Okt
31
2008
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Surftipp: Freecycle, das Verschenknetzwerk

In Zeiten überhand nehmender Kommerzialisierung ist es doch schön, dass es auch solche sinnigen Initiativen gibt wie Freecycle. Statt überflüssige Dinge für 1 oder 2 Euro bei Ebay zu verkloppen, kann man sie in diesem Verschenknetzwerk anbieten und vielleicht jemanden damit beglücken. Ursprünglich als Projekt in den USA gestartet, existiert Freecycle Deutschland seit mehreren Jahren und wartet mit verschiedenen Ortsgruppen auf, in denen man sich im wahrsten Sinne des Wortes austauschen kann (bspw. hier die Ortsgruppe Kiel). Das tolle ist: Jeder kann bei Freecycle mitmachen, es kostet keine Gebühren. Inzwischen ist daraus eine weltweite Bewegung mit über 5 Millionen Mitgliedern geworden.

Das weltweite Freecycle-Netzwerk organisiert in regionalen Gruppen den Austausch kostenlos abzugebender Gegenstände. Was für den einen wertlos geworden ist, kann ein anderer vielleicht noch gut gebrauchen. Mit Freecycle kannst du zu verschenkende Sachen anbieten oder suchen.

Freecycle wird ehrenamtlich betrieben und vertritt keine kommerziellen Interessen. Ziel der Freecycle-Idee ist es, unnütz gewordenen Dingen wieder einen Sinn zu geben, anderen zu helfen und eine Freude zu bereiten und auch selbst Spaß daran zu haben. Und wenn die eigene Wohnung (Keller, Garage, Dachboden) dabei entrümpelt sowie Müll vermieden wird: auch nicht schlecht!

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Okt
31
2008
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Neues aus Absurdistan – die „Finanzkrise” mal wieder

Das hier fand sich gestern im Handelsblatt: Die „US-Banken stecken Staatshilfen in Dividenden

Die vom US-Rettungspaket in der Finanzkrise unterstützten Banken schütten laut einem Zeitungsbericht rechnerisch mehr als die Hälfte der Milliardenhilfen als Dividenden an ihre Aktionäre aus. Statt in die dringend nötige Wiederbelebung der Kreditvergabe fließe das Geld so mit staatlichem Segen an die Anteilseigner.

Und dazu passt diese Nachricht: „Goldman Sachs ready to hand out £7bn salary and bonus package… after its £6bn bail-out

The struggling Wall Street bank has set aside £7billion for salaries and 2008 year-end bonuses, it emerged yesterday. Each of the firm’s 443 partners is on course to pocket an average Christmas bonus of more than £3million. The size of the pay pool comfortably dwarfs the £6.1billion lifeline which the U.S. government is throwing to Goldman as part of its £430billion bail-out.

However, profits are falling much faster. Earnings have plunged 47 per cent so far this year amid the worst financial crisis since the Great Depression. This has wiped more than 50 per cent off the company’s market value.

The news comes after it was revealed that even bankers working for collapsed Wall Street giant, Lehman Brothers, could receive huge payouts.

Im Klartext: trotz der miserablen Leistung ihrer führenden Mitarbeiter, die die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise gezogen haben, zahlt diese Bank üppigste Boni aus, und zwar mehr, als sie vom Staat als „Rettung” erhält. Zu so viel Dreistigkeit fällt einem eigentlich nichts mehr ein… aber solange die Börsenkurse aktuell wieder steigen, sind ja alle froh und munter…

Wenig erfreuliche Aussichten auch im Schweizmagazin: „Bankenkrise dauert noch drei Jahre an”. Und eine eher düstere Prognose lesen wir auch von Thomas Göhler bei MMNews „Tapferes Schneiderlein”. Auf Deutschlandradio behauptet der Wuppertaler Professor Bazon Brock „Finanzmarkt und Politik beschädigen Demokratie schwer” und geht im Interview hart mit dem derzeitigen Krisenmanagement der Politiker ins Gericht.

Der Finanzexperte Günter Hannich, Autor mehrerer Bücher, in denen er den aktuellen Crash schon vor Jahren vorhersagte, wurde gestern doch tatsächlich von n-tv interviewt und konnte dort interessante Gedanken zum Thema Zinseszins und Finanzsystem sagen:

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Okt
30
2008
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Filmtipp: Let’s make money

Heute kommt der neue Film des österreichischen Filmemachers Erwin Wagenhofer („We feed the world”) in die deutschen Kinos – „Let’s make money” heißt er und er startet genau zur richtigen Zeit, denn er setzt sich mit den verheerenden Folgen des neoliberalen Kapitalismus und Finanzsystems in der ganzen Welt auseinander.

Hier einige Filmkritiken (die voll des Lobes sind):

  • Tagesspiegel: Mit allen Raff-Finessen
  • Filmstarts.de: „Fazit: Mit „Let’s Make Money“ ist Erwin Wagenhofer eine beinahe geniale Analyse des heutigen neoliberalistischen Finanzsystems gelungen.“
  • Moviemaze: „Mit dem gleichen kühlen Blick für das Wesentliche, wie schon bei seinem Erstlingswerk We Feed The World, kratzt der österreichische Dokumentarfilmer an der Oberfläche der weltweiten finanziellen Verstrickungen. Das wenige, was er da in 110 Minuten zu beleuchten vermag, lässt einem bereits das Blut in den Adern gefrieren. Dieser Film sollte zum Grundwissen eines jeden gehören, der ein Bankkonto hat.“

Und ein interessantes Interview mit dem Regisseur in der Tagesschau: „Getriebene in einem unmenschlichen System”.

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Okt
30
2008
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Okt
29
2008
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NewScientist: Wie unser Wirtschaftssystem die Erde tötet

Vor zwei Wochen erschien im renommierten Wissenschaftsmagazin NewScientist ein „Special Report” unter dem Thema „How our economy is killing the earth”, der einige beklemmende Erkenntnisse zu Tage fördert. Im einleitenden Artikel wird beispielsweise diese Grafik hier präsentiert (anklicken, um sie in groß zu sehen):

Tiefergegehende Analysen zu dieser Grafik findet Ihr hier: „The facts about overconsumption”.

Sie verdeutlicht, welch exponentielle Entwicklungen viele Dinge in der Wirtschaft und der menschlichen Gesellschaft mittlerweile genommen haben – und eigentlich kann sich jeder mit Hilfe seines gesunden Menschenverstandes ausmalen, dass dies nicht ewig so weitergehen kann (Text wurde von mir mit freundlicher Genehmigung des Verlags übersetzt):

Die Grafiken auf dieser Seite sind eine deutliche Erinnerung an die Krise, der unser Planet gegenüber steht. Der Ressourcenverbrauch steigt schnell an, die Biodiversität stürzt ab und praktisch jede Messung zeigt, wie Menschen die Erde im großen Maßstab beeinflussen. Die meisten von uns akzeptieren die Notwendigkeit eines nachhaltigeren Lebensstils, indem wir den CO2-Ausstoß verringern, erneuerbare Technologien entwickeln und Energieeffizienz erhöhen.

Aber sind diese Anstrengungen, den Planeten zu retten, zum Scheitern verurteilt? Eine steigende Anzahl von Experten berücksichtigt Grafiken & Statistiken wie die oben und argumentiert, dass persönliches Spritsparen und kollektives Ökologiebewusstsein unerheblich/nutzlos sind, so lange unser Wirtschaftssystem auf der Wachstumsprämisse beruht. Die Wissenschaft sagt uns, dass wir die Erde nur retten können, wenn wir unser Wirtschaftssystem verändern.

Dies ist natürlich ökonomische Gotteslästerung. Wachstum ist für die meisten Ökonomen so selbstverständlich wie die Luft, die wir atmen: es ist, wie sie behaupten, die einzige Kraft, die in der Lage ist, die Armen dieser Welt aus ihrer Armut zu befreien, die zunehmende Weltbevölkerung zu ernähren, die Kosten für die zunehmenden öffentlichen Ausgaben zu bezahlen und technischen Fortschritt anzufachen – vom Bezahlen eines immer ausschweifenderen Lebensstils ganz zu schweigen. Sie sehen keine Wachstumsgrenzen, niemals.

In den letzten Wochen ist es klar geworden, wieviel Angst die Regierungen vor allem haben, dass dieses Wachstum bedroht, indem sie Milliarden von Steuergeldern in ein Finanzsystem kippen, das versagt hat. In all dieser Verwirrung muss jede Herausforderung des Wachstumsdogmas genau untersucht werden.

[weiterlesen des Artikels, auf Englisch]

Ein weiterer Artikel des NewScientist-Specials stammt von Prof. Tim Jackson von der Universität Surrey (UK) – „Warum Politiker sich nicht trauen, wirtschaftliches Wachstum zu begrenzen”. Die ersten paar Absätze darf ich Euch wieder als Übersetzung präsentieren, den Rest dann bitte auf der Originalsite nachlesen.

Wenn Sie an der Oberfläche des Kapitalismus des freien Marktes kratzen, entdecken Sie etwas, das an tiefsitzende Urängste erinnert. Die jüngsten Ereignisse liefern ein gutes Beispiel dafür: Das außergewöhnliche 800 Milliarden $ US-Rettungspaket war eine gigantische „Wohlfühldecke”, um das Vertrauen in den schwächelnden Finanzmarkt wiederherzustellen. Indem die Steuerzahler gezwungen werden, die „giftigen Schulden” aufzusammeln, die das System in die Krise geführt haben, zielt es darauf ab, unsere Fähigkeit zu erhalten, so weiter zu machen wie bisher. Das ist eine sehr kurzsichtige und regressive/rückschrittliche Lösung, aber das Wirtschaftswachstum muss nun mal um jeden Preis geschützt werden.

Als Wirtschaftsbeauftragter der UK Sustainable Development Solution kommt mir dieses Vorgehen auf deprimierende Weise bekannt vor. Bei der letztjährigen Vorstellung des Redefining Prosperty-Projekts (das versucht, ein wenig ökologische und soziale Rücksichtnahme in die atemlose Hatz nach wirtschaftlichem Wachstum einzubringen) stand ein Vertreter des Finanzministeriums auf und beschuldigte mich und meine Kollegen, „zurück zum Leben in Höhlen” gehen zu wollen. Nach einem aktuellen Treffen, das herausfinden sollte, wie die englische Finanz- und Wirtschaftspolitik nachhaltiger gestaltet werden könnte, konnte man einen Offiziellen murren hören: „Nun, das ist alles ganz interessant, aber vielleicht können wir ja jetzt zur wirklichen Aufgabe zurückkehren: das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.”

Die Aussage ist klar: jede Alternative zum Wachstum bleibt undenkbar, selbst 40 Jahre, nachdem die amerikanischen Ökologen Paul Ehrlich und John Holdren einige verblüffend offensichtliche Beobachtungen zur Arithmetik des permanenten Konsums machten.

(…) [den Rest des Artikels bitte auf Englisch nachlesen]

Dies ist die Logik des kapitalistischen freien Marktes: die Wirtschaft muss immer weiter wachsen, oder es kommt zu einem schrecklichen Kollaps. Da die ökologische Entwicklung jedoch kritische Punkte zu erreichen beginnt, müssen wir aufhören, zu glauben, dass die sinnlose Jagd nach Wirtschaftswachstum mit Nachhaltigkeit vereinbar ist. Wir brauchen etwas robusteres als nur eine „Wohlfühldecke” um uns vor dem Schaden zu schützen, den wir auf dem Planeten anrichten. Eine Alternative zu diesem zum Untergang verdammten Modell/System muss höchste Priorität genießen, bevor eine weltweite Rezession, ein instabiles Klima oder eine Kombination dieser  beiden Kräfte uns heimsucht.

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Okt
28
2008
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Supermarktmacht – Billig um jeden Preis?

Zunehmende Marktmacht und Konzentration auf vielen Märkten ist eines der Kernthemen meines Blogs (und auch einer der Auslöser, mich mit den ganzen Problematiken rund um Globalisierung & Co. zu beschäftigen). Dies betrifft nicht nur die von mir besonders verfehmten und “bekämpften” Billigbuden, die Discounter-Ketten, auf deren schädliche Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt ich an anderer Stelle noch ausführlicher eingehen werde (man lese aber auch meine älteren Beiträge über Lidl, HIER und HIER). Gerade in Deutschland hat die Marktkonzentration schon bedenkliche Ausmaße angenommen – inzwischen werden 90% des Einzelhandels von nur noch 6 Großkonzernen bestimmt, die somit große Einflußnahme auf Preise und Zulieferer ausüben. Und, v.a. im Falle der Discounter, auch das Lohnniveau und die Arbeitsbedingungen drücken.

Seit einigen Monaten haben Organisationen wie ver.di, Germanwatch, BUND, Südwind, Misereor und Oxfam eine eigene Initiative gegründet, die die Gefahren dieses Prozesses bewusst machen und stoppen will – Supermarktmacht.

„Je größer der Marktanteil der wenigen verbleibenden Supermärkte, desto mehr können sie ihre Einkaufsmacht gegenüber den Zulieferern ausspielen“, kritisiert Marita Wiggerthale, Handelsexpertin bei Oxfam Deutschland. Schon jetzt drückten die Supermarktkonzerne ihre Lieferanten im Preis und wälzten Kosten und Risiken auf sie ab. „Die Zulieferer müssen sich mit Zuschüssen an der Neueröffnung von Supermarkt-Filialen beteiligen, Listungsgebühren bezahlen oder rückwirkend geltende Konditionsänderungen hinnehmen“, so Wiggerthale. Der daraus resultierende Preis- und Kostendruck bewirke, dass Arbeiter/innen in den Lieferländern noch länger unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Hungerlöhnen produzieren müssten.

Auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten bei den Discountern in Deutschland verschlechtern sich zunehmend. Niedriglohn- und Minijobs verdrängen normale Arbeitsverhältnisse. “Arm sein trotz Arbeit wird in Deutschland und Europa zur Normalität“, warnt Uwe Woetzel, Experte für Arbeitsrechte bei der Gewerkschaft ver.di. „Besonders betroffen sind Frauen, Migranten und Menschen aus strukturschwachen Gebieten, die überwiegend bei Lidl, Aldi, Norma, Netto und anderen Billig-Ketten arbeiten.“ Extremer Leistungsdruck und Überwachung seien bei vielen Discountern an der Tagesordnung. Grundlegende Arbeitsrechte von Beschäftigten werden nicht respektiert und das Organisationsrecht von Arbeitnehmervertreter/innen behindert.

Auf der Website erfahrt Ihr mehr über die Hintergründe, die Forderungen und auch, worauf man als Verbraucher achten kann. (NICHT beim Discounter einzukaufen halte ich schon mal für einen guten und sinnvollen Schritt.)

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Okt
28
2008
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Atomausstieg selber machen

Ich möchte heute als Nachtrag zu meinem Entega-Schummelstrom-Text von neulich hier noch die Pressemitteilung der löblichen Aktion Atomausstieg selber machen posten – denn nur darauf zu warten, dass die Politik oder gar die Energiebetreiber auf die einträglichen AKW verzichten, bringt ja nichts.

Pressemitteilung; Vorsicht vor Schummelstrom!
Verdeckte Angebote der Atomkonzerne

Ob Entega, Eprimo oder Naturenergie – unter neuen Namen versuchen die vier marktbeherrschenden Energiekonzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW ihr ausgedehntes Konzerngeflecht zu verbergen. Dem Kunden wird ein Wettbewerb auf dem Strommarkt vorgetäuscht, der kaum existiert. Wechselwillige Stromkunden landen immer wieder bei denselben Konzernen.

Häufig bieten die Tochterfirmen auch vermeintlichen Ökostrom an. Für die Umwelt bringt dies wenig, festigt aber die Macht der Konzerne. Entega hat nun vollmundig angekündigt bis 2009 der „größte Ökostromanbieter Deutschlands“ werden zu wollen. „Der Ökostrom von Entega ist Schummelstrom“, meint Florian Noto, Sprecher von „Atomausstieg selber machen“. Die Vertriebsgesellschaft Entega verkaufe den Strom der HEAG Südhessische Energie (HSE). „Die HSE gehört zu 40 Prozent der Thüga AG, die Teil des E.ON-Konzerns ist“, erklärt Noto. „Wer bei Entega Ökostrom kauft, finanziert somit wieder die Geschäfte und die Politik von E.ON.“ E.ON ist in Deutschland an elf Atomkraftwerken beteiligt, plane vier neue Kohlekraftwerke und habe im Jahr 2007 über fünf Milliarden Euro Gewinn gemacht. Über das hundertprozentige Tochterunternehmen Thüga halte E.ON Anteile an insgesamt 110 regionalen Energieversorgern, die in die Strategie des Mutterkonzerns eingebunden seien.

Anke Siegert von der GRÜNEN LIGA rät, sich für einen unabhängigen Stromanbieter zu entscheiden. „Wer für Ökostrom bezahlt, will sicher nicht, dass das Geld wieder bei den vier marktbeherrschenden Atomkonzernen landet.“ Als bundesweit verfügbare Alternative kämen nur die Ökostromanbieter Lichtblick, Greenpeace Energy, Naturstrom und EWS Schönau in Frage, die ihren Strom aus unabhängigen Quellen beziehen. Diese vier Versorger werden von Atomausstieg selber machen empfohlen, einem Bündnis von 21 Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen.

Ähnliche Strategien wie E.ON verfolgen auch die anderen Energiekonzerne. RWE hat mit eprimo einen sogenannten Energiediscounter gegründet, der einen „PrimaKlima“-Tarif anbietet. PrimaKlima ändere an der Stromzusammensetzung des RWE-Konzerns „überhaupt nichts“, so Siegert. EnBW binde über die Tochterfirma NaturEnergie AG umweltbewusste Stromkunden, die sich eigentlich von dem Atomkonzern trennen möchten.

Nach Ansicht von Atomausstieg selber machen treiben die „offensichtliche Gier“, die Atommüll-Skandale in Asse und Morsleben und die Pläne für dutzende neue Kohlekraftwerke immer mehr Stromkunden weg von den vier marktbeherrschenden Energiekonzernen. Das Bündnis hatte sich 2006 gegründet und wird von 21 Organisationen getragen: .ausgestrahlt, Bund der Energieverbraucher, BBU, BI Lüchow-Dannenberg, BUND, Campact, DNR, DUH, Forum Umwelt und Entwicklung, genanet, Greenpeace, Grüne Liga, IPPNW, Jugendbündnis Zukunftsenergie, KLAR, Mütter gegen Atomkraft, NaturFreunde, NABU, Robin Wood, urgewald und WWF.

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Okt
27
2008
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Attac an der Börse und ungewohnte Töne aus finanznahen Kreisen

Mitglieder des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac haben heute Mittag eine Protestaktion in der Frankfurter Börse durchgeführt (passenderweise gerade zur Liveschaltung von n-tv) und ihrer Forderung „Finanzmärkte entwaffnen! Mensch und Umwelt vor Shareholder-Value!” Nachdruck verliehen. Eine schöne Aktion, wie ich finde.

Apropos n-tv und die Wirtschaftspresse. Eigentlich sind die finanznahen Medien nicht gerade dafür bekannt, das Wirtschaftssystem und ihre Auswüchse in den vergangenen Jahren sonderlich kritisch beleuchtet zu haben (wenn man mal von einzelnen “Skandalen” absieht, über die natürlich gerne berichtet wird), aber bei meinen Wanderungen durchs Internet stieß ich dann doch auf erstaunliche Töne. So betreibt Michael Mross (früher Börsenreporter bei n-tv, heute bei CNBC) die Website MMNews, die sich folgendes auf die Fahnen geschrieben hat:

Deshalb widmet sich MMnews auch philosophischen Themen und beleuchtet insbesondere “normale” Gesellschaftsströmungen kritisch. In einer globalisierten Welt, die durch Mainstream gleichgeschaltet wird, ist es um so wichtiger, aufmerksam und kritisch das Zeitgeschehen zu durchleuchten.

Und so finden sich auf dieser Website wirklich eine Reihe sehr grundlegend kritischer Kommentare und Berichte, beispielsweise geht Ellen Brown in „Kredit-Krise: Game over” auf die prinzipiellen Probleme unseres Währungssystems ein und beschreibt das Bankensystem als Schneeballsystem, das nun zusammenzubrechen droht.

Das wirkliche Problem ist nicht die Lage auf dem vieldiskutierten »Subprime-Markt« der zweitklassigen Hypothekendarlehen, sondern die Lage auf den Kreditmärkten, die praktisch ausgetrocknet sind. Das ganze Bankensystem hat versagt. Wie die schmerzlichen Lehren aus der Großen Depression zeigen, kann man in einer solchen Situation die Ökonomie nicht einfach durch die Stützung notleidender Banken retten. Das gesamte Bankensystem muss grundlegend reformiert werden.

Nur ein paar Klicks entfernt enteckte ich dann auch noch diesen offenen Brief von n-tv-Moderator Raimund Brichta an Angela Merkel, der sich ebenfalls sehr kritisch mit der aktuellen Situation auseinandersetzt und in dem der Autor fordert, nicht nur die Symptome, sondern vor allem auch die Ursachen zu behandeln:

… dass unser Geld ausschließlich von Geschäftsbanken, Sparkassen und Notenbanken gemacht wird, indem diese Kredite vergeben. Das heißt, die gesamte umlaufende Menge an Geld hängt nur vom Volumen an existierenden Bankkrediten ab. Ohne Kredite gibt es kein Geld.

(…)  Aber damit nicht genug, liebe Frau Merkel, denn Sie wissen ja, dass man für Kredite auch Zinsen zahlen muss. Das heißt, man muss insgesamt mehr zurückzahlen, als man aufgenommen hat. Manchmal – bei besonders langlaufenden Krediten – sogar mehr als das Doppelte. Wo soll aber das zusätzliche Geld herkommen? Klar, es kann nur aus zusätzlichen Bankkrediten stammen. Es muss also laufend neues Geld in Form von Bankschulden geschaffen werden. Und für die zusätzlichen Schulden müssen wieder Zinsen gezahlt werden, die noch mehr zusätzliche Kredite erfordern. Und so weiter und so fort…

Das hat zur Folge, dass die Mengen an zusätzlichem Geld und an zusätzlichen Schulden exponentiell wachsen müssen, um das System aufrecht zu erhalten.

Deshalb schlage ich Ihnen vor, liebe Frau Merkel, Ihren langfristigen politischen Zielen für mehr Nachhaltigkeit (z.B. im Klimaschutz oder in der Energieversorgung) ein weiteres hinzuzufügen: das Ziel, ein nachhaltigeres Geldsystem zu schaffen. Vergeben Sie Forschungsaufträge und stellen Sie Expertengremien zusammen, die sich damit beschäftigen, wie unser Geld sicherer werden kann. Tun Sie bitte etwas, denn es gibt noch viel zu tun – über die aktuelle Symptombehandlung hinaus. Der Blick auf die Wurzel wurde bisher fast gar nicht geschärft, weil diejenigen, die das gegenwärtige System betreiben, auch prächtig daran verdienen.

Und abschließend noch ein paar Worte aus der FAZ – Frank Schirmacher sinniert drüber, „wie die Finanzkrise das Denken ändert” – „Die Finanzkrise fegt bisherige Glaubenssätze der Marktmetaphysik beiseite.”

Welche Gründe hat es, dass wir in einer Gesellschaft leben, die im Begriff ist, nach ihren natürlichen Lebensräumen nun auch ihre soziale Umwelt, die Lebenszeit einer ganzen Generation, sehenden Auges zu ruinieren? (…)

Nach Diamond steigt die Bereitschaft handelnder Eliten, eine Gesellschaft zu ruinieren, proportional mit ihrer Möglichkeit, sich von der Gesamtgesellschaft ökonomisch zu isolieren. Je mehr ihnen diese Isolierung gelingt, desto weniger werden sie von den Folgen für alle betroffen sein.

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Okt
27
2008
1
Okt
26
2008
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Worst EU Lobbying Awards 2008

Gerade eben wurde ich im „Uns gehört die Welt!”-Blog auf dies Aktion „Worst EU Lobbying Awards 2008” aufmerksam gemacht, der von  Corporate Europe Observatory, Friends of the Earth Europe, LobbyControl und Spinwatch organisiert wird und dubiose Lobbying-Praktiken in der EU (zum Vorteile bestimmter Interessensgruppen und zum Nachteil der meisten Bürger) anprangert.

Für den Worst EU Lobbying Award stehen folgende Kandidaten zur Wahl:

  • Die Agrosprit-Lobby – nominiert für ihre irreführenden Kampagnen, Agrotreibstoffe „grün“ zu färben
  • Die European Alliance for Access to Safe Medicine (EAASM) – nominiert, weil sie die Beteiligung großer Pharmakonzerne in ihren Kampagnen verschweigt
  • Das European Business and Parliament Scheme – nominiert dafür, dass sie Lobbyarbeit aus ihren Büros im Parlamentsgebäude betreiben
  • Die Brüsseler Lobby- und PR-Agenturen Gplus und Aspect Consulting – nomiert für ihre Rolle als Verbreiter von Kriegspropaganda im jüngsten Konflikt zwischen Russland und Georgien.
  • Die International Air Transport Association (IATA) – nominiert für ihre irreführende Lobby-Kampagne mit dem Ziel, Vorschriften zur CO2-Reduzierung im Luftfahrtsektor zu vermeiden

Abstimmen könnt Ihr bis zum 30.11.2008 HIER.

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