Okt
31
2011

Die selbstverschuldete organisierte Verblödung und Regression der Gesellschaft

Heute möchte ich Euch – quasi als Lesetipp Deluxe – einen Artikel ans Herz legen, den Peter Weber und Helmut Schnug von Kritischen Netzwerk verfasst haben und der grundlegenden Entwicklungen auf der Spur ist, die ich hier im Blog auch des Öfteren schon thematisiert habe, allerdings noch nicht in so kompakter Form: „Die selbstverschuldete organisierte Verblödung und Regression der Gesellschaft“ lautet der Titel des Texts, der in die drei Abschnitte „Grundlagen der Entwicklung“, „Psychosoziale Ursachen und Folgen“ und „Konsequenzen, Alternativen und Lösungsansätze“ gegliedert ist. Unbedingt lesen!

(…) Es existieren vielfältige Ursachen für psychische Störungen, Verhaltensauffälligkeiten und Krankheiten, aber auf der anderen Seite auch für positive biophile Entwicklungen des Menschen. Diese sind sämtlich entweder genetisch, biografisch oder soziologisch determiniert. In Bezug auf die sozialen und psychisch-psychoanalytischen Zusammenhänge können wir nur die Lektüre von Erich Fromm empfehlen. Er hat als erster auf der Basis der Erkenntnisse von Marx und Freud umfassend erkannt, in welch prägender Weise das Verhalten des Menschen zu den ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Erfordernissen des Kontextes, der Kultur und der Welt steht, in der er aufwächst und heranwächst. Aus diesem Zusammenhang heraus können auch viele psychische und psychosomatische Deformationen und Pathologien erklärt werden.

Jedenfalls bewirkt der derzeitige gesellschaftliche Prozeß, der von ökonomischen und egomanischen Ambitionen dominiert wird, eine evolutionäre Regression auf niedrigere menschliche Entwicklungsstufen.

Vielleicht fühlt sich manch einer überfordert mit den genannten fachlichen Bezeichnungen. Für diesen Fall läßt sich eine jedem Menschen mehr oder weniger verinnerlichte  Eigenschaft als sicheren Weg zur Verdummung anbieten: die Bequemlichkeit.

Es gibt ja Leute, die behaupten, der Mensch sei von Natur aus faul. Aber das ist nichts als wiederum eine bequeme Ausrede, um sich vor Arbeit und Verantwortung zu drücken! Die Konsumgesellschaft bzw. die dahinter stehende Kraft – die anbietende Wirtschaft – überschlägt sich mit sinnfreien Offerten, um den Verbrauchern nutzloses „Zeugs“ anzudrehen, mit dem Bequemlichkeit und „In-Sein“ angepriesen werden. Der Appell an die Faulheit der Menschen mittlels massiver Werbegehirnwäsche funktioniert offensichtlich. Wir werden dadurch im wahrsten Sinne des Wortes „verkauft“, denn die betreffenden Produkte, Informationsangebote und Dienstleistungen servieren uns Vorgekautes, so daß wir davon entwöhnt werden, eigene Wege zu beschreiten und unsere Eigenarten spielerisch auszutesten. Hier einige Beispiele dafür:

  • Gadgets: überflüssige, meist minderwertige und überteuerte Artikel, die dem Käufer das  Gefühl vermitteln, „trendy“ zu sein – ein irrationaler kollektiver “Hipp-sein-wollen Wahn”.
  • Convenience-Produkte (Fertigprodukte) der Lebensmittelindustrie, die uns vom Selbstkochen mit frischen Zutaten „befreien“ sollen
  • die gesamte Palette technischer Produkte, die uns von körperlicher Bewegung abhält
  • Indoktrination mit vorgedachten sog. alternativlosen Lösungen und vorgefertigten Meinungen, die unser kritisches wie logisches Denken verkümmern lassen

Es wird nur allzu leicht vergessen, daß wir auf diese Art und Weise eingeschläfert und zu zahnlosen Tigern gezähmt werden sollen, damit wir als willfährige Masse manövriert werden können. Wenn wir dieses Unterfangen nicht bemerken und all das widerstandslos mit uns geschehen lassen, dann sind wir wirklich die Dummen! (…)

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5 Kommentare »

  • Christian

    Bequemlichkeit ist auch, mit dem Finger immer auf die anderen zu zeigen. “Ich bin ein hilfloser Konsument, weil die böse Wirtschaft mich willentlich entmündigt.”

    Ich kann es nicht mehr hören.

    Comment | 31. Oktober 2011
  • meine Rede!!
    Wir werden hier immer mehr zu Konsumzombies. Die andere, noch schlimmere Seite der Medaille ist die Ausbeutung von Natur und billigen Arbeitskräften bis hin zur Kinderarbeit und Sklaverei.

    Comment | 31. Oktober 2011
  • danke für den lesetipp.

    besonders gefreut habe ich mich über die aufgezeigten lösungsmöglichkeiten.
    nicht gefallen hat mir, der wiederkehrende hinweis darauf, dass irgendeine gruppe von menschen (“…von herrschenden Elementen – also einer Minderheit – aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Geldadel bestimmt…”) uns zu einer trägen masse machen will.
    hier wird m.e. ein feindbild erzeugt, welches zu mehr leid führen könnte.

    sidd

    Comment | 31. Oktober 2011
  • Da kann ich Christian nur recht geben, jeder sollte bei sich anfangen …

    Die Gesellschaft kann sich nur weiterentwickeln, wenn sich möglichst viele Menschen aus dieser Gesellschaft selbst weiterentwickeln, sich also unbequemen Fragen stellen und ihre Gewohnheiten und Verhaltensweisen neu ausrichten.

    hier einige diese Fragen: http://www.onlinetechniker.de/?q=faq

    hier ein konkreter Ansatz wie sich jeder Einzelne, im Rahmen seiner Neigungen und Fähigkeiten weiterentwickeln kann: http://www.onlinetechniker.de/?q=node/583

    Wie wäre es wenn viele den ihnen zustehenden Machtanteil in Anspruch nehmen würden ?
    http://www.onlinetechniker.de/?q=node/469

    Comment | 1. November 2011
  • @Christian: Wo zeigt der verlinkte Artikel mit dem Finger auf andere? Das kann ich dem nicht entnehmen, vielmehr verstehe ich ihn als Aufforderung an gesellschaftskritische Menschen, nicht zu verzagen, trotz solcher Reaktionen wie der Ihrigen. Es geht doch gerade darum, das Tabu zu brechen, darüber zu reden, dass nicht alles, was der Markt uns bietet von sich aus gut und begrüßenswert ist, nur weil es irgendwie innovativ ist.

    Natürlich kann man sich auf die Seite der Ja-Sager begeben, das ist bequemer, in egoistischen Nutzenkalkülen auch rationaler. Für diese Zielgruppe wurde der Artikel aber augenscheinlich nicht verfasst, da bietet sich auch eher ein Programm von Dieter Nuhr oder ein Besuch auf der Webseite der FDP an, um der Leistungsideologie zu frönen.

    Comment | 1. November 2011

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