Okt
21
2009

Banken bankrottieren!

bankBanken und Bankrott, das hängt nicht nur vom Wortstamme her zusammen. Als ich diese Meldung hier gestern auf Spiegel Online las, musste ich doch ein wenig grinsen: „DSB-Bankrott: Kundenansturm stürzt niederländische Privatbank in die Pleite“.

(…) Der Ansturm auf Konten bei der DSB-Bank begann, nachdem am 1. Oktober eine Vereinigung verärgerter Kunden öffentlich dazu aufrief, dort deponierte Gelder abzuziehen. Sie fühlten sich durch Quergeschäfte wie der obligatorischen Verbindung ihrer Hausbaukredite mit ihrer Meinung nach zu teuren Lebensversicherungen übervorteilt. Innerhalb weniger Tage wurden so mehr als 600 Millionen Euro abgehoben, die Bank war deshalb bereits am 12. Oktober durch Gerichtsbeschluss unter die Kontrolle der Zentralbank gestellt worden.

Von wegen der Kunde kann nichts gegen die Umtriebe der Konzerne unternehmen…! Ob man so etwas allerdings auch hierzulande schaffen würde, also aus Protest gegen z.B. Herrn Ackermanns absurde Renditevorstellungen und die rücksichtslosen Geschäftspraktiken seines Hauses alles Geld von der Deutschen Bank abzuziehen, wage ich ja zu bezweifeln (schon allein wegen der Trägheit vieler Menschen). Schön wär’s aber schon!

Sollte jemand noch einen Grund dafür suchen, die herkömmlichen Banken zu boykottieren, so wird er hier fündig: „Investment banks borrow money from gov’t at 0%, lend it back at 3%“. Soll heißen: die Banken in den USA erhalten Geld von der Federal Reserve mit einem Zinssatz von 0%, und dann gehen sie her und kaufen mit selbigem Geld Staatsanleihen, die mit 2–3% verzinst werden. Der Staat schenkt den Banken somit ganz legal und offiziell Abermilliarden. Unglaublich, ein Skandal erster Güte. All das Gefasel von „mehr Regulierung“ oder „Bändigung der Finanzmärkte“ etc. von Seiten der Politik war also nur Augenwischerei und beschwichtigende Phrasen zur Einlullung derjenigen, die diese Zeche zahlen müssen – die Bürger/Steuerzahler. Mehr hier: „How Wall Street is making its billions”.

(…) What kind of bonds are they buying? Are they investing the money in American business? “No, they are mostly buying Treasuries.” So the money is just being shuffled from one Federal bank account to another, with each Wall Street bank skimming off $1 billion per month for itself? “Pretty much.” (…)

Widerwärtig, zumal wenn man mein Posting von gestern im Hinterkopf hat.

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Kommentare: 8 | Banken,Wirtschaft | Schlagwörter: , , , , |

8 Comments

  • chapultepec

    so etwas wie mit der niederländischen Bank kann man auch hier machen, dass ist eine der größten Ängste der Banken, denn für gewöhnlich verfügen die nur über einen Bruchteil des Geldes (in D ist die Mindestreserve = 2%), das sie ausleihen.

    Es gibt ein sehr interessantes Video darüber namens „Money is debt“ (ich glaub es gibt sogar eine Version mit dt. Untertiteln) wo dies sehr gut erklärt wird. Kann ich nur empfehlen

    http://video.google.de/videoplay?docid=-2550156453790090544&#

    Comment | 21. Oktober 2009
  • Warum in die Ferne schweifen? Das kriegst man genausogut in Deutschland geboten. Und damit meine ich nicht die offensichtliche staatliche Subvention von Bankwesen bis Atomwirtschaft:

    http://tinyurl.com/ykbwz24

    Comment | 21. Oktober 2009
  • ja, dieser hypotetische fall, dass alle menschen gleichzeitig zur bank gehen könnten, um ihr geld abzuheben, wurde schon öfters gedacht und tatsächlich hätten die dann ein ordentliches problem, denn (ich glaub) 97% des Geldes, dass weltweit im Umlauf ist, existiert nur virtuell
    so schnell könnte keine druckerei arbeiten xD

    hier auch noch etwas, dass euch interessieren könnte:
    http://your-daily-brainfood.blogspot.com/2009/10/traumen-sie-noch-oder-wissen-sie-schon.html

    Comment | 21. Oktober 2009
  • In diesem Fall der holländischen Bank ist es halt nicht beim Hypothetischen geblieben, sondern wurde (für die Bank) bittere Realität. Da Einlagen nur bis 100.000€ staatlich abgesichert sind, treffen die Vermögensverluste in diesem Falle zudem auch noch eh die, die sowieso zu viel haben ;-), von daher ist das eine rundum gelungene Aktion.

    Comment | 21. Oktober 2009
  • brainfood: Das Problem ist ja nicht, daß kein „realer“ Geldschein für die Summen auf dem Konto existieren. Den könnte man zur Not leicht nachdrucken lassen. Das Problem ist, daß es keine materielle Deckung im Sinne einer erbrachten Leistung für die zirkulierende Geldmenge gibt. Es gibt nur einen Erwartungshorizont des Spekulativen.

    Comment | 22. Oktober 2009
  • Florian

    Ein paar Tipps, wie man es besser macht, wären schön. Ich habe ein Girokonto bei der GLS-Bank (www.gls.de) und ein Sparbuch bei der Umweltbank (www.umweltbank.de). Ein Freund von mir arbeitet bei einer Finanzberatung namens Umweltfinanz (www.umweltfinanz.de), die bieten z.B. Beteiligungen an an Windenergieprojekten an. In dem Bereich Vermögensberatung + Versicherung ist auch Versiko (www.versiko.de) tätig. „Vermögen“ sind übrigens keine Millionen, sondern schon (ein paar) tausend Euro.

    Comment | 23. Oktober 2009
  • Danke für die Hinweise – über Alternativen hatte ich schon vor einer Weile mal berichtet, insbesondere auch über die GLS-Bank. In diesem Falle der holländischen Bank war mir aber vor allem wichtig, aufzuzeigen, dass es möglich ist, als Kunden eine Bank in die Knie zu zwingen, was ich für eine sehr verlockende Aktion halte. :-)

    Comment | 24. Oktober 2009
  • […] Konsumpf […]

    Pingback | 19. November 2010

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