Okt
29
2010

Chevrons neue Anzeigenkampagne von den Yes Men erfolgreich konterkariert

Als einer der großen Ölkonzerne gehört Chevron natürlich, wie Shell, Exxon und die anderen, zu den Firmen, die durch ihr wirtschaftliches Treiben besonders viel Schaden anrichten in der Welt. Und wie so viele andere Firmen, deren Geschäftsprinzip in der Umweltzerstörung besteht, versucht nun natürlich auch Chevron, sich mit Hilfe von Marketing und Reklame ein grüneres Image zu verschaffen. Dieses Greenwashing ist bereits bei BP grandios gescheitert, wie wir alle wissen. Chevron hat jedenfalls in den USA eine Millionen-Dollar-teure Kampagne gestartet, in der sie eine Mischung aus Street Art und Pseudo-Aktivismus an den Tag legen und den Menschen suggerieren wollen, dass sich das Unternehmen um die Belange der Menschen kümmert. Ein so jämmerlicher Versuch zieht selbstverständlich den Unmut der amerikanischen Culture Jammer-Gruppe The Yes Men auf sich, und so haben die Jungs die Chevron-Kampagne Anfang der Woche ein wenig umgedichtet und mit gefälschten Pressemitteilungen für viel Wirbel in den Medien gesorgt. Die Parodie auf Chevron findet Ihr übrigens auf dieser Website hier. Der Blog der Yes Men schildert in „Activisits derail massive Chevron Ad-campaign, spark media vaudeville“, wie alles vor sich ging – ich übersetze Euch den Text mal eben:

Die mächtige Chevron-Anzeigenkampagne wurde zum Entgleisen gebracht, der Medien-Rummel nahm seinen Lauf
Nachrichtenkanäle, Bürger wurden von einem gefläschten Webauftritt hinters Licht geführt – aber wessen?

Die einen Tag währende Kömodie der Fehler begann Montag morgen, als die Yes Men, unterstützt von dem Rainforest Action Network und Amazon Watch, Chevrons riesiger neuer “We Agree” Anzeigenkampagne mit einer eigenen satirischen Version konterten. Die Aktivisten hoben Chevrons Umwelt- und Sozial-Sünden hervor – die selben Missstände, von denen Chevron sich nun „grünzuwaschen“ versucht, wie sie sagen.

„Chevrons superteure Peudo-Street Art ist ein zynischer Versuch, die Verstöße an Menschenrechten und Umweltzerstörung zu übertünchen, die Chevrons Tätigkeiten in Ekuador, Nigeria, Burma und der ganzen Welt zugrunde liegen“, sagte Ginger Cassady, ein Aktivist des Rainforest Action Network. „Sie müssen uns für bescheuert halten.“

„Sie sagen, wir ‚unterbrechen den Dialog‘“, sagte Andy Bichlbaum von den Yes Men, sich auf Chevrons knappe ablehnende Antwort beziehend. „Welchen Dialog? Chevrons Anzeigenkampagne ist ein beleidigender, veriwrrender Monolog – mit vielen Dutzend Millionen Dollar, die dahinter stehen.

Die Präventiv-Kampagne der Aktivisten begann am frühen Montag mit einer Pressessemittelung von einer falschen Chevron-Domain, auf welcher die Fake „We Agree“-Site Stunden, bevor der reale Chevron-Konzern seine eigene, wirkliche Kampagne starten konnte. Die gefälschte “We Agree”-Site stellte vier „verbesserte“ Anzeigen vor, zusammen mit PDF-Datein zum Herunterladen, um sie für Street Art-Plakate zu verwenden.

Neun Stunden später, nachdem die eigene „We Agree“-Pressemitteilung herausgegeben wurde, verschrie Chevron die Falschmeldung in einer vorhersehbaren barschen und hurmorlosen Art und Weise. Wenige Augenblicke später brachte die Gegenkampagne ein sehr viel besseres Dementi für Chevron heraus, in der sie Chevrons Hauptargumente im Fall Ekuador darlegten. „Wir haben bindende Verpflichtungen mit der ekuadorinischen Regierung die uns von jeglicher Verantwortung freisprechen, die uns im Gegenzug für eine 40 Millionen $ teure Aufräumaktion einiger Bohrlöcher von Texaco inden 1990ern gewährt wurden“, trumpfte die gefälschte Pressemitteilung in absurder, aber zutreffender Weise auf.

Während des Tages entfaltete sich eine Art langsames Variétée im Internet, als eine Reihe von Presseabteilungen, vom Industrie-Sprachrohr über die Presseagentur AFP bis hin zu einer Überwachungsorganisation ein „Mash up“ (Vermengen) von „realen“ und Fake-Informationen erzeugten.

Zunächst fiel Fast Company auf den Streich herein (hier der archivierte Artikel), berichtete dann humorvoll darüber (Anm. PM.: Auch ein sehr schöner Artikel, lesenswert!). Eine Agentur namens „Enviromental Leader“ zitierte ununterscheidbar von sowohl der richtigen als auch der gefälschten Pressemittelung, bevor sie stillschweigend die Fake-Abschnitte einige Stunden später wieder löschte (Originalartikel ist hier archiviert).

Kurz danach zitierte Energy Digital, ein Onlineportal, das „Nachrichten und Informationen für Energiemanager“ bereit stellt, ausführlich (hier archviert) aus der falschen Pressemeldung, um Chevrons Kampagne zu beschreiben und merkte an, dass die Kampagne bereits parodiert wurde. Sie bemerkten aber nicht, dass sie selbst gerade auf den Fake hereingefallen waren.

Sogar die Presseagentur AFP ging auf den Leim (der Originalartikel findet sich hier). AFP  beschrieb mit großer Freude den Streich, der „einige News-Portale bereits aufs Kreuz gelegt habe“, bevor sie dann „den wirklichen Konzern“ zitierten. (Der „wirkliche Konzern“ war nicht der wirkliche.)

Selbst Industrie-Watchblogs waren nicht immun. „Oil Watchdog“ sezierte den Fake minutiös und exakt, bevor sie Advertising Age als eines der düpierten Newsportale anführten. Der gesamte Artikel war jedoch ein Fake.

„Wenn du wirklich mit den Medien spielen willst, fällt es ihnen schwer, zu widerstehen“, sagt Mike Bonanno von den Yes Men. „Wir bastelten einige gefälschte Presemitteilungen und Websiten mit einfachen Mitteln zusammengebastelt und wir haben einige der angesehensten Medien der Welt hereingelegt.“

„Chevron tut, was wir tun, nur millionenfach verstärkt, mit einem gigantischen Budget – und es legt seine Täuschungen niemals offen“, sagt Bichlbaum. „Kein Wunder, dass die Medien voller Lügen sind.“

„Der gestrige Streich war eine lustige Komödie an Fehlern, aber das, was in Ekuador passiert, ist kein Scherz“, sagt Mitch Anderson, ein Aktivist von Amazon Watch. „Während Chevron Dutzende von Millionen jedes Jahr ausgibt, um sein Image grünzuwaschen und die Medien hinters Licht zu führen, sterben Ekuadorianer an Chevrons giftigen Hinterlassenschaften.“

Der gestrige Streich war jedoch nur der Anfang für die Aktivisten. „Bleinen Sie dran“, sagte RANs Cassady. „Es wird in der nächsten Zeit noch viel mehr kommen. Wir werden Chevron beschäftigt halten.”

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6 Kommentare »

  • Jacob

    Bravo, bravo, bravo! Super-Aktion der Yes-Men.
    Danke für die Zusammenfassung und Übersetzung!

    Comment | 29. Oktober 2010
  • Schön zu lesen. Es gibt noch Hoffnung uns Menschen die gegen Grennwashing im Kopf immun sind. Danke für den Bericht und die Translation. Werde die spannende geschichte gleich mal weiterempfehlen. :-)

    Comment | 31. Oktober 2010
  • Danke danke. :-) Ich finde es auch sehr schön, dass die Yes Men mit ihrer gefälschten Kampagne von einigen Medien für voll genommen wurden und sich so deren Botschaft als Nachricht verbreitete. So muss das sein.

    Comment | 31. Oktober 2010
  • Vogel

    Super Äktschen – Super Post!

    Zum Thema Erdöl und den “scheichenden Verunreinigungen hier ein Zitat:

    [...] Als größte Verschmutzer werden (in einem durchschnittlichen Jahr) aber übereinstimmend Flüsse (das Erdöl gelangt zunächst aus Städten über das Abwasser dorthin) und der Seetransport angegeben, wobei die Reinigung der Tanker den größten Anteil ausmacht. Der Eintrag durch Ölunfälle ist dabei eher gering. Diese beiden Quellen machen über drei Viertel des gesamten Eintrags aus. „The Danube River alone annually brings to the Black Sea about 50,000 tons of oil, half of the total oil input of about 100,000 tons [Konovalov, 1995].”[...]

    Es sind am wenigsten die großen Ereignisse, es sind die täglichen Sauereien von “uns” allen: Bottom Kill und Killifish.

    Comment | 31. Oktober 2010
  • Vogel

    Moin Peter
    funzionieren die Linkeinbindungen nich? Was hab’ ich falsch gemacht?

    Comment | 31. Oktober 2010
  • Welche Linkeinbindungen…? Sollte eigentlich alles klappen. Ach so, Du meinst die in Deinen Kommentar. Du musst den Code hervorheben und dann auf “link” klicken (in dem kleinen Menü des Kommentarfensters). (Hab Deinen Kommentar mal eben entsprechend geändert – danke für den Link übrigens!)

    Comment | 31. Oktober 2010

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