Apr
28
2011

Strenge Regeln für Unternehmen

Eine der ersten Dinge, die ich damals bei der Lektüre des Buchs „Culture Jamming“ gelernt habe und über die ich mir zuvor nie so wirklich Gedanken machte, war, dass die Art, wie Unternehmen heutzutage auftreten und mit welchen Rechten sie so ausgestattet sind, noch gar nicht so alt ist, sondern erst im 20. Jahrhundert in der amerikanischen Rechtssprechung festgelegt wurde. Seitdem genießen Firmen vergleichbare Rechte wie Einzelpersonen, ohne jedoch in gleichem Maße zur Verantwortung gezogen werden zu können. Ansonsten hätte man viele global agierende Konzerne für ihre Verbrechen längst auflösen müssen. Man kann Firmen in den USA zwar verklagen und auch Schadensersatz verlangen, aber leider ändert sich an den Strukturen der Konzerne dadurch herzlich wenig. In Europa sind oft noch nicht mal diese Klagemöglichkeiten gegeben.

Im Mikrofairkel-Blog wurde ich jetzt unlängst auf eine aktuelle Petition/Aktion aufmerksam gemacht, in der es genau darum gehen soll, die Unternehmen an die Menschenrechte zu binden, statt sie teilweise über dem Recht stehen zu lassen. „Rechte für Menschen, Regeln für Unternehmen“:

Multinationale Konzerne können für ihre teils menschenrechtsverletzende und umweltzerstörende Firmenpolitik oft nicht wirklich haftbar gemacht werden. Wir lassen also unsere Großunternehmen wie eine Heuschreckenplage auf die ganze Welt los, aber es nicht möglich hier in Europa gerichtlich gegen sie vorzugehen. (…)

Erfreulicherweise hat die European Coalition for Corporate Justice, in Deutschland unter der Federführung von GERMANWATCH, sich endlich diesem Thema angenommen und eine Petition an die Staats- und Regierungschefs der EU und an den Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso gestartet:

Unterstütze uns im Einsatz für klare Regeln für Unternehmen,
um Menschen und Umwelt zu schützen!

Das ECCJ-Projekt „Rechte für Menschen, Regeln für Unternehmen“ setzt sich dafür ein, dass die in der EU ansässigen Unternehmen für die weltweiten Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Menschen und Umwelt gesetzlich haftbar gemacht werden können. Nur durch klare Gesetze kann der Schutz von Menschenrechten verbessert und der Zerstörung der Umwelt entgegengetreten werden.

Unterstütze uns dabei, in dem du die Petition unterzeichnest und an FreundInnen und Bekannte weiterleitest! (GERMANWATCH)

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4 Comments

  • chapultepec

    es gibt es sehr gutes Buch (leider nur auf englisch), das sich mit diesem Thema befasst und das man auch runterladen kann. Ich hoffe ich finde mal etwas Zeit das Buch zu rezensieren (es ist jedenfalls etwas was ich seit einigen Monaten vorhabe)

    Die Rede ist von:

    Gangs of America
    The Rise of Corporate Power and the Disabling of Democracy
    by Ted Nace
    http://www.gangsofamerica.com/index.html

    Comment | 28. April 2011
  • chapultepec

    s. speziell hier Kapitel 7

    Super Powers
    The corporation acquires nine powerful attributes(1860-1900)
    http://www.gangsofamerica.com/7.html

    Comment | 28. April 2011
  • Ich freue mich, dass hier die europaweite Kampagne „Rechte für Menschen – Regeln für Unternehmen“ vorgestellt wird. Ich bin an der Koordination in Deutschland beteiligt. Neueste Infos: Die Unterschriftenaktion läuft noch bis zum 5.Juni 2011. Im Juli werden sie der EU-Kommission, Bereich Industrie und Unternehmen, zusammen mit Unterstützungsstatements von PolitikerInnen übergeben. Zeitgleich wird die Kommission eine neue Mitteilung zu Corporate Social Responsibilty veröffentlichen. Diese Mitteilung ist zwar nicht rechtlich bindend, sie wird aber die politische Position der EU zu diesem Thema für die nächsten Jahre festschreiben. Unsere Erwartungen sind nicht sehr hoch. Wahrscheinlich sind Worte zu verbindlichen Berichtspflichten für Unternehmen. Aber mehr Verbindlichkeit, geschweige denn die Befürwortung weitgehender Pflichten für Unternehmen, etwa konkrete Haftungspflichten, wird es nicht geben.
    Also noch viel zu tun für ein faires Europa.

    Schon bekannt? KURZFILM SCHÖN! FÄRBER! In einem Vorstandsbüro eines großen deutschen Discounters, wo eine Imagekampagne hilft, sich die Welt SCHÖNer zu FÄRBEN und Bedenken wegen der lauter werdenden Forderung nach Regeln für Unternehmen mit dem Hinweis auf die Wirtschaftslobby weggewischt werden: http://www.youtube.com/watch?v=2JomPtm00yU

    Comment | 2. Mai 2011
  • also SchönFärber ist ja schon fast ein Klassiker ^^ (echt super gemacht – schön ironisch)
    noch erwähnenswert (neben ihren -häufig einer Zensur gleichenden- pervertierten Verleumnungsklagen) wäre der Einfluss von Großunternehmen auf unsere Gesellschaft & unseren Alltag (s. Naomi Kleins ‚No Logo‘) und die zahlreichen Verstöße dieser, wie sie anschaulich im ‚Schwarzbuch Markenfirmen‘ beschrieben sind. Ich geb Bescheid wenn unsere „Hall of Shame“ aktualisiert ist – wir brauchen mehr kritische Konsumenten & welche, die diese unschönen Wahrheiten weiterverbreiten.

    Comment | 2. Mai 2011

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