Okt
09
2011

Lesetipps: Fußball-Verschwörung | Weniger Demokratie wagen | Landwirtschaft | FDP

Das Phänomen kennt sicherlich jeder – in Umfragen schätzen die Menschen ihr eigenes (Konsum-)Verhalten überwiegend positiv ein, sprich, für die Befragten sei es wichtig, auf ökologische und soziale Standards zu achten, auf gesunde Ernährung usw. usf. Nur leider kommt davon in der Realität kaum etwas an. Das meine-landwirtschaft.de-Projekt hatte seine User gefragt, wie sie 100€ aufteilen würden, also welche Bereiche damit gefördert werden sollten. Dies ist das (eigentlich wenig überraschende) Ergebnis:

Es wäre schön, wenn die Leute solche Antworten nicht nur bei virtuellen Umfragen geben würden, sondern auch tagtäglich beim eigenen Einkauf, denn man beeinflusst gewisse Strukturen in Landwirtschaft, Produktion und Handel schließlich jeden Tag aufs Neue auch durch das eigene Geld. Und da zeigt sich viel zu häufig, dass es am Ende doch oft nur darum geht, etwas möglichst billig zu bekommen, oder weil es „cool“ ist (von der Reklame entsprechend beworben) etc.

Verschwörungstheorien sind ja so eine Sache. Denn gerne mal werden vielleicht durchaus berechtigte Zweifel an offiziellen Versionen von Ereignissen oder Plänen von manchen Leuten lapidar als „Verschwörungstheorie“ abgetan, um damit weitere Diskussionen im Keim zu ersticken. In den Medien präsentierte „Fakten“ kritisch zu hinterfragen und mit einer gewissen Skepsis zu lesen, erscheint mir jedoch generell eine sehr gute Idee zu sein. Von daher ist die Grenze zwischen normalen Zweifeln und einer sog. „Verschwörungstheorie“ fließend. Aber richtige Verschwörungstheoretiker erkennt man an ihrer fast schon fanatischen Hingabe an eine Sache und daran, dass sie vollkommen von ihrer Sicht der Dinge überzeugt sind. Wenn sich Leute schon „truther“ nennen (wie die „9/11“-Skeptiker), also für sich in Anspruch nehmen, die Wahrheit gepachtet zu haben, ist mir so etwas grundsätzlich schon mal sehr suspekt. Und wenn man dann noch sieht, wie sektiererisch, mit religiös anmutendem Eifer VT’ler argumentieren und missionieren, hört bei mir dann das Verständnis auch irgendwann auf. Es ist – wie bei jedem Fanatiker – auch schwierig, mit Gegenargumenten zu kommen, weil alles, was man dagegen vorbringen könnte, erst recht als Bestätigung aufgefasst wird, so nach dem Motto „Du bist wohl auch einer von denen!“ (sprich: den Verfechtern einer New World Order, verlängerter Arm der Bilderberger usw. usf.) Der Geistig befreit-Blog, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen kritischen Blick auf die VT-Szene zu werfen und Kuriositäten zu dokumentieren, hat dieses Argumentationsmuster neulich am Beispiel eines Fußballspiels sehr schön auf den Punkt gebracht – „Verschwörungsdeppen goes Fußball“:

Allmystery-User “Bakterius” wird die seit zehn Jahren anhaltende – und teilweise zum Großteil an Dummheit nicht zu überbietende – 9/11-Diskussion zu blöde und er überträgt das Rumgedeppe der Verschwörungs-Schwachköpfe auf ein Fußballspiel:

“In der Masse scheinen die dämlichsten Merkwürdigkeiten bei nicht wenigen offenbar Wirkung zu zeigen. Und es zeigt sich immer wieder, dass man jede Merkwürdigkeit bis zum Erbrechen richtigstellen kann, ohne dass diese Leute Einsicht zeigen, denn sie können ja munter mit der nächsten “Merkwürdigkeit” winken. Du kannst eine ganz normale Fußball-Übertragung nehmen, diese einfach als Verschwörung bezeichnen und anfangen “Merkwürdigkeiten” zu sammeln:

- Warum verspricht sich der Kommentator bei dieser Chance?
- Wieso gibt es in jener Szene einen Bildaussetzer?
- Warum spricht der Co-Trainer von einem 4:1, wenn es doch ein 1:4 war?
- Warum schreit der Kommentator “Tor!”, obwohl der Ball im letzten Moment doch noch am Tor vorbei geht?
- Wieso sieht der Trainer der Siegesmannschaft auf diesem Foto so ärgerlich aus?
- Warum lacht der Kapitän der Verlierer nach dem Spiel während eines Interviews?
- Warum wird uns das angeblich Ergebnis ständig vor die Nase gehalten?
- Wieso gibt der Schiedsrichter die Rote Karte nicht?
- Warum trifft der hochtalentierte Stürmer das Tor aus drei Metern Entfernung nicht?
- Wieso gewinnt ausgerechnet jene Mannschaft, welche gegen die andere Mannschaft noch nie zuvor gewonnen hat, schon gar nicht in dieser Höhe?
- Warum erzählt ein Fan der Siegesmannschaft, dass er das nicht versteht?
- Was sind das für Explosionsgeräusche aus dem Fanblock?
- Was haben die vielen Polizisten im Stadion wirklich gemacht?
- Warum hat keine Kamera das Handspiel deutlich sichtbarer aufnehmen können?
- Wem hat dieser Sieg denn genutzt? Immerhin ist der Sieger kurz danach in die zweite Liga abgestiegen.
- Warum sollte ich dem Vereinsmanager noch trauen, wenn er uns doch schon bei den Transfergesprächen und der Ablösesumme seiner Spieler nicht die Wahrheit gesagt hat. …

So kann man ewig weiter machen und je mehr Bildmaterial, Zeugenaussagen und Berichterstattungen mir zur Verfügung stehen, umso mehr “Merkwürdigkeiten” könnte ich aufzählen, freilich ohne irgendeinen Beweis vorbringen zu können, aber die Masse an “Indizien” spricht ja für sich. Mit der Zeit wäre ich nicht mehr allein mit meinen Zweifeln und andere kopieren meine “Argumente” lustig weiter. Die Zahl der Verschwörungsgläubigen nimmt zu und ich kann sagen, dass wir doch nicht alle blöd sein können.”

Wie die Beeinflussung des Weltgeschehens tatsächlich vor sich geht, auch ganz ohne eine Art Weltverschwörung, das zeigt der Beitrag „Weniger Demokratie wagen“ der Website German Foreign Policy. Mit Lobbyismus und steter Meinungsbeeinflussung werden so gewissen Standpunkte plötzlich salonfähig – denn wofür hier der Autor Laszlo Trankovits in dem bei der FAZ erschienenden Buch eintritt, ist eine Machtbündelung bei den jetzt schon einflussreichsten Entscheidern… Schon sehr bedenklich, was für ein Gedankengut sich in diesem Land so breit zu machen beginnt (man denke nur an den Erfolg von Sarrazins abstrusen Thesen). Die galoppierende EU-Skepsis bzw. die durch die aktuellen politischen Entscheidungen angefachten Ressentiments gegen Euro & Co. sowie die ausufernden EU-Bürokratismen, tragen sicherlich auch nicht zum sozialen Frieden in Europa bei:

Eine aktuelle Buchpublikation aus einem der einflussreichsten deutschen Zeitungsverlage fordert den Übergang zu “weniger Demokratie”. Das aktuelle Regierungshandeln sei zu stark vom “lähmenden Einfluss der ‘Stimme des Volkes’ (…) und des alles anzweifelnden emanzipatorischen Zeitgeists” geprägt, heißt es in der Verlagsankündigung für die Schrift. Der Autor fordert deshalb “Systemkorrekturen” ein, um die “Politik effizienter zu machen”. Diese “Korrekturen” müssten in einem Rückbau demokratischer Partizipation bestehen. Das Buch, das unlängst unter dem Titel “Weniger Demokratie wagen” veröffentlicht worden ist, wird intensiv von Sendeanstalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beworben, etwa vom sozialdemokratisch geprägten Westdeutschen Rundfunk (WDR). Die Forderung nach dem Rückbau der Demokratie in Deutschland wird seit geraumer Zeit in einflussreichen Zirkeln der deutschen Eliten erhoben. (…)

(…) Ungeachtet dessen tritt Trankovits in seinem neuen Buch mit einer Reihe von Forderungen an die Öffentlichkeit, durch welche die demokratische Mitbestimmung in Deutschland reduziert werden soll. Er verlangt: “Weniger Wahlen. Längere Legislaturperioden.” Für die Regierung fordert er: “Mehr Zentralisierung. Mehr Machtkonzentration. Mehr Kontrolle.” Mit Blick auf die Tatsache, dass das Bundesverfassungsgericht immer wieder angerufen wird, weil die Verfassungsgemäßheit neuer Gesetze häufig in Frage steht, schreibt Trankovits: “Auch die immer stärkere Einbindung des Bundesverfassungsgerichts führt in eine falsche Richtung.”[3] In der “Praxis des Regierens” seien anstelle von Mitbestimmung “Kompetenz, Entschlussfreudigkeit und Führungskraft” vonnöten. Es dürfe keinesfalls suggeriert werden, “in einer demokratischen Gesellschaft ließen sich Ungleichheit beseitigen und soziale Gerechtigkeit herstellen”. Von den Eliten fordert Trankovits, selbst Mitglied des elitären Rotary-Clubs, ein “Bekenntnis zu Kapitalismus und Profit”; für die Vermittlung politischer Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung verlangt er “intelligente Formen politischer PR”. Die Forderung nach mehr “Transparenz” hingegen sei “für die Effizienz jeglicher Regierungsarbeit (…) oft kontraproduktiv und lähmend”, erklärt Trankovits; sie müsse deshalb zurückgewiesen werden. (…)

(…) Ein klein wenig Diktatur

Dies entspricht Einschätzungen, die letztes Jahr in der Zeitschrift Internationale Politik getätigt wurden. Dort hieß es ebenfalls, der Aufstieg Chinas habe “den Wettbewerb der Systeme neu entfacht”. Vor allem “Manager und Industrielle” hofften, “schneller zum Zuge zu kommen”, wenn man die demokratische Teilhabe beschränke. Beklagt würden, hieß es über entsprechende Debatten in den Eliten, vor allem die Schwerfälligkeit demokratischer Entscheidungsprozesse und größere “Mängel in der Auswahl des politischen Personals”. Daraus ergebe sich der Wunsch nach einem “sachorientierten, entpolitisierten Verwaltungshandeln”, tendenziell der “Wunsch nach ‘ein klein wenig Diktatur’”. In der Tat werde im Berliner Establishment bereits über diktatorische Praktiken diskutiert. Der NS-Kronjurist Carl Schmitt habe einst zwischen einer partiellen (“kommissarischen”) und einer totalen (“souveränen”) Diktatur unterschieden. “Wenn heute verschiedentlich von diktatorischen Befugnissen und Maßnahmen die Rede ist, dann zumeist (! d. Red.) im Sinne dessen, was Schmitt als kommissarische Diktatur bezeichnet hat”, berichtete die Zeitschrift, die allerdings auch gewisse Probleme bei der Realisierung erwähnte (german-foreign-policy.com berichtete): “Es gibt bloß kein Verfassungsorgan, das sich auf das Risiko der Einsetzung eines kommissarischen Diktators einlassen will.” (…)
Die FDP müsste mit solchen Gedanken eigentlich auch liebäugeln, wenn man diesen Artikel in der Süddeutschen Zeitung zugrunde legt – „Liberale Ursachenforschung: Zu dumm für die FDP?“:
(…) Pfeil, Präsidiumsmitglied der hessischen FDP, hat eine ganz eigene Vorstellung, wie das Drama seiner Partei zu erklären ist.  Aus seiner Sicht liegt es nicht an Rösler oder an Westerwelle, dessen Rücktritt Pfeil selbst noch im Dezember gefordert hatte. Nein. Schuld sind die Wähler. Genauer gesagt: das durchschnittliche Bildungsniveau der Wähler. (…)

Der Interviewer will es genauer wissen. “Also sind die Wähler zu ungebildet, um die Botschaft der FDP zu verstehen?” Pfeil: “Die Masse ja. Deswegen werden wir nie eine Volkspartei. Liberal zu sein, ist keine Massenmeinung.”

Heißt: Nicht die FDP macht Fehler, die Wähler sind einfach zu dumm für die FDP. Klar, gedacht haben das viele schon. Und hinter vorgehaltener Hand wird seit langem gemunkelt, dass in den SPD-geführten Ländern deswegen so wenig für Bildung gemacht wird, damit die FDP keine Schnitte mehr hat. (…)

Apropos FDP – man soll zwar auf Quasi-Toten nicht herumhacken, aber wo wir grad beim FDP-Bashing sind, hier noch ein Beitrag von Panorama über die „Arbeitsmoral“ von Frau Pseudo-Dr. Koch-Mehrin:

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15 Kommentare »

  • Lux

    …zum Großteil an Dummheit nicht zu überbietende – 9/11-Diskussion zu blöde und er überträgt das Rumgedeppe der Verschwörungs-Schwachköpfe auf ein Fußballspiel:…

    Um eines vorweg zu nehmen: Es existieren mitunter abstruse VT.
    Doch hinkt die Übertragung auf das Fußballspiel gewaltig.
    Es hätte dem Verfasser dieser Übertragung besser zu Gesicht gestanden, unbestreitbar zu erklären, was sich international anerkannte Fachleute nicht erklären können.
    Ebenso könnte man die Übertragung auf ein Fußballspiel auf die offizielle VT übertragen: “Das Tor wurde nicht gegeben, weil im Oberrang ein mutmaßlicher Fan der Gegenseite saß und mit seinem Kaugummipapier absichtlich den Torwart blendete…”

    Letztendlich geht es nur darum, unbequeme Fragensteller zu diffamieren. Und zwar, weil man nicht dazu in der Lage ist, Erklärungen abzuliefern, die schlüssig, nachweisbar und im Einklang mit den Naturgesetzen (Wissenschaft) sind.

    Ein Beispiel noch. Vor wenigen Jahren galten die “Golf von Tonkien”- Kritiker als VT. Glaubt man dem Verfasser, muss es sich um “Schwachköpfe” gehandelt haben. Ob es sich auf Seiten der Kritiker um erfahrene und renomierte Militärexperten handelte, wird wohlweislich nicht erwähnt.
    Nun hat die US- Regierung die Akten freigegeben und öffentlich zugegeben, dass die “Schwachköpfe” recht hatten.
    Frage: Wer ist nun der Schwachkopf?

    Zum anderen solltest Du mit Deinem “konsumpf”- Blog vorsichtig sein. Denn unter’m Strich betrachtet, betreibst Du hier auch allerhand VT, wenn Du die offizielle Darstellung der Firmen und ihrer Politik ankreidest. Oder warst Du selbst in Mexiko, hast dort gelebt und gearbeitet, um die Politik der Firma Nestle’ ankreiden zu können?
    Wäre ich ein Nestle’- Gläubiger, könnte ich behaupten, Du wärst ein Schwachkopf, weil es doch gar keinen Sinn ergibt, das Nestle’ minderwertige Bohnen nutzen mag. Der Nescafe schmeckt aromatisch und gut. Wie sollen da die Bohnen minderwertig sein?
    Kapiert, was ich meine?

    Comment | 9. Oktober 2011
  • “Wäre ich ein Nestle’- Gläubiger, könnte ich behaupten, Du wärst ein Schwachkopf, weil es doch gar keinen Sinn ergibt, das Nestle’ minderwertige Bohnen nutzen mag. Der Nescafe schmeckt aromatisch und gut. Wie sollen da die Bohnen minderwertig sein?
    Kapiert, was ich meine?”

    Klar – aber es lässt sich einfach nachprüfen, welche Qualität die Kaffeebohnen in Mexiko haben (vielleichzt nicht direkt von mir, weil ich nicht nach Mexiko fliege, aber von anderen). Ob aber eine Weltverschwörung im Gange ist, eher nicht ;-)

    Übrigens, das mit dem “Schwachkopf” ist nicht meine Formulierung, sondern ein Zitat aus besagtem Blog.

    Comment | 9. Oktober 2011
  • oh man, das mit dem \”weniger demokratie wagen\” ist jawohl hoffentlich ein schlechter scherz oder ein adbusting oder so. wenn es wirklich leute gibt die solche sachen heute noch denken, dann mach ich mir sorgen – erst recht wenn sie viel geld haben :)
    in dem zitat steht ja quasi das komplette gegenteil von dem wovon ich politisch und gesellschaftlich überzeugt bin…
    kranker reaktionärer müll!

    Comment | 9. Oktober 2011
  • @ Moustachio: Und die FAZ bringt sowas im eigenen Verlag heraus – eigentlich unglaublich…

    Comment | 9. Oktober 2011
  • CarpeTemporem

    Mal wieder ein interessanter Artikel, danke! “Weniger Demokratie wagen” dürfte es in einer Zeit, in der die Piraten bundesweit bei 9% liegen (laut aktueller Umfrage) zum Glück recht schwer haben.

    Zum Thema EU-Skepsis: dazu gab es auf SWR2 (http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/archiv/mit-volldampf-in-die-krise/-/id=660334/nid=660334/did=8496894/194lh5e/index.html) einen interessanten Beitrag.
    Das aktuelle Griechenlandgebashe in den Medien ist ja auch nur zum Teil berechtigt, eigentlich haben wir aktuell eine zweite Bankenkrise und keine Eurokrise, ansonsten müsste man in den USA auch von einer Dollarkrise reden.

    Comment | 9. Oktober 2011
  • Die unsägliche Sache mit “Weniger Demokratie wagen” hatte ich eigentlich auch für meinen Blog vorgemerkt, aber leider gehört German Foreign Policy inzwischen zu den Seiten, die dazu übergegangen sind, ihre Online-Artikel nach einer kurzen Zeit in ein kostenpflichtiges Archiv zu verschieben (so auch den in Rede stehenden Beitrag). Schade. So werden die oft sehr informativen Artikel dort nur noch wenige Leser finden und damit wenig Wirkung entfalten können.

    Zum Thema Verschwörungstheorien kann ich dem Vorschreiber Lux anschließen. Ohne Zweifel kursieren im Netz (und nicht nur dort) Unmengen an abstrusen Theorien und haltlosen (weil unbelegbaren oder schlichtweg unseriösen, dummen, lächerlichen … ) Vermutungen über alle möglichen Themenkomplexe. Aber dennoch gibt es – auch zum Thema 9/11 – eben auch seriöse Forschung. Das sind gerade keine “truther”, sondern beispielsweise Historiker wie der Schweizer Dr. Daniele Ganser, der klar und deutlich sagt, dass er “die Wahrheit” selbstredend nicht kennt, der dafür aber die Fakten und die offenen Fragen benennt, die bislang aus wissenschaftlicher Sicht evident sind.

    http://derstandard.at/1315005504773/911-Bundesstaaten-koennten-Neuuntersuchung-einleiten
    http://edvan.fadeout.ch/ref/?customerId=30&channelId=189&broadcastId=1379&wide=

    Nur am Rande möchte ich in diesem Zusammenhang noch darauf hinweisen, dass natürlich sämtliche Erklärungsversuche für die Ereignisse am 11.09.2001 Verschwörungstheorien sind – die so genannte “offizielle Version” des Bush-Regimes ist (mal abgesehen von solchen schenkelklopfenden Versionen wie der “Alien-Angriffstheorie” o.ä.) meiner persönlichen Meinung nach die hanebüchenste unter ihnen.

    Nur weil sich einige/viele Deppen auf ein Thema stürzen, bedeutet das noch lange nicht, dass jede Kritik am Thema “geistig befreit” sein muss. Es ist überfällig, dass an einigen Universitäten – wie beispielsweise an der Uni Basel – allmählich eine seriöse, historische wissenschaftliche Forschung zu 9/11 in Gang kommt.

    Comment | 10. Oktober 2011
  • Sand

    Ich werd das Gefühl nicht los, dass Weltverschwörungsquatsch genau so funktioniert, wie Lux das vormacht; nur will er genau das Gegenteil davon beweisen.
    “…oder warst du selbst in Mexiko, hast dort gelebt und gearbeitet, um die Politik der Firma Nestle ankreiden zu können?”, schreibt er. Tja, dann geh ich mal einen Schritt weiter, um zu sehen, wo wir da hinkommen: Wenn Peter Marwitz tatsächlich selbst in Mexiko gewesen wäre, dort gefilmt hätte, die Bohnen mitgebracht hätte etc. etc. – weshalb sollte ich ihm d a n n glauben? Es könnte sich immmer noch um andere(ausgetauschte) Bohnen handeln; der Film könnte ein Fake sein; die Interviewten könnten bestochen worden sein etc. etc. Selbst einer, der alles erlebt hat, kann sich selbst eigentlich nicht wirklich trauen, vielleicht stand er zum fraglichen Zeitpunkt unbewusst unter Hypnose oder unter Drogen undsoweiter. Also: Der Fantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt – man muss nur wollen. (Fantasieren kann ja auch Spaß machen)Es gibt meines Wissens nur einen einzigen Ausweg aus diesem Dilemma: Den gesunden Menschenverstand.

    Comment | 10. Oktober 2011
  • Lux

    Ob aber eine Weltverschwörung im Gange ist, eher nicht

    Das ist richtig. Doch gibt es Verschwörungen. Die hat es zu allen Zeiten gegeben.
    Wer sich in der Geschichte der Menschheit auskennt, wird dies nicht bestreiten können.

    Ich habe mit Absicht die “Golf von Tonkien”- Aktion gewählt, die ja letztlich zum offiziellen Kriegseintritt der USA in Vietnam führte.
    Nebenbei bemerkt fungiert einer der damaligen Hauptbeteiligten nach wie vor als Berater des US- Präsidenten und ist nach eigenen Angaben ein ständiges Mitglied einflussreicher, undemokratischer und im Geheimen operierenden Machtzirkel: Kissinger.
    Nun ist – wie wir alle nunmehr wissen – die Tonkien- Aktion von der Verschwörungstheorie zur amtlichen Darstellung geworden. Die frühere amtliche Darstellung wurde von der US- Regierung selbst als Desinformation dargestellt.

    Jahre, oftmals Jahrzehnte später – wenn überhaupt – werden auf diese Art ehemalige “Verschwörungstheorien” amtlich bestätigt und gelten fortan als Tatsachen.
    Frage: Was veranlasst uns anzunehmen, ausgerechnet in unserer Zeit gäbe es keine Verschwörungen im großen Stil mehr?
    Weil wir heute das Internet benutzen dürfen? Daran kann es ganz gewiss nicht liegen. Das Netz wird zudem nicht nur von ehrenwerten Bürgern benutzt, sondern nachweislich auch von denjenigen, die diese Technik für die Öffentlichkeit freigegeben haben. Ist es die Vielfalt der Medien? Nachweislich nicht, da diese Vielfalt durch die beängstigende Konzentration auf diesem Sektor zunehmend verschwindet, wenn nicht gar verschwunden ist.
    Was Reuters über seine Ticker verbreitet, wird von allen “angeschlossenen” Medien und demzufolge auch von den meisten “unabhängigen” Medien (z.B. blogs) verbreitet. Reuters besitzt ein Informationsmonopol. Wem gehört Reuters, also welche Interessen werden berücksichtigt? Das als Beispiel.

    Ich bin mir darüber im Klaren, dass vieles, was wir heute als “Verschwörungstheorie” verklären, nach einem gewissen Zeitraum als amtliche Version gelten wird. Nämlich dann, wenn die Akten zugänglich sind und die Welt bereits ganz anderen Problemen nachgeht.

    Um es nachvollziehbarer darzustellen: Jeder Erwachsene weiß, wie Kinder entstehen und doch tun sich die meisten Menschen damit schwer, ihre Entstehung nachvollziehen zu wollen (! – können tun sie es), da sie Schwierigkeiten damit haben, sich vorzustellen, dass ausgerechnet ihre Eltern “gefickt” hätten und sie das Produkt dieser “Sauerei” sein sollen. Was für eine gräßliche Vorstellung, meinen diejenigen. Eine “Verschwörungstheorie”, die sie jeden Tag im Spiegel betrachten können und biologisch (wissenschaftlich) unbestritten ist.

    Comment | 10. Oktober 2011
  • Lux

    Ein Argument gegen Verschwörungen ist oftmals, dass es doch unmöglich sein kann, dass so viele Beteiligte davon nichts wissen können oder es aufgrund der hohen Anzahl der Beteiligten unmöglich wäre, so etwas durchzuführen.
    Das ist ebenso gut ein Argument für VT, da irgendwo immer etwas durchsickert.

    Comment | 10. Oktober 2011
  • “Jahre, oftmals Jahrzehnte später – wenn überhaupt – werden auf diese Art ehemalige “Verschwörungstheorien” amtlich bestätigt und gelten fortan als Tatsachen.
    Frage: Was veranlasst uns anzunehmen, ausgerechnet in unserer Zeit gäbe es keine Verschwörungen im großen Stil mehr?”

    Ich denke, Du hast mich gründlich missverstanden. Ich behaupte keineswegs, dass es heutzutage keine Verschwörungen mehr gibt und auch die 9/11-Sache kann (!) durchaus anders gewesen sein, als die offiziellen Stellen das darstellen. Wundern würde es mich nicht, den Eliten dieser Welt ist so einiges zuzutrauen. Ich weiß es jedoch nicht. Aber was ich primär kritisiere, ist dieser religiöse, keine Gegenargumente akzeptierende Eifer, mit dem manche VTler vorgehen – und dass man ganz schnell auch in so einem neo-rechten, latent braunen Sumpf steckt, wenn man sich die entsprechenden “Truther”, “NWO” etc.-Websites anschaut. Da weht oft ein Geist, den ich mal vorsichtig als “reaktionär” bezeichnen würde.

    Comment | 10. Oktober 2011
  • Lux

    Wenn dieser Geist “reaktionär” ist, was durchaus zutrifft, dann ist dies eine ideologische Sichtweise. Doch Ideologie und Wissenschaft (im Wortsinn) können nicht miteinander bzw. es kommt nichts Wertvolles und Beständiges dabei heraus.

    Comment | 10. Oktober 2011
  • Genauso ist das, deshalb sind viele der VT-Seiten eben so schwer zu ertragen. Für eine nüchterne Sicht der Dinge, auch kritische Fragen zu 9/11 und anderes, bin ich gerne zu haben.

    Comment | 10. Oktober 2011
  • monty

    Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie sich noch Jemand in diesem System wohl fühlen kann. Dem Autor des Beitrages gelingt das offenbar. Weniger Demokratie wagen? Genau davor warnen die “NWO-Verschwörungstheoretiker” schon lange.
    Wer glaubt, dass der Fußball von irgendwelchen Bauern zweier englischer Dörfer erfunden und erdacht wurde, will oder kann nicht verstehen.
    Es sind vorallem Jungs der Unterschicht (es gibt keinen adligen Fußballspieler), die bereits als Kind mittels dieses Spiels erlernen, wie sie in diesem System zu funktionieren haben.

    Comment | 10. Oktober 2011
  • Lux

    @Peter
    Doch sollten wir nicht vergessen, dass auch die “offizielle Seite” durchweg reaktionär ist. Oder wie würden sie die Politik von Bush oder Obama bezeichnen?
    Weshalb ist dann diese Seite nicht mindestens ebenso “schwer zu ertragen”?

    @monty
    Meines Wissens trieben in den Anfangstagen der Fußballklubs überwiegend Adlige oder besser Betuchte diesen Sport. Ähnlich wie beim Tennis. Fred Perry war damals in England der erste erfolgreiche Tennisspieler, der aus der Arbeiterklasse stammte. Deshalb ist sein Modelabel in Skinheadkreisen so beliebt.
    Oder täusche ich mich?

    Comment | 10. Oktober 2011
  • @ Lux: Habe ich nicht gesagt, dass das nicht auch schwer zu ertragen ist. Aber das macht mit rechtem, reaktionären Gedankengut liebäugelnde “Truther”-Seiten nicht besser. Ich finde es jedenfalls immer sehr sonderbar, wenn auf diversen VT-Seiten die durchweg gleichen Sprüche geklopft werden und man neben 9/11 auch von Klimaschwindel, NWO und den Weisen von Zion u.ä. redet. Auf mich macht das, wie ich schon schrieb, einen fast schon sektenhaften Eindruck (alle glauben das selbe) – was sehr schade ist, weil damit ernsthafter Kritik an besagten Phänomenen doch eher geschadet wird. Dass die Politik von Bush & Co. reaktionär ist/war, muss man nicht extra erwähnen. ;-)

    Comment | 10. Oktober 2011

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