Nov
02
2010

Surftipps: Postwachstumsgesellschaft – Transformation statt Wachstum

Dass ich Wirtschaftswachstum um jeden Preis nicht für die seligmachende Lösung der Probleme dieser Welt halte (wie „unsere“ Politiker in Berlin und anderswo), habe ich ja in meinem Blog schon des öfteren angemerkt. Gerade diese einseitige Fixierung auf permanentes, quasi ewiges (quantitatives) Wachstum, oftmals gemessen an so unsinnigen Indikatoren wie dem Brutto-Inlands-Produkt (BIP), auf das Schaffen von Arbeitsplätzen als alleinige Marschroute wirtschaftspolitischen Denken und Handelns, verhindert meines Erachtens vielmehr, dass andere, neue, zukunftsfähige und nachhaltige Konzepte aufblühen können. Ähnlich wie bei dem Unsinn mit der Atomkraft als „Brückentechnologie“ diese den Ausbau regenerativer Energien unterdrückt, erstickt das „Vorfahrt für Arbeit“-Konzept der Regierungen alternative Ansätze.

Glücklicherweise mehrt sich die Zahl der kritischen Stimmen, die das Wachstumsdogma der herkömmlichen Wirtschaftswissenschaften in Frage stellen und an einer „Postwachstumsökonomie“ arbeiten. So befasst sich die neue Ausgabe des Magazins Politische Ökologie ausschließlich mit dem Thema „Nach dem Wachstum“ und geht in seinem Doppelheft vielen spannenden Fragen nach, die sich in diesem Zusammenhang stellen:

In der politischen ökologie121/122 lesen Sie, was schrumpfen muss und was wachsen darf, damit der Planet eine menschenfreundliche Zukunft hat.

Das Diktat des immerwährenden Wirtschaftswachstums hat uns die Tragfähigkeit des Planeten weit überschreiten lassen. Trotz offensichtlichen Folgen wie Klimawandel, zur Neige gehender Ressourcen und großer sozialer Ungleichheit halten die meisten in Wirtschaft und Politik halsstarrig an ihrem Glauben am Wirtschaftswachstum fest. Doch die wachstumskritischen Stimmen werden lauter – und salonfähig. Eine vielfältige Schrumpfungs-Bewegung ist überzeugt, dass ein weiteres materielles Wachstum weder ökonomisch noch ökologisch möglich ist, und fordert ein anderes Denken und Handeln.

Die Autorinnen und Autoren der politischen ökologie121/122 beschäftigen sich mit den Fallstricken des Wachstumsdenkens und stellen alternative Entwicklungspfade vor.

_ Welche Auswirkungen haben schrumpfende Gesellschaften auf die Weltwirtschaft?
_ In welchem Verhältnis stehen Wachstum und Glück?
_ Welchem Grundsatz folgt die Blue Economy?
_ Was zeichnet eine Postwachstumsgesellschaft aus?

Tatsächlich beschäftigen sich mittlerweile auch vermehrt komplette Blogprojekte mit der Frage, wie eine Postwachstumsgesellschaft aussehen und wie eine Postwachstumsökonomie gestaltet werden kann. So ist der Blog „Postwachstumsgesellschaft – Konzepte für die Zukunft“ vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung ins Leben gerufen worden. Er soll das gleichnamige Buch von I. Seild und A. Zahnrt im Web begleiten – oder, mit deren eigenen Worten:

Liebe „Postwachstums-Interessierte“,

trotz zahlreicher wachstumskritischer Stimmen halten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an ihrer Orientierung am Wirtschaftswachstum fest. Große Teile der Bevölkerung stehen dieser Wachstumsorientierung skeptisch gegenüber, faktisch aber hat die bisherige Kritik in keiner Weise den starken Wachstumsglauben von Politik und Wirtschaft geschmälert. Dies dürfte, so die dem Buchprojekt „Postwachstumsgesellschaft. Konzepte für die Zukunft“ (Hrsg. I. Seidl, A. Zahrnt, Metropolis 2010) zugrunde liegende These, auch darauf zurückzuführen sein, dass zentrale Gesellschafts-, Politik- und Wirtschaftsbereiche sowie Institutionen (z.B. Altersversicherung, Staatsverschuldung) strukturell auf dieser Wachstumsorientierung aufbauen. Folglich müssten diese Bereiche und Institutionen stark umgestaltet werden, fände kein ständiges Wirtschaftswachstum mehr statt.

Die Konturen einer Postwachstumsgesllschaft

Der BLOG ist Teil der Homepage „postwachstum.de“ (respektive .at und .ch), die das Buch ergänzt. Alle 2 Wochen werden auf dem BLOG (blog.postwachstum.de) Beiträge veröffentlicht, die der Postwachstumsgesellschaft Konturen verleihen sollen. Die Artikel beleuchten aktuelle Themen, bieten wissenschaftliche Hintergründe oder zeigen existierende Beispiele einer Postwachstumsgesellschaft auf. Regelmäßig sollen auch Beiträge aus der Zivilgesellschaft veröffentlicht sowie der Blick auf „Postwachstumsprojekte“ in anderen Ländern gerichtet werden.

Zielpublikum: Menschen, die an Umweltfragen, Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung, Sozialpolitik und Zukunftsfragen interessiert sind insbesondere aus Wissenschaft und Forschung, Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft sowie PraktikerInnen, die Elemente einer Postwachstumsgesellschaft leben.

Themenbereiche: Konzepte, Ideen und praktische Ansätze zur Postwachstumsgesellschaft; Bereiche, die vom Wirtschaftswachstum abhängig sind oder dieses antreiben (z.B. Alterssicherungssysteme, Mobilität, Gesundheitswesen, Verteilungsgerechtigkeit, Unternehmen, Staatsfinanzen etc.); Umweltfragen; Wachstumskritik, aktuelle Wachstumspolitik.

Wir würden uns freuen, wenn Sie an der Debatte teilhaben und regelmäßig im BLOG vorbeischauen, über Anregungen und Kritik freuen wir uns natürlich jederzeit.

Lieben Gruß
Christoph Gran
(Webverantwortlicher „Postwachstumsgesellschaft“)

Postwachstumsgesellschaft. Konzepte für die Zukunft
BLOG: http://blog.postwachstum.de

HOMEPAGE: www.postwachstum.de | www.postwachstum.at | www.postwachstum.ch

In Zusammenarbeit mit: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (www.ioew.de) | Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (www.voew.de)

Und damit Ihr Euch auch nicht langweilt ;-) habe ich gleich noch einen weiteren Linktipp für Euch in petto – auch der Blog Postwachstum in Bewegung von Alexis J. Passadakis und Matthias Schmeltzer stellt Wachstumskritik und Auswege aus dem Dilemma, dass in einer begrenzten Welt unbegrenztes (quantitatives) Wachstum nun mal nicht machbar ist, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Schaut doch mal vorbei!

(…) In diesem Kontext nimmt ein neuer Zyklus von wachstumskritischer Debatte an Fahrt auf. Dabei gehen die Autor_innen des
Postwachstumsblog davon aus, dass Wirtschsftswachstum in den frühindustrialisierten Ländern des Nordens ein Problem für globale soziale Gerechtigkeit ist und nicht die Lösung – und dass Gleichheit und Gerechtigkeit heute nur sozial-ökologisch gedacht werden kann. Es geht also um eine solidarisch-demokratische Post-Wachstumsökonomie. Dieser Blog skizziert und kommentiert die laufenden Diskussionen um eine Postwachstumsökonomie. Gleichzeitig begleitet er die Planungen eines Kongresses zum Thema „Jenseits des Wachstums!?“ für das Frühjahr 2011 an dem Attac maßgeblich beteiligt sein wird.

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2 Kommentare »

  • Danke für die Linktipps. Ich hatte in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkt den Eindruck, dass sich die Erkenntnis breitmacht, dass es so nicht weiter gehen kann. Andererseits habe ich auch den Eindruck, dass sich diese Tendenz schon wieder abgeschwächt hat, seit überall “der Aufschwung” propagiert wird. Scheinbar geht es ja doch weiter im alten System und der Leidensdruck scheint abzunehmen.

    Umso wichtiger, dass es eine breite Diskussion darüber gibt, dass es auch anders gehen kann und letztlich auch muss. Denn unendliches materielles Wachstum in einer endlichen Welt ist nunmal nicht möglich und wird uns auch nicht glücklicher machen.

    Comment | 2. November 2010
  • [...] – like button',unescape(String(response).replace(/+/g, " "))]); }); Wie eine Postwachstumsgesellschaft aussehen könnte, kann heute niemand vorhersagen. Vermutlich wird es sehr unterschiedliche [...]

    Pingback | 1. August 2011

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