fake_wax_sealDas passt ja hervorragend zu meinen beiden Grundsatzartikeln über die zerstörerische Wirkung der Discounter – die Süddeutsche Zeitung berichtete in „Firmen legen Kunden rein und verdienen damit Geld. Tricksereien kosten“ unlängst über ein Gerichtsverfahren gegen Lidl, die für ihre Billigmatratzen mit einem veralteten Gütesiegel geworben hatten und jetzt einen (allerdings kleinen) Teil ihres damit gemachten Gewinnes abgeben müssen: 25.000 € von geschätzten 400.000 €. Das wird der Konzern sicher leicht verschmerzen können, aber die Tatsache, dass einer dieser Billigheimer für seine Tricksereien tatsächlich mal, wenn auch letztlich nur im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung, belangt wurde, ist doch sehr erfreulich. [via Sprusko]

Allerdings werden Verbraucherschützer auch künftig nicht flächendeckend unrechtmäßig erworbene Gewinne abschöpfen können. Dazu sind die juristischen Hürden zu hoch. Denn die klagenden Verbände tragen das volle Prozessrisiko – und das kann bei einem hohen Streitwert schon mal existenzbedrohend sein. Zudem würde bei einem Sieg vor Gericht der Betrag, der von einer Firma abgeschöpft würde, nicht an den Kläger gehen, sondern vielmehr an den Staat.

Das Werben mit nicht mehr zutreffenden oder gar erfundenen Siegeln, z.B. der Stiftung Warentest, hat übrigens leider nicht nur bei Discountern Methode, wie der tz-Bericht „Die Tricks der Schummler“ zeigt:

Eine gute Note bei den Tests ist für viele Verbraucher ein wichtiges Kaufargument. Die Unternehmen versprechen sich durch die Gütelsiegel auf ihren Produkten einen erhöhten Marktanteil. Doch zunehmend wird mit den Testergebnissen auch Schindluder getrieben: Bei der Werbung kommt es wiederholt zu Schummeleien mit dem Gütesiegel, berichtete das ZDF-Magazin „Wiso“. So bewarb ein Elektronikmarkt zum Beispiel ein Navigationsgerät als „Testsieger“, das gar nicht getestet worden war. Oder Autositze undMatratzen wurden mit alten Testurteilen aus den Jahren 2004 und 2006 beworben, obwohl es im Jahr 2007 einen neuen Test gab.

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