die Finanzkrise wird Milliarden und noch mehr Milliarden Euro für den Erhalt eines nicht nachhaltig tragbaren spekulativen Systems bedeuten!

Auf Duckhome wird darauf eingegangen, dass die CoBa-Führung meint, dass der Staat ab 2012 wieder aussteigen würde und der Steuerzahler somit bis dahin alles Geld wiedersähe: „Commerzbank-Chef Blessing lügt den Deutschen frech ins Gesicht“:

Blessing spricht von 2012 als Ausstiegsdatum für den Bund. Das ist toll. Da müsste er sein Jahresergebnis ja nur auf 6.600 Milliarden pro Jahr steigern. Also um das 15-fache. Das ist so realistisch wie Baron Münchhausen auf seiner Kanonenkugel. Nein, der feine Herr Blessing wird sich nicht an den Haaren aus dem Sumpf ziehen, aber er wird andere mit hineinziehen.

Genauso stellt der Tagesspiegel fest: „Allmählich stellt sich die Systemfrage“:

Banker müsste man sein. Dann ginge man einfach einkaufen und wenn man merkt, dass das Geld für den prall gefüllten Warenkorb nicht reicht, lässt man beim Staat anschreiben. Da der Staat nichts außer unserem Geld hat, zahlen wir alle mit 18,2 Milliarden Euro, dass die Commerzbank, die nur noch vier Milliarden Euro wert ist, sich die Dresdner Bank leisten kann.

Sollte ich dasselbe bei meinem nächsten Aldi-Einkauf versuchen, würde ich des Geschäfts verwiesen und, wenn ich Pech habe, der Polizei übergeben. Aber leider haben meine paar fehlenden Kröten keine das System stabilisierende Wirkung. Und deshalb gilt für mich wie für die meisten von uns die Alltagsvernunft, für Commerzbankchef Martin Blessing der Irrsinn des globalisierten Kapitalismus.

Und die bekanntermaßen immer kritischen NachDenkSeiten legen nach: „Die herrschende Politik und die Finanzwirtschaft stecken unter einer Decke  – auch deshalb zahlen wir als Steuerzahler für die Zocker (II)“:

Die Politik ist gerade auch jetzt in der Finanzkrise maßgeblich von den Interessen der Finanzwirtschaft bestimmt. Die Medien decken dies, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht auf. Das wird zum Problem, weil unter diesen Umständen die Sanktionen gegen die herrschende Politik auch bei den kommenden wichtigen Wahlen unterbleiben könnten. Die Umfragen, nach denen eine Mehrheit der Bundesbürger die „Leistung“ von Merkel, Steinbrück etc. würdigt, zeigen dies.

Zu diesem traurigen Thema passt auch die Meldung vom Spiegel: „HSH-Nordbank schüttet Dividene aus trotz Milliardenverlusten“:

Die HSH Nordbank will trotz eines erwarteten Milliardenverlusts Ausschüttungen an institutionelle Investoren auszahlen. Grund für diesen Schritt sei die Sorge, die Anleger könnten ihr Geld abziehen. Die Landesbank hatte in Folge der Finanzkrise staatliche Hilfe beansprucht.

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Surftipp: Credit Card Reform

Die sehr laxe und verschwenderische Ausgabe von Kreditkarten, in Verbindung mit gleichzeitiger großzügiger Einräumung von Ratenrückzahlungen der Kreditkartenschulden seitens der Banken, treibt vor allem in den USA immer mehr Haushalte in den Ruin – dieses künstliche Anfeuern der Konsumnachfrage ist ja mit Schuld an der „Finanzkrise”. Doch nun regt sich vermehrt Widerstand gegen diese Praxis. Statt den Leuten also Kredite hinterherzuwerfen, so dass diese Geld verkonsumieren, das sie gar nicht haben, spricht sich die amerikanische Aktion Credit Card Reform für einen verantwortungsvolleren Umgang mit diesem Zahlungsmittel aus und will auch den Gesetzgeber dazu bewegen, dass Firmen wie Visa (Citibank) oder Mastercard strengere Auflagen befolgen müssen, um die gefährliche Verschuldungswelle zu stoppen.

Unter anderem soll die massive Werbung für Kreditkarten bei Schülern und Studenten aufhören und den Firmen soll untersagt werden, die Zinsraten während der Vertragslaufzeiten einfach so willkürlich hochsetzen zu können (Citibank macht das tatsächlich regelmäßig, auch hierzulande).

Zu der ganzen Problematik gibt es auch ein sehr amüsantes Musikvideo von den Austin Lounge Lizards, das zudem gut in die Vorweihnachtszeit passt:

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Deutsche Bank – Leistung, die Leiden schafft

Banken sind Institutionen, die eine seriöse Aura um sich zu verbreiten suchen und in großkotzig aufgemachter Reklame gerne ihre ach so große Kundenzentrierung und Kompetenz herausstreichen. Dass Banken jedoch letztlich Konzerne sind, die sich im Prinzip herzlich wenig um die Menschen und ihre Belange scheren, solange die (eigenen) Bilanzen stimmen, sollte auch klar sein. Die derzeitige „Finanzkrise” zeigt auch wieder deutlich, dass diese Branche ausgesprochen kurzsichtig und ignorant arbeitet und den kurzfristigen Profit letztlich über alles andere stellt. Schließlich tritt der Staat (= wir) bei Fehlspekulationen helfend zur Seite!

Zu den ganz besonders unsympathischen Vertretern der Zunft gehört seit jeher die Deutsche Bank. So hat sie vor einigen Monaten in einer reichlich geschmacklosen (aber letztlich herzerfrischend offenen, da ungeschminkt profitorientierten) Art Werbung für den eigenen Nahrungsmittelfonds gemacht. Der Hintergrund: Anleger kaufen Fondsanteile und freuen sich fortan, wenn die Preise auf dem Weltmarkt – nicht zuletzt getrieben durch genau diese Spekulationen auf die Preise – nach oben schießen. Dass dabei ein Großteil der Menschheit in den armen Ländern ohnehin schon unter den steigenden Preisen für Grundnahrungsmittel (und um die geht es der Deutschen Bank hier – Reis, Getreide etc.) leidet und sich oft kaum die nötigen Lebensmittel mehr leisten kann, ist dabei selbstverständlich von untergeordneter Wichtigkeit. Hauptsache, im reichen Europa klingeln die Kassen und es kann wieder ein neues protziges Firmenhochhaus in die Gegend geklatscht werden. Als Krönung hatte die Dt. Bank für diesen Fonds auch noch Werbung auf Brötchentüten gemacht (inzwischen aber wenigstens das eingestellt). Guten Appetit, kann man da nur sagen!

Übrigens steht die Deutsche Bank mit diesen Spekulationen nicht alleine da, wie man an diesen genauso kaltschnäuzigen Empfehlungen des Investor-Verlags sieht. Solchen Leuten ist alles egal, solange nur die eigene Kasse klingelt.

Dass es auch anders geht, also Geldanlage, die nicht alle zivilisatorischen Prinzipien von Moral und Ethik ignoriert, sondern sogar ökologisch & sozial sinnvoll ist, zeigt beispielsweise die GLS Bank, auf die ich neulich gestoßen bin – hier werden die Gelder nicht für dubiose Geschäftspraktiken oder in umwelt- und sozialschädliche Tätigkeiten und Unternehmen investiert, sondern fließen in Projekte, die der Allgemeinheit zugute kommen. Finde ich löblich und eine sehr interessante Alternative! Einen „grünen Investmentguide für Einsteiger“ mit weiteren Tipps gibt es auf Utopia.

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