Aug
10
2012
3

Reparaturcafés statt Konsum- und Wegwerfwahn

Wow, das ist mal eine tolle Initiative, die direkt ins Herz unseres auf schnellen Konsum und Verbrauch von Waren bauenden Wirtschaftssystems zielt – „Wegwerfcafés: Schrauben, löten, flicken“, wie der WDR berichtet. Und diese Reparaturcafés sind ein Mittel im Kampf gegen die sog. „geplante Obsoleszenz“, also die Konstruktion von Gegenständen derart, dass sie möglichst schnell (unnötig früh) kaputt gehen. Hoffentlich gibt es so etwas bald auch in Kiel.

Immer mehr Menschen lehnen sich gegen die Ex-und-Hopp-Mentalität auf und versuchen, defekte Geräte in Eigenregie zu retten. Man trifft sich im Reparaturcafé und hilft sich gegenseitig.

(…) Die Reparaturcafés kommen aus den Niederlanden. Dort gibt es die regelmäßigen Selbsthilfetreffs schon länger. Es sei einfach eine tolle Idee, meint ein weiterer Café-Besucher, weil er schon ganz lange überlege, wie er nachhaltiger mit seinen Produkten umgehen könne.

Große Nachfrage

In den Reparaturcafés formiert sich kleiner Volksaufstand gegen die Ex- und Hopp-Mentalität vieler Hersteller. Die Dichtung am Wasserhahn, eigentlich eine Sache von ein paar Cent, aber das Gerät lässt sich nicht auseinandernehmen. Oder der komplette Schweinwerfer muss ausgewechselt werden, wenn nur eine kleine LED ausfällt. Das widerspricht eigentlich EU-Normen und kann schnell teuer werden. (…)

Offene Werkstätten haben sich inzwischen zu einer richtigen kleinen Bürgerbewegung entwickelt. Oft unterstützt von gemeinnützigen Vereinen oder Jugendzentren. Meistens müssen die Besucher nur die Materialkosten bezahlen, im Idealfall machen sie die Reparatur sogar selbst. Rund vierzig Einrichtungen sind inzwischen deutschlandweit in einem Verbund organisiert – hauptsächlich in großen Städten.

Tom Hansing von der Stiftungsgemeinschaft „anstiftung & ertomis“ erklärt, es gebe kleine und große Werkstätten, Werkstätten die sich nur mit einem Handwerk beschäftigten, andere hätten gleich mehrere Möglichkeiten.

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Mrz
02
2012
2

Lesetipps: Angst macht böse | Verlierer der deutschen Krise | Geplante Obsoleszenz | Der Barbar als Kulturheld

Es ist schon ein bisschen her, dass ich mal meine Rubrik Lesetipps mit ein paar neuen Preziosen aus dem Netz bestückt habe – heute will ich das endlich mal nachholen und ein paar Artikel vorstellen, die bei mir in der Warteschleife hängen. Zunächst, ganz aktuell, den kleinen Beitrag „Die Verlierer der deutschen Krise“ aus der Zeit, in dem sich Wolfgang Höhler-Brockmann kritisch mit der momentanen Entwicklung in unserem „Musterländle“ (jedenfalls bemühen sich viele deutsche Medien, Deutschland als herausragende Lichtgestalt in der internationalen Wirtschaft darzustellen) auseinandersetzt:

Halb Europa befindet sich im Abschwung, nur Deutschland angeblich nicht. Dabei hätten wir alle Grund zur Sorge, meint Leser Wolfgang Höhler-Brockmann. (…)

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Sep
29
2011
7

Widerstand gegen den Wegwerfwahn

Geplante Obsoleszenz – diesen sperrige Begriff behandelte ich vor einigen Wochen bereits, als die Arte-Doku „Kaufen für die Müllhalde“ ausgestrahlt wurde und ein Schlaglicht auf das Verhalten vieler Industriekonzerne warf, die ihre Produkte so herstellen, dass sie absichtlich schneller kaputt gehen als das technisch nötig wäre. Denn der Absatz muss ja angekurbelt werden! Da müssen Umweltgesichtspunkte schon mal hinten an stehen. Matthias Dachtler hat in der Jugend-Sendung On3 des Bayerischen Rundfunks dieses Thema nun erneut aufgegriffen und einen schönen Beitrag dazu verfasst: „Widerstand gegen Wegwerfwahn – Schrauber aller Länder, vereinigt euch!

Kaufen für die Tonne. MP3-Payer, Handys und Computer landen früher auf dem Müll, als sie müssten. Der frühe Tod ist von den Herstellern oft gewollt. Jetzt rollt die Gegenbewegung an: die “Repair Revolution”.

Die meisten von uns kennen das: Kaum ist die Garantie abgelaufen, gehen unsere Gadgets kaputt. Der Handy-Akku lädt nicht mehr, das Display beim MP3-Player spinnt, das Notebook überhitzt und schaltet sich einfach aus. Reparieren lohnt sich nicht, sagt die Werkstatt, zu teuer. Also ab damit in den Müll. Neue Sachen kaufen. Marketing-Profis nennen diesen Zyklus “Geplante Obsoleszenz”. Der frühe Tod unserer Gadgets ist kein Zufall, sondern geplant. Aber das ist schwer zu beweisen. (…)

(…) Aber nicht nur die Hersteller sind schuld am frühen Tod der Gadgets. Wir Konsumenten machen fröhlich mit. Wir lassen uns von Marketing-Profis einreden, dass Altes schlecht und Neues gut ist. Die Folgen der sogenannten “psychischen Obsoleszenz” sieht man in Deutschland auf jedem Wertstoffhof. Immer mehr funktionierende Geräte landen auf dem Müll. Rund 80 Prozent der weggeworfenen Elektro-Geräte funktionieren noch, schätzt Platzwart Tobias Quoll, den wir auf dem Münchner Wertstoffhof Thalkirchen besucht haben. Laut Umweltbundesamt wuchs der deutsche IT-, Handy- und Unterhaltungselektronik-Schrottberg zwischen 2006 und 2008 von 215.000 auf 300.000 Tonnen pro Jahr. (…)

(…) Wer nicht nur einen Akku wechseln, sondern einen Kondensator tauschen oder einen Fahrrad-Rahmen schweißen will und keinen Werkzeugkoffer wie Markus Weiher besitzt, braucht eine Werkstatt und jemanden, der erklären kann, wie man richtig lötet oder schweißt.Die Lösung: Offene Werkstätten. Gibt’s in ganz Deutschland, in Bayern zum Beispiel im “Kempodium” in Kempten, im “Kulturzentrum K4″ in Nürnberg oder im “Haus der Eigenarbeit” in München.

“Das Besondere am Reparieren ist ja, dass das jeder machen kann”, sagt Markus Weiher. on3 schließt sich an und empfiehlt: “Join the Repair Revolution!”

Wie kann ich mich politisch wehren?

Der Berliner Blogger und BWLer Stefan Schridde will eine Online-Petition beim Bundesstag einreichen und sucht Leute, die ihm dabei helfen. Sein Ziel: Durch eine Änderung des Gewährleistungsrechts sollen Hersteller, die Geräte mit künstlich kurzer Lebensdauer produzieren, in die Verantwortung genommen werden.

Externer Linkobsoleszenz.wordpress.com

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20
2011
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Manifest der eigenständigen Reparatur

Zu besagtem Manifest komme ich gleich – zunächst: bestimmt kennt so ziemlich jeder die Situation, die in dem nachfolgenden Beitrag der WDR-Sendung Markt geschildert wird – da geht etwas kaputt, ein Gerät läuft nicht mehr, und statt es zu reparieren, empfiehlt der Hersteller bzw. Service-Händler gleich den kompletten Austausch – sprich: das Verschrotten des Altgeräts und den Kauf eines neuen. „Reparaturen: Selbst ist der Kunde“:

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Kaufen für die Müllhalde

Unsere Wegwerfgesellschaft prangere ich hier im Blog ja des öfteren an – eine Konsumorientierung, bei der man sich nach schnell wechselnden Moden und Trends richten muss, will man nicht total „out“ sein. Arte (offensichtlich Deutschlands bester Sender) hat sich dem Thema „Die Wegwerfer“ gestern angenommen und u.a. die Dokumentation „Kaufen für die Müllhalde“ gesendet, die man sich derzeit für einige Tage auf der Arte-Website online anschauen kann. HIER findet man den Beitrag dann online. Sicherlich taucht die Sendung über kurz oder lang auch bei YouTube auf, so dass wir noch etwas länger davon haben!

Wiederholung am Freitag 18. Februar um 10.30 Uhr und Donnerstag 24. Februar um 03.25 Uhr

Heute gekauft und morgen schon Schrott? Die Haltbarkeit technischer Produkte ist oft kurz. Teilweise ist dies von den Herstellern gewollt, doch auch die Haltung vieler Verbraucher hat sich verändert. ARTE schaut auf die Wegwerfgesellschaft.

(…) Heute wollen sich viele Verbraucher nicht mehr mit diesem System abfinden. Als Beispiel für dessen verheerende Umweltfolgen zeigt die Dokumentation die riesigen Elektroschrottdeponien im Umkreis der ghanaischen Hauptstadt Accra. Neben diesem schonungslosen Blick auf die Wegwerfgesellschaft stellt Filmemacherin Cosima Dannoritzer auch die Lösungsansätze von Unternehmern vor, die alternative Produktionsweisen entwickeln. Und Intellektuelle mahnen an, die Technik möge sich auf ihre ursprüngliche Aufgabe zurückbesinnen, auf die dauerhafte Erleichterung des Alltags ohne gleichzeitige Verwüstung des Planeten.

Edit: und HIER noch die Facebook-Seite des Projekts für weitere Infos.

Edit 2: Auf YouTube ist die Doku auch aufgetaucht:

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