Okt
18
2010

Debakel und Etikettenschwindel in der Öko-Mode-Branche

© dnabil, stock.chng

Ich hoffe, keiner meiner Leser gibt sich dem Glauben hin, dass mit der Einführung von Bio-Siegeln und dem zunehmendem Verkauf entsprechend gelabelter Ware die bunte Warenwelt des nimmermüden Konsums mit einem Mal super und duper wäre. Natürlich („natürlich“ für unser profitmaximierendes Wirtschaftssystem) stürzen sich im Zuge des stetig wachsenden Ökomarktes auch immer mehr Unternehmen auf dieses Segment, denen es nur um den Umsatz und nicht um Nachhaltigkeit, Ökologie o.ä. geht – und leider wird in diesem Bereich auch viel getrickst und gemogelt. Nicht nur im Lebensmittel- und Konsumgüterbereich wird mit frei erfundenen Pseudo-Bio-Aufdrucken, die den Verbraucher einlullen sollen, hantiert (wie vor gut einem Jahr mal die Sendung Markt zeigte („Abzocke mit Bio-Labeln?“)), sondern auch die Modebranche tut sich hier unrühmlich hervor. Glocalist berichtete im Sommer in „Debakel und Etikettenschwindel in der Öko-Mode-Branche“ über entsprechend unerfreuliche Testergebnisse. Klar ist – selbst wenn ein Hemd bei H&M aus Biobaumwolle sein sollte, heißt das noch lange nicht, dass es auch unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wurde und zur Färbung etc. keine chemischen Stoffe Einsatz fanden (wie es leider sehr oft der Fall ist).

Wie schon mehrfach auf Glocalist kritisch hinterfragend berichtet (…) hat nun im aktuellen Testbericht vom Monat August der Stiftung Warentest weitere Bestätigung erfahren. Der Verbraucherdachverband vzbv in Berlin spricht von Etikettenschwindel und fordert harte gesetzliche Maßnahmen.

Eine gesetzliche Informationspflicht von Unternehmen zu den Umwelt- und Sozialstandards ihrer Produkte fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Denn viele Firmen im Textilhandel versprechen ihren Kunden mehr Umwelt- und Sozialverantwortung als sie einhalten. (…)

In der Untersuchung der Stiftung Warentest hatten besonders enttäuschend Hersteller von T-Shirts aus Bio-Baumwolle abgeschnitten. Gesamt wurden 20 Hersteller befragt. Der Skandal: Viele Hersteller haben den Testern von Stiftung Warentest den Zugang und die Informationen verweigert. Sie konnten nicht nachweisen, ob die Baumwolle tatsächlich biologisch hergestellt wurde. “Wer Bio auf ein Produkt schreibt, muss auch in der Lage sein, die Herkunft und Qualität nachzuweisen. Im Lebensmittelhandel wäre es den Unternehmen längst untersagt, ihre Ware weiter als biologisch auszuloben”, kritisiert Billen. (…)

Kritische Berichte zu Öko-Mode und Nachhaltigkeit auf Glocalist:

- Grüner Mode-Award mit Fragezeichen > bit.ly/dyqtVZ

- Betrug bei Bio-Zertifizierung von Baumwolle? > bit.ly/7oPAi9

- Bio-Baumwoll Schwindel > bit.ly/aklz2L

- Südwind-Studie zu “fairer Mode” > bit.ly/5bHlgu

- Textilien aus “Biobambus” > bit.ly/9tlDEP

- Outdoor-Mode nicht sozial gerecht > bit.ly/bdibv5

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4 Kommentare »

  • Fedderson

    Ich bin selbst gerade auf der Suche nach einer Produktionsquelle für T-shirts, die ich in meiner Kneipe verkaufen möchte. Ich habe ein paar NGOs angeschrieben,da ich mir eine Art Leitfaden, Anhaltspunkte und/oder eine Messlatte für die Möglichkeit von Bio/Öko-und fairtrade gehandelten und auch bedruckten T-shirts erhofft hatte.
    Beeindruckt war ich von der Seite der schweizer Firma “Remei”, die mit Greenpeace kooperiert. Doch auch hier werden die GOTS-zertifizierten Artikel erst ab einer Stückzahlabnahme von 500 verkauft. Das übersteigt wahrscheinlich nicht nur meine Möglichkeiten.

    Comment | 18. Oktober 2010
  • @Fedderson:

    probiers mal mit EarthPositive von Continental Clothing.
    Continental ist Mitglied der Fair Wear Foundation, der strengsten Multistakeholder Initiative zur Überwachung der sozialen Produktionsbedingungen. Zum ist die EarthPositive Reihe GOTS zertifiziert, was auch die Weiterverarbeitung der Bio-Baumwolle abdeckt.Zudem wird die Fabrik mit eigenen Windkraftanlagen betrieben.
    http://www.continentalclothing.de/?module=cms&P=3

    Noch besser ist zündstoff:
    Gleich Bio und Fair Zertifizierung, aber hier gehört die Fabrik den Arbeiter_innen. Es ist eine selbstverwaltete und demokratisch geführte Kooperative:
    http://zuendstoff-shirts.de/index.php

    Comment | 19. Oktober 2010
  • Fedderson

    @Lars Hey -vielen Dank. Die links sehen vielversprechend aus und ich werde mich ausführlich umschauen.

    Comment | 19. Oktober 2010
  • [...] entscheiden. Zwar werden Produkte umweltfreundlich hergestellt, eine andere Frage ist aber, wie es auf den Feldern und in den Fabriken zugeht. Besonders die großen Branchen wie H&M oder C&A setzen zwar auf ökologische Kleidung und [...]

    Pingback | 26. Januar 2011

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