Mai
20
2009

Die Krake des Kommerz: Immer mehr Unternehmen bezahlen Blogger für geschönte Beiträge

wwwDie Glaubwürdigkeit und Freiheit des Internets ist seit jeher verschiedensten Gefahren und Angriffen ausgesetzt – neben den bekannten Ansinnen der Zensur und Sperre von missliebigen Websites zersetzt auch die fortschreitende Kommerzialisierung immer mehr den virtuellen Raum und zerstört die Werbefreiheit und damit auch Unabhängigkeit von Weblogs und Portalen. Mittlerweile werden ja beispielsweise auch bei Youtube Reklamebotschaften in einige Videos eingeblendet, und Myspace (seit jeher eine Werbeschleuder) nervt einen nach der Anmeldung nicht selten mit ganzflächiger Firmenpropaganda, zusätzlich zu dem sonstigen lästigen Bannergeblinke. „www“ steht bei solchen Seiten wohl für „weltweite Werbung“…

Besonders perfide ist die Strategie von manchen Firmen, sich die Glaubwürdigkeit, die Blogger durch ihr Schreiben erlangt haben, zu erkaufen und sie dafür zu bezahlen, geschönte Produktbeschreibungen und -lobpreisungen zu verfassen und im Web zu verbreiten. [via Grilleau] Pressetext.at berichtet aktuell über die derzeitige Entwicklung in den USA:

Einem aktuellen Bericht des Wall Street Journals zufolge hat diese Praxis in den Vereinigten Staaten inzwischen ein derartiges Ausmaß erreicht, dass die “Blogosphäre” um ihre Reputation bangt und die Federal Trade Commission (FTC) laut über die Einführung eigener Richtlinien nachdenkt, die Missbrauchsversuche verhindern sollen.

(…) “Im Gegensatz zum Internet haben Produktreviews in Magazinen oft das Problem, dass sie nicht als vollkommen objektiv angesehen werden. Bei User-generiertem Content ist die Gefahr, dass sich ein Autor eines Testberichts vom Hersteller kaufen lässt, nicht in dem Ausmaß gegeben”, erklärt der Brandflow-Geschäftsführer. Mit der Vorstellung, dass das Internet ein geschützter Bereich der Authentizität sei, könne es aber bereits in einigen wenigen Jahren vorbei sein. “Die Unternehmen versuchen immer stärker, diese Glaubwürdigkeitsbarriere zu durchbrechen und Meinungen, die online verbreitet werden, bewusst zu manipulieren”, betont Hübner.

Siehe dazu auch den Artikel in der Business WeekThe FTC takes on paid posts – The Federal Trade Commission wants bloggers to disclose when they’ve been wooed with cash or freebies from companies they cover“.

Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch an die Marketingabteilungen der Konzerne, die in ihrem Bestreben, auch noch den hintersten Winkel des Planeten durchzukommerzialisieren und jeden Menschen zu korrumpieren, offenbar niemals Ruhe geben. Übrigens habe ich auch schon zwei Anfragen von solchen PR-Leuten bekommen, die mir großzügig anboten, kostenlos einen Artikel für meinen Blog zu schreiben, wenn sie darin auf ihre kommerziellen Websites bzw. offenbar die von Kunden (z.B. ein Onlineshop) verweisen dürften. Das habe ich natürlich dankend abgelehnt.

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6 Kommentare »

  • Das ich nicht lache:
    Wie will man denn Richtlinien aufstellen, die den „kaufbaren Blogger“ unterbinden sollen?
    Sollen sich dann alle Blogger im ersten Schritt zertifizieren lassen um dann im zweiten Schritt einen Banner mehr auf das Blog stellen zu dürfen auf dem „nicht verkäuflich“ steht?
    Oder werden Blogger dazu aufgefordert in Zukunft jede unseriöse Anfrage 1. zu melden und 2. zu veröffentlichen?
    Kann mir nur schwer vorstellen, dass es für Probleme dieser Art eine Lösung gibt.

    Comment | 20. Mai 2009
  • Ich wüsste auch nicht, wie das funktionieren soll, ohne dass es in eine riesige Bürokratisierung ausartet… und selbst dann wird’s nicht gehen… schließlich klappt die Zurückdrängung des Kommerzes in allen anderen Lebensbereichen ja auch schon nicht! Ich finde es jedenfalls deprimierend, dass sich Blogger für kommerzielle Zwecke missbrauchen lassen bzw. bewusst geschönte Berichte schreiben. Das käme mir nicht in den Sinn…

    Comment | 20. Mai 2009
  • Geld, Geld, nochmal Geld…hätte ich eine Alternative, ich würde es sofort abschaffen.

    Bei meiner Suche nach Gleichgesinnten im Netz stieß ich ja mal auf ein Blog zum Thema Konsumkritik und Nachhaltigkeit, dass sich (tadaa!) selbst zum Verkauf anbot. Und ich hatte mir bis dahin eingebildet, dass Leute, die sich mit sowas auseinander setzen, noch etwas anderes im Kopf haben als Kommerz. Offenbar trifft das nicht auf alle zu.

    Comment | 20. Mai 2009
  • ebschu

    siehe dazu auch das Angebot von Berlelsmanns Arvato:

    http://www.presseportal.de/pm/19949/1406892/arvato_online_services

    Comment | 20. Mai 2009
  • Danke für den Link – boah, das ist ja widerlich!

    “Bei negativen Ergebnissen bietet arvato online services seinen Kunden die richtige Strategie, um dem aktiv entgegenzuwirken. Mit ihrem umfangreichen Portfolio können die Münchner Online-Experten zielgruppengenaue Marketing-Aktionen planen und durchführen und Unternehmen dabei helfen, die Eigendarstellung im Netz kontrollieren und steuern zu können.”

    Comment | 20. Mai 2009
  • Bei der Gelegenheit möchte ich auf zafikal (immer in ultra-hipper Kleinschreibung und fett bitte), die völlig nutzlose Werbeplattform im Internet, hinweisen.
    Andere Anbieter mussten sich schon zigmal umbenennen. zafikal (immer in ultra-hipper Kleinschreibung und fett bitte) heißt schon seit 2007 so. Und existiert immer noch!!!EINSELF!
    Aber unbedingt noch heute vor Mitternacht http://zafikal.de/ besuchen. Wegen einer exorbitanten Propagandaaktion sieht die Seite ab Montag nämlich ganz anders aus.

    Comment | 24. Mai 2009

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