Apr
11
2010

Lidl mal wieder: Discounter täuscht Verbraucher – Menschenrechtler verklagen Lidl

liddl-lohnt-sichDas Thema Discounter wird wohl ein heißes bleiben, solange es diese Form des ausbeuterischen und zerstörerischen Handels und Handelns geben wird. Nachdem KiK vor ein paar Tagen eine eigene Fernsehsendung gewidmet wurde, ist nun wieder die Urmutter aller Skandalfirmen an der Reihe: Lidl. All die teuren TV-Reklamespots und Imagekampagnen haben nichst genutzt, die Menschen lassen sich nicht so leicht hinters Licht führen, wie sich das die Konzernleitung vermutlich wünschen würde. Besonders interessant darin finde ich, dass ausgerechnet diese Werbung Lidl nun zum Verhängnis wird, wie u.a. der Stern zu berichten weiß: „Discounter täuscht Verbraucher: Menschenrechtler verklagen Lidl“:

(…) Verbraucherschützer und Menschenrechtler gehen gerichtlich gegen Deutschlands zweitgrößten Discounter Lidl vor. Das Unternehmen löse Versprechen über faire Arbeitsbedingungen bei seinen Bekleidungslieferanten in Bangladesch nicht ein, erklärte die Verbraucherzentrale Hamburg am Donnerstag. Gemeinsam mit der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) habe sie daher Klage beim Landgericht Heilbronn wegen irreführender Werbung eingereicht. “Lidl täuscht die Verbraucher”, sagte der Geschäftsführer der Hamburger Verbraucherzentrale, Günter Hörmann in Hamburg. (…)

Lidl hatte in Anzeigen zu seinen Kleidungskollektionen nach Angaben der Verbraucherzentrale stets darauf verwiesen, sich “weltweit für faire Arbeitsbedingungen” einzusetzen. Das Unternehmen arbeite nur mit Produzenten zusammen, “die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen”, hieß es demzufolge darin. (…) “Es besteht ein krasser Widerspruch zwischen der öffentlichen Darstellung Lidls und den tatsächlichen Verhältnissen in den Produktionsstätten der Lieferanten”, erklärte ECCHR-Sprecherin Miriam Saage-Maaß zur Begründung der Klage. Die CCC warf dem Discounter vor, sich “ein Sozialmäntelchen” umzuhängen und mit der Werbung “Schönfärberei” zu betreiben. Nach Darstellung der Verbraucherzentale war Lidl zuvor wegen seiner angeblich irreführenden Werbung abgemahnt worden, hatte aber nicht reagiert. Deshalb sei die Klage eingereicht worden.

Auch der Spiegel greift das Thema auf – „Juristen leiten Hungerlohn-Klage gegen Lidl ein“, wie die taz („Nähen für Lidl bringt Hungerlohn“) oder Die Zeit („Dumpinglöhne in Fernost“) und ebenso das Nachrichtenportal Ostholstein: „Hängt sich Lidl ein Sozialmäntelchen um?“ (Antwort: ja! Das ist das Discount-Prinzip.) Nicht vergessen werden darf bei diesen Berichten natürlich, dass Aldi oder andere Billigheimer da kein Stück besser sind, wie z.B. die Studie des Südwind-Instituts letztes Jahr ergab. Und selbst viele teure Marken lassen ihre Klamotten unter unwürdigen Bedingungen produzieren…

(Dass Werbung irreführend ist und schadet, ist natürlich nichts Neues für unsereins, aber schön, dass auch die Mainstreammedien dies immer öfter konstatieren.)

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8 Kommentare »

  • Bernd

    Also ich finde es zwar interessant, dass gerade in den letzten Tagen wieder vermehrt auch von den “großen” Medien die Zustände der Industrie angeprangert werden. Der Bericht über KIK oder die Schlachtindustrie sind da gute Beispiele.
    Aber ich befürchte, dass sich dennoch kaum etwas ändern wird. Es ist ja wohl jedem klar, das man für ein paar Euro eigentlich keine Hose fertigen kann – dass man einen Preis von 3 Euro je Kilo Fleisch nicht mit (wenigstens halbwegs) tiergerechter Haltung und Verarbeitung erzielen kann. Aber solange eben jeder nur nach dem billigsten Angebot sucht wird sich da nicht viel ändern. Und eigentlich ist es in den letzten jahren insofern schlimmer geworden, dass man heute nicht mal mit gutem Gewissen manche hochpreisigen Produkte kaufen kann – auch Markenkleidung wird in irgendwelchen asiatischen “Hinterzimmern” gefertigt (wie es ja in dem Text oben auch angemwrkt wird).
    Aber wie soll und kann man letztendlich degegen vorgehen? Man kann ja nicht mal mehr irgendwelche Läden boykottieren, wenn man nicht zuvor sich tagelang mit den Konzernverflechtungen beschäftigt um herauszufinden welcher Laden zu welcher Gruppe gehört.

    Comment | 11. April 2010
  • Bleiben wir realistisch: Wer kauft denn bei Discountern ein? Doch hauptsächlich die, die auch wenig Geld haben und da das immer mehr Menschen werden, wird sich das nicht so schnell ändern.
    Allein das Bewusstsein für diese Ausbeutung reicht bei der Bevölkerung nicht aus, letztendlich hängt es doch nur vom Menschen selbst ab: er hat ja die “freie” Wahl.(Vorsicht: Sarkasmus)
    Ein ewiger Kreislauf – Menschen verdienen zu wenig Geld, Mieten und Sozialabgaben werden höher, bleibt weniger für Nahrungsmittel und Kleidung. Damit diese billig angeboten werden kann, muss sie billig produziert werden.
    Und die, die mehr Geld haben, achten nicht mehr darauf, was sie kaufen – sie konsumieren eben.
    Die Frage: Wo bricht man diesen Kreislauf auf?
    Hilfreiche Vorschläge gibt es viele (Bedingungsloses Grundeinkommen etc.), wenn nicht ständig diese “Behinderungen” auf den Weg zur allgemeinen Öffentlichkeit wären.
    Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, das allgemeine Bewusstsein wächst und damit auch der Widerstand.

    Comment | 12. April 2010
  • Lidl mal wieder: Discounter täuscht Verbraucher – Menschenrechtler verklagen Lidl…

    Von Peter Marwitz | Konsumpf | – Das Thema Discounter wird wohl ein heißes bleiben, solange es diese Form des ausbeuterischen und zer-störerischen Handels und Handelns geben wird. Nachdem KiK vor ein paar Tagen eine eigene Fernsehsendung gewidm…

    Trackback | 12. April 2010
  • Wer kauft denn bei Discountern ein? Doch hauptsächlich die, die auch wenig Geld haben

    Das stimmt so nicht. Studien haben gezeigt, dass die Mehrzahl der Discount-Kunden zu den Normal- und Gutverdienern gehört (ca. 80%). Also Menschen, die es sich problemlos leisten könnten, auch sozialverträglicher einzukaufen.

    Comment | 12. April 2010
  • @ Bernd: Da sprichst Du auf jeden Fall ein echtes Problem an. Denn nicht jeder kann und will sich so intensiv mit den Hintergründen seiner Einkäufe beschäftigen, dass er wirklich alle Verstrickungen erkennt. Meine einfache Faustregel ist ja: nichts von großen Konzernen kaufen, nichts von Marken/Firmen kaufen, die groß (zB im TV) werben. Im normalen Supermarkt kann man sowieso kaum etwas vertrauen, außer vielleicht ein paar regionalen Biomarken.

    Comment | 12. April 2010
  • Es ist sicher nicht verkehrt, immer wieder nach den Produktionsbedingungen zu fragen und dies auf der Website eines Unternehmens dokumentiert sowie durch zuverlässige Labels wie FairTrade oder andere bestätigt wissen zu möchten. Mit Text, Fotos und Videos von vor Ort an den Produktionsstätten bzw. der Zulieferbetriebe sowie die gesamte Transportkette, denn auch da werden Menschen gnadenlos verheizt. Dieses immer wieder nachfragen soll bei Lidl, Spar und allen anderen Märkten geschehen. Jeder mache im Rahmen seiner Einkäufe mit und bekunde beim Nachfragen, dass er bei zuverlässigen menschenwürdigen Produktionsbedingungen auch bereit wäre, mehr für diese Produkte zu bezahlen. Die meisten Menschen können ihr Budget ein wenig umverteilen, sodass sie zwar auf ein wenig verzichten, aber dafür fair einkaufen können.

    Tipp: Es ist immer gut, bei der Kasse nach dem Filialleiter zu fragen und ihm sein Anliegen bekanntzugeben.

    Comment | 12. April 2010
  • Martin

    Gerade im Lebensmittel-Einzelhandel stellt sich aber die Frage, wo man alternativ bedenkenlos einkaufen kann. Bioläden jetzt mal ausgenommen.

    Ich kenne ein Geschäft, das jahrelang privat geführt wurde, ehe es sich jetzt auch der EDEKA anschloß. Aber schon seit Jahren war dieser Unternehmer dafür bekannt, seine Mitarbeiter mit unbezahlter Mehrarbeit und fragwürdigen Abrechnungen zu betrügen.

    Welche Möglichkeiten habe ich also, wo doch so ziemlich jeder Laden irgendeiner Kette angehört? Da bleibt oft nur das kleinste Übel zu wählen, und das ist schwer genug.

    Comment | 12. April 2010
  • Ich kaufe primär im Bioladen und auf dem Wochenmarkt ein – den (kleinen) Rest erledige ich dann bei Edeka. Damit fahre ich gut, denke ich. :-) Die Discounter sind auf jeden Fall das größte Übel im Einzelhandel, das ist klar.

    Comment | 12. April 2010

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