Aug
12
2010

„Milliardäre spenden – aber für was?“

@ dleafy, stock.xchng

Letzte Woche geisterte es groß durch die gesamte Medienlandschaft (z.B. taz, Spiegel) und auch das Web2.0 – angeregt durch Bill Gates und Warren Buffett haben 40 Milliardäre in den USA die Absichtserklärung abgegeben, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Dies löste die verschiedensten Reaktionen aus – von begeistertem Lob über skeptische Beäugung bis hin zur Ablehnung dieser Initiative und vor allem der Motive der edlen Spender. Tatsächlich ist das Ganze durchaus nicht so leicht zu beurteilen, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Natürlich ist es einem Milliardär erst einmal positiv anzurechnen, wenn er sich von einem Teil seines Vermögens trennt, um damit (hoffentlich) sinnvolle soziale oder Umweltschutzprojekte zu fördern – das ist allemal besser, als das Vermögen nur zu horten und zum eigenen Nutzen zu mehren.

Allerdings muss man auch sehen, dass manche dieser Milliardäre zuvor ihr Geld aber genau mit solchen Geschäften gemacht haben, die dafür gesorgt haben, dass solche sozialen Projekte überhaupt notwendig sind – sprich, sie haben sich direkt oder indirekt (über Investitionen/Aktien) an den Konzernen und Wirtschaftsstrukturen beteiligt, unter denen große Teile der Welt leiden. Von daher sind manche der so angehäuften Milliarden eh ungerechtfertigt angehäuft worden und die Abgabe eines Teiles davon weniger großzügig als nur logisch. Das ist ein wenig so, als wenn ich irgendwo einbreche und hinterher die Hälfte zurückgebe, um mich dann als Wohltäter feiern zu lassen… Von daher hat man es als Millionär oder Milliardär nicht so leicht, sein Vermögen sinnvoll einzusetzen, ohne dass Hintergedanken vermutet werden.

Zu den kritischen Stimmen dieses Spendencoups zählt u.a. auch der Naturgetr.eu-Blog, der sich fragt „Milliardäre spenden – aber für was?“ und damit die Überlegung anregt, dass die Verwendung der Spenden keineswegs nur auf nützliche Projekte beschränkt ist und so vielleicht eher der Publicity dient, als wirklich zu hefen

[…] Für was genau gespendet wird, kann sich jeder Millardär selbst aussuchen, in welche Richtung das jeweils geht, kann man auf The Giving Pledge (unter dem jeweiligen Namen) nachlesen. Nun, in machen Fällen ist ja aus der Vergangenheit bekannt, wozu und unter welchen wirtschaftlichen und medialen (d.h. propagandistischen) Umständen solche Spenden angelegt werden.

Vielleicht sollten die aufgrund ihres Reichtums doch recht realitätsfernen und weltfremden Spender mal jemanden mit Überblick und Alltagsbezug fragen, wozu man Geld spenden sollte – da käme sicher nicht Genforschung oder Hirnforschung raus (wofür manche der Milliardäre spenden) sondern z.B. gegen Welthunger, für sauberes Trinkwasser, gegen Kinderarmut, für Bildungschancen (insbesondere in der so genannten Dritten Welt) und dergleichen mehr. […]

Auch im Spiegelform ging es diesbezüglich hoch her – ein User namens o.huxley meinte dazu:

[…] FAZIT:Es geht um intelligente Vermögensverwaltung.
Milliardäre spenden ihr Geld , dieses wird wiederum in bestimmte Werte investiert(Aktien usw.). Durch den Deckmantel einer humanitären Stiftung/Organisation sind folglich illegale Investments um ein vielfaches einfacher.
Es stehen neue, viel effektivere Möglichkeiten zur Geldmaximierung offen.
Die erwirtschafteten Gewinne können ausgeschüttet und geteilt werden oder ihre Funktion in einer gemeinsam angestrebten Agenda wiederfinden. Das eine schließt das Andere nicht aus.

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4 Comments

  • sokrates

    Hallo Leute,
    ich finde euer Engagement ja bewundernswert aber es geht doch an der Realität vorbei.
    Wenn man das Verhalten von Gates, Buffett und Konsorten infrage stellt, greift der Gedanke doch eigentlich nicht weit genug.
    Die Realität ist doch, dass diese Leute das Produkt einer „Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft“ sind. Wir alle sind doch jederzeit bereit, zum eigenen Wohl, sozialen Aufstieg und für Besitz, über Leichen zu gehen. Ob es die Beförderung im Job ist, die mehr Geld verspricht oder jedes andere Angebot das die gesellschaftliche Position, Ansehen und Akzeptanz verbessert. Hierfür Lügen wir, was das zeug hält.
    Wir rechtfertigen es damit, das wir Verantwortung haben für die Frau, die Kinder, das Haus, den neuen Wagen oder was auch immer.
    Aber letztlich bleiben alle Eigenschaften auf der Strecke, die uns eigentlich zu dem machen, was wir sind. Mitgefühl, Loyalität, Vertrauen und vieles andere. Wir machen einfach ein Preisschild darauf und hoffen darauf, das jemand bereit ist, die Summe zu bezahlen.
    Wer aber etwas ändern will, muss das gesellschaftliche System und seine Funktionsweisen von grundauf ändern. Aber genau das wird nicht passieren, da dies immer am Widerstand einer Gesellschaft scheitern wird, die das oben kritisierte Verhalten aber immer nur bei Anderen bemängelt. Einer Gesellschaft die sich zeitgleich selbst über Besitz, Bewunderung und Sozialstatus definiert und damit den Wert des Einzelnen in und für die Gesellschaft bestimmt.

    Letzten Endes bleibt also nur eines festzustellen.
    Kritik ist gut, aber nur dann, wenn Sie die richtigen Fragen stellt und darauf Antworten sucht.

    – Weltweit sterben Menschen an Krankheiten und Ursachen die als Heilbar gelten.
    Aber Maßnahmen dagegen sind zu teuer.
    – Weltweit erblinden Menschen wegen Vitamin-D-Mangel.
    Aber Maßnahmen dagegen sind zu teuer.
    – In unserer Welt existieren noch immer Menschen- und Organhandel
    Aber Maßnahmen dagegen sind zu teuer.
    – Weltweit sterben jeden Tag Menschen am Hunger, obwohl wir doppelt so viel Essen produzieren, als Menschen existieren.
    Aber Maßnahmen dagegen sind zu teuer.
    – Wir erklären Wissen und Bildung zum Allgemeingut und trotzdem kostet sie Geld und schließen so überall Menschen davon aus.
    Aber Maßnahmen dagegen sind zu teuer.

    Fällt hier jemandem was auf ???

    Die Frage sollte doch also lauten: Sind Geld und Ökonomie unveränderliche Naturgesetze ?

    Beides wurde und wird doch von uns gemacht. Aber niemand stellt das ganze in seiner Grundsätzlichkeit in Frage.

    Weil Maßnahmen dagegen zu teuer sind und wir uns das nicht Leisten können ?!!?!?!

    Sorry wenn ich also statt auf den Artikel zu reagieren, die Grundsatzfrage stelle, da die Frage die sich aus dem Artikel stellt, nur eine Behandlung der Symptome darstellt, aber nicht das Problem ansich beseitigt und daher zu einer „Never- Ending- Story“ führt.

    Comment | 12. August 2010
  • Olaf

    Und es heißt immer noch „Wofür“ und nicht „Für was“

    Comment | 13. August 2010
  • Das stimmt – aber der Artikel bei naturgetr.eu hieß halt so, drum habe ich ihn auch so zitiert. :-)

    Comment | 13. August 2010
  • Maier

    Hallo sokrates,

    meine besten Gückwünsche für diese zutreffende Darstellung.
    Alles klebt an seinem Geld und Menschen sterben zuhauf, weil kaum jemand bereit ist in etwas zu investieren, wenn es keinen Gewinn abwirft.

    Comment | 15. August 2010

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