Feb
20
2011

zu Guttenberg – eine Lichtgestalt verblasst

© kc0nvi, stock.xchng

Brandaktuell und gerade in der gesamten Medienlandschaft heiß diskutiert sind die Plagiatsvorwürfe gegenüber „unserem“ Verteidigungsminister Karl „Xerox“ Theodor von Guttenberg. Normalerweise halte ich mich ja aus tagespolitischen Dingen raus, aber in diesem Fall will ich doch mal eine Ausnahme machen. Denn an der Person zu Guttenbergs kann man gerade mustergültig lernen, wie wirksam auch heutzutage mediale Propaganda ist. Quasi aus dem Nichts taucht dieser gegelte CSU-Protegée aus und schafft binnen kürzester Zeit, dass ihm die halbe Republik huldigt und er als der beliebteste Politiker des Landes gilt. Ohne wirklich etwas geleistet zu haben wird er von Gazetten wie der BILD, Bunte etc. zum neuen Halsbringer hochstilisiert, RTL II dreht eine Sendung mit seiner Frau, auf SAT1 darf er sich prominent zur besten Sendezeit als Feldherr produzieren – und erschütternderweise springen viele Menschen auf diese Show an, wie die sprichwörtlichen Pawlowsche Hunde. Auch ZAPP war dieser Rummel bereits einen Beitrag wert, der duchaus kritisch mit dem Medienzirkus ins Gericht geht:


Umso unpassender kommen nun natürlich die Enthüllungen, dass KTzG offenbar diverse Passagen seiner Doktorarbeit abgeschrieben oder leicht umformuliert hat, ohne sie als Zitat zu kennzeichnen – und das bei einer mit „summa cum laude“ bewerteten Arbeit. Natürlich kommen sofort die Beschwichtiger und Fans aus ihren Ecken und wiegeln ab, das sei doch alles nicht so schlimm, und so ein „bisschen schummeln“ sei ganz normal, das mache doch jeder, jeder macht mal Fehler usw. usf. Erstaunlich, wie gut das Ausblenden von dem eigenen Bild zuwiderlaufenden Informationen offenbar funktioniert, denn aus dem Unfehlbaren und adeligen Untadeligen wird ja nun plötzlich jemand, der sich mit falschen Federn schmückt. Ein Blender, ganz so, wie man es von Anfang anvermuten musste, wenn jemand so schnell nach ganz oben kommt. Interessant ist in dem Zusammenhang auf jeden Fall der Artikel der ZEIT – „Die Fehler des Herrn Guttenberg“ –, in dem auf die Plagiatsgeschichte nur am Rande eingegangen wird, dafür aber all die anderen Schwächen, die der Minister bisher gezeigt hat und über die seine Fans (und viele Medien) gerne hinwegsehen:

Der Verteidigungsminister habe seine Glaubwürdigkeit verloren, heißt es nun. In Wahrheit hat er das schon lange bevor die Plagiatsaffäre bekannt wurde. (…)

Das ist die Botschaft des Boulevards: Was sind schon ein paar geklaute Absätze? Und das Blatt hätte Recht, wenn es nicht den entscheidenden Rest des Gedanken verschwiege: Was sind schon ein paar geklaute Absätze verglichen mit all den Fehlern, die sich Karl-Theodor zu Guttenberg im Laufe seiner nicht allzu langen Karriere als Verteidigungsminister geleistet hat? (…)

(…) Guttenberg redet viel und urteilt schnell. Er widerspricht sich, informiert nach Gutdünken und stößt selbst Kabinettsmitglieder vor den Kopf. Das ist sein eigentliches Problem. Ein Problem, das unmittelbar seinen Job als Verteidigungsminister betrifft. Das tut die Copy-und-Paste-Affäre nicht. Es wäre eine Ironie der Geschichte, würde er ausgerechnet über sie stolpern.

Es wird interessant sein, zu sehen, ob die Bürger ihn am Ende doch noch die Treue halten und ihn all seinen Fehlern zum Trotz unerschütterlich als einen integren Ausnahmepolitiker wahrnehmen. Und man sieht auch jetzt, wie die Medien funktionieren, denn wo ein Skandal ist, wird sich natürlich genüsslich darauf gestürzt. Von daher ist man als Medienliebling immer nur Lichtgestalt auf Abruf. Siehe dazu auch den Beitrag in der FAZ „Die Studierstube ist seine Bühne nicht“:

Karl-Theodor zu Guttenberg: Nicht nur bei seiner Doktorarbeit, die jetzt wegen Plagiatsvorwürfen in heftiger Kritik steht, ist das Prinzip „Mehr Schein als Sein“ erkennbar. Ein Doktor-Typ ist Guttenberg schon von Natur aus nicht. (…)

EDIT: Auch sehr interessant der sehr kritische Artikel in der Süddeutschen Zeitung – „Der doppelte Karl-Theodor“:

(…) Gerade die Guttenberg’sche Schnellschuss-Masche birgt allerdings das Risiko, sich zu verrennen – und eilig korrigieren zu müssen. Dann springt der zweite Guttenberg ein: Er beteuert mit größter Ernsthaftigkeit im Grunde genommen das Gegenteil von dem, was der erste Guttenberg vehement vertreten hat. (…)

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9 Comments

  • Da zeigt sich der entscheidende Fehler von Dr c&p: er hat die Journalisten verprellt. Nun schreiben sie endlich die Wahrheit über ihn und reißen den Leuten die rosarote Brille vom Gesicht, die sie selbst ihnen aufgesetzt haben.

    Comment | 20. Februar 2011
  • Besucher

    Das sind so Situationen wo ich sehr froh bin die Mainstream Medien zu meiden. Ich habe diesen Politiker noch nie im Bewegtbild gesehen und kenne das Profil nur aus schriftlichen Zeitungsberichten. Erschreckend wie Medien einen Menschen verzerren und manipulieren können. In wie weit ist ein Politiker dann noch fähig seinem demokratischen Auftrag zu folgen? Oder betrifft das etwa uns alle?

    Comment | 20. Februar 2011
  • Pierre Mensah

    [b]Darüber lacht das Volk im ganzen Lande…[/b]
    während Roms Kaiser Caligula ein Pferd zum Senator gemacht hat, hat das Dr. Merkel, Deutschlands Bundeskanzlerin, einen Dr. Freih. Karl-Theodor Plagiatus zu Gutterberg-Münchhausen zum Verteidigungsminister der Nation gemacht.
    Wer zum Abschreiben zu dumm ist und dann auch nicht mal seine eigene Verteidigung auf die Reihe kriegt, müsste als Verteidigungsminister ja erst recht fehl am Platze sein.
    Und die Partei vom Abschreiber Karl Plagiatus schaut betreten drein und ist die Lachplatte des Milleniums. Na ja, man(n) gönnt sich ja sonst nix, gelle…

    Ein Dreifach Hoch auf unsere dumme Reichstagsbande!

    Da frag ich mich nun doch ernsthaft, wer ist jetzt eigentlich der grössere [b]Esel[/b] von den beiden?

    Und was sagen die alten Volksweisheiten eigentlich dazu?:

    * wer angibt, hats nötig…
    * wer einmal lügt, dem glaubt man nicht…
    * Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz…
    etc, etc.

    [b]Das[/b] muss wohl die „spätrömische Dekadenz“ sein, die Westerwelle meinte…

    Comment | 20. Februar 2011
  • ed saxum

    Und er hat es auch in deinen Blog geschafft. Er entlässt Leute aus seinem Amt wenn die Bild es verlangt das wollen de 12 Millionen Bild „leser“

    Comment | 20. Februar 2011
  • Sie werden sehen – der Mann ist noch für einige Überraschungen gut!
    Darum: Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!

    Comment | 20. Februar 2011
  • lacher

    der politiker ist das spiegelbild seiner waehler, bzw derjenigen die ihn installiert haben. zu glauben dass irgendwas dem zufall ueberlassen wird, oder „einfach so“ passiert, halte ich fuer naiv.

    Comment | 21. Februar 2011
  • urb

    An den wissenschaftfernen Stammtischen ist dem Xerox G. schon verziehen worden: Kopieren ist eine hochbewertete Kulturtechnik. Und wer hat schon was gegen ein bisschen Zusammensammeln? Ist doch eher schlau und ökonomisch, oder? Und entspricht dem heutigen Heldentypus, der für seinen Vorteil jeden Beschiss wagt.

    Aber über der ganzen Plagiatsdiskussion wird vergessen, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach überhaupt schon ein Betrug war, Guttenbergs Dissertation anzunehmen und dann auch noch mit Summa zu bewerten. Nach Expertenmeinung ist der wissenschaftliche Ertrag bescheiden, die Begriffe sind nicht hinreichend entfaltet, die wissenschaftliche Diskussion konnte weder überschritten noch überhaupt überblickt werden, Politsprech und Propaganda verunstalten jede Argumentation.

    Und dann klauen seinen hummeldummen Polit- und Schreibsklaven noch allen lesbaren Text zusammen, was letztlich heißt, dass wir, die Steuerzahler, ein Promotionsprojekt finanziert haben, bei dem nichts herauskommt als eine PR-Maßnahme für einen Selbstdarstellungsfreak! Na vielen Dank!

    Comment | 21. Februar 2011
  • Vanessa

    Also mal ehrlich bald werde ich meinen eigenen Staat gründen und mich mit echten Problemen auseinandersetzen, dass scheint mir sinniger als in unserer schönen Republik fröhlich über einen dämlichen dr. oder eben auch nicht zu diskutieren.

    Comment | 22. Februar 2011
  • Pierre Mensah

    Dr. Plagiatus ist zurückgetreten( worden).
    Na also, geht doch!
    Fazit:
    Wenn’s dem Esel zu gut geht, geht er auf’s Eis. Absaufen ist da vorprogrammiert – auch wenn der Esel Dr. Plagiatus heisst.

    Na ja, seine Rücktrittsrede war ja mal wieder ein amüsantes Schauspiel, denn für Heuchelei und dialektische Ablenkungsmanöver müsste er wirklich ein Summa Cum Laudem kriegen! – So ein notorischer Schönfärber!

    Doch zu Aller Bedauern hinterlässt er ein geknicktes Merkel, dem nun der Hosenanzug doch ziemlich zu kurz geworden ist. – Na, die Olle hätte Gutti doch auch gleich noch mitnehmen können…

    So, dann können wir ja alle wieder zum Normalalltag zurückkehren.

    Comment | 1. März 2011

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