Jan
30
2011

Suchbegriffe des Tages – Discounter, Kinderarbeit, Mode und mehr

© thiagofest, stock.xchng

Hin und wieder schaue ich mal darauf, auf welchem Wege denn Besucher hier auf meinen Blog kommen. Da sind neben den zu erwartenden Begriffen wie Konsumkritik oder auch H&M-Werbung aber auch immer mal wieder recht putzige oder originelle Suchanfragen dabei, von denen ich mir heute ein paar vornehmen werde, um die dahinter stehenden dräuenden Fragen ein wenig zu beantworten:

„wie nennt man ein konzern, der für alle menschen einen nutzen bringt“

Tja, ich würde mal sagen: eine Fiktion? Jedenfalls gibt es in unserem derzeitigen System kein Unternehmen, schon gar keinen Konzern, der mit seinem Treiben nicht den einen oder anderen Schaden bewirkt. Sei es an der Umwelt, in Bezug auf die Ausbeutung von Mitarbeitern oder dem Unter-Druck-Setzen von Konkurrenz – irgendjemand hat unter dem wirtschaftlichen Tun am Ende doch zu leiden. Von daher darf bezweifelt werden, ob es überhaupt möglich ist, ein allen dienendes Unternehmen zu erschaffen. Es wäre ja schon mal schön, wenn ein Konzern nicht nur den Shareholdern und einem kleinen Kreis von Angestellten etwas brächte…

„Aldi nur auf Profit aus?“

Waaaaas?! Neeeeiiiin, das kann ja wohl nicht sein! :-) Im Ernst: Auf was sollte Aldi sonst aus sein? Selbstverständlich geht es bei Aldi um Profitmaximierung um jeden Preis, nicht umsonst sind/waren die Aldi-Besitzer, die Albrecht-Brüder, die reichsten Männer Deutschlands. Zufällig am Wegesrand noch anfallende Vorteile für den einen oder anderen (also günstige Ware für einkommensschwache Schichten) sind sicherlich nicht der primäre Fokus von Aldi, Lidl & Co. – sondern nur knallhartes Geschäft.

„was enthaltet die milch fuer toxische elemente aus dem aldi“

Eine interessante Frage, nicht nur grammatikalisch. Bei aller Kritik an den Discountern darf man aber schon davon ausgehen, dass die Ware dort nicht belasteter ist als in anderen Supermärkten. Inwieweit für die Produktion der Billigmilch auch Billigfutter verwendet wurde und somit entsprechend minderwertige Stoffe am Ende in der Milch landen, kann ich nicht beurteilen, aber dass der Preiskrieg auf dem Milchmarkt viele Kleinbauern zum Aufgeben bringt, ist auch kein Geheimnis.

„Gibt es Kinderarbeit für unseren westlichen Konsum“

Bei der Frage musste ich doch etwas schmunzeln – unser westlicher Wohlstand basiert seit Jahrhunderten auch auf Ausbeutung und Kolonialismus und das beinhaltet in vielen ärmeren Ländern „natürlich“ auch Kinderarbeit. Berichte dazu gibt es fast unendlich viele, ich verweise z.B. auf die Geschichte mit Kinderarbeit bei der Baumwollernte für H&M oder C&A (HIER), bei der Kleidungsproduktion in Indien (HIER) oder auf Kinderarbeit beim Kaffee- und Kakao-Anbau in Afrika/Südamerika (siehe die Doku „Schmutzige Schokolade“). Man findet leicht viele weitere Beispiele aus den verschiedensten Regionen der Welt.

„akzeptanz von animierter internetwerbung”

Ich würde es mal so formulieren: die ist ausgesprochen gering. Bei mir jedenfalls ist sie gleich Null, aber auch generell nervt sie viele Internetuser, manche sogar so, dass sie Produkte der werbenden Firmen bewusst nicht mehr kaufen. Mehr dazu auch meinen Artikel HIER.

„verblödung modeindustrie“

Ganz so hart würde ich es jetzt vielleicht nicht ausdrücken ;-) , aber da ist schon was dran. Jedenfalls sorgt die Modeindustrie mit ihrer permanenten Hatz nach Trends und Styles mit dafür, dass Menschen sich in den Konsumismus stürzen, Oberflächlichkeiten überbetonen und bescheuerte Fernsehformate wie Germany’s Next Top Model den Bildschirm verkleistern. Dazu passt der „Good Consumer“ von Neil Borman – HIER.

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12 Kommentare »

  • Jannik

    Hab ich was verpasst oder wo ist der Flattr Button? Den würd ich jetzt nämlich gern drücken;)

    Comment | 30. Januar 2011
  • LowEntropy

    Das erinnert mich daran wie ich auf konsumpf.de aufmerksam geworden bin. Es ist schon eine Weile her. Wann es genau war weiß ich leider nicht mehr. Zu dieser Zeit habe ich noch Volkswirtschaft an einer Berliner Hochschule studiert und habe mich intensiv mit klassischer Umweltökonomie und ökologischer Ökonomie beschäftigt. Bei einer Internet Recherche zu Herman Daly bin ich dann auf den Beitrag “Herman Daly – Ein Wirtschaftssystem des langfristigen Gleichgewichts (Steady-State-Ökonomie)” in diesem Blog gestoßen. Da ich den Artikel für sehr gelungen hielt, habe ich mir noch ein paar andere Beiträge angesehen. Seither gehört dieser Blog zu meiner Täglichen Lektüre. Vielen Dank hierfür!

    Comment | 30. Januar 2011
  • wolfgang

    für alle die die werbung auf webseiten satt haben, es gibt zahlreiche freeware pogramme die die werbung auf den webseiten unterdrücken.

    so wie auch anti viren hersteller die einen ad-blocker eingebaut haben.

    sehr angenehmes tool ;)

    Comment | 30. Januar 2011
  • Tolle Idee für einen Blogbeitrag. Prima umgesetzt! Ich würde mich sehr über weitere solcher Beiträge freuen – vielleicht immer zum Monatsende. Liebe Grüße

    Comment | 30. Januar 2011
  • @ Jannik – nee, ich habe die Flattr-Sache zum 1.1. vorerst auf Eis gelegt, da ich die Grundidee zwar super finde, es mir aber schon etwas negativ aufstößt, dass man damit immer auch Paypal füttert. (Von den Vorwürfen bezüglich der Unterstützung/Duldung rechter Gruppierungen durch Flattr mal ganz abgesehen. Siehe: http://konsumpf.de/?p=9582

    @ Jacob: tatsächlich habe ich das vor vielen Monaten schon einmal gemacht :-) http://konsumpf.de/?p=3007 Leider fallen nicht sooo viele originelle oder interessante Suchbegriffe an, dass ich darauf eine regelmäßige Rubrik machen könnte. Aber ich will sehen, was sich machen lässt!

    @ LowEntropy: vielen Dank für die Blumen, das freut mich natürlich zu lesen!

    Comment | 30. Januar 2011
  • June C.

    solche Beiträge findet man leider immer seltener…

    Comment | 31. Januar 2011
  • Hab gerade wirklich mal wieder schmunzeln müssen. Einerseits über gewisse grammatikalische Blüten von eingegebenen Suchanfragen und andererseits über die “wie kann man überhaupt so was denken” Kommentare. Wünsch mir mehr davon ohne die Qualität der anderen Beiträge in Frage stellen zu wollen!

    Comment | 2. Februar 2011
  • Schirin

    Ich bin 45 J.a. alt, komme aus ehem. UdSSR, seit fast 20 Jahren lebe ich in Deutschland. Vor kurzem bin ich auf ein Beitrag über die Kinder, die zum Baumwollepflücken gezwungen sind, gestossen. Ich bin auch eins von diesen Kindern. Glücklicherweise habe ich deutsche Herkunft, und das hat meiner Familie Auswanderung nach Deutschland ermöglicht. Meine Familie wurde im Jahre1941 wegen ihrer deutschen Zugehörigkeit nach Usbekistan deportiert und zu Zwangsarbeit verpflichtet. Und das entsprechende Gesetz dazu lautete, dass auch künftige Kinder und Kindeskinder diese Region nicht verlassen dürfen. Und so kam es dann auch dazu, dass auch ich ab meinem 10. Lebensjahr beinah bis zu Auswanderung jedes Jahr Baumwolle pflücken musste. Wir hatten eine Norm zu erfüllen, und wehe dem der es nicht geschafft hat. Er wurde nach der Arbeit namentlich genannt, wir waren Kinder und es hat auf uns einen ungeheueren Eindruck gemacht. Keiner wollte angeprangert werden und jeder hat sich Mühe gegeben. Bekommen haben wir dafür nichts, höchstens ein Paar Rubel am Ende des Saisons. Saison dauert je nach Wetterlage von Mitte September bis Mitte Dezember. In dieser Zeit sind alle Schulen und Unis in der Region zu. Nur die Grundschulen waren damals nicht betroffen. Die Temperaturen im September sind noch bis zu +30 grad. Die Felder sind unendlich lang, Wasser wird meistens in einer rostigen Zisterne am anderen Ende des Feldes abgestellt. Hast du Durst? Dann musst dich erst bis zu diesem Ende vorarbeiten. Die Lehrer haben dafür gesorgt, dass man nicht vorzeitig zum Trinken kommt. Ein Teil der Lehrer hat es aus Sorge um die Kinder gemacht, sobald die Kinder aus der Sichtweite sind konnte ihnen was zustossen und wollten die meisten Lehrer vermeiden. Aber es gab auch andere Gruppe von Lehrern, die waren nur auf das Erfüllen der täglichen Norm scharf. So haben sie sich auch benommen, wie Sklavenantreiber. Ab Mitte November hat es meistens schon geregnet, an den regnerischen Tagen ist Unterricht stattgefunden, nach dem Regen – wieder Baumwolle. Es ist eine sehr schwere Arbeit, wer das nicht gemacht, der kann sich darüber nichts vorstellen. Man befindet sich den ganzen Tag in gebückter Haltung und schleppt einen Sack hinterher, der mit jedem Schritt immer schwerer wird. Wenn der Sack voll wird muss der bis zu Wiegestation geschleppt werden, die meistens auch sehr weit eingerichtet wird ( weil die Pflücker irgendwann mal so wie sich so weit vorarbeiten) .und so kommt es dass kleine Mädchen große Säcke bis zu 15- 20 kg schleppen. Sie wollen nicht mit dem langen Weg die Zeit umsonst vergeuden, und so stopfen sie ihre Säcke so schwer wie möglich. Am Anfang des Saisons werden die nahegelegene Felder bearbeitet, dann kommen die entfernteren dran, und so kam es dazu, dass wir dann in den letzten 2 Monaten zuerst bis zu einer Stunde Fussmarsch hatten. Die eigentliche Arbeit musste um 8 Uhr angefangen werden, also um 7 Uhr sind wir dann ab unserem Sammelpunkt (Schule) losmarschiert. Um 18 Uhr war Schluss und dann wieder stundenlanger Marsch. So lange es warm war, war das ganze noch mehr oder weniger erträglich. Nach dem Regen war das richtig schlimm. Der Lehm klebt an den Schuhen, die Klümpen werden immer grösser, die Füße versinken im Matsch, der Sack wird schnell sehr schwer, es klebt auch Lehm dran, und die Baumwolle selbst ist mit Wasser durchtränkt. Irgendwann war das auch vorbei, dann musste die Schule nachgeholt werden. Und so wurden solche Fächer wie Sport oder Kunsterziehung gestrichen. Nur die wichtigeren Fächer wie Mathe, Physik, Russisch wurden vorangetrieben, ab und zu wurden die Ferien gestrichen. Die Zeit des Pflückens ist aber noch nicht alles, zuerst muss die Baumwolle angebaut werden. Und wenn die Saat zu dicht erfolgt, sind die Kinder auch dran. Wer kann es besser , als sie mit ihren kleinen Fingern die noch ganz niedrigen Pflänzchen ( höchstens 5cm. hoch) vereinzeln? Im Sommer – Unkraut jäten. Im Sommer herrschen Temperaturen bis 40 grad und mehr, daher wird die Arbeit mit dem Sonnenaufgang angefangen, um Mittag herum – Pause, und dann bis zum Sommeruntergang. In den 70- er Jahren wurden für diesen Zweck die so genannten Lager der Arbeit und Erholung gegründet. Was für eine Häme! vormittags wurde geschuftet, nachmittags wurde jeder sich selbst überlassen. Geld wurde hier auch nicht bezahlt, was erarbeitet wurde – musste für den Aufenthalt und Kost bezahlt werden. Ich spreche von einem Zeitraum von 1975 bis 1991. Aber wie es aussieht, es hat sich nichts geändert. Und die Ortschaft, von der ich spreche, wurde in den 70-er Jahren der Republik Kasachstan zugeteilt IND heisst Pachta-Aral. Es ist ein grosses Sowchos, der nur auf Baumwolle spezialisiert ist, es liegt im Grenzgebiet zwischen Kasachstan und Usbekistan, ca. 60-80 km. von usbekischen Hauptstadt Taschkent entfernt. Und im Mai gab es noch die Kokons, sobald die Seidenraupen sich in die Kokons eingewickelt haben, mussten sie schleunigst eingesammelt werden und verarbeitet, sonst fressen sich die Falter durch und die Seide ist ruiniert. Diese Arbeit war nicht schwer, wurde von uns sogar als willkommene Pause nach der endlosen Paukerei empfunden, aber dadurch ging auch die Schulzeit verloren.
    Und ich möchte noch was erzählen. Liebe deutsche Bürger, glaubt bitte nich dem Mythos ” Bio-Baumwolle”, so was kann einfach nicht geben, weil die Baumwolle ein hochgezüchtete Pflanze ist, und wie alle andere hochgezüchtete Lebewesen, kann es einfach nicht ohne großen Menge von Herbiziden und Pestiziden gedeihen. Die Baumwolle hat einfach zu viele Fressfeinde. Und so wird es das ganze Jahr mit Chemikalien bestreut, begossen, bespritzt. Im Herbst vor der Ernte wird es grosszügig und grossflächig von den Flugzeugen mit Defolianten bearbeitet. Ein Defoliant lässt den Laub austrocknen, danach ist erst der Einsatz von baumwollpflückenden Maschinen möglich. ( Aber die beste Qualität liefert nach wie vor das von der Hand gepflückte.) Und eins von den Bestandteilen so eines Defolianten ist Dioxin. Baumwolle selbst wird beinah restlos verarbeitet. Daraus wird nicht nur Stoff und Schiesspulver gemacht, die Samen werden ausgepresst, Öl in dieser Region wird seit langer Zeit als wichtiges Nahrungsmittel verwendet, die ausgepressten Reste als Tierfutter verwendet. Und natürlich sind alle aufgenommenen Stoffe mitdabei. Ach ja, und ich habe mal irgendwo im Internet gelesen, dass man Baumwollsamenöl gerne zum Strecken anderer hochwertigerer Öle, wie Olivenöl, nimmt. Na dann, guten Appetit! Und falls mir hier irgendwelche grammatische Fehler unterlaufen sind, so bitte ich um Verzeihung und Nachsicht, immerhin ich nicht hier aufgewachsen, und manchmal wundere ich mich selbst, dass ich und meine Schulkameraden überhaupt noch was lernen konnten.

    Comment | 21. Februar 2011
  • @ Schirin: Danke für Deinen ausführlichen Kommentar und den Blick “hinter die Kulissen”. Hierzulande kann man vieles, was so in punkto Ausbeutung etc. geschieht bestenfalls erahnen!

    Comment | 27. Februar 2011
  • Netter Artikel :-)

    „wie nennt man ein konzern, der für alle menschen einen nutzen bringt“

    Die Firmenform des Genossenschaft scheint mir hier doch dicht dran zu sein, da sie zumindest nocht auf Profit ausgerichtet ist. Aber ich denke mal, dass viele auch die Ökoligie im Auge haben. Ich bereite gerade einen Artikel vor. Vielleicht komme ich heute noch zum Posten: faszinationmensch.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=321

    Viele Grüße, Martin

    Comment | 28. Februar 2011
  • OK, ich habs dann doch fertig gemacht: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/02/28/sind-genossenschaften-die-losung-zur-begegnung-der-aufkommenden-sozialen-kalte/

    Comment | 28. Februar 2011
  • Gestern kam Jemand mit diesem Suchstring auf meinen Blog:

    “Wieviele Leuten dürfen in das Paradies”

    Hm, ich nin Atheist und hatte mich gefragt, warum Jemand mit dieser Frage bei landen kann. Bis mir einfiel, dass ich vor einiger Zeit wie folgt gepostet hatte:

    Über die Vertreibung aus dem Paradies, und warum gehen wir nicht einfach wieder dorthin zurück?

    Aber warum diese Frage. Ist es vorstellbar, dass es nicht genügend Platz in einem Himmel geben sollte, der von einem allmächtigen Gott geschaffen wurde?

    Aber Wahrscheinlich wollte doch nur einer mit einer großen Klicke in die Disco gehen …

    Comment | 1. August 2011

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