Okt
02
2010

Aldi informiert … mal etwas anders – und Aldi droht mit Klage!

Allwöchentlich werden sie in großer Stückzahl unters schnäppchenhungrige Volk gebracht – die Wurfprospekte der Discounter. Einen Aldi-Flyer der besonderen Art hat nun die Initiative I Shop Fair herausgebracht – auf 4 farbigen Seiten, ganz im Stile des Originals gehalten, werden Billigwaren angepriesen, und im Kleingedruckten ein wenig darüber aufgeklärt, wie diese Preise zustande kommen, nämlich auf Kosten der Arbeiter und der Umwelt. Dieses sehr gelungene Adbusting könnt Ihr Euch HIER als pdf herunterladen oder auf der Seite der Christlichen Initiative Romero (die Mitinitiator von I Shop Fair ist) kostenlos bestellen (HIER), z.B. falls Ihr die Flyer bei Euch in der Gegend verteilen wollt, um die Menschen ein wenig aufzuklären. (Kleine Anmerkung noch: so schön dieser Flyer auch ist, so vermeidet er leider bei den Konsequenzen, die ein Kunde ziehen sollte, die offensichtlichste beim Namen zu nennen: nämlich einfach nicht mehr beim Discounter einkaufen zu gehen! Denn die Hoffnung, dass sich das Discount-Prinzip mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen etc. verbinden ließe, ist meiner Ansicht nach irrig, wie man ja auch in Teil 1 und Teil 2 meiner Grundsatzartikel zum Discountunwesen nachlesen kann.)

Die international ausgerichtete Website zu I Shop Fair ist auch durchaus interessant, da sie sich für ethischen Konsum einsetzt:

Ethischer Konsum ist Teil eines nachhaltigen Lebensstils. Ethisch Konsumierende sind sich bewusst über die unterschiedlichen sozialen und ökologischen Auswirkungen, die Produkte bzw. deren Herstellung haben. Diese sozialen und ökologischen Auswirkungen stellen ein wichtiges Entscheidungskriterium in ihrer Kaufentscheidung dar. Ethischer Konsum bedeutet daher, sich bewusst für ein Produkt oder eine Leistung zu entscheiden die, die mann/frau selbst als sozial bzw. ökologisch nachhaltig einschätzt

Das Konzept des Ethischen Konsums geht jedoch über die bewusste Kaufentscheidung hinaus und findet nicht nur im Geschäft oder Supermarkt statt. Ethisch Konsumieren bedeutet aktiv Verantwortung zu übernehmen und Unternehmen gegenüber die Einhaltung von sozialen und ökologischen Standards einzufordern. Dies kann auf verschiedene Art und Weise passieren – z.B. Aktionen von Netzwerkgruppen oder Urgent Actions etc. KonsumentInnen werden dadurch zum Motor für Veränderung – das Bild von der/dem passiven KonsumentIn als reine/r EndverbraucherIn gehört somit der Vergangenheit an.

Ethischer Konsum bedeutet daher, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an der Veränderung zu einer sozial gerechteren sowie nachhaltigeren Wirtschaft mitzuwirken.

Im Mittelpunkt des Netzwerks steht der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit.

Aldi selbst ist das offentlich so unangenehm, dass sie nun versuchen, die Verbreitung des Prospektes juristisch zu unterbinden – hier der entsprechende Aufruf der CIR, um trotzdem eine möglichst breite Öffentlichkeit von diesem Treiben zu informieren:

Kein Maulkorb für KritikerInnen!
Die CIR verbreitet  aktuell eine Persiflage eines ALDI-Prospektes. In dieser weist das Netzwerk auf menschenrechtlich und arbeitsrechtlich bedenkliche Aspekte der von ALDI angebotenen Billigangebote hin. Die Kritik an ALDI: Durch seine Billigpreis-Politik fördere das Unternehmen Ausbeutung in Produktionsländern im globalen Süden, etwa in Form von Hungerlöhnen.

Statt sich um diese grundlegenden Probleme der Geschäftspolitik des Discounters zu kümmern, setzten Aldi die KritikerInnen nun juristisch unter Druck. Wir fordern das Unternehmen daher auf:
• Stellen Sie unverzüglich alle juristischen Maßnahmen gegen die Christliche Initiative Romero (CIR) ein.
• Setzen Sie den Verhaltenskodex der Kampagne für Saubere Kleidung bei Ihren Zulieferern um und lassen Sie dies durch eine externe unabhängige Instanz kontrollieren.
• Verändern Sie Ihre Einkaufspraktiken, so dass Ihre Lieferanten Sozialstandards einhalten können.
• Stellen Sie Transparenz her: Nennen Sie Ihre Lieferanten in den  Produktionsländern und berichten Sie regelmäßig über die unternommenen Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
• Sozialstandards müssen in Produktion (z.B. in Bangladesch) und Verkauf (bei uns) eingehalten werden.

Wenn auch Sie diese Forderung stützen, schicken Sie die folgende Protestmail an ALDI Nord unter www.ci-romero.de/ccc <http://www.ci-romero.de/ccc>

Das Aldi-Adbust informiert über Alles, was im bekannten Werbeprospekt des Discounter-Riesen in Schweigen gehüllt wird. Hier können Sie es NOCH direkt bestellen!

Kleiner Nachtrag: Inzwischen haben auch die taz („Kritischer Flyer empört Aldi“) und der Spiegel („Aldi-Kritiker prangern Ausbeutung an“) sowie das N3-Medienmagazin Zapp über die Aktion berichtet. Zapp wunderte sich, dass viele Medien die Geschichte nicht aufgegriffen haben und mutmaßte, dass dies eventuell damit zusammenhängen könne, dass Aldi zu den wichtigsten Werbekunden mancher Zeitungen zählt. Jaja, die knebelnde Macht der Werbung!

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6 Kommentare »

  • [...] gibt grad ein Aldi-Katalog-Busting, gegen das Aldi versucht gerichtlich vorzugehen: via Konsumpf GD Star [...]

    Pingback | 5. Oktober 2010
  • Kritik

    “Vielleicht hergestellt in Bangladesch von Sarmin”

    Nun ja, harte Fakten sehen anders aus als “vielleicht”.

    Ob ishopfair auch so fair war, darauf hinzuweisen, daß die Frau im Kopfbild recht dreist von einem Motiv von Aleksander Mikhailovich Rodchenko geklaut wurde? Wohl eher nicht, da fehlt jeder Hinweis auf Rodchenkos Anzeigenmotiv von 1925.
    Und ein Zitat einer Frau (Anita Roddick), die ihren Laden (Body Shop) an L’Oreal verkauft hat, hilft auch nicht gerade, um Sympathiepunkte zu sammeln.

    Comment | 7. Oktober 2010
  • Naja, wer etwas zum Kritisieren finden will, findet auch immer was, gell? ;-)

    Comment | 7. Oktober 2010
  • Tom

    Einerseits war das schon länger bekannt dass natürlich ein anderer dafür bezahlt. Aber dazu gehören nicht die Chefs der Herstellerfirmen oder Discounter.
    Diese Nummer fahren seit min. 20 Jahren alle Läden, nicht nur Aldi!
    Jetzt sehe ich aber noch ein Problem! Wenn die Ausbeutereien von Arbeitern aus Billiglohnländern gestoppt werden, werden natürlich die Preise steigen. Aber da in Deutschland ca. 1/3 der Bevölkerung dank Hartz IV und Hungerlohn unter dem Existenzminimum leben, ob sie arbeiten oder nicht, wovon sollen diese Leute sich noch was kaufen können? Sollte nicht vorher das System unserer korrupten Politiker gelöst werden, bevor hier in Deutschland, bzw. Europa Slums wie in der dritten Welt entstehen?

    Comment | 13. Dezember 2010
  • Nun, die Discounter sind durch ihren Preiskrieg, die Dumpinglöhne und damit den Druck aufs allgemeine Preis- und Lohnniveau nicht unschuldig daran, dass es immer mehr Leuten schlecht geht – sie erzeugen sich quasi ihre Kunschaft selbst. Zumal sie ja in der Summe auch noch Arbeitsplätze im Einzelhandel vernichten. Ganz unabhängig von “korrupten Politikern”.

    Comment | 13. Dezember 2010
  • Sebastian

    Eure Ziele sind zwar gut, allerdings ist ein Aufruf dazu dieses PDF mit seinen Urheberrechtsverletzungen zu verbreiten, ohne einen Hinweiß darauf das die rechtlichen Konsequenzen für den der das verbreitet schnell in die hunderte Euro gehen können, alles andere als in Ordnung. Eigentlich ist es sogar eine Frechheit da die wenigsten wissen welche Konsequenzen das haben kann!

    Comment | 24. Januar 2014

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