Kategorie: Medien

Der freie Markt…

Die Finanzmarktkrise regt derzeit ja viele Leute aus allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft zum Nachdenken an – einige darüber, wie man das grundlegende System reformieren kann, andere kleider nur, wie sie maximalen Profit aus der Lage ziehen könnten. Zu letzteren gehört neben den Bankern auch die Autoindustrie, die ja nun auch vom Staat gefördert werden soll, um drohende absatzprobleme abzufedern. Wie war das noch mal mit dem angeblich freien Markt, der alles von alleine perfekt regelt? Die Politik ist jedenfalls eifrig dabei, hier überhastet falsche Signale zu senden:

Mit ihren Plänen für die Kfz-Steuer wirft die Bundesregierung den Klimaschutz über Bord. Anstatt Anreize für den Kauf von Autos mit einem geringen CO2-Austoß zu schaffen, subventioniert sie den Erwerb von Spritfressern. Das wird sich mittelfristig rächen. (…)

Mit einem solchen Programm würde die Bundesregierung den Automobilherstellern einen Anreiz geben, weiter große Benzinfresser zu bauen. Das Beispiel der US-Automobilindustrie, die genau auf diese Modellpolitik gesetzt hat und jetzt in einer sehr schweren Krise steckt, zeigt, dass das die falsche Strategie ist. Würden die Pläne umgesetzt, hätte die Bundesregierung ihre Klimastrategie in der Finanzkrise über Bord geworfen. Das würde mittelfristig die Probleme der deutschen Fahrzeughersteller verschärfen statt erleichtern.

[Quelle Financial Times Deutschland!]

Die NachDenkSeiten kommentieren dies zutreffend:

Ein weiterer Sieg der Autolobby – einmal mehr eine Niederlage fürs Klima. Dies passt zur „Logik“ einer konzeptionslosen, inkonsequenten und kontraproduktiven Verkehrs-, Bahn- und Umweltpolitik, die das energie-, umwelt- und klimaschonende Verkehrssystem Schiene gegenüber ihren konkurrierenden Verkehrsträgern sträflich vernachlässigt hat. Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, eine verfehlte Modellpolitik der Autokonzerne mit beträchtlichen Gewinnmargen in der Vergangenheit, die Fortschritte beim Umweltschutz stets auszubremsen wussten, angesichts ihrer hausgemachten Absatzkrise mit Steuermitteln unter die Arme zu greifen.

Um Kostenwahrheit im Verkehrsbereich herzustellen, ist dem Verursacher- und Wegekostenprinzip, mit dem die externen, also gesamtwirtschaftlich und gesellschaftlichen Folgekosten den jeweiligen Verkehrsträgern zuzuordnen und anzulasten sind, Geltung zu verschaffen. Nur so können faire Wettbewerbsbedingungen durch Ordnungspolitik im Verkehr ZWISCHEN DEN VERKEHRSTRÄGERN im öffentlichen Interesse hergestellt werden und seit Jahrzehnten bestehende massive Wettbewerbsverzerrungen zulasten der Schiene beseitigen.

Welche Schuld die Politik und die Deregulierung an der Krise trägt, fragte sich neulich auch das ARD-Magazin PlusMinus – ein sehr interessanter Beitrag! (via weissgarnix)

Kurios bis obskur auch, dass die BILD-„Zeitung” gerade jetzt, wo mit stark sinkenden Unternehmensgewinnen in der Zukunft zu rechnen ist, dafür plädiert, die Arbeitnehmer an eben selbigen zu beteiligen. Joachim Jahnke schreibt dazu:

Eigentlich nicht nachvollziehbar: Ausgerechnet jetzt, wo die Gewinnperspektiven der Unternehmen drastisch zurückgehen, sollen die Arbeitnehmer auch noch das Risiko der Gewinnentwicklung schultern: “Wenn bescheidene Lohnerhöhungen mit saftigen Gewinnbeteiligungen gekoppelt würden. Dann hätten die Arbeitnehmer in guten Zeiten mehr Geld – und in schlechten sicherere Arbeitsplätze.” Für BILD der Ausweg, damit die Arbeitnehmer die Zeche der Krise nicht zahlen.

Für wie dumm hält BILD die Arbeitnehmer unter seinen Lesern eigentlich? Sollen sie nun für die nächsten Jahre gleich zweimal auf Einkommen verzichten, nämlich bei den Löhnen und bei der Beteiligung an abstürzenden Gewinnen? Und sichere Arbeitsplätze gibt es in einer Weltwirtschaftskrise ohnehin nicht, weder mit noch ohne Gewinnbeteiligung.

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Das Bertelsmann-Imperium

Dass die Marktmachtkonzentration auch auf dem Mediensektor hierzulande weit vorangeschritten ist, dürfte bekannt sein. Dennoch ist es mehr als erschreckend, wenn man sich beispielsweise ansieht, wie viele und welche Sender, Zeitschriften und Rundfunkstationen sich mittlerweile weltweit unter dem Dach der Bertelsmann-Gruppe versammelt haben (Quelle: Who owns what) (und hier kann man lesen, dass Bertelsmann diese Macht längst an den Hochschulen ausspielt; weitere kritische Bertelsmann-Infos findet man z.B. auch HIER sowie im Buch „Netzwerk der Macht. Bertelsmann, der medial-politische Komplex aus Gütersloh”):

Broadcasting – RTL Group
Radio:
RTL Radio France
RTL2
FUN RADIO
RTL Radio Deutschland
104.6 RTL (Berlin)
ANTENNE BAYERN (Germany)
Radio Hamburg
radio NRW (Germany)
RADIO 21 (Germany)
bigFM (Germany)
Radio Regenbogen (Germany)
Radio Dresden
HITRADIO RTL SACHSEN (Germany)
Hit-Radio Antenne (Germany)
ANTENNE MECKLENBURG-VORPOMMERN (Germany)
Radio Brocken (Germany)
89.0 RTL (Germany)
ANTENNE THÜRINGEN (Germany)
BB RADIO (Germany)
105’5 Spreeradio (Germany)
radio TOP 40 (Germany)
Oldie 95 (Germany)
ROCK ANTENNE’s (Germany)
RTL Radio Lëtzebuerg
Bel RTL
Radio Contact (Belgium)
Mint (Belgium)
Onda Cero (Spain)
Europa FM (Spain)
Fernsehen:
RTL Television
M6 (France)
Five (UK)
ANTENA 3 (Spain)
RTL 4 (The Netherlands)
RTL 5 (The Netherlands)
RTL 7 (The Netherlands)
RTL TVI (Belgium)
RTL Klub (Hungary)
RTL Televizija (Croatia)
Télé Lëtzebuerg
VOX (Germany)
RTL II (Germany)
Super RTL (Germany)
n-tv (Germany)
Den 2. RTL (Luxembourg)
RTL Shop (Germany)
Traumpartner TV (Germany)
RTL TVI (Belgium)
Plug TV (Belgium)
RTL 9 (France)
REN TV (Russia)
Fun TV (France)
Téva (France)
Paris Première
Série Club (France)
TF6 (France)
W9 (France)
M6 Music Rock (France)
M6 Music Black (France)
M6 Music Hits (France)
Antena 3 (Spain)
Antena.Nova (Spain)
Five US (UK)
Five Life (UK)
Produktion
FremantleMedia
UFA Film & TV Produktion
UFA Fernsehproduktion
UFA Filmproduktion
UFA Entertainment
Grundy UFA
GRUNDY Light Entertainment
Karlheinz Brunnemann
teamWorx
Universum Film
talkbackTHAMES
Crackerjack
Blue Circle
Blu
Home Shopping Service
SND
CLT-UFA
ENEX
Publishing
Bücher
Random House, Inc.
Ballantine
Ballantine Books
Ballantine Reader’s Circle
Del Rey
Del Rey/LucasBooks
Fawcett
Ivy
One World
Wellspring
Bantam Dell Publishing Group
Bantam Hardcover
Bantam Mass Market
Bantam Trade Paperbacks
Crimeline
Delacorte Press
Dell
Delta
Domain
DTP
Fanfare
Island
Spectra
The Dial Press
Crown Publishing Group
Bell Tower
Clarkson Potter
Crown Business
Crown Publishers Inc.
Harmony Books
Prima
Shaye Areheart Books
Three Rivers Press
Doubleday Broadway Publishing Group
Broadway Books
Currency
Doubleday
Doubleday Image
Doubleday Religious Publishing
Main Street Books
Nan A. Talese
Harlem Moon
Knopf Publishing Group
Alfred A. Knopf
Anchor
Everyman’s Library
Pantheon Books
Schocken Books
Vintage
Random House Audio Publishing Group
Villard Books
The Modern Library
RH Trade Paperbacks
Striver’s Row Books
Random House Children’s Books
Dell/Delacorte/Dell Young Reader’s Group
Alfred A. Knopf
Bantam
Crown
David Fickling Books
Delacorte Press
Dell Dragonfly
Dell Laurel-Leaf
Dell Yearling Books
Doubleday
Wendy Lamb Books
Random House Diversified Publishing Group
RH Value Publishing
Random House Information Group
Fodor’s Travel Publications
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Prima Games
Princeton Review
RH Espanol
RH Puzzles and Games
RH Reference Publishing
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Shaw Books
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Zeitschriften
Gruner + Jahr
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ART
ASTROLOGOS
AUTOREVUE
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BÖRSE ONLINE
BRIGITTE
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CUISINE GOURMANDE
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WOMAN
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YACHTREVUE
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YO COCINO
Zeitungen
CHEMNITZER MORGENPOST
DRESDNER MORGENPOST
FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND
MORGENPOST AM SONNTAG
SÄCHSISCHE ZEITUNG
Music
Sony BMG (inzwischen ganz an Sony verkauft; danke für den Hinweis)
Arista
Bluebird
BNA
Burgundy
Columbia
Epic
Jive
J Records
Legacy
Masterworks
Provident
RCA
Windam Hill
Zomba
Sonstiges
Arvato – über die Arvato AG ist Bertelsmann/Mohn auch noch an diesen Firmen beteiligt (via):
– Abacus Deutschland
Die Versandhandelsallianz bietet einen Adresspool mit B-to-C-Adressen. Mehr als 200 Versandhändler in Deutschland und kooperieren weltweit mit Datenallianzen in Großbritannien, Frankreich, USA und Kanada. Das Geschäftsmodell ist jedoch durch Änderungen im Datenschutz bedroht.- Adress Research (Lösungen zur Anschriftenermittlung)
– arvato direct services (Direkt-Marketing-Dienstleister)
– arvato infoscore (B2C Auskunftei)
– arvato logistics services (Distribution)
– arvato mobile (ehemals handy.de)
– arvato systems (IT Dienstleistungen)
– arvato teleservice (After Sales Dienstleister im Mobilfunk)
– AS healthcare (Distribution von Arzneimitteln)
– CrossMarketing arvato services GmbH (Crossmedia-Kampagnen)
– Deutsche Post Adress GmbH (Umzugsdatenbank)
– Deutscher Supplement Verlag GmbH (Programmmagazine)
– empolis (Content und Knowledge Management-Lösungen)
– eValuate (Lösungen für Mitarbeiter- und Kundenbefragungen)
– GGP Media (Hersteller von Schwarz/weiß-Büchern)
– InmediaONE] (Direktvertrieb)
– medienfabrik (Agentur für integrierte Kommunikation)
– Mohn Media Kalender & Promotion Service (Kalender)
– Mohn Media · Mohndruck (Printdienstleistungen)
– PRINOVIS Ltd. & Co. KG (siehe separates Profil)
– Sonopress (Produktion)
– Topac Multimedia Print (Print- und Verpackungsprodukte)
– VAW-arvato (Technische Dokumentation)
– Vereinigte Verlagsauslieferung (Verlagsauslieferung)
– webmiles GmbH (Bonussystem)

Uff!

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Kurz angemerkt: Mehr Kapitalismus wagen

Anfang der Woche erlebten wir, wie es ist, wenn man mit seinem Timing komplett daneben liegt. Denn CDU-„Querdenker” Friedrich Merz (dessen Kanzlei wohl auch mit den Geschäften rund um IKB/Lonestar beschäftigt ist) stellte sein neues Buch „Mehr Kapitalismus wagen” vor. Sehr schön. Das Kapital hat in dieser unserer Welt wirklich viel zu wenig Einfluss und Bedeutung, da hat der Mann schon Recht. Dass gerade dieses System mit seinen unvorstellbaren Geldvermehrungen, den Zinseszinsen und den daraus folgenden Ungleichheiten dafür verantwortlich ist, dass Investoren & Spekulanten gar nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Vermögen, und auf derart schiefe Bretter wie diese mehrfach gehebelten Schuldverbriefungen kommen, ist da dann wohl eher Nebensache. Die großen Medien kommentieren Merz’ Coup zum Teil erstaunlich zurückhaltend, z.B. Süddeutsche, Zeit oder die Netzeitung.

Die Reaktionen auf sein Buch, die man ansonsten im Netz/den Blogs findet, pendeln dann aber doch eher zwischen Amüsement und harscher Kritik. Zum Beispiel:

Dass Merz nicht ganz alleine da steht, zeigt immerhin dieser einsame Rufer in der Blogwüste.

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Culture Jamming vs. Kommerzialisierung

(Auch an dieser Stelle noch mal der Beitrag, den ich gerade als „Worum geht’s?” erstellt habe und der dort zukünftig als Einführung in die Absicht meines Bloggens dienen soll.)

Wir leben heute in einer Gesellschaft, die sowohl von permanentem Wachstumsglauben, aber auch vom Glauben an den Segen des Konsums durchdrungen ist. Begleitet werden wir dabei auf Schritt und Tritt von Werbung für Produkte und Marken, von sündhaft teuren, einschleimenden Imagekampagnen, die aus zerstörerischen Großunternehmen harmlose Klimaschützer machen sollen. Von Zeitschriften und anderen Medien, in denen, bedingt auch durch die Konzentrationstendenzen in dieser Branche, die Trennlinie zwischen (redaktioneller) Information, gekaufter Meinung, Produktplacement und direkter Reklame immer schwerer auszumachen ist (wenn nicht ohnehin gleich komplette Verdummung angesagt ist). Öffentlicher Raum wird immer mehr, immer unverhohlener von Konzernen und Markenfetischen beansprucht, Kommerzialisierung durchzieht bald all unsere Lebensbereiche – Einkaufszentren werden zu den neuen Mittelpunkten ehemals öffentlichen Lebens.

In Nordamerika, das uns in dieser Beziehung immer schon ein bis zwei Jahrzehnte voraus war, erlebt man erschreckende Entwicklungen, die deutlich machen, dass Reklame & Marketing nicht nur nervig und störend sind, sondern einen massiven Eingriff in unsere Gesellschaft darstellen. Das geht über die bloße Überrepräsentation großer Marken und Logos weit hinaus – unerreichbare Schönheitsidelae werden produziert, latente Unzufriedenheit der Menschen mit ihrem Leben geschürt und Kaufen (und Schulden machen) als Weg zum Glück propagiert. Natürlich läuft niemand, der irgendwo einen Werbespot sieht, sofort los und kauft das entsprechende Produkt, aber das Gift wirkt schleichend und gerade deshalb so gut, weil wir alle gerne glauben, dass Reklame UNS ja nun wirklich nicht beeinflusst. (Dies wird im sehr empfehlenswerten Buch „Good bye logo” von Neil Boorman treffend beschrieben.)

In den USA sehen wir zudem, dass die zunehmende Marktmacht der großen Konzerne auch die Demokratie und Meinungsfreiheit beeinträchtigt. Weltbekannt wurde bereits 1998 der Fall eines Schülers der Greenbrier High School, der am „Coke Day” an seiner Schule ein Pepsi-T-Shirt trug und deshalb an dem Tag von der Schule verwiesen wurde. Genauso bedenklich: an einer von Coca Cola gesponsorten Universität wollte eine Studentengruppe eine Informationsveranstaltung über die schlimmen Bedingungen, unter denen Arbeiter dieser Firma in Lateinamerika zum Teil tätig sind, abhalten, doch die Verwaltung wollte ihnen dafür keinen Raum zuteilen, da sie ja negativ über ihren Sponsor berichten würden. (Beides nachzulesen in Naomi Kleins Globalisierungsbestseller „No Logo!”, in Kalle Lasns „Culture Jamming” oder auch in de Graafs „Affluenza: Zeitkrankheit Konsum”.) Wenn die Wirtschaft und die Markenkonzerne bereits so früh in der Entwicklung des politischen Verständnisses der Menschen eingreifen, steht viel mehr auf dem Spiel als nur der Verkauf oder das Verbot von brauner Blubberbrause oder fettigen Burgern – die Freiheit des Zusammenlebens wird massiv aufs Spiel gesetzt.

Vor diesem Hintergrund ist in den letzten 20 Jahren der Widerstand gegen die Überkommerzialisierung bzw. das Bewusstsein für diese Entwicklung in der Gesellschaft gewachsen, und durch den Kanadier Kalle Lasn und seine Adbusters Foundation hat diese Bewegung auch eine bekannte (und nicht immer ganz unumstrittene) Gallionsfigur. Lasn und Culture Jammer weltweit bekämpfen die Werbebotschaften, die tagtäglich auf uns einprasseln, sie versuchen sie zu parodieren, in ihr Gegenteil zu verkehren, sie kapern Werbetafeln, um damit in den alltäglichen Diskurs, aber auch die alltägliche Wahrnehmung und die Hirne der einzelnen Menschen Informationen einsickern zu lassen, die über die Hintergründe der glänzenden Markenfassenden aufklären. Auch soll der Konsum seinen Status als goldenes Kalb, um das sich unser aller Leben zu drehen hat und der als das Allheilmittel für all unsere Probleme angepriesen wird, endlich wieder verlieren.

An diesem noblen und dringend notwendigen Quest möchte ich mich auch mit meinem Blogprojekt Konsumpf beteiligen. Ursprünglich war er als reiner Culture Jamming/Anti-Werbung- und Konsumkritik-Blog geplant, doch wie das halt so ist, wenn man sich einmal mit diesem Thema beschäftigt, stellt man schnell fest, dass viele dieser Probleme auf unserer Welt miteinander verbunden sind und monokausale Erklärungsversuche fehl schlagen. Von daher werde ich immer auch Überlegungen und Fundstücke aus den Bereichen Globalisierungskritik, Konzernkritik, Umweltpolitik/Ökologie, Nachhaltigkeit, Mediendemokratie und komplementäre/alternative Währungssysteme mit einfließen lassen.

Kurz gesagt soll Konsumpf (m)eine Stimme gegen die Wurstigkeit im real existierenden Dasein sein.

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Das Niwoh des Fernsehens…

… wurde am Wochenende bei der gruseligen Selbstbeweihräucherungsgala „Der Deutsche Fernsehpreis 2008” von Marcel Reich-Ranicki ja erfreulich deutlich & süffisant kritisiert. Seine Weigerung, den Preis für sein Lebenswerk anzunehmen, sorgte gar für eine Art (Medien-)Eklat. So offene Worte zur mangelnden Qualität insbesondere der Kommerzsender (aber auch der öff.-rechtlichen Anstalten – wieso müssen die von meinem Geld Soaps und Telenovelas senden??) sind (logischer Weise) im TV selten zu vernehmen und deshalb um so bemerkenswerter:

Schön, wie die ganzen Fernsehdödel („Promis”) im Publikum dazu noch applaudieren, die haben offensichtlich nichts verstanden bzw. waren sie froh, als der unbequeme Nörgler die Bühne verließ und sie wieder unter sich in ihrem Friede-Freude-Eierkuchen-Land waren. Fernsehen wird eh allgemein überschätzt, wenn man mal den Käse bedenkt, der da tagtäglich über die Menschheit ausgegossen wird, das Hirn verkleistert und die Leute davon abhält, WIRKLICH zu leben… Schade um die Zeit!

Weitere Kommentare hierzu:

Ergänzung: Und Reich-Ranicki legt in einem aktuellen Interview noch mal nach

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