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Lesetipps: Börsenberichterstattungselend | Geld ohne Banken | Fei Lun | Nano in Sonnencremes

© OmirOnia, stock.xchng [1]Na, habt Ihr in den letzten Tagen fingernägelkauend, schweißnass und voller Angst die Talfahrt der internationalen Börsenkurse verfolgt? Oder gar den entsprechenden medialen Rummel im Fernsehen in Euer Leben gelassen? Gut so wenn nicht, würde ich mal behaupten. Denn was mich an der „Börsenberichterstattung“ schon früher immer gewundert bis verärgert hat ist, dass sich die Journalisten hinstellen und so tun, als wenn die Kursbewegungen fundamentale, rationale, zum Teil technische Gründe hätten – oder maximal psychologische (Panik, Gier). Dass aber einfach von vielen Marktteilnehmer herumgezockt wird, dass die Kursschwankungen mit dem Unternehmen und deren Wirtschaften nur in schwacher Korrelation stehen, dass Daytrader und Hedgefonds Kurse bewusst im Laufe eines Tages mal in die eine, mal in die andere Richtung treiben, das bleibt zumeist unerwähnt. Es soll die Illusion des Wirtschaftslebens als rationaler Hort der Vernunft aufrecht erhalten werden – und genauso die Illusion, dass die Börsenkurse ein Spiegelbild der Wirtschaft wären und deshalb wichtig für jeden einzelnen Bürger. (Das stimmt nur insoweit, als dass viele Menschen über Rentenversicherungen etc. indirekt auch am Aktienmarkt beteiligt sind.) Ähnliche Gedanken machten sich auch die NachDenkSeiten – „Das Elend des Wirtschaftsjournalismus findet in der Börsenberichterstattung seine Vollendung [2]“:

(…) Die Börsenberichterstatter wissen auch bei dem jetzt ablaufenden Börsengeschehen seltsamerweise genau, was die Ursachen sind:
„Konjunkturangst lässt Kurse stürzen“, „Anleger fürchten einen Kollaps der Konjunktur“, sie sind unsicher wegen der Schuldenkrise usw. Dass die Sorge um die Konjunktur möglicherweise nur der unmittelbare Anlass dafür war, dass die Spekulation auf sinkende Kurse einsetzt, lesen wir nicht. Würden uns die Berichterstatter über die Entwicklung der Aktienkurse im Zeitablauf unterrichten, dann könnten sie die gravierende Bedeutung der Spekulation für die Entwicklung an den Börsen nicht übersehen. (…)

Zwischen 1995 und im Jahr 2001 zum Beispiel gab es keine konjunkturelle Entwicklung, die die Vervierfachung der Kurse rechtfertigt. Genauso wenig danach die Reduzierung der Kurse. Auch die Hausse von 2004 bis zum Jahr 2008 ist keineswegs durch die wirtschaftliche Entwicklung bewirkt. – Wann endlich lernen Wirtschaftsjournalisten, dass die Aktienmärkte vor allem von der Spekulation getrieben werden und deshalb auch das Steigen und das Sinken de Kurse volkswirtschaftlich ziemlich irrelevant ist.
Wenn man die volkswirtschaftliche Irrelevanz der Kursentwicklung begriffen hat und wenn man zusätzlich in Rechnung stellt, welche gefährlichen Signale von den gewaltigen spekulativen Ausschlägen ausgehen können, dann muss man aus volkswirtschaftlichen Gründen dringend die Bedeutung des Börsengeschehens reduzieren. Urban Priol äußerte im Gespräch dazu einmal eine passende Idee: Macht die Börsen einmal im Monat auf! Das reicht. (…)

Nachtrag: Auch der aktuelle Artikel der NDS, „Die Märkte, Die Märkte, Die Märkte – der Blick in die deutschen Medien bringt nur noch Verwirrung [3]“ ist sehr zu empfehlen, wird dort das Märchen von den rationalen Aktienkursen weiter entzaubert.

Bleiben wir noch einen Moment im Bereich der Finanzen – Kritik an den Banken und deren Geldschöpfung mit nur wenig realen Gegenwert hat es in den vergangenen Jahren vermehrt gegeben, und das aus den verschiedensten Richtungen: von rechtsgerichteten Verschwörungstheoretikern, von Goldfreaks, aber auch aus dem linken Lager und vielen anderen. Und auch in meinem Blog habe ich sowohl das Treibem der Großbanken wie auch die Schwächen des Geldsystems des Öfteren angesprochen. Zaghaft keimende Initiativen wie diverse Regionalgeldwährungen oder Tauschringe versuchen, den Teufelskreis aus Geldschöpfung und Zinsen aufzuhalten oder zu durchbrechen, aber (natürlich) bislang ohne nennenswerte Auswirkungen auf den Weltenlauf. Aber es beginnt sich immer öfter, etwas zu bewegen. So gibt es im September von Strategie kompakt den nächsten Teil der Vortrags-/Diskussionsreihe „(Genug) Geld ohne Banken [4]“, der sich vor allem auch an Mittelständler wendet, da das derzeitige System primär den Großunternehmen und den Allerreichsten dient:

(…) Wenn aber etwas so Elementares wie das Geld selber so fragwürdig geworden ist, sich als so fragil erwiesen hat, dann ist die Zeit gekommen sich mit dem Wesen dieses  Geldes intensiv zu befassen:

Um zu verstehen, was da geschehen ist und weiterhin geschieht.
Um zu begreifen, dass Geld eine Konstruktion menschlichen Gemeinwesens ist.
Um eine Vorstellung davon zu bekommen, dass die Einzelnen als Marktteilnehmer erheblich mehr Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten auf die von Ihnen genutzten Geldwährungen haben als bislang angenommen.
Und um zu sehen, welche erfolgreichen Währungsexperimente es derzeit schon weltweit gibt, die eigenen Lebensangelegenheiten und Interessen wieder selber in die Hand zu nehmen.

Für mittelständische Unternehmen heißt das vor allem Liquiditätsversorgung. Geht so etwas ohne Banken? Gibt es andere Wege gemeinsamer unternehmerischer Eigeninitiative, die für alle Beteiligten ganz neue Möglichkeiten erschaffen?

Wie wollen uns an diesem Abend erste Fragen dieser und ähnlicher Art stellen. Dabei werden wir zunächst tiefer in das Phänomen „Geld“ eindringen. Gerade die gewohnten „Selbstverständlichkeiten“ bergen mitunter die seltsamsten Dinge. Und genau dort liegen die Chancen für anders geartete konkrete Handlungsansätze. (…)

Auf der Strategie-Kompakt-Seite findet sich auch ein interessanter Artikel über das chinesische Kreditsystem, das es seit 12.000 Jahren gibt und erst in der Neuzeit langsam von dem westlichen verdrängt wird – „Fei Lun – Das älteste Währungssystem der Welt [5]“ (pdf).

Zum Abschluss noch etwas ganz anderes – über die unerforschten Risiken der Gentechnik, in Verbindung mit den öknomischen Abhängigkeitsverhältnissen, die aus dieser für uns alle erwachsen, wurde ja allerorten schon berichtet. Die sogenannte Nanotechnik hingegen hat sich bislang oft unter dem Radar weiterentwickeln können und wird nun zunehmend auch in Produkten des Alltags verwendet. Allerdings wiederum ohne die zukünftigen Auswirkungen vollends erforscht zu haben. Aus dem Grund ruft Greenpeace auch zu einer Onlinepetition auf, die sich an die großen Drogeriemarktketten wendet, die Sonenncremes mit Nano-Partikeln verkauft – „Gegen Nano in Sonnencremen [6]“:

Sonnenschutz geht unter die Haut, und das buchstäblich.

Grund dafür ist der Schutz gegen die schädlichen UV-Strahlen. Dieser wird in Sonnencremen entweder durch chemische oder mineralische Stoffe (Nano-Titandioxid oder Nano-Zinkoxid) erzielt. Klingt zumindest teilweise natürlich und ungefährlich. Doch der Teufel steckt im kleinsten Detail. Denn während bereits allgemein bekannt ist, dass chemische Stoffe auch Nebenwirkungen haben, sind die Folgen des Gebrauchs von Mineralien in Nanogröße noch gar nicht erforscht.

Welche Auswirkungen der Einsatz von Nano-Titandioxid auf Kinderhaut oder auf die Haut von SeniorInnen hat, ist völlig unbekannt. Ebenso, ob Nanopartikel nicht über kleine Risse in der Haut eindringen können. Derzeit führen die großen Konzerne mit uns KonsumentInnen, also ohne unser Wissen, Langzeitversuche durch und verdienen damit auch noch Geld. Damit muss endlich Schluss sein!

Was kann ich tun?

Protestieren Sie bei Herstellern und Händlern gegen den Einsatz von Nanomaterialien in Sonnencremen.
Zur Online-Petition [7]

Informieren Sie sich mit dem Nanotechnologie-Ratgeber über Sonnencremen. Geben Sie die Informationen auch Ihrer Familie, FreundInnen und ArbeitskollegInnen weiter.
Zum Nanotechnologie-Ratgeber [8]

Auf marktcheck.at haben wir einen Produktcheck von 18 Sonnencremen veröffentlicht. Ebenso finden Sie dort weiterführende Infos für KonsumentInnen.
Zum Produktcheck auf marktcheck.at [9]

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit zum Thema Nanotechnologie mit einer Spende. Nur so können wir längerfristig Druck auf die Kosmetikindustrie und Händler ausüben.
Zur Online-Spende [10]

Rufen Sie bei den Produzenten und Händlern direkt an!
Stellen Sie Fragen und machen Sie klar, dass Sie kein Nano in Ihrer Sonnencreme haben wollen.

  • Rewe (Bipa): 02236/6000
  • Hofer: 07244 8000 1101
  • Müller: 0049 731 1740
  • Schlecker: 07229 8470 bzw 0820 001124
  • Spar: 0062 44700
  • DM: 0800 – 365 86 33

In ersten Stellungnahmen [11] verstecken sich die meisten Einzelhändler hinter wenigen Studien, die sie offensichtlich selber nicht gelesen [12] haben. Die positive Ausnahme ist DM.

Greenpeace fordert

  • Wir fordern die Einzelhändler auf, den Verkauf von Produkten mit Nanotechnologie einzustellen!
  • Wir fordern die Kosmetikindustrie auf, die Langzeitstudie an uns KonsumentInnen sofort zu beenden!
  • Wir fordern eine Produktkennzeichnung, die den Namen tatsächlich verdient. Solange es keine gesetzliche Regelung dazu gibt, fordern wir den Handel auf, für eine Kennzeichnung zu sorgen, die KonsumentInnen dazu befähigt, eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen!
  • Wir fordern Gesundheitsminister Alois Stöger auf, mehr Geld in unabhängige Forschung zu investieren!
  • Greenpeace tritt gegen Nanotechnologie in Lebensmitteln, Verpackungen von Lebensmitteln und Kosmetikprodukten ein.

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