Jul
02
2013
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Der Minuto – eine Erweiterung der Tauschkreisidee

Weil es so schön war, bleibe ich heute mal beim Thema alternative Währungen und empfehle Euch als Denkanstoß den folgenden Artikel von Michaela Brötz von derknauserer.at:

__________________

Herr Draghi – auch ich habe die Lizenz zum Gelddrucken – der Minuto eine Erweiterung der Tauschkreisidee

Wer in seiner Gegend keinen Tauschkreis hat, für den könnte der Minuto
eine Alternative sein, um seine Leistungen gegen eine Komplementärwährung
zu erbringen.
Beim Minuto wird man mit seinem Freundeskreis quasi zu einer Zentralbank und
man schöpft sich sein eigenes Geld selber. Klingt doch spannend.
Im großen und ganzen ist der Minuto eine sinnvolle Ergänzung zu Tauschringen,
funktioniert aber ein bisschen anders. Während Tauschringe aufgrund
ihrer Regionalität funktionieren, wo sie von einer Zentrale ausgehend
funktionieren, baut der Minuto auf Dezentralisierung. Die zentrale
Verwaltung der Tauschkreise zieht viel Organisation mit sich und hängt
somit an Personen, der Minuto möchte dieses Manko ausgleichen.
Bei Tauschkreisen wird zunächst mal gearbeitet und dann bekommt man seine
Tauschpunkte gutgeschrieben, beim Minuto funktioniert es umgekehrt. Man
schöpft zunächst sein eigenes Geld und gibt es aus, um dafür später eine
Leistung zu erhalten – eigentlich ganz wie bei “richtigem” Geld nur dass
der einzuholende Leistungsumfang von einzelnen in kontrollierbar kleinem
Umfang bleibt.
Der Minuto unterliegt auch keiner Inflation, da eine Stunde immer eine
Stunde bleibt, allerdings verfallen Minutogutscheine nach 5 Jahren, um
so ihren Umlauf ähnlich Schwundgeldes zu garantieren.

Genauer nachzulesen unter:
minutoportal.info
minutocash.org
Wie kommt man jetzt zu seinem eigenen Geld?
- Man druckt sich zunächst die Gutscheine aus:
http://minutocash.org/minuto-gutscheine.pdf
und organisiert ein Treffen von mindestens 2 Männern und 2 Frauen
- bei diesem Treffen wird das Geld geschöpft indem man Wohnort
und das Fälligkeitsjahr eingibt. Der Minuto gilt weltweit muss aber
schlussendlich am Ort des Schöpfers eingelöst werden, wodurch der
Effekt einer Regionalwährung erzielt wird.
Für die Adresse richtet man sich am besten einen Stempel und
unterzeichnet mit Datum und Unterschrift.
Dann kommen in der Reihe der weibliche und der männliche Bürge
(ein Zeichen, dass man im neuen Geld auch die weibliche Seite stärken will)
Das Geld ist nun fertig und kann in Umlauf gebracht werden. Wer sich
an den guten alten Wechsel erinnert fühlt, der liegt nun auch nicht
ganz verkehrt.

Ähnlich dem Euro kann der Minuto nun theoretisch durch hunderte
Hände wandern, bis er schließlich beim Herausgeber eingelöst wird.
Jeder kann den Gutschein annehmen oder ablehnen. Der Schöpfer bleibt
aber zur Einlösung verpflichtet. Welcher Art diese Leistung nun ist,
wird zwischen dem Einlöser und dem Schöpfer abgestimmt.
Entweder erbringt der Schöpfer eine Leistung gemäß seiner Angebotsliste
(s.u), wenn der Einlöser sie brauchen kann, oder er tauscht die Minutos
um gegen welche von anderen Netzwerk -Teilnehmern, deren Angebote besser
passen, oder er tauscht sie um gegen neuere eigene Minutos, deren
Ablaufdatum weiter in der Zukunft liegt. Immer ist das Ziel, zu einer
einvernehmlichen Lösung zu kommen und friedlich und wertschätzend
miteinander umzugehen.
Da der Stempel gewöhnlich Telefonnummer oder Internetadresse bein-
haltet und man auf die Rückseite entweder Beruf oder Leistungsangebot
schreibt, kann man sich jederzeit selber als Gutscheinbesitzer die
Einlösung organisieren. Oder ihn weitergeben.

Somit wäre der Minuto ein Geld, das nicht wie üblich mit Goldreserven
(theoretisch) besichert ist, sondern mit Leistungen, die Menschen
erbringen können. Schöne Idee finde ich.

Sollte es dem Leistungserbringer und seinen Erben nicht möglich sein,
den Minuto einzulösen, so treten die Bürgen in Aktion.
genauere Infos unter: http://minutocash.org/minuto-text.pdf

Wie komme ich nun zu Leistungen, ein Problem das auch Tauschkreise
kennen?
Auch hier gibt es zunächst Regionaltreffen. Zudem wird bei
der Schöpfung auch ein Leistungsblatt erstellt und vervielfältig,
sodass jeder Teilnehmer eine Art Gelber Seiten hat. Theoretisch
kann auch jeder Laden mitmachen und die Gutscheine akzeptieren.
Für Anfänger empfiehlt sich auch das Minutospiel wie auf Seite
4 von http://minutocash.org/minuto-text.pdf beschrieben, um erst
einmal das Wesen einer Alternativwährung zu erfassen.
Konstantin Kirsch, der den Minuto 2009 in die Welt gebracht hat,
empfiehlt, ein „Umlaufkontrollblatt“ anzulegen, in das man jedesmal
einträgt, wieviele Minutos man geschöpft und austrägt, wieviele
eigene Minutos man eingelöst hat, um den Überblick zu behalten, für
wieviele Minutos man in der Zukunft noch Leistungen erbringen muss.
Die Handhabung des Minutos bietet als zusätzlichen Wert
einen Lerneffekt. Man begreift eher wie Geld funktioniert, wie es
kreist, wie Wertzuwachs funktioniert und Wertschaffung an sich. Mit
einer Währung wie dem Minuto werden Werte wieder Gegenwärtiger.

Ich möchte noch auf den “Erfinder des Minuto”, Konstantin Kirsch, hinweisen:
Filme unter minutocash.org und ein Interview auf
http://www.sunpod.de/2011/12/050_sunpod_interview-konstantin-kirsch-und-der-minuto/
Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll die Facebookgruppe: Minuto -
einfach anfangen – die sicher bei Fragen hilfreich ist.
Also lieber Herr Draghi – gehen sie schon mal prophylaktisch in
Pension, wir machen uns unser Geld ab sofort selber.

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Lesetipps: WWF – das neue umweltfreundliche Dateiformat / Das beste Deo der Welt / Der Müll-Christbaum / Dead Drops

Das papierlose Büro – erinnert sich noch jemand an diese vollmundige 80er Jahre Zukunftsvision der IT-Industrie? Computer und ihr digitalen Speichermedien sollten der Zettelwirtschaft und Papierflut ein Ende bereiten und so letztendlich auch die Umwelt entlasten. Leider wurde nichts daraus, wie wir inzwischen wissen – in Büros werden heutzutage massenhaft E-Mails ausgedruckt und abgeheftet, Berichte in dicken Ordnern gestapelt und der Papierbedarf eher noch gesteigert. Gegen die Unsitte, jeden Klimperkram unbedingt auf Papier bannen zu wollen hat sich der WWF etwas ausgedacht – ein neues Dateiformat namens wwf, das quasi ein pdf ist, das man aber nicht drucken kann. So wird dem druckwütigen Empfänger also die Lust an der Papierverschwendung genommen. Dass dies natürlich für viele Inhalte nicht so sinnvoll ist, ist klar, aber für einige Anwendungsmöglichkeiten mag es doch als taugliches Format zu einsetzbar sein. Derzeit gibt es die kostenlose Software nur für den Mac, andere Systeme werden alsbald folgen.

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Surftipp: Der Knauserer

derknausererNein nein, keine Angst, ich bin nicht verrückt geworden und es steht auch niemand von der Lidlaldi-Mafia mit gezogener und entsicherter Waffe im Anschlag hinter mir – mein heutiger Surftipp ist keine von den unseligen Websites, bei denen es sich darum dreht, irgendwelchen Technik-Plunder möglichst billig kaufen und verkonsumieren zu können. Bei dem spannenden österreichischen Projekt Der Knauserer, das bereits 1999 von Michaela Brötz ins Leben gerufen wurde und sich im Laufe der Zeit eine große Beliebtheit erarbeitet hat, geht es vielmehr darum, Tipps für ein einfacheres Leben mit weniger Konsum zu geben (Freunde der knackigen Marketingschubladen bezeichnen dies sicherlich als LOVOS-Segment) und Kritik an unserer Verschwendungsgesellschaft zu üben. In den Worten von Michaela:

Nicht nur zu Weihnachten häufen sich die Klagen über Konsumterror, Werbebombardement, Schuldenfalle und Lohnsklavenarbeit. Das vom momentanen Turbokapitalismus amerikanischer Prägung vorgeschlagene Modell von Karriere und Konsum läßt viele am Sinn des Lebens zweifeln. Der Mensch wird zum Konsumenten degradiert, der sich nur ja nicht die Frage “Brauche ich das alles wirklich” stellen darf.
Das System zeigt mehr und mehr seine Schattenseiten. Viele bleiben auf der Strecke und müssen neidvoll anerkennen: Wer Geld hat, schafft an. Nicht nur in der Wirtschaft sondern auch in Belangen der Moral und Politik. Ehrenwerte Berufe wie Hausfrau, Mutter oder das Ehrenamt werden angesicht der Tatsache, dass sie kein Geld einbringen, zu mehr MISSachteten als GEachteten Tätigkeiten.

Dennoch mangelt es der modernen Welt an wahren Alternativen zur aktuellen Lage des Konsumwahnsinns. Vielleicht ist aber gerade das Eindämmen des eigenen Konsums eine Lösung, die wenigstens die vielen häßlichen Gesichter der Konsumgesellschaft etwas entzerren kann.

So wird beispielsweise monatlich ein E-Mail-Newsletter mit verschiedenen grundlegenden Beiträgen wie auch Tricks für Ernährung etc. gegeben. Im neuesten Newsletter gibt es beispielswiese einen Einblick in Betrand Russells Buch „Lob des Müßiggangs“ mit seiner auch nach fast 100 Jahren erstaunlich aktuell klingenden Kritik an der Arbeitsgesellschaft:

“Ich möchte jedoch jetzt in vollem Ernst erklären, dass in der heutigen Welt sehr viel Unheil entsteht aus dem Glauben an den überragenden Wert der Arbeit an sich, und dass der Weg zu Glück und Wohlfahrt in einer organisierten Arbeitseinschränkung zu sehen ist.”

Und so orakelt er 1932 sehr zynisch und leider treffend: “Da es keinerlei zentrale Produktionskontrolle gibt, produzieren wir haufenweise Dinge, die gar nicht gebraucht weden. Wir halten einen hohen Prozentsatz der arbeitsfähigen Bevölkerung unbeschäftigt, denn wir könnten auf ihre Arbeit verzichten,indem wir die anderen Überstunden machen lassen. Wenn all diese Methoden sich als unzulänglich erweisen, haben wir immer noch den Krieg.”

Oder es wird das Projekt 2010 „Einen Monat lang kein Geld für … ausgeben“ angeregt – jeden Monat wird ein Artikel vorgeschlagen, auf dessen Kauf man einen Monat lang verzichten soll; eine Herausforderung für jeden Konsumbürger, der es gewohnt ist, sich heutzutage alles sofort zu kaufen, wenn es ihm in den Sinn kommt – egal wie unsinnig das Produkt auch sein mag.

Die auf der Website unter dem Motto „Weniger ist mehr“ aufgeführten Punkte kann ich so unterschreiben und sie gelten ja quasi auch seit jeher als Grundtenor für meinen Blog:

  • Weniger Konsumgüter zu kaufen, heißt weniger Müll zu produzieren.
  • Weniger Schnäppchen kaufen, heißt mehr Geld für qualitativ hochwertige Waren übrig zu haben.
  • Weniger vorgefertige Lebensmittel zu vertilgen, heißt mehr BIO für seinen einen Körper.
  • Weniger Shopping und Konsum heißt mehr Zeit für sich und die wahrhaft wichtigen Dinge.
  • Weniger dem Geld nachzujagen, heißt mehr Lebensqualität.
  • Weniger Sachen zu besitzen, heißt mehr Überblick über sein Leben zu haben.

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