Feb
03
2010

Britisches Militärlabor sprengte lebende Schweine zu Forschungszwecken in die Luft

norwegian_pig

© jannbr, stock.xchng

Eigentlich sollte man sich ja über nichts mehr wundern, was menschliche Ignoranz und Grausamkeit angeht, schon gar nicht, wenn es ums Militär geht. Dennoch sorgte diese Schlagzeile dann schon für Wutaufwallungen, nicht nur bei mir: „Britisches Militärlabor sprengte lebende Schweine zu Forschungszwecken in die Luft“:

Tierversuche zu Forschungszwecken, die die Wirkung von Medikamenten, Kosmetika und anderen Einflüssen auf den menschlichen Organismus untersuchen, sind grausam und durch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu unserem Wohl zu rechtfertigen. Der Mensch als selbsternannte Krönung der Schöpfung hat diesen Begriff nicht verdient, denn solche Versuche sind nichts anderes als eine unbeschreibliche Tierquälerei.

Dass man jedoch zu Forschungszwecken lebende Schweine in die Luft sprengte, um Auswirkungen von Explosionen auf den Organismus zu untersuchen, kann man nicht glauben. Nach Angaben der Times in der online-Ausgabe vom 24.Januar wurde von derartigen Versuchen berichtet. Diese perversen, sadistischen Untaten kommen aus der militärischen Ecke und sollen sich im Jahr 2002 ereignet haben.

In dem geheimen militärischen Forschungslabor Porton Down der britischen Regierung bei Salisbury in Wiltshire, dass während des Ersten Weltkrieges, 1916, zur Forschung der chemischen Kriegsführung mit Giftgas und chemischen Kampfstoffen gegründet worden war, wurden lebende Schweine mit Sprengstoff getötet, um in der “Simulation” die Auswirkungen auf in die Luft gesprengte Ziele von terroristischen Angriffen zu untersuchen, hiess es.

Die Schweine wurden extra mit einer weissen Haut gezüchtet, um der menschlichen näher zu kommen und die Versuchsergebnisse somit authentischer zu erhalten.

In einer Reihe von Tests in dem biologischen und chemischen Forschungszentrum in Wiltshire wurden achtzehn grosse Schweine in Schutzdecken gehüllt und weniger als drei Meter davon entfernt Bomben gezündet. Die Schutzdecken sollten wahrscheinlich Kleidung ersetzen. Die Wissenschaftler liessen die Schweine bis zu einem Drittel ausbluten, um zu sehen, wie lange sie am Leben gehalten werden konnten. Die Schweine wären betäubt gewesen und keines hätte überlebt.

Bevor die Tiere in die Luft gesprengt wurden, hatte man ihnen Rohre in die Blutgefäße und Blasen eingefügt und ihre Milz war entfernt worden. In ein grosses Blutgefäss im Unterleib hatte man einen Draht hineingesteckt, der während der Explosion zerrissen wurde. (…)

Allerdings erscheint es auch wieder etwas verlogen, wenn Leute sich nur über solche Sauereien (entschuldigt das Wortspiel) und über Tierversuche zu kosmetischen Zwecken  erregen, nicht jedoch an die tagtäglich millionenfach im Namen des ungebremsten und möglichst billigen (danke, McD!) Fleischkonsums denken und an den dort herrschenden „normalen“ Verhältnissen der industriellen Tierausbeutung Anstoß nehmen.

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4 Kommentare »

  • m.ro

    Puh, schwerer Tobak. “Arme Sau” – sozusagen. Eine mir unverständliche unmenschliche (=menschzentrierte) Weltsicht. Genau dieses Welt- und damit auch Selbstbild bringt uns soweit, wie wir jetzt eben sind. Die Natur und Kultur werden zerstört, ausgebeutet und lediglich was in Geldeinheiten meßbar ist, hat einen Wert.

    Ich bin der Ansicht, dass so mancher Science-Fiction-Film, in dem die Menschheit ausgerottet werden soll, sogar pädagogischen Nutzen haben kann. Dann nämlich wenn dieser Perspektivenwechsel zur Einsicht führt, dass alles miteinander verknüpft ist. Wir zwar uns empathisch mit den Menschen im Film fühlen und nicht wollen, dass wir von den Aliens getötet, versklavt oder ausgerottet werden. In unserer Welt sind wir selbst aber die Aliens, die die Zusammenhänge und den Wert der Natur nicht verstehen und zu würdigen wissen.

    Comment | 3. Februar 2010
  • Darüber kann man einfach nur den Kopf schütteln. Ruft gerade zum Einen komplettes Unverständnis, aber zum Anderen auch Wut bei mir hervor.
    Der Mensch erkennt einfach so lange nicht was er an der Natur hat, bis die Natur genug von ihm hat.
    So vermessen zu glauben, dass wir die “Krönung der Schöpfung” sind wird früher oder später nochmal unser Untergang sein…

    Comment | 3. Februar 2010
  • Olaf

    Ich musst vorhin zwei Mal hinsehen, ob das ein Scherz sein sollte. Dann fiel mir ein, dass die Österreicher vor kurzem 29 Schweine unter einer Lawine begraben haben, um die Überlebensfunktionen in einem solchen Fall zu testen.

    Die tägliche Nahrungsaufnahme ist natürlich die wesentlich wichtigere Sache, aber mantra-artiges Wiederholen hat in Deutschland wenig Erfolg. Du kannst noch so oft sagen, die FDP hat einen Schaden und trotzdem wird sie gewählt ;-) Meine Uni beherbergt zum Glück Ökotrophologen, die einem auch anderes “besseres” Essen näher bringen, so sie denn können.

    Comment | 3. Februar 2010
  • m.ro

    Mir ist grad noch ein passendes Zitat zu meinem Beitrag eingefallen:

    “Wir sind, um es einmal so zu formulieren, eigentlich nur die Neandertaler von morgen.”
    (Hoimar von Ditfurth)

    Comment | 4. Februar 2010

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