Sep
20
2009

Die Auferstehung des Kapitalismus – Hintergründe

Quasi im Nachgang zum schönen quer-Beitrag „Die Auferstehung des Kapitalismus“, den ich Anfang der Woche postete, möchte ich Euch noch zwei weitere Beiträge ans Herz legen – zum einen „Opel, Karstadt & Co. – Staatsknete, wer will noch mal? Wer hat noch nicht?“, den quer drei Monate zuvor ausstrahlte und der klar macht, wieso „der Kapitalismus“ scheinbar wieder rund läuft und wie weit es um die angeblich so freie Marktwirtschaft hierzulande so bestellt ist.

Die große Koalition hat Opel gerettet, und schon fragen in Berlin mehr als tausend weitere Unternehmen ebenfalls nach Staatsgeldern. Gespräche mit dem Karstadt-Mutterkonzern Arcandor hat die SPD bereits angekündigt, und auch wenn Kanzlerin Merkel dem Unternehmen wenig Hoffnung macht, scheint in der Großen Koalition das „Helfersyndrom“ regelrecht um sich zu greifen …

Die vom „Helfersyndrom“ befallenen Politiker helfen reflexartig, und zwar auch dann, wenn dabei die „Grenzen des Möglichen außer Acht gelassen werden oder die Hilfe gar nicht sinnvoll ist“.

Genau: wollen die Bürger, die nicht bei Opel oder Karstadt arbeiten, die Hilfsbereitschaft der Regierung überhaupt? Lösungen wie in den USA, wo Barack Obama entgegen dem Trend in Meinungsumfragen General Motors in die Insolvenz gehen lässt, scheinen hierzulande in Wahlkampfzeiten zumindest bei Politikern unpopulär.

Zum anderen befasste sich auch der WDR in der Sendung markt ganz aktuell mit den Vorgängen rund um die (Landes-)Banken „Bad Bank: Deponie für Giftpapiere“ – man kann das, was da geschieht und geschehen ist, wohl ruhigen Gewissens als Skandal und einen Betrug am Bürger bezeichnen. Möglich gemacht durch die herrschende Politik, daran sollte man bei der bevorstehenden Bundestagswahl denken, bevor man irgendwo unbedacht sein Kreuzchen macht. ;-)

Wenn die WestLB also davon spricht, dass die Risiken aus der Bank seien, dann bedeutet das nichts anderes, als dass sie nun bei den Eigentümern sind, in der Hauptsache also beim Land und den Sparkassen. Und das bedeutet, dass letztendlich der Steuerzahler diese Risiken tragen muss – über den Landeshaushalt oder die Sparkassenverbände, die ja in kommunaler Trägerschaft sind, so Professor Thomas Hartmann-Wendels. Laut WestLB sind bisher rund 300 Millionen Euro Verluste angefallen, die der Garantiegeber übernommen hat – also der Steuerzahler.

Wenn die Laufzeiten der Papiere enden, dürften die Verluste viel höher ausfallen. Denn nach wie vor sind die toxischen Papiere kaum verkäuflich, für sie gibt es praktisch keinen Markt. Stimmen unter den Eigentümern rechnen mit mindestens fünf Milliarden Euro Verlust – möglicherweise ist sogar alles weg.

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5 Comments

  • Nun, nicht wirklich neu und auch, wer hätte das gedacht, außerhalb des Krisengeschehens gesetzlich verankert. Aber dennoch gut, daß es noch mal als Wahlpunkt angesprochen wird. Bezweifele aber, daß Du die Reichweite des „tollen“ Zeit Artikels hast. Soweit zur neuen Medienmacht Internet.

    Comment | 20. September 2009
  • Boah, was für ein unverschämter, dreister und verlogener Artikel. Dass Die Zeit so tief sinken würde, nur um vor der Wahl noch mal Stimmung für die großen Parteien zu machen ist erschreckend. naja, Mainstreammedien halt.

    Comment | 20. September 2009
  • m.ro

    Puh, echt übel. Hab dann aber nach Seite 1 nicht mehr weitergelesen. Zum Glück habe ich kein Zeit-Abo mehr – das ist schon Jahre her. Sonst hätte ich jetzt Arbeit und würde sie abbestellen. Neeee, so echt nicht, liebe Zeit-Macher.

    Die Kommentare unter dem Artikel sind hingegen sehr lesenswert. Großer inhaltlicher Widerstand macht sich breit. Wenn es auch so bei der Wahl wäre *träum*…

    Gestern Abend kam übrigens ne geniale einstündige Sendung auf NDR: (K)eine Wahl: Loriot. Ein Zusammenschnitt von Parolen, Patzern und Polemik mit Loriot und den Politgrößen der letzten Jahrzehnte. Ganz toll fand ich die Montage: Loriots „Zwei Stühle, eine Meinung“ und entsprechend dazwischen jeweils Teile aus einer Rede von Helmut Kohl als auch Gerhard Schröder. Die haben echt haargenau das gleiche gesagt. Sahen nur anders, waren in einer anderen Partei und einem anderen Jahrzehnt. Super! Mehr davon! War von der Zapp-Redaktion.
    http://www3.ndr.de/programm/epghomepage100_sid-596677.html

    Evtl. wird sie ja wiederholt oder es hat sie jemand aufgenommen bzw. Premiumaccount bei OTR. Würd mich freuen über entsprechende Links.

    Comment | 20. September 2009
  • m.ro

    Ach herjee, weißt du was, Peter! Es ist weder ein unverschämter, verlogener noch dreister Artikel über die politischen Leistungen der Großen Koalition. Nein, wir haben einfach angefangen den Artikel zu lesen, sind vom Glauben an einen selbst denkenden Journalisten abgefallen und wundern uns nur noch über unkritische Medien. Aber nein, halt, viel zu schnell. Der Artikel sollte nie in der Rubrik „Politik“ der Zeit erscheinen. Nein, er war im Buch Kultur als SATIRE vorgesehen – lupenreine.

    Und wir sind drauf reingefallen *andenkopfpack*!

    Comment | 20. September 2009
  • Schön wär’s, wenn das als Satire gemeint wäre… Dabei erscheinen in der Zeit ja durchaus auch immer mal wieder lesenswerte Artikel…

    Comment | 20. September 2009

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