Nov
06
2009

Aldi – Mutter aller Discounter

Leider lief die Doku „Aldi – Mutter aller Discounter“ vor zwei Tagen im NDR zu nachtschlafener Zeit, gut versteckt, so dass sie sicherlich kaum jemand gesehen und damit auch niemanden aufgeschreckt haben dürfte. Zum Glück gibt es diesen Beitrag zu den Nordischen Filmtagen 2009 noch bis zum, 9. November als Video on Demand auf der NDR-Website zu sehen. So wichtig es auch ist, über die Umtriebe der Discounter aufzuklären, so haben einige User im Netz bereits angemerkt, dass die Dokumentation immer noch zu weichgespült ist und das ganze Ausmaß an Ausbeutung und Zerstörung, die Aldi & all die anderen Discounter (die im Umgang mit den MitartbeiterInnen oft ja sogar noch schlimmer sind als Aldi, siehe eben Lidl oder Schlecker) mit sich bringen (siehe z.B. HIER), letztlich nur andeutet. Es ist auch deprimierend und erschreckend zu sehen, wie einige der Akteure, die dieses Discountkonzept vorantreiben und propagieren, z.B. Dieter Brandes, so komplett ohne jedes Bewusstsein dafür sind, was sie damit auf der Welt und in der Gesellschaft anrichten. Auf das Schwarzbuch Aldi, das in dem Film erwähnt wird, darf man jedenfalls schon gespannt sein!

Edit: am 12.12. um 22:30 Uhr strahlt der Fernsehsender Phoenix diese Sendung noch einmal aus!

Das erfolgreichste deutsche Handelsunternehmen gibt sich auch im 50. Jahr seines Bestehens betont sparsam: Musik und Dekoration suchen die Verbraucher in den Filialen vergeblich. Die Jubiläumsfeier lassen sich die Brüder Karl und Theo Albrecht keinen Cent kosten, sie fällt schlichtweg aus. Geschickt hat sich der Discounter bisher jedem Blick hinter die Pappkartons entzogen und sich vor öffentlicher Kritik versteckt. In seinem NDR Film versucht Rasmus Gerlach erstmals Licht ins Dunkel zu bringen. Der Filmemacher begleitete Gewerkschaftsjournalisten bei ihrer Recherchearbeit für ein „Schwarzbuch“ zur Situation der Aldi-Belegschaft. Erste Nachforschungen des Teams ergaben, dass Aldi-Süd die Wahl von Betriebsräten behindert. Aldi-Nord soll massiven Druck auf gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter ausüben und kritische Angestellte mit gezielten Testkäufen mundtot machen. Die Albrecht-Brüder schafften es an die Weltspitze: Aldi ist heute in 17 Nationen vertreten. Der Konzern exportierte aber auch die Nöte der Belegschaft: Ständige Mehrarbeit ist an der Tagesordnung.

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Kommentare: 14 | Discounter,Wirtschaft | Schlagwörter: , , , , |

14 Comments

  • Ganz billige Ausbeutung der Arbeiter!

    Comment | 6. November 2009
  • Max

    So schlecht geht es den Leuten nun auch wieder nicht. Ich kenne ein paar Leute die in Discountern arbeiten. Die haben zwar schreckliche Arbeitszeiten, bekommen Mehrstunden und Wochenendarbeit aber gut bezahlt.

    Comment | 7. November 2009
  • Da habe ich bislang nur anderes gehört, und der Film zeigt da auch andere Fälle. Zudem funktioniert das „Aldi-Prinzip“ eben nur durch Kostendrücken, und das heißt im Personalbereich wenn nicht Lohndrücken, dann eben Belastungserhöhung. Ansonsten verweise ich da wiederum auf meine Grundsatzartikel, die auch viele Links zu Artikeln und Foren von Discount-Geschädigten enthalten:
    http://konsumpf.de/?p=2353

    Comment | 7. November 2009
  • Ganz miese Sache. Fast so mies ist die Sendezeit, als ob man Konflikt vermeiden wöllte. Aber zum Glück hast du aufgepasst.

    Comment | 8. November 2009
  • Ja, die Sendezeit finde ich auch dubios. Es kommt der Eindruck auf, als wenn man solche kritischen Sendungen nur als Alibi sendet („Was wollt Ihr denn, wir klären doch auf!“). Das erinnert mich auch an die erschütternde Doku „Mit dem braunen Band der Sympathie“ über die Dresdner Bank und ihre Verstrickungen in die Nazi-Verbrechen (ein Grund mehr, bei diesem Institut kein Konto zu haben!), die in der ARD irgendwann Freitags um 23:45 Uhr gesendet wurde, also zu einer Zeit, bei der man sicher sein konnte, dass nur wenige Leute versehentlich drauf stoßen… Aber vielleicht ist das auch alles nur Zufall, ich will hier ja nicht „Verschwörungstheorien“ Vorschub leisten. ;-)

    Comment | 8. November 2009
  • gnu

    Nein, das deckt sich mit meinen Erfahrungen.

    Ausstrahlung von „Auf Nummer Sicher“: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,5270567,00.html (ganz unten sind die Sendetermine ;-))

    MKULTRA-Dokumentation Nachts um 3:00 auf Phönix

    Wie gut das ich kein Fernsehen mehr schaue. Von den interessanten Filmen erfährt man sowieso im Internet.

    Comment | 8. November 2009
  • Punksympathisant

    Es mag bestimmt vielen Discounter-MitarbeiterInnen gut gehen, aber solange es immer noch häufig Einzelfälle gibt, wo das nicht der Fall ist, sollte man die Discounter meiden!

    Comment | 8. November 2009
  • Dass es „vielen Discount-MitarbeiterInnen“ gut geht und die anderen nur „Einzelfälle“ sind, bestreite ich mal so ganz forsch. :-)

    Comment | 8. November 2009
  • Max

    Klar, reich wird niemand, der bei Aldi an der Kasse sitzt. Aber die Mitarbeiter in Bio-Gemüseläden oder anderen Supermärkten verdienen auch nicht viel mehr. Ich will nicht bestreiten, dass es viel Verbesserungspotential gibt, aber das gibt es überall. Den Mitarbeitern bei Burger King oder McDonalds zum Beispiel geht es bedeutend schlechter. Die müssen für 6,50€ die Stunde am Wochenende Nachtschichten schieben – ohne Wochenend- oder Nachtzulage.

    Comment | 8. November 2009
  • „Aber die Mitarbeiter in Bio-Gemüseläden oder anderen Supermärkten verdienen auch nicht viel mehr.“

    … sie haben aber ganz andere Arbeitsbedingungen! Keine unbezahlten Überstunden, nicht so eine Überwachung etc. pp.
    Generell ist mir die Diskussion von Dir viel zu verkürzt auf die BEZAHLUNG der Discounter-Mitarbeiter – das „Prinzip“ Aldi hat ja viele weitere negative Facetten.

    Comment | 8. November 2009
  • Insider

    @ Max und Co.
    Du kennst also in 2 Sätzen ein paar Leute die alle Arbeit in den Discountern gut bezahlt werden.Toll.Und was ist mit den anderen,vielen? Mit den Schlagzeilen,den Berichten von Betroffenen in fast alllen Medien – meinst Du immer noch dies sind Zufälle,Einzelfälle, hätte kein System? Man o man – Du bist echt hinterm Mond. Ich schreibe Dir ein paar Sätze mehr dazu!

    Das was Du hier erzählst ist doch nicht Dein Ernst –oder? Hast Du schon mal in diesen Discountern gearbeitet, oder wenigstens jemand in Deiner Familie über mehrere Jahre? In diesen Aldi,Lidl,Kaufland und Co. Konzernen ist nichts normal – nur Arbeit, Arbeit, Arbeit –schneller, Leistung –Klappe halten.
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/aldi-brutal;1383241
    http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/ein-roboter-laechelt-nicht/
    Du bist die Ameise –der Roboter – sonst nichts. Arbeit…. wenn möglich so schlecht bezahlt wie möglich, für Umme- Rechte Null. Das gibt’s irgendwo anders zwar durchaus auch – bei 200 000 MA bei Lidl&Schwarz –Aldi ca. 60 000 MA wirkt sich dies aber auf die MA, den Arbeitmarkt den Arbeitbedingungen, die Arbeitsmoral, sowie auf die Nachhaltigkeit,der Produktgenerierung in seiner Qualität statt billig, in der ganzen Gesellschaft ganz anders aus. Negativ.
    Kennst Du die Tarifleistungen, Arbeitsrechte die Dir/den MA der Discountern zustehen? (der Stundenlohn ist also relativ gut – übrigens im Vergleich zu was? Was würden Dir 12. –15 Euro Std. Lohn nützen wenn Du nur 10 Std. im Monat Arbeit hast –alle Sozialleitungen danach ausgerichtet sind? Übrigens –nicht nur das relativ vermeintlich „gute“ Einkommen ist entscheidend. Noch nicht gemerkt –alle MA sind ohne Rechte, ohne Ansprechpartner, ohne Betriebsrat,/ oder Vertrauensleute,der Willkür solcher Unternehmen, deren Regeln ausgesetzt. Dir als Mitarbeiter wird etwas vorgemacht. Da merkst Du meist Deine eigene Ausbeutung über Jahre nicht. Das System kommt ganz perfide, schleichend daher.Du solltest Dich mal bei mehrjährigen Gantagskräften bis zu Hausleitern/Filialeitern,ect. sogar bis weiter oben kundig machen. Z.B. –
    http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=sw&dig=2009%2F04%2F18%2Fa0123&cHash=cd96b37ea5
    Wer schaut schon genau auf die untergeschobenen Arbeitsverträge,existierenden Tarifverträge?! Auf die Arbeitsplatzbeschreibungen, deren Zuordnung? Einstufungen in eine falsche, niedrigere Tarifgruppe ist schon Standardprogramm –es gehört zum L&S /Aldi – Discounter- System – das rechnet sich. Auch Blankounterschriften ohne eine begrenzte,sprich auch bezahlte Regelung für geleistete Überstunden. Viele quasi umsonst -nur zugunsten der riesigen Konzerne;sonst brauchst Du gar nicht erst anzufangen. Letztendlich sind dies nur untergeschobene Knebelverträge! Ist Dir das klar?
    Was macht da eigentlich noch Spass? Es ist nichts anderes, als eine Art von Sklaventreiben des 21.Jht. Bei Übermüdung, Überarbeitung, Arbeiten für 3 nicht vorhande MA um das Soll der Zeitvorgaben, des Controlling, die Planzahlen zu erfüllen – die Ganzttagsmitarbeiter kurz vor Burnout? Solche Verdränger und Schönredner wie Du die meinen es den MA geht’s gut verdienen gut – nur weil Du ein paar socher Spezies kennst; Dich können die Firmeninhaber sicher brauchen. Andere natürlich auch. Die Überstunden umsonst ,Klappe halten auch; die Verbraucher und MA als Knechte und Handlanger,als Geldvermehrungs-maschine degeneriert. Abhängig vom minimalististen, supereffizenten Discountsystem.Abhängig geworden von sich maximalst umschlagenden Produkten mit dem Verkaufsscharme und Aufwand einer Hinterhofgarage. So treibt man die Welt um, wird man zumindest als Inhaber wie D.Schwarz/(oder Albrecht Broth. ) Steinreich – Supermultimilliardär auf Kosten anderer.
    http://handel.verdi.de/branchenpolitik/strukturpolitik/broschuere_von_konzernen_kunden_und_kostenfaktoren/data/Broschuere_Konzerne_Kunden_Kostenfaktoren

    Leute wie Du vergessen die vielen, negativen Begleiterscheinungen. Z.B. dass i.d.R. 80 % der Mitarbeiter max. Halbtags beschäftigt sind, den anderen halben Tag immer Standby den Firmen zur Verfügung stehen sollen. Somit meist weder anderweitig eine andere Arbeit aufnehmen könnten, geschweige die zusätzl. investierte Zeit in irgend einer Form vergütet. Da muss doch jeder merken dass man da nur draufzahlt! Die Rechnung von solchen Minimal -Arbeitsbedingungen leben zu können geht niemals auf. Einige MA (die Du kennst?) in solchen Unternehmen merken vor lauter vermeintlicher, vorgegaukelter Karriere leider nichts mehr. Als was arbeitest Du denn? Du gehörst auch zu denen als MA, Verbraucher, als Arbeitnehmer anderer Unternehmen die nichts sehen, hören und nicht erkennen, was mit dem „normalen“ Ladenpersonal/ Arbeitskolleg/innen täglich los ist. Bis es Dich selbst irgendwo trifft. Wie lange hält man dieses System aus?

    Nur Druck, immer gleicher, geringer Lohn (siehe oben!) über viele Jahre ohne Chance auf Verbesserung. Jeder gegen Jeden, Jeder erzeugt Druck auf den anderen von ganz oben so gewollt. Keiner traut sich den Mund aufzumachen vor lauter Angst um den „Arbeitsplatz“. Ergo – Zeit = Einkommen verschenkt- in ca. 10 Jahren eine 5 stellige hohe Summe abgepresst worden -rentenansprüche verloren!) Selbstwertgefühl/Courage, Lebensqualität im Keller. . Sage nicht das gibt’s irgendwo anders auch; dieses Argument kenne ich schon. So argumentieren dieses Konzerne immer; behaupten sogar das Gegenteil. Kritik, Protest, Medien unerwünscht, negiert, kleingeredet, auf andere gezeigt.
    Merke: Aldi, Lidl, Kaufland und Co. gehört zum Input solcher Bedingungen – sind aufgrund ihrer entstandenen marktführenden Größe >Systemrelevant

    http://diegesellschafter.de/tagebuch/eintrag.php?eid=791
    http://rmts.de/rmts/images/ALDI-MM.pdf

    Comment | 9. November 2009
  • @Insider: super beitrag!!

    Comment | 9. November 2009
  • Insider

    @max und Co.
    kleiner Nachtrag zu meinem Kommentar an Dich. Beigefügt ein superinteressanter, brandaktuellen Link auf Spiegel – Online. Auf diesem wird auf die Discounter und deren Methoden/deren Supergau`s – nun explizid >Aldi Billig durch Ausbeutung <! Die Spirale Abwärts.
    Offensichtlich hat auch die Presse diesen Würgegriff der Wirtschaft -insbesondere der Haifische ala Aldi, Lidl,Kaufland,Schlecker,KIK und Co.langsam erkannt.
    gut so.

    http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=67510049&aref=image040/2009/10/24/ROSP200904400800082.PDF&thumb=false

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67510049.html

    Tipp -nochmals… auch wenn Du ein paar Verdrängungs-und Beratungs-resistente Leute von Aldi,Lidl und Co. kennen solltest, um die Dimension der perfiden Ausbeutung durch solche Unternehmen komplex zu verstehen –
    statt losplappern – zuerst informieren und Hirn einschalten !

    Comment | 11. November 2009
  • Aldianer

    Hm..
    Also ich war dabei als Filialleiter und das 20 Jahre
    ich kann aus eigener Erfahrung sagen es gibt wohl keinen Betrieb der soviel Freud und Leid über seine Mitarbeiter bringt wie ALDI
    Ich weiß das sogar sämtliche Tageszeitungen Deutschlands nicht eine böse Zeile schreiben würden weil die Werbung für ALDI allemal höher zu bewerten ist als jede Negativschlagzeile es jemals sein kann. (eigene Erfahrung)
    Der „Mensch“ ist so laut meines damaligen Vorgesetzen ist „Verbrauchsmaterial“ falls jemand mehr wissen möchte ok ich habe 1000te zum größten Teil selbst erlebte Schlagzeilen die mit sicherheit nicht in den Medien veröffentlicht werden.
    Und überleg mal wer brav seine Steuern bezahlt und das nicht zu knapp und richtig gut vor jedem Finanzamt dasteht.
    Arbeitszeit und Arbeitsgesetze sind seitdem für mich zwei verschiedene Märchenbücher.

    Alle Mitarbeiter so hat man es mir gelernt sind:
    „JA Sager reinsten Wassers“
    und
    Befehlsempfänger 1 Grades“
    Der Lohn den sie empfangen wird auch gleichzeitig „Schweigegeld“ genannt.

    Comment | 20. Januar 2010

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