Verursachen Elektroautos die nächste Umweltkrise?
Passend zu meiner Buchbesprechung von „Asphalt Nation“ neulich, in der es um die vielen Nachteile unserer Autokultur ging, stieß ich jüngst auf einen Artikel auf Utopia, der die interessante Frage aufwirft: „Verursachen E-Autos die nächste Umweltkrise?“. Denn gerade von den Grünen, aber auch von breiten Kreisen der Industrie, werden Elektroautos als DIE ultimative Rettung der Welt dargestellt. Was dabei in den Hintergrund gerät – ist das mit dem Automobil verbundene Konzept des grenzenlosen Individualverkehrs mit all seinen Problemen (von denen die Abgase noch die geringsten scheinen) überhaupt zukunftsfähig, sollte man hier nicht eher versuchen, Kreativität, Energie und Geld in ganz andere Lösungen zu stecken? Regierungen, die Milliarden € in Abwrackprämien pumpen, sind wohl offensichtlich noch ganz im alten Denken verhaftet, von dort darf man keine entscheidenden Impulse erwarten.
(…) Die Krux aber ist: Elektroautos sind gar nicht so umweltfreundlich, wie viele Hersteller tun. Vor allem die Entsorgung der rohstoffaufwendigen Lithium-Ionen-Batterien ist ein Problem. Auf genau diese Akkus setzt die Industrie derzeit für E-Autos, weil sie leistungsstärker sind als andere Batterien. Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck findet, dass die Industrie mit ihren E-Autos zu kurz denkt. Ein Rechenbeispiel, das er anstellt: Eine E-Autobatterie wiegt um 200 Kilo. Sollte das E-Auto in 20 oder 30 Jahren massentauglich werden, würden dann jährlich 50 oder mehr Millionen Batterien anfallen, also jährlich zehn Millionen Tonnen Abfall! (…)
(…) Aber nicht nur die Entsorgung der Batterien ist ein Problem. Die Produktion der leistungsstarken Akkus ist besonders ressourcenaufwendig. Lithium ist zudem nicht endlich, wie etwa die Deutsche Umwelthilfe betont. In zehn, zwölf Jahren könnten die weltweiten Lithium-Vorkommen bereits aufgebraucht sein. Gewonnen wird es zum Beispiel in Ländern wie Chile, Bolivien und China. Die Abbaumethoden im großen Maßstab bedeuten Raubbau an der Natur – von den Arbeitsbedingungen für die Menschen vor Ort einmal ganz zu schweigen. (…)
(…) Greenpeace-Verkehrsexperte Lohbeck bringt das Dilemma mit den Elektro-Autos auf den Punkt: „Der Elektroweg ist dann genauso wenig nachhaltig, wenn lediglich das Element Antrieb ausgetauscht wird in einem ansonsten vollkommen unnachhaltigen Konsumgut: einem Auto, das zur Beförderung von – sagen wir mal – 100 bis 200 Kilo Nutzlast (Mensch mit Aktentasche oder was auch immer) bis zu zwei Tonnen oder mehr Gewicht an Kunststoff, Aluminium und anderer ‘toter’ Last befördert. Da ist es langfristig vollkommen egal, ob so ein Missverhältnis auf einem effizienten Verbrennungsantrieb basiert oder auf Elektro.“
Auf Utopia läuft derzeit eine entsprechende Debatte darüber – hier wird eher (wie so oft) auf die technischen Entwicklungen abgezielt, beispielsweise dass Lithium-Recycling inzwischen, entgegen den Angaben in obigem Artikel, sehr wohl möglich ist. Einer generellen Hinterfragung dieser Form der Mobilität stellen sich die meisten lieber nicht… (Ausnahme: ein User analysiert in seinem Beitrag die Vorteile von Straßenbahnen gegenüber Bussen & Autos)
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8 Kommentare »
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und selbst wenn, dann wird das lithium eben erstmal aufgebraucht, im gegensatz zum erdölabbau wird die umweltzerstörung die dabei entsteht wohl eher marginal sein..
Naja… wie schon gesagt verursacht allein die Produktion der Autos (egal mit welchem Antrieb) erhebliche Umweltschäden und Ressourcenverbrauch. Von den ganzen anderen Nachteilen der Autokultur halt ganz zu schweigen.
Wie vermutet, der selbe Mist wie mit Biodiesel. Insofern hat die FDP Recht mit ihrem Bestreben, so etwas nicht mehr zu subventionieren zu wollen. (Keine Ahnung, ob die Christdemokraten dass auch wollen)
Ich denke ja schon, dass die E-Autos im täglichen Betrieb weniger schädlich sind als Diesel oder Benzin-Motoren, aber, wie gesagt, die Lösung kann’s halt auch nicht sein.
Vor einiger Zeit habe ich einen Vortrag von Hermann Knoflacher mit dem Titel Fahrzeug – Gehzeug – Stehzeug gehört.
Kernaussagen zur Problematik des automobilen Individualverkehrs sind, dass der enorme Platzverbrauch von Autos (Parkplätze, Garagen, breite Straßen) für eine Überfüllung und somit zu Staus führt und damit aus dem Fahrzeug ein Stehzeug wird. Der Platzverbrauch und die Verfügbarkeit des Autos sorgen zudem für weitere Wege was das Verkehrsaufkommen weiter steigert und die Problematik insgesamt verschärft. Ein Beispiel sind die Einkaufszentren die in Gewerbegebieten vor der Stadt liegen und nur per Auto erreichbar sind. Lokale Geschäfte könnten hingegen ein autofreies Einkaufen ermöglichen.
Das Gehzeug ist ein Demonstationsmittel für den Platzverbrauch von Autos. Es ermöglicht einem Fußgänger den selben Platzverbrauch wie ein Automobil einzunehmen.
Ziel ist es eine Welt der “kurzen Wege” zu schaffen, anstatt nach Lösungen zu Suchen immer längere Strecken zu überwinden. Da letzteres zu immer längeren Strecken führt.
Weitere Links zu diesem Thema sind:
http://www.fairkehr.net
http://www.zeit.de/2007/38/Interv_-Knoflacher
http://www.ivv.tuwien.ac.at/fileadmin/mediapool-verkehrsplanung/Institut/Das_Gehzeug_oder_Why_do_not_do_it_in_the_road_09.pdf
Ja, das klingt alles sehr gut & vernünftig, danke für die Links. In “Asphalt Nation” (siehe meine Rezension hier im Blog) werden diese Themen & Lösungen auch angesprochen. Hoffen wir mal, dass ein Umdenken stattfindet – es sieht ja nicht danach aus…
[...] Kritische Gedanken zur Umweltverträglichkeit von Elektroautos – konsumpf.de. [...]
Das Elektroauto ist sicher nicht perfekt, aber immer noch besser als der Benziner. Langfristig wird sich wohl die Brenstoffzelle durchsetzen.