Mai
17
2011

Reklame, die Deine Raten bezahlt, aber Deine Nachbarn beraubt

Im amerikanischen Public Ad Campaign-Blog fand ich mal wieder eine „schöne“ neue Entwicklung an der US-Reklamefront – bekanntermaßen geht es in den Vereinigten Staaten, was Werbung angeht, noch viel schlimmer zu als hierzulande, und es wird immer weniger Rücksicht auf die Menschen genommen, wenn es darum geht, jeden Fitzel öffentlichen Raums mit Kaufpropaganda zuzupflastern. Um aus dem riesigen Meer an Reklame und buntschillernden Imagegetöse überhaupt noch herausragen zu können und von den potentiellen Käufer wahrgenommen zu werden, muss „natürlich“ immer weiter aufgerüstet werden – immer schriller, immer lauter, immer aufdringlicher muss Werbung sein, um den solcherart umgarnten Konsumenten nicht zur Ruhe kommen zu lassen.

Ganz neu und in seiner Abartigkeit fast schon wieder konsequent ist nun die Idee einer amerikanischen Firma, sein eigenes Haus komplett rundherum mit einer Riesenreklame bekleben zu lassen – dafür übernimmt das Unternehmen dann 3 bis 12 Monate lang die Ratenzahlung. Wie scheiße das aussieht, könnt Ihr nebenstehend sehen – das quietschebunte Disneyland ist ein Dreck dagegen.

Und in „Ads That Pay Your Mortgage, Then Rob Your Neighbors“ drückt der PAC-Blog ebenfalls seine Abscheu aus und führt nicht zuletzt an, dass durch diese Monstrosität vielleicht der eine Hausbesitzer eine Weile seine Raten zahlen kann, dafür aber der Wert aller Nachbargrundstücke & -gebäude deutlich in den Keller geht, weil man so einen Anblick nicht ertragen kann. Man stelle sich einmal vor, wie eine dieser Vorstädte wohl aussähe, wenn nicht nur einer, sondern alle Hausbesitzer ihre Fassaden für den schnöden Kommerz hergäben – Augenkrebs und permanente innere Aufruhr (weil man sein Auge nicht mehr in Ruhe schweifen lassen kann) wären sicher eine der Folgen. Wollen wir mal hoffen, dass nicht jeder blöde Trend aus den Staaten auch nach Europa schwappt!

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Kommentare: 9 | Kommerz,Reklame | Schlagwörter: , , , |

9 Kommentare »

  • Lars

    Hi Peter,

    vielleicht für Dich und andere interessant:

    Banksy – Exit through the Gift Shop
    17.5., 23:25 Uhr, Bayern Fernsehen

    Nicht dass ich einen Fernseher habe, aber die gute Sendung pro Woche kann man sich ja im Netz aufnehmen.

    Gruß, L.

    Comment | 17. Mai 2011
  • Capt. Jacob

    Typisch Spießbürger! Eine Schande einem vorzuschreiben wie er sein Haus gestalten soll! Es gibt genügend Autos mit Farben die einem das Augenlicht rauben und Leute, bei deren Anblick einem die Augen tränen! Soll dem auch Vorschriften gemacht werden? Wer einen Aussehen nicht ertragen kann, schließe einfach die Augen oder schaue weg!

    Comment | 17. Mai 2011
  • ??? Verstehe Deinen Kommentar nicht so recht – es geht nicht ums Vorschreiben, sondern darum, dass Leute animiert werden, ihre Häuser mit hässlicher Kommerzpropaganda vollzupflastern, auf dass alle anderen in der Umgebung genervt sind.

    “Wer einen Aussehen nicht ertragen kann, schließe einfach die Augen oder schaue weg!”

    Äh, ja, super Idee, wenn das Nachbarhaus grell zugepflastert wird (= optische Umweltverschmutzung) und man es den ganzen Tag sieht. Vermutlich hast Du dann auch nichts dagegen, wenn Deine Nachbarn in der Wohnung nebenan den ganzen Tag Lärm machen – Du kannst ja weghören!

    Comment | 17. Mai 2011
  • Wasabi

    wenn man wegguckt,sieht man die Reklame an der Bushaltestelle. Oder die Reklame am Bus,an der Bahn,an der Litfaßsäule,an der Plakatwand oder auf Autos.

    Comment | 17. Mai 2011
  • Einen schöne guten Tag alle miteinander!

    Kann sowas auch schon seit längerem unmittelbar in meiner nähebeobachten, dieses Prinzip der Kommerzpropaganda gibt es schon seit Jahrzenten und wurde unter anderem auch schon auf Autos angewandt. Kurz vor Rostock beispielsweis, führt eine Abfahrt auf der Autobahn zu einer “Globus” Konsumhölle.
    An der Kreuzung der Bundesstraße ist dann ein 2-Stöckiges Einfamilienwohnhaus zu sehen dessen gesamte Seitenwand (zur Straße ausgerichtet) mit Orangeschillernder Globus Werbung die gegend verseucht und zudem die Autofahrer von der Straße ablenkt.
    Da wünscht man sich doch in São Paulo zu wohnen.

    Ahoi!

    Comment | 17. Mai 2011
  • Ziemlich gängig in Indien, dort ist jedes noch so kleine Dorf (zumindest die mit Straßenanschluss) mit Handywerbung zugepflastert. Meistens auch handbemalte Häuser.

    Comment | 17. Mai 2011
  • So’ne Folie, geklebt auf die Holzhüttchen, deren Verschwinden sog. Sendungen des tagesaktuellen Programms die dt. Anstalten bei leichtem Wind in Florida bedauern, wäre hilfreich. Ersparte sie doch.
    a)das Zusammenklappen der Schrotthütten dort
    b)die mitleidserheischenden Berichte darüber, während in Bangladesh täglich welche absaufen, weil die Amis zu blöd zum Bauen sind und daher nach jeder Saison einen neuen Wald killen (müssen, egal wo!)
    c)gut, Folien sind aus Öl, aber das würde jetzt für …na.. einen Friedensnobelheini und seine Schäfchen zu weit führen. Er hat ja noch Alaska. Und datt is schon kaputt. Datt Meer da.
    d) kann man solche Folien auch auf Reli_ Freaks kleben? Das hülfe sehr!

    Comment | 17. Mai 2011
  • Vogel

    Moin Peter,

    Wollen wir mal hoffen, dass nicht jeder blöde Trend aus den Staaten auch nach Europa schwappt!

    , bist Du umgezogen? Wohnst jetzt auf dem Mond? “Von Amerika lernen heißt siegen lernen!” *grrrh*

    Comment | 17. Mai 2011
  • Besucher01

    Lebensqualität scheint dort ein Fremdwort zu sein. Es ist schon fast Luxus nicht berieselt und belästigt zu werden. In den USA gehört das aber zur “Kultur”. Ist also hier nicht denkbar. Nicht in dieser Form.

    Comment | 18. Mai 2011

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