Jun
03
2011

Affluenza oder: Wohin mit all dem Schund?

Ich weiß nicht, ob sie Euch auch schon einmal aufgefallen sind – diese etwas sonderbar anmutenden Gebäude, die mit Namen wie „SelfStorage“ o.ä. beschriftet sind (bei der Einfahrt nach Hamburg über die Kieler Straße kann man z.B. so ein Exemplar „bewundern“) und im Prinzip aus Lagerräumen bestehen, die jedermann mieten kann, um überschüssigen Krams unterzustellen. Dass dieser Trend aus den USA kommt, dürfte dabei nicht verwundern. Auf jeden Fall ist dieser Geschäftszweig ein augenfälliges Symbol für unsere auf Kaufen und Horten und Besitzen ausgerichtete Konsumgesellschaft, in der die Menschen viel arbiten, um sich in der verbleibenden Zeit viel kaufen zu können – oft genug Dinge, die man nicht wirklich braucht oder nur kurzzeitig, um einem Trend hinterherzuhecheln, die aber nichts desto trotz unser Geld kosten, für das wir vorher schuften mussten. Ein irgendwie absurder Kreislauf.

Eine ähnliche Beobachtung machte vor einigen Jahren bereits Marcus Meier in seinem Sprusko-Blog – im Beitrag „Wohin mit all dem Schund?“ beschäftigt er sich ebenfalls mit diesem neumodischen „Storage“-Geschäftszweig:

Schund produzieren, um Schund zu konsumieren? Viele US-Bürger sind schon einen Schritt weiter: Sie kaufen Neu-Schund, ohne ihn je nutzen oder auch nur in Händen halten zu wollen. Der im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geprägte Begriff »selfstorage « lässt sich noch am ehesten mit Selbstlagerung übersetzen. Was damit gemeint ist? Nun, Unternehmen, vor allem jedoch Privatpersonen mieten Platz, der ihnen ansonsten fehlen würde. Platz, um Besitztümer, Möbel oder Fahrzeuge zu verstauen.

Plaaaaatz heeeer! Den bieten lange Reihen von mal garagen-, mal containerförmigen Gebäuden, oft abgezäunt, mitunter bewacht, sieben mal 24 Stunden in der Woche zugänglich.

Die Self-Storage-Branche erwirtschaftet einen Umsatz von mehreren Milliarden Dollar pro Jahr; sie ist einer der am schnellsten wachsenden Industriezweige der USA. Mehr als 30.000 dieser Gebäudekomplexe gab es dort Ende 2003.

Und es werden immer mehr. »Die meisten davon«, analysiert eine amerikanisches Wochenzeitung, »werden von Leuten gemietet, die ganz einfach zu viel Kram haben und einen Platz brauchen, wo sie ihn verstauen können.«

Das haben auch Versandhäuser und Shopping-Fernsehkanäle verstanden. Seit einiger Zeit bieten sie einen neuen Service: Bei der Bestellung kann der Konsument angeben, ob der Kram erst mal nach Hause geliefert werden soll – oder direkt in’s Container-Lager. (…)

In einem fiktiven Interview – „Was ist das Sprusko-Prinzip?“ – analysiert der Autor noch etwas tiefer (und bissiger) einige der Ursachen und Folgen unserer Konsumwirtschaft:

(…) Marktwirtschaft ist Murkswirtschaft. In der Produktion und beim Konsum gilt notwendigerweise das Motto „Hauptsache billig!“. Das mindert die Qualität von Gütern und Dienstleistungen erheblich. Deswegen wird die Massenproduktion zur Schundmassen-Produktion. Die Gewinne von morgen sind die Einsparungen von heute.

Schund bestimmt unsere Arbeit, unseren Konsum und daher unser Leben. Das SPRUSKO-Prinzip ist Kultur prägend. (…)

Schund-Arbeit und Schund-Konsum (ent)stehen zumeist in marktwirtschaftlichen Kontexten:

Sparwahn
Privatisierung
„Hauptsache billig!“-Produzieren um beinahe jeden Preis
Kostenexternalisierung
Einkauf billiger und entsprechend schlechter Vorprodukte
bewusstes Produzieren kurzlebiger Waren (würde der Fernseher ein Menschenleben lang halten, könnte man nicht zehn Fernseher pro Nase verkaufen), in der Folge: Einbau von Sollbruchstellen, geplante Obsoleszenz
Profit statt Qualität („Der Kapitalist … produziert überhaupt nicht mit unmittelbarer Rücksicht auf die Konsumtion“, schreibt Marx. „Er produziert, um Mehrwert zu produzieren.“)

… all das, was Unternehmen tun und unterlassen, um konkurrenzfähig zu sein und ordentlich Reibach zu machen. Kurzum: Marktwirtschaft ist Murkswirtschaft. Derweil gilt für Ökonomen und Politiker das Motto: Noch mehr Schund, und „die Wirtschaft“ bleibt gesund. (…)

Simone Hattenstone stellt in Der Freitag die für den heutigen Konsumbürger auf den ersten Blick widersinnig erscheinende, ja ketzerische Frage: „Wer wird schon gerne Millionär?“. Hämmern uns nicht die Medien den ganzen Tag ein, dass es erstrebenswert sei, reich und berühmt zu sein, es vom Tellerwäscher zum Millionär zu schaffen? Viele Sendungen, von DSDS über die Top-Model-Scheiße bis hin zu irgendwelchen Dokusoaps über Superreiche und Popstars und ihren verschwenderischen Lebensstil, drehen sich primär um dieses Thema. Sie schüren Neid und Begehrlichkeiten und stellen Reichtum und Ruhm als das ultimative Lebensziel hin. Zu Recht?

Geld besitzen macht nicht glücklich, Geld verschenken aber schon. Nicht wenige Superreiche entscheiden sich deshalb lieber freiwillig für die Armut

Karl Rabeder war auf Hawaii, als ihn die Erkenntnis traf. All der Luxus war sinnlos. Schlimmer noch, sein ganzes Leben war sinnlos geworden. Ihn ekelte vor seinem Reichtum und den Leuten, mit denen er sich umgab – er musste all das loswerden, sagt er: „1998 war das. Wir wollten den perfekten Urlaub: Fünf-Sterne-Hotels, Helikopterflüge, alles, was dazu gehört. Doch dann begann sich dieses Leben unwirklich anzufühlen, als wären wir Schauspieler, in deren Rollenanweisung steht, sie sollten glücklich sein.“ (…)

(…) Rabeder selbst will in eine Holzhütte in den Bergen ziehen – oder in eine Einzimmerwohnung in Innsbruck. Am Ende, sagt er, wolle er mit „nichts“ dastehen. Was bedeutet „nichts“ für ihn? „Ein oder zwei Rucksäcke mit den Dingen, die ich wirklich benötige. Kleidung. Meine Bücher werde ich einlagern lassen. Ich habe sie bereits gelesen, aber ich möchte später auf sie zurückgreifen können.“ Er beabsichtigt, mit 1.000 Euro im Monat auszukommen – das Geld will er sich durch Vorträge und als Lebensberater verdienen. Für einen Altruisten hält er sich nicht. Dann würde er weiterhin Geld verdienen, um es zu verschenken. Doch das hat er ausprobiert, und es hat ihn nicht glücklich gemacht. In Zukunft möchte er seine Idee mit anderen teilen. Er will Gleichgesinnte treffen und sie davon überzeugen, ihr Geld wegzugeben. Möglicherweise stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Denn das Menschen nicht mehr reich sein wollen ist gar nicht so selten wie man vermuten würde.

Den Grund dafür nennt Sara Robin „Affluenza“: Reichtum ist eine Krankheit, so einfach ist das für sie. Im Laufe der Jahre hat sie viele Betroffene kennengelernt. Tendenziell seien davon eher Erben betroffen als Millionäre, die sich ihr Vermögen selbst erarbeitet haben. (…)

Für diesen Lebenstil des Überflusses, der Konsumzentriertheit und der Verschwendung haben die amerikanischen Autoren John de Graaf, David Wann und Thomas H. Naylor einen Begriff geprägt: Affluenza. Dieses Kunstwort, zusammengesetzt aus den englischen Begriffen „affluence“ (Überfluss) und „influenza“ (Grippe). Für sie handelt es sich dabei also um eine Krankheit, wie sie auch in ihrem sehr lesenswerten Buch „Affluenza: Zeitkrankheit Konsum“ ausführen (Leseproben aus dem Buch gibt es übrigens HIER):

Mal ehrlich: Wie viele Kreditkarten besitzen Sie? Wie viele Radios, Fernseher, Nierenschoner, Barbiepuppen und Nippes jedweder Art? Können auch Sie sich der Sucht des Haben-Müssens kaum erwehren? Dann müssen Sie als infiziert gelten, befallen von Affluenza, der ansteckenden Sucht nach mehr Konsum und Besitz. Auch Sie leben – wie alle anderen – mit dem Supermarkt im Kopf. Der Kulturkritiker John de Graaf, der Umweltexperte David Wann und der Wirtschaftsprofessor Thomas H. Naylor haben sich zusammengetan, um diese neue Krankheit zu analysieren. Und wie bei einer richtigen Krankheit rücken sie dem Phänomen auf dreierlei Weise zu Leibe: Sie untersuchen die Symptome, klären deren Ursachen und verordnen danach eine einfache, aber wirksame Kur. Auf unterhaltsame Weise präsentieren sie Cartoons, Geschichten und Fakten, die zeigen, was unser Lebensstil wirklich kostet: eine wachsende Zahl überschuldeter Haushalte, Konsumdruck, der insbesondere unsere Kinder infiziert hat, permanenter Zeitdruck, das atemlose Bemühen um „schneller, größer, weiter, mehr“, der rücksichtslose Verbrauch von Natur und Rohstoffen und last not least Krankheiten wie Diabetes, Allergien oder Fettsucht. Wir sind arm geworden an tiefen Erfahrungen und harmonischen familiären Bindungen.

Übrigens hatte John de Graaf sogar eine eigene TV-Show zu diesem Thema, zu der es auch entsprechendes Unterrichtsmaterial etc. gab, um das Wissen um diese Problematik weiter zu tragen.

In deutschen Publikationen taucht der Begriff Affluenza sehr selten auch – immerhin hat Andreas Poltermann in einer der letzten Ausgaben des Magazins der Heinrich-Böll-Stiftung in seinem Artikel „Affluenza: die Krankheit der amerikanische Suburbia“ das Phänomen thematisiert (das gesamte Heft drehte sich um das Thema „Grenzen des Wachstums. Wachstum der Grenzen“). Wobei natürlich anzumerken ist, dass die Affluenza eben nicht nur auf US-Amerikaner beschränkt ist, sondern sich auch das reiche Westeuropa Vergleichbares leistet (mit den entsprechenden negativen Folgen):

Ende der 1990er-Jahre begann die Schelte der Mittelschicht in den USA. Ihr Lebensstil: zu aufwendig, zu verschwenderisch, zu teuer, zu sehr auf Status und Abgrenzung bedacht. Früher habe sie noch in den Städten gewohnt. Jetzt lebe sie 40 Meilen entfernt in Suburbs. Früher habe ein Auto genügt. Jetzt müssten es mindestens zwei sein. Auch die Wohnfläche der Häuser, der Energieverbrauch und die Größe der Grundstücke hätten sich vervielfacht – und so auch die Schulden. Zersiedelte Landschaften, soziale Spaltung und Verschuldung stehen in einem engen Zusammenhang.

2005 unterzeichnete George W. Bush ein Gesetz über den Umgang mit bankrotten Familien. Sie sollten nicht nur keine staatliche Hilfe erhalten und die Lasten ohne Beteiligung der Banken allein tragen, es war auch ein moralisches Urteil über den ökologisch unhaltbaren Lebensstil der Suburbia-Bewohner. Dieses Verdikt war von langer Hand vorbereitet worden: Ende der 1990er strahlte der Sender PBS John le Graafs TV-Show «Affluenza» aus. Die Wortschöpfung schlug ein! Es kam zu zahllosen Diskussionsrunden in TV und Radio, in Schulen und Kirchengemeinden.

Keine Frage: Nach den derzeit gängigen ökologischen Maßstäben ist der Lebensstil der US-Mittelschicht nicht nachhaltig. Ihrem ökologischen Fußabdruck zufolge könnten nicht 6,8 Milliarden Menschen dauerhaft auf der Erde leben, sondern maximal 1,4. Aber was folgt daraus? (…)

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11 Comments

  • Dirk

    Ich finde die Betrachtung leider arg einseitig. Was an dem Self-Storage an sich schlecht sein soll, ist mir ehrlich gesagt völlig unklar. Ich habe dies auch schon einmal genutzt und war superglücklich darüber – Es handelte sich um einen Zeitraum, wo ich zwecks Wohnungsauflösung und anschließenden Auslandsaufenthalt meine Wohnung aufgelöst habe. Bin ich jetzt also auch ein Konsumjunkie? In dem Artikel klingt es ein wenig so…
    Und es gibt doch weitere sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten: Kleine Firmen, die plötzlich ihre Lagergrenzen erreichen können dorthin Sachen auslagern (in dem Self-Storage was ich nutzte war scheinbar die größere Fläche für Unternehmen vorbehalten). Oder auch als Privatnutzer ist doch die Auslagerung von großen Sachen, die nur saisonweise benutzt werden (spontan fallen mir kleine Kanus, Surfbretter, etc. ein, die ja wohl keiner im Winter benutzt) und für die man sonst vielleicht keinen Platz hat durchaus sinnvoll. Das MUSS doch nicht einhergehen mit Konsumterror. Es KANN natürlich, aber daran ist doch dann die Konsumindustrie schuld und nicht derjenige, der Lagerräume anbietet.

    Die Geschichte von Karl Labeder ist finde ich auch ein Reichenproblem: Nur wer reich ist, kann auf solche Gedanken kommen. Es wird ja dargestellt als sei Armut etwas erstrebenswertes – Danach müsste die deutschen Hartz-IV-Empfänger ja jeden Tag Party feiern. Armut und wenig Geld haben ist nichts erstrebenswertes. Genausowenig macht aber der übertriebene Luxus, der hier auch geschildert wird, glücklich – Aber wer so etwas denkt ist wohl von der Konsumeritis eh schon völlig vernebelt. Ich habe letztens eine Studie gesehen, wo ungefähr bei 60T€ Jahresgehalt festgestellt wurde, dass das persönliche Glückslevel nicht mehr steigt, stellenweise sogar sinkt. Bis dahin steigt das Glückslevel aber sehr wohl, denn es erlaubt einem eben bestimmte Sachen zu kaufen. Und das muss nicht gleich mit übertriebenem Konsum einhergehen: Auch der Besuch im Freizeitpark mit der ganzen Familie muss bezahlt werden und so etwas macht doch wirklich glücklich – Nicht der Besitz eines neues iAnything.

    Comment | 3. Juni 2011
  • „Das MUSS doch nicht einhergehen mit Konsumterror. Es KANN natürlich, aber daran ist doch dann die Konsumindustrie schuld und nicht derjenige, der Lagerräume anbietet.“

    Das hat ja auch niemand behauptet. Mein Artikel bzw. der von Sprusko richtet sich keinesfalls gegen die Selfstorage-Anbieter, sondern daran, dass wir in einem System leben, in dem jeder einzelne offenbar so viel Sachen anhäuft, dass solche Angebote (abseits von Umzügen) notwendig werden…

    Comment | 3. Juni 2011
  • Ich stimme dem Grundtenor des Beitrages durchaus zu, finde aber den Aufhänger mit den Self-Storage Dienstleistern nicht so passend. Vielleicht ist es eine Minderheit der Nutzer, aber ich kenne einige Leute und gehöre auch selbst dazu, die ihren Haushalt mal für ein paar Monate in sowas geparkt und ihre Wohnung zwischenvermietet haben, solange sie auf Reisen o.ä. sind.
    Diese Dienste kann man auch als etwas betrachten was einem bei der Reduktion im eigenen Leben hilft. Es ist billiger als eine Wohnung und man kann Sachen abstellen :) Ich nehme an dass viele Aussteiger und Komsumverweigerer diesen „Sachen parken“-Schritt mal durchleben.
    Natürlich ist ein Freund mit entsprechender Stellfläche sympathischer, aber im urbanen Raum selten zu finden.

    Comment | 3. Juni 2011
  • @ Philip: ja, wenn man das so sieht, sind diese Selfstorage-Angebot durchaus sinnvoll, das sehe ich ein.

    Comment | 3. Juni 2011
  • Besucher01

    An dem Artikel ist viel Wahrheit dran. Es ist heutzutage wirklich enorm schwer qualitativ hochwertige Produkte zu finden. Selbst im gehobenen Bereich. Ich habe dieses Problem zur Zeit beim Möbelkauf. Für mich muss ein Möbel mindesten 20-30 Jahre halten. Leider wurde die Produktion so rationalisiert das die Möbelstücke schon den Aufbau nicht ohne Schaden überstehen.

    Comment | 3. Juni 2011
  • Fragezeichen

    Wie passt denn ein Link zum Bertelsmannunternehmen zum Kontext des Blogs? Soll man sich das Buch jetzt kaufen und damit Bertelsmann unterstützen?

    „Meine Bücher werde ich einlagern lassen. Ich habe sie bereits gelesen, aber ich möchte später auf sie zurückgreifen können.“

    Einlagern lassen ist dann auch nichts anderes als Self Storage…hier wird das dann aber nicht kritisiert, weil es Bücher sind? Bücher sind genauso Massenware und Schund wie all die anderen Konsumgüter. Oder genauso wenig…je nach Standpunkt.

    Comment | 5. Juni 2011
  • Bücher kann man auch gebraucht kaufen, da muss man also Bertelsmann nicht unterstützen ;-)

    “Meine Bücher werde ich einlagern lassen. Ich habe sie bereits gelesen, aber ich möchte später auf sie zurückgreifen können.”

    Einlagern lassen ist dann auch nichts anderes als Self Storage…hier wird das dann aber nicht kritisiert, weil es Bücher sind?

    Wenn ich bei jedem Artikel, den ich verlinke, jeden Satz einzeln sezieren würde, hätte ich viel zu tun… Außerdem habe ich den in dem Text zitierten Herrn nicht als leuchtendes Vorbild hingestellt, sondern er ist eher ein „Symptom“ der Überflussgesellschaft.

    Comment | 5. Juni 2011
  • Geextah

    Ich habe mich schon einige Zeit über diese Gebäudeklötze gewundert. Besonders markant empfand ich, wenn man sich mal so ein Gebäde anschaut, dass gleich wieder viele englische Wörter benutzt werden um das \“Self-storage\“ darzustellen – typisch amerikanisch könnte man da sagen.

    Aber wie schon in den Kommentaren erwähnt wurde, gibt es sicherlich auch Lebensumstände die so ein Zwischenlager sinnvoll machen.
    Dass aber dieses Mehr an Raum den Kosumverwöhnten Menschen dazu verleitet einfach seine Sachen dort einzulagern, weil es zu Hause keinen Platz mehr gibt, kann ich mir schon vorstellen. Einigen reicht ja nicht mal der eigene Keller oder Dachboden. Hauptsache man konsumieren. Spätestens dann, wenn weder in meinem Keller noch in meiner Wohnung mehr Platz ist, sollte ich mir Gedanken darüber machen ob ich den ganzen Müll überhaupt benötige.

    Comment | 5. Juni 2011
  • daniel

    “Meine Bücher werde ich einlagern lassen. Ich habe sie bereits gelesen, aber ich möchte später auf sie zurückgreifen können.”

    Da lobe ich mir die eBooks mit ihrem geringen Platzbedarf. Aber dennoch ist dies nicht der Weisheit letzter Schluß. Wenn ich mir überlege wieviele virtuelle Güter in Form von Bits und Bytes jeder heutzutage mit sich rumschleppt. Da hat man Terrabyte-große Festplatten die überquellen. Mehr und mehr Daten werden in die „Cloud“ übertragen oder bei Dropbox gehalten. Das ist im übertragenen Sinne nichts anderes als Selfstorage mit virtuellem gedöhns.

    Und zum Thema Saisonware, wie Kanus und Surfbretter. Warum diese Dinge nicht einfach mieten. Wenn du ein Kanu kaufst, hast du Wartung, Reparatur und Transport selbst zu tragen. Lediglich der Hersteller verdient an deiner Investition.
    Mietest du hingegen, förderst du die Wirtschaft dort wo du das Kanu auch fährst. Der Vermieter hat damit ein zusätzliches Interesse dafür zu sorgen das Gewässer in Ordnung bleibt. Der Transport fällt weg, Wartung entfällt, etc.

    Wer heute ein paar Ski kauft und nicht in einem Skigebiet wohnt in dem er mehrere Monate regelmäßig fährt oder das ganze professionell betreibt ist ein vermeintlicher Idiot. Ski sind recht teuer, veralten recht schnell, bzw. verlieren rasant an Wert, bedürfen hoher Wartung (wachsen, Kanten schleifen). Dazu kommt das Risiko sie zu ruinieren wenn man in felsigeres Gelände vordringt.
    Bei einer Miete hat man meist zu akkuraten Preisen, ein modernes Sportgerät das gewartet und versichert ist. Es gammelt nicht rum sondern wird aktiv verwendet.

    Comment | 7. Juni 2011
  • gruftgespenst

    Das tragische an diesen tollen „Self-Storages“ ist ja nicht, dass sie als Übergangsdepot eine wunderbare Möglichkeit darstellen, sondern dass sie tatsächlich als eine Art „Lagerkeller plus“ beworben werden. Siehe hier in München. „MyPlace Selfstorage – Mein Platz für mehr Platz.“ In meinem näheren Bekanntenkreis haben sich mittlerweile schon drei Personen (die ich nicht unbedingt für ihre vernünftigen Konsumentscheidungen bewundere) dazu verleiten lassen, Raum anzumieten. Nicht, weil sie mal eben renovieren oder ein Auslandsjahr genießen wollten, und Raum zum unterstellen brauchten.
    Ganz im Gegenteil. Da wurden kistenweise alte Zeitungen und Bücher, Unterhaltungselektronik, wunderbar gebrauchsfähige, nur eben nicht mehr so ganz trendkonforme Möbel und ähnliches eingestellt und keine Woche später wurde mir berichtet, sie hätten sich beim Möbelschweden neu eingerichtet. Auf Raten, versteht sich. Das war zumindest in zwei der drei Fälle so.
    Ja… ich denke, genau das kritisiert auch der Blogartikel und darauf zielt die Werbung für die Selfstorages auch ab.

    Und das finde ich ehrlich gesagt auch mehr als bedenklich.

    Comment | 15. Juni 2011
  • @ gruftgespenst: Danke für den Kommentar. Das beruhigt mich ja (oder auch wieder nicht), dass diese Selft-Storage-Dinger wirklich von vielen Leuten als Zusatzspeiecher für ihren Krempel genutzt werden.

    Comment | 18. Juni 2011

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