Jan
24
2011

Sendet ARTE “Water makes money“? Der Wasserkonzern VEOLIA will einen unbequemen Film verbieten lassen

Diese Meldung der Neuen Rheinischen Zeitung will ich doch unbedingt weiter ins Licht der Öffentlichkeit zerren – vor einiger Zeit kam der kritische Dokumentarfilm „Water makes money“, der die zunehmenden Abhängigkeiten der Bürger und Kommunen von großen Wasserkonzernen wie Veolia oder Nestlé thematisiert, in ausgewählte Kinos. Arte will den erfolgreich gelaufenen Film am 22.3. auch ins Fernsehprogramm hieven – der in der Doku ebenfalls kritisch beäugte Konzern Veolia versucht diese Ausstrahlung nun aber mit juristischen Mitteln zu verhindern. Zensur mit den Mitteln von Wirtschaftsmacht und Justiz, das ist ja durchaus ein gängiges Mittel geworden… „Sendet ARTE “Water makes money“? Der Wasserkonzern VEOLIA will einen unbequemen Film verbieten lassen“:

Nach der bisher überaus erfolgreichen Verbreitung des Films “Water makes money“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz (Kernfilm), über dessen Hintergründe und Produktion die NRhZ von Oktober 2009 bis September 2010 berichtete (1), hat der dort kritisierte französische Konzern VEOLIA in Paris Klage wegen “Verleumdung“ eingereicht. Noch ist nicht klar, was man konkret den Filmemachern vorwirft. Der Konzern hat dennoch bereits erreicht, dass die französische Staatsanwaltschaft seinem Antrag stattgegeben und einen Untersuchungsrichter bestellt hat. Dieser lässt jetzt mit Hilfe eines auch auf Deutschland ausgeweiteten Rechtshilfeersuchens polizeilich ermitteln.

Der Film berichtet über die größten Wasserkonzerne und den Widerstand gegen sie. Er zeigt, wie die “Gelddruckmaschinen“ der Konzerne vor allem in Frankreich und in deutschen Städten wie Berlin oder Braunschweig laufen. Aber “Water makes money“ macht auch Mut und zeigt, was Menschen und betroffene Gemeinden aus der Herrschaft von VEOLIA & Co gelernt haben: Wasser in Bürgerhand ist notwendig und möglich! (…)

VEOLIAs Versuch, unliebsame Filme aus der Öffentlichkeit zu verbannen, hat bereits Tradition. Als Leslie Franke und Herdolor Lorenz es 2005 wagten, in einem mit dem NDR koproduzierten Film (“Wasser unterm Hammer“) über die Praxis der Geheimverträge bei der Teilprivatisierung der Berliner Wasserwerke aufzuklären, wurde der Konzern beim NDR vorstellig. Er erreichte (…) , dass der Film nicht mehr ausgestrahlt werden durfte. Und das, obwohl der Dokumentation kein einziger inhaltlicher Fehler nachgewiesen werden konnte. (…)

(…) Aufruf zur Solidarität

Dies wird ein Kampf David gegen Goliath. Selbst wenn Filmemacher und Verleih (und evtl. auch ARTE) in der ersten Instanz gewinnen, kann VEOLIA ohne öffentlichen Druck in die nächste gehen und wenn nötig in die über- und übernächste, meint der Filmverleih: “Für VEOLIA sind die Kosten solcher Verfahren Peanuts. Für Leslie Franke und Herdolor Lorenz kann das von Instanz zu Instanz potenzierte finanzielle Risiko aber ruinös werden.”
Deshalb ruft der Verleih auf: “Lassen Sie nicht zu, dass VEOLIAs Attacke auf “Water makes money“ unbeobachtet bleibt! Verhindern Sie, dass Großkonzerne Kritik an ihrem Geschäftsgebaren unterdrücken können! Verbreiten Sie die Infos über diese Attacke auf die Pressefreiheit über Ihre Netzwerke und Internetkontakte so weit Sie können! Nutzen Sie Ihre Kontakte zur Presse, um diesen Fall breit in die Öffentlichkeit zu bringen!” (…)

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4 Kommentare »

  • Das muss man sich wirklich mal überlegen:

    Wenn in Ungarn die Regierung die Pressezensur einführt, dann stehen auf einmal die ganzen lupenreinen Demokratien Westeuropas auf und sind empört.

    Aber wenn in ihrem eigenen Land die Kapitalisten für ungarische Verhältnisse sorgen (wie zum Beispiel auch dieser viel zu wenig beachtete Fall um Maschmeyer vom AWD, dann gibt es da keinen Aufschrei unserer Regierung. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Wenn es in Tunesien Straßenschlachten gibt, dann heißt es hier in der Presse: Die Bevölkerung würde sich gegen Unterdrückung wehren

    Wenn es in der BRD Straßenschlachten gibt, dann heißt es hier in der Presse: Chaoten hätten sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert.

    Diese Form der Selbstzensur deutscher Leitmedien braucht im Grunde gar kein ungarisches Gesetz… Wir bräuchten wieder mutige Journalistinnen und Journalisten, die nicht dem Verwertungszwang, sondern dem Aufklärungswert ihrer Artikel verpflichtet sind.

    Comment | 24. Januar 2011
  • Habnix

    Journalismus hängt meistens am Kapital aber das Internet gibt mir Hoffnung.

    Comment | 24. Januar 2011
  • Erstaunlich, das Nestlé nicht auch aktiv wird. Wahrscheinlich aus Angst ums Image nicht. Andererseits haben doch diese Firmen nicht mehr viel an Image zu verlieren, denn die Kernaussage stimmt: Water makes money.

    Nur Sonne, Luft und Wasser kosten nichts, hiess es doch einmal. Das Wasser kann man inzwischen getrost streichen. Hier der natürliche Kreislauf von Meer, Wolken, Niederschlag, Fluss, See, Meer – und da Multinationale, welche aus dem Grundstoff Wasser Kapital schlagen. Und sich dann jeder Kritik verweigern. Also grob und arrogant auftreten und wissen, dass sie das auch tun können. Da sie ja das Geld dazu haben, welches sie mit was verdient haben? Mit Wasser.

    Comment | 24. Januar 2011
  • Moin,
    da’s heute echt wie die Faust auf’s Auge passt:
    http://www.youtube.com/user/mikrofairkel#p/c/F37ABE989D355B18/0/cNYPA6-ZFUY
    Die Vorgänger-Doku (von den gl. Machern) ‘Wasser unterm Hammer’ ist seit Vorgestern auf unserem Mikrofairkel-YouTube-Kanal.
    Wer also nicht bis März warten will oder den Veolia-Film im Kino verpasst hat, bekommt hier schonmal ne Menge Infos.
    Ansonsten noch’n schönen Abend und Peter: bitte mehr solcher Steilvorlagen in Zukunft :D
    Grüße vom Blog um die Ecke

    Comment | 25. Januar 2011

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