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L.A. Law – Wie Hollywood unser Rechtssystem formt, Teil 1/2

business_lawDass Fernsehen mehr ist als nur bloße Unterhaltung und Zerstreuung, sondern massiven Einfluss auf das gesellschaftliche Leben ausübt, sollte inzwischen jedem klar sein. Nicht nur werden politische Meinungen und Diskurse beeinflusst, Themen aufgebauscht oder unter der Decke gehalten, auch sorgen Reklame oder unsägliche Shows wie Germany’s Next Top Model für das Verbreiten und Aufrechterhalten stupider Klischees und kranker Schönheitsideale im Zeitalter von zu Tode gephotoshoppten Models. Gewisse Lebens- und Konsumstile oder auch Lebensentwürfe werden als Vorbild und nachahmenswert dargestellt, andere wieder diffamiert und der Lächerlichkeit preisgegeben. Dass aber die Rechtssprechung durch Serien wie L.A. Law nicht unberührt bleibt, war mir bis zur Lektüre des Artikels „L.A. Law: How Hollywood is shaping our legal system“ von Julie Scelfo (erschienen in McLaren/Torchinsky: „Ad Nauseam: A Survivor’s Guide to American Consumer Culture“) auch nicht bewusst – das Ganze klingt teilweise ganz schön kränk und auch reichlich bedenklich. Ich möchte Euch den Text, der ursprünglich im Stay Free Magazine #18 (2001) unter dem Titel „When law goes Pop“ erschien, deshalb als Übersetzung präsentieren.

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L.A. Law: Wie Hollywood unser Rechtssystem formt

Interview mit Richard Sherwin

Auf seinem Bürosofa unter einem Poster von Andy Warhols Tomatensuppe sitzend, wirkt Richard Sherwin ganz ruhig. Trotz der Tatsache, dass sein aktuelles Buch When Law Goes Pop: The Vanishing Line Between Law and Popular Culture (The University of Chicago Press) die Auflösung des amerikanischen Rechtssystem beschreibt, ist Sherwin überzeugt, dass es eine Lösung gibt. An einem trüben Novemberabend traf ich den Jura-Professor in der New Yorker Law School, um mit ihm die Verbindung zwischen Wahrheit, Gerechtigkeit und dem Kino zu diskutieren.

Julie Scelfo (J.S.:): Gab es ein spezielles Ereignis, das Sie dazu inspirierte, das Buch zu schreiben?

Richard Sherwin (R.S.): Ich zeigte meinen Studenten Erroi Morris Film The Thin Blue Line, welcher als Dokumentation eingestuft ist. Er benutzt reale Parteien in einem realen schweren Mordfall. Sie sehen den Angeklagten Rendal Dale Adams, den realen Richter, die realen Anwälte und die realen Zeugen. Es sind direkte Einzelinterviews mit all diesen Personen.

Randal Dale Adams war ein Sündenbock, der in einem korrupten Rechtssystem von Dallas, welches der Film enttarnt, gefangen ist. Bevor ich ihn meinen Studenten zeigte, bat ich sie darum, all die Formfehler zu finden, die wir zusammen erarbeitet hatten. Sie liebten es und es ergab sich tatsächlich ein guter Überblick über verschiedene Fehler, die in dem Gerichtssaal stattfanden. Aber als ich den Film einige weitere Male betrachtete, begann ich all das fiktionale Material zu bemerken, das Morris benutzte: alle möglichen Formen von Wiederholungen, Überblendungen und nicht zuletzt der hypnotische Soundtrack von Philip Glass… Und das ist vor allem deshalb interessant, wenn man sich bewusst macht, dass Morris’ Film eine Revision des Falles bewirkte. Randal Dale Adams wurde am Ende aus dem Gefängnis entlassen.

J.S.: Der Film bewirkte seine Freilassung?

R.S.: Nun, der Film war der Impulsgeber dafür, den Fall wieder aufzurollen. Wenn Errol Morris diesen Film nicht gedreht  hätte, säße Randal Dale Adams vermutlich immer noch in einem Gefängnis in Dallas. Und vielleicht war es auch im Sinne der Justiz, dass dieser Film damit am Ende zu Adams Freilassung führte. Was ich auf jeden Fall spannend fand, war, dass in Morris’ Film jede Menge manipulativer Techniken, fiktionaler Kunstgriffe vorkommen, die dazu benutzt wurden, einen Rechtsspruch zu machen.

J.S.: Etwas, das mich in Ihren Buch erstaunt hat, war das Ausmaß, in dem Rechtssprechung in die Populär-Kultur eingesickert ist. Juristische Geschichten haben lange Zeit, nicht nur das Fernsehen sondern davor auch Film und Theater dominiert. Wie kommt das? Was macht Rechtssprechung so passend für populäre Kultur und fürs Geschichtenerzählen?

R.S.: Nun, zum einen ist es dramatisch. Die grundlgende Struktur zweier gegnerischer Parteien bewirkt eine natürliche Spannung, wie die Perry Mason-Formel, der große Höhepunkt der Entdeckung im Gerichtsstand – „Aha! DAS ist der Schuldige! Nicht mein Klient!“ Außerdem befasst sich Recht mit den brutalsten und extremsten Verhaltensweisen. Dies spricht natürlich unsere niederen Gelüste und unseren Voyeurismus an.

J.S.: Nicht jeden Tag gibt es einen O.J. Simpson-Prozess. Denken Sie, dass Richter in den Gerichtsaal gehen und dort das gleiche Niveau an Drama erwarten, das sie vom Fernsehen und den Medien geliefert bekommen?

R.S.: Ich habe keine wissenschaftliche Studie, aber was Menschen von der Rechtssprechung durch die ihnen zur Verfügung stehenden Informationswege erfahren, ist stark verzerrt. Wenn Sie beispielsweise Court TV einschalten, so behaupten sie, dies sei „Rechtssprechung ohne Drehbuch“. Sie stellen sich selbst als ein Fenster zur realen Rechtssprechung dar. Aber natürlich ist es das nicht, es ist Fernsehen. Wenn Sie die Art der Fälle, die in Court TV erscheinen, betrachten, folgen sie den selben dramatischen Mustern, die auch sonst im TV erfolgreich sind. Sie sind unverhältnismäßig gewalttätig, in der Regel handelt es sich um Mordfälle oder grausame Sexualverbrechen.

J.S.: Wie Law and Order: Special Victims Unit. Es beschleunigte den Kitzel der ursprünglichen Show.

R.S.: Ja. Sobald Sie auf der Basis dieses Strickmusters drehen, haben Sie keine andere Wahl als regelmäßig die Stärke des Reizes zu erhöhen. Sogar in Russland – ich las heute über Nachrichtensendungen, in denen die Interviewer nackt sind. Ich denke, Fernsehen neigt dazu, die Zuschauer davon abzubringen, sich großartig Gedanken über das zu machen, was sie sehen, oder überhaupt viel Inhalt aufzunehmen. Und die Gefahr, die ich sehe, liegt darin, dass Sie, wenn Sie die Ästhetik der Fernsehunterhaltung in den Gerichtssaal bringen,  die gleichen Muster an emotionaler Provokation und Gefühl und Belohnung nehmen, die man sonst auf dem Bildschirm sieht. Und das ist eine Form der Überzeugung die dazu neigt, Abwägungen einzuebnen.

Ich habe nichts gegen Unterhaltung und ich mag Popkultur, aber ich mache mir Sorgen, wenn die Rechtssprechung ein Synonym für Unterhaltung wird, so dass man nur überzeugen kann, wenn man gleichzeitig unterhält.

J.S.: Könnten Sie uns den Gedanken der Rechtssprechung, die Pop wird („The Law going Pop“), erläutern?

hammerscheR.S.: Der Titel funktioniert auf verschiedenen Ebenen. Auf der einen Seite spreche ich an, was es heißt, dass Rechtssprechung und Popkultur sich annähern. Popkultur hilft dabei, Rechtsvorstellungen zu erschaffen. Das führt zu etwas, was man vielleicht „Pop Law“ nennen könnte. Man sollte es sehr skeptisch sehen, was passiert, wenn das Recht zu sehr von der Popkultur angezogen wird, wenn es zu sehr wie Fernsehen und Reklame wirkt. Dann gibt es die Assoziation zur Pop Art. Andy Warhol und die Pop-Art-Bewegung waren ihrer Zeit weit voraus, wenn sie davon sprachen, wie die Kultur zu einer Ware geworden ist und was es heißt, Bilder über Massenmedien zu verbreiten, die sich dann komplett von der Lebensrealität abkoppeln. Und schließlich spiele ich auch auf das an, was passiert, wenn man mit einer Nadel in einen Ballon sticht – es macht „pop“. Die größte Bedrohung für die Rechtssprechung ist der Verlust ihrer Legitimation, öffentliche Enttäuschung.

J.S.: Denken Sie, dass die Rechtssprechung zu einer Handelsware geworden ist?

R.S.: Fraglos ist es so. Juristisches war immer schon im Fernsehen und in Filmen präsent, aber nun haben wir zusätzlich noch Sachen wie Court TV, Divorce Court und Power of Attorney, wo reale Anwälte zu Stars werden. Diese Schilderung des Rechtssystems durch das so genannte „Reality“-Fernsehen wird noch heimtückischer dadurch, dass diejenigen, die sich diese Sendungen anschauen, ein bestimmtes Gefühl dafür verinnerlichen, was Recht wirklich ist.

J.S.: Heißt dass, dass die Eindrücke, die Zuschauer durch das Fernsehen darüber bekommen, wie die Rechtspechung läuft, einen Einfluss auf die Urteile haben, die sie machen, wenn sie als Geschworene tätig werden?

R.S.: Absolut. Es ist wie eine Feedbackschleife: Menschen, die ihr juristisches Wissen durch die Medien erlangen, bilden gewisse Erwartungen, wie Recht funktioniert und bringen diese Erwartungen in den Gerichtssaal. Strafverteidiger müssen die Erwartungen der Leute erfüllen, und deshalb neigen sie dazu, die Form der Kommunikation, die die Menschen (aus dem TV) gewohnt sind, nachzuahmen.

J.S.: Haben Sie ein paar Beispiele dafür, wie Anwälte ihre Tätigkeit verändert haben, um sie an die Erwartungen der Geschworenen anzupassen?

R.S.: Eine der wichtigsten Änderungen ist die Einführung von visuellen Medien in den Gerichtssaal. Der typische Gerichtssaal ist heutzutage oft mit Fernsehmonitoren bestückt. Es ist ein normaler Teil unseres Lebens, Informationen vom Bildschirm zu bekommen. Avi Stachenfeld in Oakland, Kalifornien, war einer der frühesten Anwalts-Filmemacher, der visuelle Medien für Anwälte bereit stellte. Er sagte, er wusste, dass er etwas Großem auf der Spur war, als er bemerkte, dass die meisten Leute in einem Gerichtssaal, vor die Wahl gestellt, das Geschehen live zu verfolgen oder auf einem Monitor sich für den Monitor entschieden.

J.S.: Genauso wie einige Leute Fernseher zu einem Fußballspiel mitnehmen?

R.S.: Das stimmt. Und Geschworene haben in modernen Gerichtssälen mittlerweile oft ihre eigenen Bildschirme. Eidliche Aussagen werden auf dem Monitor verfolgt. Aussagen von Personen via Übertragung werden immer üblicher. Und wenn sie auf dem Bildschirm erscheinen, müssen sie den Verhaltensnormen gehorchen, an die wir uns alle gewöhnt haben.

J.S.: In Ihrem Buch nennen Sie dies „Medien-Logik“.

R.S.: Denken Sie an heutige Politik. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wohin unsere Rechtssprechung steuert. Was sehen wir? Sehr schnelle Bilder, die die gleichen Überzeugungstechniken benutzen wie wir dies von Werbetreibenden kennen. Das kurze Soundfragment. Die schnell geschnittenen Bilder. Denken Sie an Ronald Reagans Kampagnen-Video aus dem Jahre 1980. Seitdem hat sich jeder Präsidentschaftskandidat gezwungen gesehen, eine eigene Version zu erstellen.

J.S.: In einem Wall Street Journal-Artikel erklärt ein Anwalt, wie er seine Anwälte Stimmtraining durchlaufen lässt, so dass sie Aussagen im gleichen Tonfall wie ein Nachrichtensprecher vortragen können.

R.S.: Richtig. Mir haben Richter erzählt, dass zu der Zeit, als L.A. Law auf dem Popularitätshöhepunkt war, sie nicht nur erwarteten, dass sich Anwälte so kleideten, sondern sie erwarteten auch Zweieinhalbminuten-Zusammenfassungen. Sie wissen schon: „Lasst uns das peppig rüberbringen.“ Aber was geschieht, wenn Sie Sachen auf den Bildschirm bringen? Sie unterwerfen sich der Bildschirmästhetik, Sie müssen Dinge unter Zuhilfenahme visueller Produktionsverfahren darbieten, und das verändert alles. Es verändert die Politik, es verändert den Journalismus, es verändert die Rechtssprechung.

J.S.: Ein paar gute Beispiele?

R.S.: Es gab da einen wirklich großen Prozess in Texas, in dem es um den Vorwurf von Insiderhandel ging. Eine texanische Firma verklagte Kidder-Peabody, eine New Yorker Investmentbank, weil sie glaubte, dass jedes Mal, wenn ein Analyst die Firma in Texas besuchte, er mit Informationen zurückkehrte, die in einem plötzlichen Anstieg von Aktienkursen resultierten. Aus diesem Grund hatte das texanische Unternehmen den Eindruck, dass es erheblich mehr Geld für eine Übernahme zahlen musste als wenn sie diese Informationen nicht preisgegeben hätten.

Die Frage war: „Wie macht man solch einen detaillreichen Fall den Schöffen begreiflich?“ Avi Stachenfeld kam mit einigen sehr überzeugenden visuellen Gimmicks daher. Er benutze eine digitale Landkarte der USA, in der Texas überproportional groß dargestellt war. Es war mit einer texanischen Flagge geschmückt, welche in Texas, wo der Fall verhandelt wurde, über alle Maßen geliebt wird. Also haben Sie diese große Staatsflagge in der Mitte der Karte, und dann gibt es dort diesen kleinen Staat am nordöstlichen Ende: New York. Plötzlich kamen die Gesichter des Kidder-Peabody-Teams aus New York herausgeflogen, mit Mike Milken in der Mitte, so dass er wir der Anführer wirkte.

Anschließend sehen wir etwas, das aussieht wie die texanische Flagge, die um New York herumfegt, wie ein Lasso. Und wissen Sie was? Das war genau wie in dem populären Salsa-Werbespot, der damals überall im Fernsehen lief. Sie erinnern sich vielleicht – es ist der, wo diese Cowboys um ein Lagerfeuer sitzen und dieser Koch versucht, ihnen nicht authentische New York Salsa unterzujubeln, und als sie hören, dass es aus New York stammt, rufen die Cowboys „New York City?!? Holt das Seil!“ Und am Ende sieht man, wie der arme Koch am Lagerfeuer gefesselt sitzt.

Was Avi hier getan hatte, war eine Assoziation zu erzeugen – zu dem bekannten „wir/sie“-Gegensatz Texas gegen New York. Aber dieser wird nur indirekt angesprochen.

J.S.: Also benutze Avi diese Bilder, um eine emotionale Reaktion zu bewirken?

R.S.: Ja, das Video ruft unausweichlich eine emotionale Reaktion hervor, die auf der unterbewussten Ebene wirkt. Es gibt ein sehr berühmtes Video, das statt einer mündlichen Zusammenfassung in einem Prozess mit Price-Waterhouse (Anm. PM: eine große amerikanische Investmentbank) angeboten wurde. Das Video wurde vom Kläger eingesetzt, der Price-Waterhouse wegen Sorgfaltspflichverletzung verklagte. Das Video versuchte zu sagen: „Wir verloren viel Geld, weil Price-Waterhouse es versäumte, auf Warnsignale bei der Bank, die sie verfolgten, zu achten.“

In dem Video zeigten sie zunächst das Bild der Titanic, wie sie den Hafen verlässt, unter Rückgriff auf Originalmaterial. Die Titanic – das größte Schiff seiner Klasse, Sie kennen den Ruf des unsinkbaren, des größten, des besten Schiffs. Nun, es sank, nicht wahr? Es sank auf Grund von Sorgfaltspflichtverletzung. Während des gesamten Videos schnitten die Anwälte des Klägers zwischen den Bildern der Titanic und denen der Warnsignale, die die Price-Waterhouse-Buchprüfer übersahen, hin und her. Interessanter Weise begann diese Zusammenfassung mit dokumentarischem Material, dann schnitt sie zu einem englischen Film aus dem Jahre 1957 mit dem Titel A Night to Remember. Nun sehen Sie also den Kapitän Warnungen in den Wind schlagen, Sie sehen Wasser in die Unterdecks einbrechen und an einem Punkt sagt der ernste Erzähler „unerfahrene Wirtschaftsprüfer wurden eingesetzt, genau wie bei der Titanic“. Und sie zeigten Matrosen, die aus den Unterdecks hasteten. Dies geschah in Arizona. (also fernab jeder Küste)

J.S.: Und der Richter erlaubte den Einsatz dieses Bandes vor Gericht?

R.S.: Er tat es, obwohl sie dadurch bei der Revision in Schwierigkeiten gerieten. Aber während des Prozess sagte der Richter zu den Anwälten, dass, weil dieser Fall so viele Zahlen beinhaltete, er sie dazu einlade, etwas zu bieten, dass die Geschworenen wach halte. Deshalb konnte er das Video nicht so recht ablehnen, weil es genau das erreichte, was er wollte. Tatsächlich war die Summe, die per Urteil zugesprochen wurde, um die 350 Millionen $. Dies sind also sehr mächtige Werkzeuge.

>> Morgen geht es weiter mit dem zweiten Teil!

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Hirndoping – Auswirkungen der Umkehrung von moralischen Maßstäben

Das Wochenende naht, und damit die Zeit, sich mal wieder einen interessanten dokumentarischen Beitrag anzuschauen – dieser hier, ursprünglich in der WDR-Sendung „Servicezeit Gesundheit“ gelaufen, befasst sich mit einem Problem unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft: dem künstlichen Aufputschen und Erhalten der eigenen „Arbeitskraft“ und Leistungsfähigkeit, um in diesem System funktionieren zu können. Mit fatalen Folgen für den einzelnen und die gesamte Gesellschaft, wie Mediascanner auf YouTube anmerkt (inzwische heißt der Kanal von ihm Mediafootprint):

Durch die Veränderung der gesellschaftlichen Regeln des Zusammenlebens (Moral) hin zu Maßstäben und Regeln der betriebswirtschaftlichen Philosophie, ist unter anderem eine Haltung der Menschenoptimierung oder Leistungsoptimierung der Gehirne entstanden, die von den Optimierten selbst auszugehen “scheint”.

Durch die Ausrichtung der Bildungspolitik im Wirtschafts-, Bildungs- und Innovationsstandort Deutschland und dem Setzen von Vorbildern in Fernsehserien und Werbewelten, fühlen sich die begriffsgeadelten “Leistungsträger” und die, die es noch werden wollen, dazu genötigt im Wettbewerb der Leistungsfähigsten pharmakologische Mittel einzusetzen. Neuroleptika für wen und für was wird zu spät hinterfragt – letztlich gegen sich selbst.

Nicht zuletzt durch die Überflutung mit Informationen, die in der Masse nicht für Beruf und Leben zu verarbeiten oder gar relevant sind, werden die Menschen überreizt u. verlieren den Blick für das Wesentliche. Das Wesentliche ist leider nicht mehr Gegenstand der Bildung oder ein Thema in der öffentlichen Diskussion.

Vor allem die Äußerungen dieser Ärztin von der Charité im zweiten Teil finde ich unglaublich unverantwortlich und zeugen von einem unreflektierten und kranken Gesellschafts- & Menschenbild.

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Vom Strippenziehen – Die Folgen von Lobbying & Korruption für Umwelt und Gesellschaft

Wie Lobbyismus funktioniert, sehen wir momentan gerade sehr „schön“ an einem aktuellen Beispiel der internationalen Politik – während die Staatsführer der Welt in Kopenhagen ihre Köpfe zusammenstecken, um (vermutlich halbherzige) Lösungen für die Umwelt- und Klimaprobleme der Erde zu finden, arbeitet man im Hintergrund schon eifrig daran, dass diese „Lösungen“ nicht gar zu spürbar für die Wirtschaft werden. So lässt sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Rüttgers vom Energieriesen E.On einpannen, einen entsprechenden Paragraphen in NRW zu kippen, damit das Unternehmen neu geplante Kohlekraftwerke bauen darf. (Siehe dazu auch die neue Kampagne von Campact „Keine Lex E.On“ – bitte mitzeichnen!)

politische-okologie-lobbyismus

Auch die Zeitschrift politische ökologie befasst sich in einer ihrer letzten Ausgaben mit dem Schwerpunktthema Lobbyismus – „Vom Strippenziehen – Die Folgen von Lobbying und Korruption für Umwelt und Gesellschaft“:

In der politischen ökologie117 erfahren Sie, mit welchen Mitteln wirtschaftliche Eliten ihre Interessen in die Gunst der Politik rücken und was für mehr Transparenz zu tun ist.

Industrieberater verwässern in Brüssel Umweltgesetze. AKW-Betreiber finanzieren Umweltgruppen, die Atomkraft reinwaschen. Marktradikale Denkfabriken schleusen Expert(inn)en ins Fernsehen ein, die neoliberale Reformideen propagieren, um den Weg zu ebnen für Privatisierung und Sozialabbau. Greenwashing, eine unkritische Berichterstattung, Nebenanstellungen von Abgeordneten oder schlicht Bestechung machen es der Öffentlichkeit nicht leicht zu durchschauen, wer welche Interessen verfolgt.

Die Autorinnen und Autoren der politischen ökologie117 nehmen die Lobbygruppen und ihre Methoden unter die Lupe, decken Umweltskandale auf und heben grüne Deckmäntelchen hoch. Sie bieten Strategien gegen den Filz und Ansätze für mehr Demokratie sowie eine kritischere Öffentlichkeit.

_ Warum sorgt die Politik nicht für mehr Transparenz?
_ Welche negativen Folgen für Mensch und Umwelt zeitigt der Lobbyismus?
_ Ist die derzeitige Krise ein Nährboden für Korruption?

Einen Artikel daraus gibt es sogar online als kostenloses pdf – Thomas Leif geht in seinem Beitrag „Lobbyismus und Demokratie – Die Politikflüsterer“ (>> pdf) scharfzüngig den Folgen auf den Grund, den diese Einflussnahme der Wirtschaft auf unser politisches und gesellschaftliches System hat.

Sie regieren mit, lautlos, aber hocheffektiv: Lobbyisten der Energie-, Pharma- oder der Zigarettenindustrie schreiben an Gesetzen mit und setzen Abgeordnete unter Druck. Der massive Einfluss der Lobbys gefährdet die Integrität der Politik – und damit auch die Demokratie.

(…) Parlamentsfolklore und politischer Alltag
Deutschland lebt mit einer Lebenslüge. Mit der Lüge, dass unsere Gesetze im Wesentlichen von den dafür gewählten und vom Volk legitimierten Abgeordneten entworfen, beraten und bestimmt werden. Tatsächlich schwindet der parlamentarische Einfluss auf die Gesetzgebung seit Jahren. Immer häufiger segnen die Fraktionen im Deutschen Bundestag das ab, was über die starken Lobbyorganisationen rund um den Reichstag erdacht, erwünscht und über viele Kanäle frühzeitig in den parlamentarischen Prozess eingebracht wurde. Was viele Abgeordnete hinter vorgehaltener Hand zugeben, verdrängt die politische Klasse, ignoriert die Wissenschaft, übersieht die Medienszene und verschweigt die zunehmend mächtige Lobby. (…)

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Habt Ihr eigentlich auch „nie Zeit“? Zerrinnt Euch der Tag so zwischen den Fingern und es ist schon wieder Schlafenszeit, wo Ihr doch gefühlt eigentlich gerade erst aufgestanden seid? Unsere heutige Industriegesellschaft sorgt für eine stetige Beschleunigung unseres Zeitempfindens, für immer mehr Gehetze, alles im Dienste eines sich genauso wild steigernden Wirtschaftswachstums, auf der Suche nach immer mehr Dingen, immer mehr Geld, immer mehr mehr mehr… In ihrer Reihe „Z wie Zukunft“ brachte der Fernsehsender 3sat letztes Jahr die interessanten Kurzfilm „Die Zeitraffer – von der Entschleunigung unserer Zukunft“ von Sabrina Dittus und Nico Weber. Da ich in meinem Blog auch immer wieder einen Blick über den Rand der Konsumgesellschaft hinzu Utopien oder anderen Gesellschaftsentwürfen hin wage, passt dieser Beitrag perfekt hierher. [Quelle]

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Die Dokumentation “Die Zeitraffer” macht sich auf die Suche nach der gesparten, verlorenen Zeit und nach Perspektiven, Visionen. Mit Apokalyptikern wie dem Jenaer Soziologieprofessor Hartmut Rosa, Beschleunigungstheoretiker, für den es nur Ausstieg oder Kollaps gibt, und der Empirikerin Nadine Schöneck, die wider besseres Wissen mit dem Tempowahn Schritt zu halten versucht.(…)

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