Feb
13
2009

Werbung gegen Realität, Teil 11: Katzen würden (kein) Whiskas kaufen

dosenfutter_2Wer kennt sie nicht, die markigen Sprüche „Katzen würden Whiskas kaufen“, „Ein ganzer Kerl Dank Chappi“ oder die süßlich-schleimige TV-Reklame, in der eine Tierhalterin ihrer Katze eine Dose Fertigfutter öffnet, mit einem Petersilieblättchen verfeinert und das Tier daraufhin in schnurrende Ekstase verfällt (ich verlinke hier generell nicht auf Original-Reklame, um die Spots nicht unnötig noch bekannter zu machen als sie eh schon sind)? Die Botschaft ist klar: dieses Zeug ist so lecker, das hätten die Werbeleute am Set am liebsten selbst gegessen! Natürlich ist es auch extrem gesund, denn Katzen wissen schließlich am besten, was gut für sie ist. Und gerade, weil so große Konzerne dahinter stehen, wird die Qualität ja wohl unbestritten sein, denn das Futter wird doch „von führenden Züchtern empfohlen”! (Es sind übrigens nur sehr wenige Firmen, die sich diesen Markt teilen, auch wenn sie ihren Produkten verschiedene Namen geben, um eine größere Vielfalt zu suggerieren. Marktführer Effem produziert u.a. Whiskas, Sheba, Brekkies und Chappi; Mars z.B. Kitekat, Cesar, Pedigree und Frolic; dazu gibt es dann natürlich noch eine Reihe von Billigprodukten anderer Hersteller und Supermarktketten.)

Auf der Seite Cat Care der Tierhilfe Kassel wird Klartext geredet über das von den Marketingfuzzis in so hohen Tönen angepriesene, angeblich so unheimlich leckere und gesunde Dosenfutter – „Katzen würden Mäuse kaufen. Was ist drin im Katzenfutter?“. Tatsächlich sollte sich auch in diesem Falle niemand der Illusion hingeben, dass vollmundige bunte Werbeversprechungen irgend etwas mit der Realität zu tun hätten, denn in Wirklichkeit kauft der Tierfreund im Supermarkt oft nur schamlos überteuerte und mit Zusatzstoffen „hochgepimpte“ Abfälle! Selten ist das Missverhältnis von schillernder Reklamewelt zum eigentlichen Produkt so krass wie hier.

Wenn man sich aber mal eine Dose Katzenfutter einer x-beliebigen Firma ansieht, ist man sehr erstaunt, darin so ziemlich alles zu finden – nur fast kein Fleisch!

Was ist eigentlich in der Dose?

Los geht es meist mit „Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen”. Das ist nichts anderes als: billige Schlachtabfälle, zerkleinertes Fell, Knochen, Federn, Schnäbel, Wolle, Urin und etliches mehr. Auch wenn die Katze in der Natur die ganze Maus frisst, ist das Verhältnis der einzelnen tierischen Bestandteile in der Dose nicht ausgeglichen und die Qualität des verwendeten Fleisches nicht sehr hoch, weil das für den Hersteller viel zu teuer wäre. Generell kann man sagen, dass der Fleischanteil daran immer sehr gering ist, und die “4% Huhn, Kaninchen etc.” bedeuten nichts anderes, als dass von diesen Abfällen 4% von entsprechendem Tier stammen. Diese Abfälle sind für den menschlichen Verzehr nicht zugelassen, und fallen deshalb auch nicht unter die Bestimmungen der Lebensmittelindustrie. Nicht alle verwendeten Kadaver sind frisch, und außerdem werden natürlich auch kranke Tiere verarbeitet, so dass sich u.a. auch karzinogenes Gewebe in den Dosen befindet. Nicht sehr appetitlich und auch nicht sehr gesund!
Normalerweise würde eine Katze dieses Zeug nicht anrühren, aber die zugesetzten Fette (Abfallfette, z.B. altes Bratfett), die Geschmacks- und Konservierungsstoffe und der zugesetzte Zucker lassen die Katze ihren Ekel vergessen.

(…) Zum Schluss findet man noch eine besondere Überraschung in der Dose: Zucker! Dieser schädigt nachweislich den Organismus der Katze und verursacht Zahn- und manchmal auch Bauspeicheldrüsenprobleme.

Verdummung im Supermarkt
katzeLeider werden die Tierbesitzer nicht über die Zusammensetzung aufgeklärt, sondern mit netten Bildchen von süßen und zufriedenen Katzen ruhig gestellt, die von der Dose und vom Fernseher prangen. Ob man nun die Firma x, die Firma y oder die Firma mit den lila Aufklebern kauft, ob die Dose schlicht ist oder das Futter in kleinen, teuren 100-g-Schälchen oder Tütchen daherkommt, ob es sich als Ragout, Geschnetzeltes oder Häppchen in Gélé tarnt; der Großteil der Futtermarken kommt aus derselben Fabrik ein und desselben Herstellers – und der hat als Ziel die Optimierung seiner Bilanz und nicht die Gesundheit unserer Katzen.

Fast alle genannten Inhaltsstoffe, einschließlich Zucker, sind billige Rohstoffe, die die Dose füllen, ohne der Katze auch nur ansatzweise von Nutzen zu sein. Hinzu kommen noch Konservierungsstoffe, die meist unter dem Deckmantel „EWG-Zusatzstoffe” laufen und Krebs auslösen können. Hier wird deutlich, dass der Tierbesitzer bewusst im Unklaren gelassen wird.

Guten Appetit, kann man den armen Tieren da nur noch zurufen, und fordern, dass die Hersteller und Reklameleute zur Strafe den Dreck mal selbst fressen müssten… In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Beitrag „Macht Tiernahrung unsere Vierbeiner krank?“:

»Meiner Auffassung gehören viele Verantwortliche der Futtermittelindustrie ins Gefängnis, 5 Jahre mindestens und ohne Bewährung.« (Prof. O. Wassermann, Toxikologie Kiel, 1998)

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7 Kommentare »

  • Aufmersamer Leser

    Ein Bekannter arbeitet in einem Tiergrosshandel und gestern Abend hatten wir genau dieses Thema. Erschreckendes Thema.
    Danke für den Artikel

    Comment | 13. Februar 2009
  • Idealistin

    @Konsumpf

    Hallo Peter ,
    mich würde interessieren, wie Du die Wirtschaft als gut funkionierendes Modell haben möchtetst? Das wäre auch mal ein Artikel wert! Das ist mein absoluter Ernst.

    Mit freundlichen Grüßen
    Idealistin

    Comment | 13. Februar 2009
  • @ Idealistin: Na, das ist aber eine meiner leichtesten Übungen… ;-) Nee, im Ernst, das ist natürlich eine sehr komplexe Frage, und ich fühle mich auch nicht berufen, als einzelner hier DIE Lösung aus dem Hut zaubern zu können (jeder, der das behauptet, also ein für die Welt funktionierendes Modell vorlegt, sollte SEHR skeptisch beäugt werden). Ein paar Ansätze waren ja schon mal indem Artikel von David Korten, „Beyond the bailout“, zu erkennen, und einige der Grundpfeiler, die ich in einem besser funktionierenden Modell sehen möchte, sind z.B.:
    - ein nachhaltiges Geldsystem, Geld wird nicht mehr von Privatbanken aus Schulden geschöpft; die Zinseszinsproblematik muss gelöst werden => damit fällt auch der unbedingte Zwang zum Wachstum weg
    - Profitmaximieren darf nicht oberste Maxime sein – bzw. “Profit” muss anders definiert werden, es müssen soziale, ökologische Elemente berücksichtigt werden, nicht nur der Quartalsgewinn oder der Marktanteil
    - Eindämmen oder Verbieten von Finanzmarktspekulationen; Firmen sollten in ihrem Tun und Planen nicht von den Aktienmärkten abhängig sein
    - Produktionskosten sollten die kompletten anfallenden Kosten, also auch die, die normalerweise auf die Umwelt/die Gesellschaft abgewälzt werden (siehe Discounter-Prinzip) mit berücksichtigen müssen; das würde so manche Umweltsauerei sofort beenden, weil sie nicht mehr profitabel ist
    - Stärkung lokaler Wirtschafskreisläufe; keinen Konsum anheizen (via Werbung), nur um noch mehr von irgendeinem Mist zu verkaufen
    - “Arbeit” sollte seinen Status als allein selig machendes Ziel des menschlichen Daseins verlieren, denn Arbeit macht eben nicht frei. Sowohl im Kapitalismus wie auch im Sozialismus wird/wurde Arbeit als Wert extrem überhöht und heroisiert. Hier müsste es eher darum gehen, dass die Menschen ein menschenwürdiges Dasein führen und nicht, dass sie arbeiten, nur um zu arbeiten (und für irgendwelche Firmen irgendeinen Kram produzieren, der dann wieder mit Macht in den Markt gedrückt werden muss).

    Das wären so ein paar Gedanken, da gibt es sicherlich noch viel mehr. Ich werde demnächst übrigens einen Artikel von Herman Daly übersetzen, in dem es auch um Alternativen zum Status Quo geht. Deine Anregung motiviert mich jetzt, das alsbald anzugehen. :-)

    Comment | 13. Februar 2009
  • Also in der Werbung sieht das Hunde-/Katzenfutter so lecker aus, ich könnt´s glatt selber fressen!
    Deinen Ausführungen zum Thema Wirtschaft, schliesse ich mich gern an. Es kann nicht sein, dass Profit um jeden Preis, auch um den Preis der Gesundheit der Verbraucher oder dem Schutz der Umwelt gemacht werden, und sich einige wenige binnen weniger Jahre die Taschen vollstopfen ohne Rücksicht auf Verluste. Wo bleiben die langfristigen Strategien und die Nachhaltigkeit?
    Gruß Thialfi

    Comment | 13. Februar 2009
  • Idealistin

    @ Peter,

    danke für deine ausführliche Antwort! Im Ansatz sehe ich es genauso, vor allem in punkto Arbeit. Würde mein Geld auch gerne so auf meinem Konto vorfinden :-)

    Viele Grüße
    Idealistin

    Apropos Tiernahrung; im Internet findet man Kochbücher/Rezepte für Hundeernährung, werde ich ausprobieren, unser Hund verliert ständig Fellbüschel und hat einen schuppigen Hautausschlag, leckt und kratzt sich manchmal bis aufs Fleisch blutig. Niemand weiss was der Auslöser ist. Wer weiß ….(bezogen auf Deinen Artikel)Ich dachte immer gerade Tiernahrung würde man besonders im Augenmerk haben. Wegen der möglichen “Schlampereien”

    Comment | 14. Februar 2009
  • [...] »[…] billige Schlachtabfälle, zerkleinertes Fell, Knochen, Federn, Schnäbel, Wolle, U…« – klingt irre lecker, nicht? Daraus besteht dieses Zeug zum größten Teil, das die niedlichen Katzen in der Fernsehreklame für Dosenfutter immer so in Ekstase versetzt. Den Rest besorgen dann noch ein paar Fette, ein bisschen Geschmacksstoff und eine Menge Zucker, damit die Katze das gewiss nicht besonders gesunde Zeug auch runterkriegt. Ganz so, als lautete der Werbespruch in Wirklichkeit »Ist die Katze tot, freut sich der Mensch«.   [...]

    Pingback | 17. Februar 2009
  • Ich habe zwar keinerlei Haustiere, würde es bei Katzen- und Hundefutter jederzeit so halten:

    Nichts, aber auch gar nichts, was die lebensmittelchemische Industrie (a) gesetzmäßigerweise, (b) profitträchtig und (c) ohne Ekel zu erregen noch zu Nahrungsmitteln für Menschen verarbeiten und verkaufen könnte und dürfte, wird man jemals in Katzen- und Hundefutter finden.

    Comment | 29. Juni 2011

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