Aug
29
2011
3

Urbanes Marketing – Einengung des öffentlichen Raums

Durch den Beitrag „Fiktion ist die beste Tarnung der Realität“ im De-Branding-Blog wurde ich auf Prof. Dr. Friedrich von Borries aufmerksam, der als Architekt und Professor für Designtheorie spätestens seit seinem Werk „Wer hat Angst vor Niketown?“ (2004) als Kritiker der Zukommerzialisierung der öffentlichen Räume in modernen Städten offenbar immer wieder die momentane Entwicklung mahnend begleitet. Bei De-Branding findet sich diese bemerkenswerte Aussage (ein Auszug aus einem Interview bei heise.de über seinen aktuellen Roman „1WTC“):

Ich denke, dass dies vor allem eine Haltung gegenüber der Wirklichkeit beschreibt. Wir leben in einer sehr merkwürdigen Zeit. Vieles, was Realität ist, verdrängen wir, während wir so manche Narration für bare Münze nehmen – insbesondere, wenn es Politik betrifft. Man kann diesen Anfangssatz mehrdeutig lesen: als Kritik an unserer Weltauffassung und als Schlüssel, wie man mein Buch und die darin beschriebene Geschichte verstehen kann.

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Mai
06
2010
2

Guerilla Gardening – der Untergrund lebt

Es kommt Bewegung in den Untergrund – bereits seit ein paar Jahren ist das sog. Guerilla Gardening eine neue Bewegung, in der Städter heimlich und „verbotener Weise“ hässliche Ecken der Städte (wieder)begrünen:

Als Guerillagärtnerei bzw. Guerilla Gardening wurde ursprünglich die heimliche Aussaat von Pflanzen als subtiles Mittel politischen Protests und zivilen Ungehorsams im öffentlichen Raum bezeichnet, vorrangig in Großstädten oder auf öffentlichen Grünflächen.

Mittlerweile hat sich Guerilla-Gardening zum urbanen Gärtnern oder zu urbaner Landwirtschaft weiterentwickelt und verbindet mit dem Protest den Nutzen einer Ernte beziehungsweise einer Verschönerung trister Innenstädte durch Begrünung brachliegender Flächen.

Wie Guerilleros vermeiden Guerilla-Gärtner die offene Konfrontation und bevorzugen abgelegene und unzugängliche Standorte oder nehmen ihre Aktionen bevorzugt heimlich durch „Überraschungspflanzungen“ vor. Für heimliche Aussaaten an belebten Plätzen werden Samenbomben (seedbombs) genutzt. Diese bestehen aus einem Gemisch aus Erde, Ton und Samen welche zu Kugeln geformt und getrocknet werden. Diese kann man dann vom fahrenden Rad aus auf Verkehrsinseln werfen oder beim Spaziergang unauffällig fallen lassen.

Graue Betonpfeiler oder Wände werden mit einem Gemisch aus Buttermilch und Moos bespritzt, teilweise auch hiermit beschriftet. Das Moos fängt bei idealen Voraussetzungen dann an, den Beton zu begrünen. [Wikipedia; via Konstantin Kirsch]

Einige Blogs berichteten in der letzten Zeit vermehrt darüber – in Bleib passiv! („G wie Guerilla Gardening“) wird eine umfassende Einführung in die Ideenwelt gegeben, genauso wie auf Utopia („Das ABC des Guerilla-Gardening“) und auch die taz befasst sich damit („Wie cool ist das denn? Samenbomben“). Inzwischen ist das Guerilla Gardening so bekannt geworden, dass selbst Manufactum die sog. Seedballz (Samenbomben, die von einer US-amerikansichen Firma als Projekt für Schwerbehinderte hergestellt werden) anbieten. Wer das Geld sparen will (Manufactum nimmt 8,50 € für 8 solcher Kügelchen!), findet auf der Website Guerilla Gärtner eine Anleitung zum Selbermachen nebst vielen praktischen Tipps. Das Forum guerillagardening.com bietet weltweit eine Anlaufstelle für alle, die Gleichgesinnte suchen und sich austauschen wollen.

Und auch Ziel eines größeren Projekts ist das geheime Begrünen schon geworden – die Designer Daniel Phillips und Kim Karlsrud haben in Los Angeles Kaugummiautomaten zu Saatbombenautomaten umfunktioniert – Greenaid. [via rebel:art]

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Apr
16
2010
3

Transition Towns – Lebenswerte Städte schaffen; und „Einzug mit dem Brecheisen“

Es wird mal wieder Zeit, neben all der berechitgten Kritik an den bestehenden Zuständen im Lande und der Welt auch etwas Zukunftsweisendes zu zeigen. Denn manche Leute bejammern z.B. nicht nur die Zurichtung unserer Städte auf den Individualverkehr, die Zubetonierung der Landschaft mit immer ausufernderen Shoppingmalls etc., sondern sie handeln selbst, statt auf den Staat zu warten. So gibt es seit einiger Zeit die Transition Town-Bewegung, die, laut Wikipedia:

Im Rahmen des Transition Town Movement (etwa „Bewegung für eine Stadt des Übergangs“) proben seit 2006 Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in vielen Städten und Gemeinden der Welt den geplanten Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft. Die Bewegung, initiiert von dem irischen Permakulturalisten Rob Hopkins, lässt sich dem v.a. in den USA weit verbreiteten Gedanken des „Eco-Communalism“ zuordnen, einer Umweltphilosophie, die angesichts schwindender Rohstoffe und negativer ökologischer Auswirkungen der Globalisierung die Idee des „einfachen Lebens“, der Regional- bzw. lokalen Wirtschaft sowie der Nachhaltigkeit und der wirtschaftlichen Selbstversorgung propagiert. Eine wichtige Rolle spielen auch die Gestaltungsprinzipien der Permakultur, die es insbesondere landwirtschaftlichen, aber auch allgemein-gesellschaftlichen Systemen ermöglichen sollen, so effizient und energiesparend zu funktionieren wie ein natürliches Ökosystem.

Hintergrund des Transition Town Movement sind Befürchtungen und Kritik daran, dass die jeweilige nationale Politik nicht durchgreifend genug auf die Herausforderung des Klimawandels und des bevorstehenden globalen Ölfördermaximums („Peak Oil“) reagiert und daher die Kommunen mit ersten vorbereitenden Maßnahmen auf eine Zukunft knapper werdender Roh- und Treibstoffe reagieren müssen. Hierzu gehören u.a. Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion von fossilen Energieträgern und zur Stärkung der Regional- und Lokalwirtschaft. Dem soll u.a. die Einführung von Regionalwährungen dienen wie etwa das „Totnes Pound“ in der südenglischen Stadt Totnes.

Beispiele in Deutschland und Österreich sowie weitere Infos findet Ihr hier:
Transition Town/Energiewenden-Initiativen in Deutschland (Norbert Rost hat hier eine Landkarte mit Infos erstellt)
http://ttkiel.wordpress.com/ (Kiel)
http://transitiontownos.blogsport.de/ (Osnabrück)
http://ttbielefeld.wordpress.com/ (Bielefeld)
http://koelner.ning.com/group/transit… (Köln)
http://www.landscaping.at/blog/2007/0…
http://www.transitiontowns.org/
http://energiewende.wordpress.com/

In den Niederlanden geht man mit der Wohnungsnot in Amsterdam und anderen Städten ebenfalls alternativ und kreativ um [via Nokturnaltimes]:

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