Jan
04
2009

GfK (Gesellschaft für Kaffeesatzleserei)

319196_the_future_2Der Wunsch des Menschen, gerade in diesen immer unsicher werdenderen Zeiten wenigstens einen kurzen Moment das Gefühl zu haben, die Zukunft vorhersagen und damit unter Kontrolle halten zu können, scheint übergroß. Das treibt nicht nur so sonderliche Blüten wie dem Stellen eines Tierhoroskops im Abzockfernsehen, sondern zeigt sich medial auch in der erstaunlichen Masse an „Experten“, die oft und gerne vor die Kamera gelassen werden, um der Nation zu erzählen, wie das nächste Jahr wird, und das durchaus auch auf mehrere Nachkommastellen genau. Das Besondere hieran: die Prognosen treffen meist gar nicht zu, und dennoch dürfen die selben Personen im nächsten Jahr wieder ihr Liedchen singen, statt von den Menschen verlacht zu werden, wie es Scharlatane ja eigentlich verdienen. So krass wie im Jahre 2008 war die Diskrepanz freilich selten, doch wie schon DIW-Chef Klaus Zimmermann kleinlaut zugab, ist in den Modellen der „Experten“ eine Finanzkrise beispielsweise gar nicht vorgesehen. Schon gemein, wenn sich die Realität einfach nicht an die Modelle der Wirtschaftsgurus hält…

Ähnlich windig geht es auch bei den Vorhersagen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) zu, wie Michael Schöfer in seinem Beitrag „Warum machen Journalisten das mit?“ deutlich macht. Er stellt sich die gleiche Frage, nämlich wieso solch offensichtlich falsche und tendenziöse Prognosen jedes Jahr wieder auf den Tisch kommen dürfen und dabei in den Rang echter Nachrichten gehoben werden.

So verkündete Pellengahr im letzten Jahr: „Gut eine Woche vor Heiligabend hat das Weihnachtsgeschäft deutlich an Schwung gewonnen. Es weihnachtet mehr“, versicherte er damals frohgemut. [Quelle: HDE, Pressemeldung vom 16.12.2007] Im darauffolgenden Frühjahr war die heile Handelswelt schon wieder vorbei, denn dann wurden die Fakten präsentiert: „Der für den Handel so wichtige Dezember bescherte der Branche einen Umsatzrückgang um 7,1 Prozent“, musste der HDE kleinlaut eingestehen.

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