Es wird mal wieder Zeit, ein paar Worte über unser Geldsystem zu verlieren. Oder auch ein paar mehr. Die Finanzkrise schwappt derzeit hin und her – an dem einen Tag rauschen die Aktienmärkte in den Keller und die Analysten stellen sich hin und erzählen mit todernster Miene, warum es genau so kommen musste und weshalb die Probleme wirklich riesig sind. Am nächsten Tag steigen die Kurse wieder und die selben Flitzpiepen reden mit der selben Ernsthaftigkeit darüber, warum man gerade jetzt Aktien kaufen müsse und sowieso alles nach oben gehe. Dazu kommen dann die vielen Schlagworte, die dem Medienkonsumenten um die Ohren gehauen werden und für weitere Verunsicherung und Verwirrung sorgen (siehe Albrecht Müllers Artikel „„Märkte“, „Anleger“, „Schuldenkrise“, „Schuldensünder“, „Schuldenstaaten“, „Herdentrieb“ und andere Irreführungen“ auf den NachDenkSeiten) – und schon weiß der Bürger wieder nicht mehr, was eigentlich Sache ist und lässt sich herdentriebmäßig zu Gold- oder Immobilienkäufen treiben oder schimpft auf die „faulen Griechen“.
Das Geldsystem als solches gerät dabei sehr gerne aus dem Fokus der eingehenden Betrachtung (vermutlich nicht ganz unbeabsichtigt), dabei ist es fundamental wichtig für unser Wirtschaftssytem. Dennoch ist das Wissen über die inneren Mechanismen des Geldes in der Bevölkerung eher schwach ausgeprägt. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber bei mir wurde darauf weder in der Schule noch in der Uni wirklich intensiver, wenn überhaupt, eingegangen.
Der WDR 5 bemühte sich unlängst löblicherweise um etwas Aufklärung. In ihrer Reihe „Redezeit“ kam der Finanzwissenschaftler Franz Hörmann zu Wort und plädierte für ein Umdenken in Sachen Geld – „Unser Geldsystem ist mittelalterlich“. (HIER könnt Ihr den Beitrag als mp3-Datei herunterladen.)
Steht unser Geldsystem vor dem Zusammenbruch? Der Wiener Finanzwissenschaftler Franz Hörmann ist überzeugt, dass die Unwucht, die durch die Finanzkrise 2008 offensichtlich wurde, nicht mehr zu reparieren sein wird. Seine Kritik setzt daran an, dass das Geldsystem aus dem Mittelalter stammt und nicht wirklich funktioniert, weil es die Schaffung von Geld zu unabhängig von der Realwirtschaft macht. Geld dürfe nur noch für eine realwirtschaftliche Leistung entstehen. Hörmann plädiert für die Schaffung eines gesellschaftliches Zahlungssystem, das unabhänig von den Banken funktioniert. Und er sieht schon Ansätze, die für den Systemwechsel genutzt werden können.
Auch der regelmäßige Podcast „Alternativlos!“ von Frank und Fefe befasste sich in Folge 16 mit dem Geld und dem Goldstandard (mp3). Ebenfalls sehr hörenswert!
In der Sendung geht es um Geld, Währungen und Geldpolitik, mit einem kleinen Ausblick auf die digitalen Währungen eCash und bitcoin.
Edit: Auch der Faszination Mensch-Blog hat sich des Geldthemas gerade angenommen – „Unser System der Geldschöpfung ist zutiefst undemokratisch“.
Stefan Wehmeier
Größte anzunehmende Katastrophe
Es ging noch nie um die Frage, was unternommen werden muss, um die “Finanzkrise” zu beenden. Das dafür erforderliche Wissen war schon 1916 vorhanden. Die Alles entscheidende Frage lautet:
Welcher kollektive Wahnsinn ließ die Menschheit Massenarmut, Umweltzerstörung und Krieg in Kauf nehmen und heute vor der größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte (globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes) stehen, die von den “Verantwortlichen” noch gar nicht gesehen wird, statt schon seit vielen Jahrzehnten in allgemeinem Wohlstand auf kaum noch vorstellbarem technologischem Niveau in einer sauberen Umwelt und selbstverständlichem Weltfrieden zu leben?
Vor dem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation steht die Überwindung der Religion:
http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/08/die-7-plagen.html
Besucher01
Zwing einem ja keiner das ständig zu nutzen, genausowenig wie Facebookbuttons oder einen Blog aufzurufen. :-)
Martin Bartonitz
Selbst in der Lehre zum Bankkaufmann wird nicht gelernt, wie das Geld aus dem Nichts geschöpft wird. Mein Tochter ist seit 2 Jahren fertig mit ihrer Lehre, machte aber große Augen, als ich ihr das erklärte.
Alle meine Recherchen zu unserem westlichen Geldsystem zeigen mir, dass wir eigentlich einem einfachen System von Superreichen auf den Leim gegangen sind. Und das auch nur, weil unsere Art der Demokratie genau die Erpressung durch diese ermöglicht. Politiker, die sich dagegen gestellt haben, wie Lincoln oder Kennedy haben den Kürzeren gezogen. Und ich vermute, dass das nun alle Politiker früh genug erfahren und lieber die Füße stillhalten.
Wenn wir Bürger dagegen bei solch wichtigen Entscheidungen, wie das Geld zukünftig zu schöpfen ist, beteiligen, nehmen wir unsere Politiker aus der Schusslinie. Denn sie setzen dann ja nur noch um, was wir entschieden haben. Siehe auch den Link auf meinen Blog-Artikel am Ende des Artikels.
brody
mittelalterlich …. schön wärs, ich würde den “ewigen Pfennig” als gar nicht so unmodern finden.
grüsse