Aug
21
2011

Berliner FDP-Busting (+ Vollgas für Jörg Haider)

Hurra, endlich darf wieder gewählt werden! Diesmal sind die Berliner die Glücklichen, die in den Genuss eines intensiven Wahlkampfs kommen – von Werbeagenturen ausbaldowerte Slogans werden den Bürgern in derselben Form, wie man auch Waschmittel und Schokoriegel in den Abverkauf bringt, angepriesen und komplexe politische Inhalte mundgerecht zu Simpelparolen runtergebrochen. Dazu Hochglanzfotos von Politikern, ein bisschen Signalton-Farbe, und fertig ist die Politik zum Anfassen und Plakatieren. Dass dabei – genau wie bei „richtiger“ Reklame für Konsumprodukte – vieles verschwiegen, manches verbogen und so einiges dreist behauptet wird (im Wissen, dass es in der Realität doch nicht umsetzbar ist), sind wir ja alle schon längst gewohnt; von daher frage ich mich sowieso immer, ob sich tatsächlich irgend jemand noch von den Konterfeis, die da am Straßenrand stehen oder großflächig von Häuserwänden herab lächeln, überzeugen und in seiner Wahlentscheidung beeinflussen lässt.

Aber dem scheint ja so zu sein, wenn man den Schilderwald betrachtet, der alle paar Jahre die Städte überzieht. Bei der plötzlich anschwellenden Masse an Plakaten ist es kein Wunder, dass auch die Reaktionen aus dem Volk heftiger ausfallen und man auf die der Reklame eigene Einbahnstraßen-Kommunikation mit entsprechenden Mitteln antwortet. Sei es mit dem klassischen aufgemalten Schnurrbärtchen oder dem Abreißen von Plakaten radikaler Parteien – ganz ohne Reaktion gehen Wahkämpfe selten ab. Vor allem in letzter Zeit gab es dabei auch immer wieder sehr schöne Adbusting-Aktionen, über die ich auch in meinem Blog hin und wieder schrieb (z.B. bei den NPD-Plakat-Remixen in Dresden).

Aktuell gibt es nun auch schöne „Korrekturen“ von Wahlplakaten in Berlin, wie Bleib passiv! in „Wahlplakate-Busting: Berlin-Wahlkampf 2011“ zu berichten weiß. Dabei ist bereits das Ausgangsplakat der FDP ein Musterbeispiel dafür, was passiert, wenn eine gesichtslose, stromlinienförmige Partei sich von einer vermutlich hippen und teuren Werbeagentur eine genauso gesichtslose und durchgestylte Kampagne hinklatschen lässt. Schon das Motto „Die neue (FDP) Wahlfreiheit“ ist völlig sinnentleert, denn es ist ja nun nicht so, als stünde die FDP nicht bereits seit Jahr und Tag als Alternative auf dem Wahlzettel; und „neu“ ist bei der FDP auch nichts. Auf jeden Fall ergibt das geadbustete Wahlplakat auf dem Alexanderplatz sehr viel mehr Sinn als der verlogene Kram vorher:

Auch weitere nette Beispiele, z.B. von Die Partei, die das abstoßende „Gas geben“-Plakat der NPD entsprechend korrigierte und mit dem Konterfei von Jörg Haider versah, sind im Bleib passiv!-Artikel zu sehen:


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Kommentare: 6 | Adbusting,Aktionen,Politik | Schlagwörter: , , , , |

6 Kommentare »

  • Mütze

    Ja, sehr geil. Jedes Mal, wenn ich über die Friedrichstr. zur Arbeit fahre, muss ich über die Slogans der Parteien lachen, die so stumpf und unbedeutend an den Laternen hängen.
    Aber diese Adbustgeschichten sind mir leider noch nicht über den Weg gelaufen. Werde ich demnächst mal drauf achten.

    Comment | 21. August 2011
  • Da muss sich doch gleich einmal Wien zu Wort melden, lieber Peter. Das mit dem “Jörgl” schön und gut, aber es wäre sinnvoller gewesen, sich mit den aktuellen braun-blauen Fäkaldämpfen auseinanderzusetzen. Besonders “unser” hoch verehrter HC Strache und seine leuchtenden Blaupausen Königshofer oder eine meiner absoluten Lieblingspolitikerinnen Barbara Rosenkranz, nicht zu vergessen natürlich der ehrenwerte Kärntner Uwe Scheuch, würden sich hervorragend für solch schöne Aktionen anbieten und sicherlich ihr Konterfei gerne zur Verfügung stellen. Man denke nur an jene sagenhafte Drei Bier-Bestellung des blauäugigen Herrn Strache oder seine “Mehr Mut für unser Wiener Blut”-Einsätze im Dienste der Menschheit.
    Ich praktiziere das selbst gerne auf meinem Blog, verweise aber dabei auf meinen hoffentlich interessanten Artikel http://freie-zeit.at/2011/06/04/barbara-rosenkranz-ladt-zur-sonnwendfeier/, welchen sich auch Menschen außerhalb Österreichs einmal ansehen sollten. Solch politische Leuchtfeuer lassen dementsprechend in meinen Augen auch Herrn Haider verblassen.
    Liebe Grüße aus Wien mit der schönen blauen Donau und anderen weniger schönen blauen Seitenarmen, welche leider unser kleines Land gehörig verschmutzen.
    Paul

    Comment | 21. August 2011
  • Ich habe eine ganz einfache, dafür aber um so sinnvollere Lösung für dieses Problem, das uns nicht nur zu Wahlzeiten, sondern jeden Tag aufs Neue in Zeitungen, Zeitschriften, im Rundfunk und Fernsehen und natürlich im öffentlichen Raum überall belästigt:

    Werbung verbieten und abschaffen. Punkt. :-)

    Sie hat keinen Nutzen für die Menschen, sondern führt sie gezielt in die Irre und begünstigt einseitig jene “Marktteilnehmer”, die sie sich überhaupt leisten können – trägt also wesentlich zu einer totalen Verzerrung der “Märkte” bei. All die “kreativen Köpfe” der PR- und Werbeagenturen könnten doch sicherlich wesentlich sinnvollere Beiträge zur Kultur der Menschheit schaffen, wenn sie nicht ständig davon abgelenkt wären, weil sie sich dümmliche Plakate, Anzeigen und Filmchen zur Lobpreisung von Klopapier, der FDP oder albernen Luxuskarossen aus den weichen Hirnen pressen müssten. Oder? ;-)

    Comment | 22. August 2011
  • @ Charlie: Das kann ich so unterschreiben! :-)

    Comment | 22. August 2011
  • Lieber Peter und andere,

    für Leute, die sich nicht von systemdynamischen Formalismen abschrecken lassen, stellt Tom unter http://blog.metasd.com/2011/08/thinking-about-stuff da, welche Teufelskreise es beim Konsum gibt bzw. wie man diese Kreise mit dem richtigen Vorzeichen umgesetz zu großen Befreiungsschlägen werden können. Wichtig dabei zu wissen ist, dass -*-=+ und -*+=-, etc.

    Comment | 22. August 2011
  • ‘Leider’ gibt es Plakate, die sind schon so dermaßen infantil, dass sie nicht mehr karikiert oder kreativ ‘verbessert’ werden können. Dazu zählte die “sorgende” und “arbeitende” Renate. Falls dies das Niveau der Wähler beschreibt, graust’s mir.
    http://gruene-berlin.de/wahl2011/kampagne

    Comment | 28. August 2011

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