Dez
19
2010

„Schnee-Chaos!“ – „Horror-Winter!“ – „Killer-Kälte!“ … der aktuelle Wetter-Wahnsinn

Fallen sie Euch auch schon auf den Wecker, die panischen Horrormeldungen in den Medien, die sich in apokalyptischen Schilderungen geradezu überschlagen – bloß weil es schneit? Schnee! Im Winter! Hammer! Und das in subtropischen Gefilden wie Deutschland, wo es früher ja in den Monaten Dezember bis März, die Älteren werden sich erinnern, regelmäßig 30 Grad Plus war und man am Strand herumtollte. Hier z.B. der Text des ARD-Brennpunkts vom Freitag, der an Alarmismus nichts zu wünschen übrig lässt:

ARD-Brennpunkt – Deutschland im Schnee
Deutschland versinkt im Schnee: Sturmtief “Petra” hat landesweit für erhebliche Verkehrsprobleme gesorgt: Bei Unfällen starben mehrere Menschen. Auf den Straßen, an Flughäfen und Bahnhöfen ging zeitweilig kaum noch etwas. Der zusätzlich ins Programm genommene Brennpunkt fasst das Geschehen des Tages zusammen – und recherchiert die Aussichten.
Die nachfolgenden Sendungen im Ersten verschieben sich um ca. 15 Minuten. Auch die übrigen Sender der ARD berichten ausführlich über die derzeitigen Wetterkapriolen – mit eher regionalem Schwerpunkt.

Man muss sich schon an den Kopf fassen, wenn man miterlebt, wie hier Meldungen produziert werden und „ein Land in Atem halten“ (wie z.B. auch die so groß angekündigten Terroranschläge, die ja zu Tausenden Deutschland erschüttern…). Ein Leserbrief auf den NachDenkSeiten hat sich auch so seine Gedanken zu der Thematik der Katastrophen-Wetter-Berichterstattung gemacht – „Der Beitrag der öffentlichen Wetterberichterstattung zur gesteuerten Meinungsmache wird kaum erkannt“:

(…) In den letzten Wintern und auch diesem wieder werden vollkommen normale Winterverhältnisse in immer stärkerem Ausmaß als katastrophale Einflussfaktoren umgedeutet. Wer ein wenig älter ist, müsste sich eigentlich problemlos erinnern können, dass die letzten etwas strengeren Winter noch vor 20/30 Jahren der Normalfall waren. Und damals gab es weder auf den Autobahnen noch im Schienenverkehr oder bei der Versorgung entlegener Dörfer mit Strom größere Probleme. Es waren zu diesen Zeiten genügend Räumfahrzeuge einschließlich des sie bedienenden Personals, genug Streuvorräte und ausreichend beheizte Weichenanlagen sowie eine sorgfältig gewartete Strominfrastruktur vorhanden. Die Autobahnen waren, auch bei stärkstem Schneefall, innerhalb weniger Stunden geräumt und Ausfälle im Zugverkehr gab es praktisch keine. Im Rahmen der Privatisierwut und der gesteuerten Verknappung der Finanzmittel für die Öffentlichkeit (sprich den Großteil der Bevölkerung) wurde an diesen technischen Möglichkeiten immer mehr eingespart.

Es fällt heutzutage praktisch niemandem auf, dass die heftigen Folgen der Winterverhältnisse nicht dem Wetter zuzuschreiben sind, sondern der herbeigeführten Verschlechterung der Möglichkeiten damit umzugehen. Was mich besonders erschreckt ist, dass sogar die meisten Menschen, die älter sind als ich, dies nicht mehr bemerken, sondern die Märchen von Jahrhundertwintern aus den sogenannten Nachrichtensendungen einfach nur noch nachplappern und wohl selbst auch glauben.

Dies zeigt mir, wie weit der Propagandakrieg bereits gediehen ist. Selbst so etwas Alltägliches wie die Wetterberichterstattung steht vollständig im Dienst der Gleichschaltung der Masse.

Ich würde mich freuen, wenn dieser Aspekt auch ein wenig Beachtung in den Kommentaren der NDS fände. Denn gerade das Verhältnis der Menschen zum Wetter, von dem sie immer schon sehr weitgehend abhängig sind, wird heute zu Manipulationszwecken instrumentalisiert.

Ergänzung: Auch der Spiegelfechter hat sich dieses Themas neulich angenommen – „Unser umwintertes Gedächtnis“:

(…) Die Privatisierung der Straßenmeistereien greift dramatisch in die staatliche Daseinsfürsorge ein. Hier wird die Gesundheit der Bürger als Verhandlungsmasse in die Waagschale geworfen, um privaten Investoren Traumrenditen zuzuschanzen. Wer meint, dass der privatisierte Winterdienst zumindest die Staatskassen entlasten könnte, liegt ebenfalls daneben. Als Mahnmal kann hier das Land Thüringen dienen, das 2002 sämtliche Straßenmeistereien privatisierte. Während der Winterdienst auf Landes- und Bundesstraßen im Bundesdurchschnitt rund 2.500 Euro pro Kilometer und Saison kostet, verschlingt der privatisierte Winterdienst in Thüringen 4.950 Euro je Kilometer Landes-, und sogar 7.400 Euro je Kilometer Bundesstraße. Der privatisierte Winterdienst spielt nicht nur mit der Gesundheit der Bevölkerung, er ist auch ökonomischer und ideologischer Wahnsinn. (…)

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15 Kommentare »

  • Wasabi

    Eine Bekannte von mir arbeitet beim Arbeitsamt und hat letztens mit einem Kunden(manager) geredet ,der davon sprach das Streusalz absichtlich zurückgehalten wird um den Preis hoch zu treiben.
    Klingt natürlich alles nach recht nach Verschwörung,aber stimmt schon irgendwo.

    Comment | 19. Dezember 2010
  • Jörg Reinhardt

    Die Medien üben doch nur…

    Ich arbeite als Krankenpfleger im Gesundheitswesen. Auch dort streamlinen Businesskasper seit Jahzehnten die “Produktion” und reduzieren die “Lohnstückkosten”, bauen im Angesicht des permanenten Versorgungsnotstandes in den Kliniken weiter Betten und Stellen, sogenannte “Überkapazitäten” ab…

    Sollte es zu irgendeiner Art von Epidemie kommen deren Symptome Hausärzte überfordert (wenn beispielsweise Infudionen notwendig werden), wird das Gesundheitssystem dramatisch versagen. Daran besteht überhaupt gar kein Zweifel, Jeder Beteiligte weiß es, keinen Außenstehenden interessiert es. Aber das macht ja auch nichts!

    Die Medien werden Uns dann schon glaubhaft zu vermitteln wissen, warum zehntausende Menschen vermeidbar an leicht zu behandelnden Zuständen sterben müssen, weil die Epidemie ja so besonders katastrophal und überraschend ist.
    Leute die nicht mal mehr wissen, daß es in den 80′ern auch ab und an mal geschneit hat und man trotzdem Fliegen, Zug und Auto fahren konnte, werden so eine, für Laien schwer überprüfbare Aussage sicher nicht in Frage stellen.

    Mann bin ich froh, daß ich mir im Notfall selber einen Zugang legen kann!

    Comment | 19. Dezember 2010
  • Das Zitat trifft auch genau, was mir mal ein Bahnmitarbeiter erzählt hat: Früher gab es Leute, die im Winter bezahlten Bereitschaftsdienst hatten, um im Notfall z.B. Weichen und Schienen zu enteisen.

    Alerdings hat sich das Verkehrsaufkommen in der Zeit ja auch massiv erhöht. Das heute viel mehr Menschen von verschneiten Straßen und Flughäfen krass betroffen sind, liegt ja u.a. an einer verfehlten Verkehrspolitik, die auf Mobilität per Auto und Flugzeug setzt. Und wer wegen des Ausfalls vom Billigflieger nicht für drei Tage nach Istanbul kann, hat bestimmt kein Mitleid verdient.

    Comment | 19. Dezember 2010
  • Die Medien sind dem Winter dankbar – wenn es schon keinen – man muss schon sagen – herbeigesehnten Terroranschlag gab, dann terrorisiert uns wenigstens der Winter!
    Das Problem ist aber das, was @Sacha anspricht. Wenn alles auf Kostenminimierung hinausläuft und keine Puffer bestehen, funktioniert alles nur noch bei “Schönwetter”. Das findet sich überall: Wenn die Firmen nicht ausbilden, dürfen sie sich nicht beklagen,wenn es zu wenig Fachkräfte gibt.

    Comment | 19. Dezember 2010
  • Schlüter

    Jo. Auch der Spiegelfechter hat diese Thematik in
    einem Artikel beleuchtet:

    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4685/unser-umwintertes-gedachtnis

    Comment | 19. Dezember 2010
  • punksympathisant

    auch ich find’s lächerlich!

    Schnee? Im Winter? o.O ^^

    Oder wie sich die Leute aufregen, wenn dank des Wetters kaum mehr Flugzeuge mehr fliegen… Der Mensch vergisst zu gerne, dass er auch nur Teil der Natur ist und sie nicht unter Kontrolle kriegen kann!

    Comment | 19. Dezember 2010
  • [...] sich aus dem Schneefall ein nervender „Horror-Winter“ in den Medien inszenieren lässt, wird von „konsumpf.de“ [...]

    Pingback | 19. Dezember 2010
  • Anonymous

    Dass die Züge früher (80ger Jahre) im Winter reibungslos fuhren, stimmt laut meinen in der DDR aufgewachsenen Eltern nicht. Die haben nach eigener Aussage ein paar Winternächte auf dem Bahnsteig zugebracht. (Nicht hintereinander, natürlich, sondern immer-mal-wieder. ^^)

    Ansonsten hast du den Nagel aber auf den Kopf getroffen. :-)

    Comment | 19. Dezember 2010
  • Jörg Reinhardt

    @Sascha mein Vater hat das vor seiner Frühpensionierung gemacht. Immer im Herbst und am Winteranfang gab es große Revisionsaktionen: Alle Weichenheitzungen und Oberleitungen winterfest machen. Im eigentlichen Winter dann Bereitschaftsdienst, damit Ausfälle zeitnah beseitigt werden konnten.
    In der Übergangsphase vor Seiner Pensionierung hatte mein Vater die Aufgabe Kräfte von Privatfirmen dabei zu überwachen, wie Sie, vormals Seine Arbeit erledigten…
    Irgend ein Businesskasper hatte ausgerechnet, daß sei billiger, als wenn Er Sie die letzten Jahre noch selber erledigt…

    Comment | 19. Dezember 2010
  • Jörg Reinhardt

    P.S. “Pensionierung” stimmt so nicht, beamtet war Er nie.

    Comment | 19. Dezember 2010
  • Schnee wie schee

    Hmmm
    Schnee im Winter ist echt nix neues. Morgen ist ja Winteranfang also sollte es doch endlich langsam mal anfangen zu schneien. Die 75cm hier sind zwar absoluter Jarhundertrekord aber ja – nach oben haben wir noch Platz ohne Ende.

    mfg

    Comment | 20. Dezember 2010
  • Zu den sog. “Jahrhundertwintern”, die es alle paar Jahre gibt, empfehle ich auch die Lektüre des Spiegelfechter-Artikels. ;-) In Kiel haben wir zwar in den letzten zwei Wintern auch viel mehr Schnee als in den 10 Jahren davor, aber in den 80ern war das wiederum nicht so ungewöhnlich.

    Comment | 20. Dezember 2010
  • Ist doch super! Noch ein paar “Jahrhundertwinter” und Vulkanausbrüche mit viel Asche und wir ereichen unsere Klimaziele ;)

    Comment | 21. Dezember 2010
  • [...] sich aus dem Schneefall ein nervender „Horror-Winter“ in den Medien inszenieren lässt, wird währenddessen von „konsumpf.de“ [...]

    Pingback | 20. März 2011
  • [...] sich aus dem Schneefall ein nervender “Horror-Winter” in den Medien inszenieren lässt, wird währenddessen von “konsumpf.de” [...]

    Pingback | 28. Januar 2013

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